Gault-Millau

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Gault&Millau Deutschland 2018

Der Gault-Millau/Gault&Millau ist ein nach seinen Herausgebern/Gründern Henri Gault (1929–2000) und Christian Millau (1928–2017) benannter Restaurantführer. Er gilt neben dem Guide Michelin als der einflussreichste Restaurantführer französischen Ursprungs. Er vergibt die Gault-Millau-Kochmützen, die neben den Michelin Sternen begehrteste Auszeichnung der Haute Cuisine. Im Gegensatz zum Guide Michelin beschränkt sich der Gault-Millau nicht auf eine Auflistung empfehlenswerter Gaststätten mit Kurzbeschreibungen, sondern bietet ein Punktesystem und ausführliche Restaurantbesprechungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gault Millau wurde 1969 in Frankreich von den Journalisten Henri Gault und Christian Millau gegründet. Der erste Gault Millau Österreich erschien 1980[1], die erste Schweizer Ausgabe 1982, die erste deutsche Version 1983. Die deutschsprachigen Ausgaben wurden von Michael Reinartz gegründet, der bis 2005 Herausgeber des Guide Österreich war. 1986 verließ Gault den Gault Millau.[2]

Eigentümerin der Marke Gault Millau ist heute eine Holdinggesellschaft. Im Januar 2019 verkaufte deren bisheriger Inhaber, der Franzose Côme de Chérisey, der zuvor sieben Jahre lang als CEO des Unternehmens tätig gewesen war, seine sämtlichen Anteile an Investoren aus Russland und schied aus der Firma aus. Neuer Direktor wurde Jacques Bally, der zuvor eine leitende Funktion im Unternehmen hatte.[3]

Gault Millau Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gault Millau Deutschland wurde seit 1983 zunächst vom Münchner Christian Verlag GmbH verlegt. 29 Jahre war Manfred Kohnke der Chefredakteur, 2012 übernahm Patricia Bröhm diese Funktion und Kohnke wurde Herausgeber.[4] Im Herbst 2017 übernahm die Münchner ZS Verlag GmbH die Lizenz, Bröhm blieb Chefredakteurin.[5] Ende November 2019 gab ZS bekannt, die Zusammenarbeit mit Gault-Millau zu beenden und stattdessen künftig den deutschen Restaurantführer Gusto herauszugeben. Zur Begründung hieß es unter anderem: „Zum geplanten digitalen Umbau der Marke Gault&Millau fehlte uns [...] in den drei Jahren die erwartete Unterstützung von internationaler Seite.“[6]

Neben dem Restaurantführer wird seit 1993 jährlich der Gault&Millau WeinGuide Deutschland herausgegeben, in dem die besten Weinerzeuger mit bis zu fünf Trauben und ihre Weine nach dem weltweit üblichen 100-Punkte-System bewertet werden.

Im Mai 2020 gab der Medienkonzern Hubert Burda Media bekannt, die Lizenz erworben zu haben. Zugeordnet wurde das Projekt dem Unternehmensbereich BurdaStudios. Chefredakteur und Chef-Tester ist seither Christoph Wirtz. Die Leitung eines neu gegründeten Experten-Beirats hat Otto Geisel übernommen. Geplant sei eine Weiterentwicklung der Marke mit neuen Angeboten auch in den Bereichen Magazin, Online und Bewegtbild, unter anderem auf dem eigenen Food-Sender BonGusto.[7]

Restaurantguide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gault-Millau urteilt nach dem französischen Schulnotensystem von 0 bis 20 Punkten. Tatsächlich vergeben werden Noten ab 11 Punkten (für „durchschnittliche Küche“) bis hin zu 19,5 Punkten als „Höchstnote für die weltbesten Restaurants“. Die eigentliche Höchstnote 20 wird im deutschsprachigen Raum – ganz im Sinn der Gründer Gault und Millau – nicht vergeben, weil nach deren Überzeugung nur der liebe Gott, aber kein Mensch Vollkommenheit feststellen könne. In der Geschichte des Gault&Millau wurde die Höchstnote von 20 Punkten bisher zweimal vergeben: an das Restaurant des Franzosen Marc Veyrat und das Restaurant des Niederländers Sergio Herman (heute werden die beiden Restaurants von diesen Köchen nicht mehr geführt).

Neben den Punkten werden Kochmützen (in Österreich „Hauben“ genannt) vergeben; bei 13 und 14 Punkten erhält das Restaurant eine Mütze, bei 15 und 16 Punkten zwei, bei 17 und 18 Punkten drei und ab 19 Punkten vier Mützen. In Österreich wird ein im Gault-Millau ausgezeichneter Koch „Haubenkoch“ genannt. Diese Bezeichnung hat dort im allgemeinen Sprachgebrauch einen ähnlichen Stellenwert wie die in Deutschland verbreitete Bezeichnung „Sternekoch“ für einen Koch, der mindestens einen Michelin-Stern erhalten hat.

Die vergebenen Punkte (und gegebenenfalls Kochmützen) würdigen ausschließlich die Köche und ihre Küchenleistungen. Der Service, das Ambiente und die Weinkultur des Restaurants werden im Text beschrieben. Dieser ist der journalistischen Darstellungsform der Kritik zuzuordnen und kann durchaus auch ein Verriss sein.

Weinguide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 erscheint jährlich der Gault&Millau Weinguide Deutschland. Gegründet wurde er von Joel Payne und Armin Diel. Bis 2009 fungierten die beiden als Co-Chefredakteure; Joel Payne in dieser Funktion bis inklusive der 2016er Ausgabe. Mit dem Wechsel der Lizenz zur Münchner ZS Verlag GmbH übernahm 2017 die Journalistin und Weinexpertin Britta Wiegelmann die Chefredaktion und besetzte das Team fast komplett neu. Zum Verkostungsteam zählen hochkarätige Fachleute wie Master of Wine Janek Schumann, der erste vereidigte Weinsachverständige Deutschlands Otto Geisel oder die vielfach ausgezeichnete Sommelière Natalie Lumpp. Für die 2018er Ausgabe begutachtete und bewertete das Team mehr als 11.000 Weine. Insgesamt schafften es 965 von 1034 Betrieben ins Buch. Die Höchstwertung für Weingüter beträgt fünf Trauben, sie steht für die Auszeichnung „Weltklasse“. Aktuell umfasst diese Kategorie 18 Betriebe. Weine können maximal 100 Punkte erreichen. In der 2018er Ausgabe wurde diese Spitzennote erstmals für drei trockene Weine vergeben.

Koch des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1988 wird von Gault-Millau Deutschland der Koch des Jahres gewählt und bereits seit 1983 von Gault-Millau Österreich. Preisträger waren seitdem:

Jahr Deutschland Österreich Schweiz
1983 Lisl Wagner-Bacher
1985 Werner Matt
1986 Alfred Süssenbacher
1988 Dieter Müller Helmut Österreicher André Jaeger
1989 Alfons Schuhbeck Karl Obauer, Rudolf Obauer Gérard Rabaey
1990 Albert Bouley Sissy Sonnleitner
1991 Harald Wohlfahrt Ewald Plachutta Agnes Amberg
1992 Josef Viehhauser Harald Fritzer
1993 Siegfried Rockendorf Reinhard Gerer
1994 Dieter L. Kaufmann Franz Fuiko Peter Moser
1995 Hans Haas Walter Eselböck André Jaeger
1996 Fritz Schilling Johanna Maier
1997 Johann Lafer Heinz Hanner Judith Baumann
1998 Helmut Thieltges Heino Huber Horst Petermann
1999 Günter Scherrer Jörg Wörther Philippe Rochat
2000 Hans Stefan Steinheuer Martin Sieberer Hans-Peter Hussong
2001 Matthias Buchholz Klaus Fleischhaker Martin Dalsass
2002 Thomas Martin Christian Petz Philippe Chevrier
2003 Joachim Wissler Josef Trippolt sen. und Josef Trippolt jun. Beat Bolliger
2004 Sven Elverfeld Gerhard Fuchs Gérard Rabaey
2005 Christian Scharrer Alexander Fankhauser Robert Speth
2006 Thomas Bühner Leonard Cernko Didier de Courten
2007 Tim Raue Joachim Gradwohl Markus Neff
2008 Klaus Erfort Thorsten Probost Andreas Caminada
2009 Nils Henkel Thomas Dorfer Dominique Gauthier
2010 Wahabi Nouri Andreas Döllerer Andreas Caminada
2011 Mario Lohninger Günter Lampert Peter Knogl
2012 Andree Köthe Bobby Bräuer[8] Franz Wiget
2013 Christian Jürgens Benoît Violier[9]
2014 Daniel Achilles Silvio Nickol[10] Tanja Grandits[11]
2015 Christoph Rüffer[12] Richard Rauch[13] Peter Knogl[14]
2016 Peter Maria Schnurr[15] Konstantin Filippou[16] Nenad Mlinarevic[17]
2017 Andreas Krolik Heinz Reitbauer (Koch des Jahrzehnts 2006–2016) Rico Zandonella
2018 Christian Bau Markus Mraz Franck Giovannini
2019 Johannes King und Jan-Philipp Berner[18] Benjamin Parth[19] Heiko Nieder[20]
2020 Tohru Nakamura[21] Hubert Wallner[22] Tanja Grandits[23]

Winzer des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007 Theo Haart/Mosel
  • 2008 Bernhard Huber/Baden
  • 2009 Knipser/Pfalz
  • 2010 Tim Fröhlich/Nahe
  • 2011 Johannes Leitz/Rheingau
  • 2012 Matthias Müller/Mittelrhein
  • 2013 Joachim Heger/Baden
  • 2014 Philipp Wittmann/Rheinhessen
  • 2015 Thomas Haag/Mosel
  • 2016 Peter Jakob Kühn/Rheingau
  • 2017 Hans-Joachim und Dorothee Zilliken/Mosel
  • 2018 Horst und Sandra Sauer/Franken
  • 2019 Fritz Keller und Friedrich Keller/Baden
  • 2020 Mathieu Kauffmann

Aufsteiger des Jahres Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007 Schnaitmann/Württemberg
  • 2008 Adeneuer/Ahr
  • 2009 Wagner-Stempel/Rheinhessen
  • 2010 von Gleichenstein/Baden
  • 2011 Kuhn/Pfalz
  • 2012 von Winning/Pfalz
  • 2013 Karsten Peter/Nahe
  • 2014 Chat Sauvage/Rheingau
  • 2015 Graf Neipperg/Württemberg
  • 2016 Familie Luckert/Franken
  • 2017 Jakob Schneider jun./Nahe
  • 2018 Stefan Lergenmüller/Rheingau
  • 2019 Albert Behler/Mosel
  • 2020 Matthias und Philipp Corvers/Rheingau

Entdeckung des Jahres Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007 Ziereisen/Baden
  • 2008 Trenz/Rheingau
  • 2009 Alexander Laible/Baden
  • 2010 Vollmer/Rheinhessen
  • 2011 Augustin/Franken
  • 2012 Weingärtner Cleebronn-Güglingen/ Württemberg
  • 2013 Josten & Klein/Mittelrhein
  • 2014 Alte Grafschaft/Franken
  • 2015 Sektmanufaktur Strauch/Rheinhessen
  • 2016 Hans Erich Dausch/Pfalz
  • 2017 Julia Bertram/Ahr
  • 2018 Stefan Müller/Mosel
  • 2019 Simone Adams/Rheinhessen
  • 2020 Philipp Kettern und Daniel Niepoort/Mosel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschämtes Kalbshirn, in: Der Spiegel, Nr. 51/1982, S. 179–180 (Digitalisat via Der Spiegel, PDF-Datei, 0,2 MB), hier S. 180.
  2. wdr.de: 04. November 2009 – Vor 80 Jahren: Henri Gault wird geboren
  3. Russische Investoren übernehmen Gault Millau, Online-Ausgabe der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, 10. Januar 2019, abgerufen am 12. Januar 2019.
  4. Patricia Bröhm, abgerufen am 4. April 2012.
  5. Deutsche Gault&Millau Guides kommen in neue Hände. Abgerufen am 22. August 2020.
  6. Kein Gault&Millau mehr beim ZS Verlag. Abgerufen am 22. August 2020.
  7. Berthold Heidbüchel: Burda übernimmt Gault&Millau-Lizenz. In: Unternehmenswebsite von Hubert Burda Media. Hubert Burda Media, 14. Mai 2020, abgerufen am 19. Juli 2020.
  8. Bobby Bräuer Koch des Jahres 2012 (Memento vom 13. September 2012 im Webarchiv archive.today)
  9. 19 Punkte! Benoît Violier ist «Koch des Jahres 2013». GaultMillau Schweiz, Schweizer Illustrierte, 8. Oktober 2012, abgerufen am 31. Oktober 2018.
  10. Der Koch des Jahres heißt Silvio Nickol. GaultMillau Österreich, abgerufen am 18. November 2013.
  11. 18 Punkte! Tanja Grandits ist «Koch des Jahres 2014». GaultMillau Schweiz, Schweizer Illustrierte, 7. Oktober 2013, abgerufen am 18. November 2013.
  12. faz.net: Der Restaurantführer „Gault Millau“ kürt die Spitzenköche Deutschlands...
  13. kleinezeitung.at: Ein Steirer Koch des Jahres (Memento vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive)
  14. nzz.ch: Die Schweiz hat einen neuen 19-Punkte-Koch
  15. mdr.de: Leipziger Küchenchef ist "Koch des Jahres" (Memento vom 14. Juni 2016 im Internet Archive)
  16. ahgz.de: Konstantin Alexander Filippou ist Koch des Jahres 2016
  17. restaurant-news.de: Koch des Jahres 2016 ist Nenad Nlinarevic (Memento vom 12. Oktober 2015 im Internet Archive)
  18. "Gault&Millau"-Auszeichnung. Deutschlands beste Köche servieren auf Sylt. In: Spiegel Online, 11. November 2018, abgerufen am 11. November 2018.
  19. Benjamin Parth ist „Koch des Jahres“. In: orf.at, 15. September 2018, abgerufen am 15. September 2018.
  20. Restaurantkritik. Gault Millau Schweiz kürt Heiko Nieder zum Koch des Jahres In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung, 8. Oktober 2018, abgerufen am 11. November 2018.
  21. Tohru Nakamura ist "Koch des Jahres". Abgerufen am 15. Mai 2020.
  22. Hubert Wallner ist Koch des Jahres. Abgerufen am 15. Mai 2020.
  23. Gault&Millau: Tanja Grandits ist Köchin des Jahres. Abgerufen am 15. Mai 2020.