Gaustadt

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Gaustadt
Stadt Bamberg
Koordinaten: 49° 54′ 16″ N, 10° 51′ 21″ O
Höhe: 244 m ü. NN
Einwohner: 6771 (31. Dez. 2020)
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahlen: 96049, 96047
Vorwahl: 0951
Frühere Schule und späteres Rathaus an der Ortsdurchfahrt

Gaustadt liegt an der Regnitz und ist ein westlicher Stadtteil der oberfränkischen Stadt Bamberg in Bayern, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich von Gaustadt liegt Bischberg, im Norden erstreckt sich Hallstadt und im Süden wird der Stadtteil vom Michelsberger Wald umschlossen, benannt nach dem Kloster Michelsberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stifter des sogenannten Erchanbrecht- oder Erkenbertguts in Gaustadt war nach dem Nekrolog des Klosters Michelsberg der Priester Erkenbertus vom Kollegiatstift St. Jakob Bamberg.

Das Kollegiatstift St. Jakob wurde nach den Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg 1071–1072 unter Bischof Hermann gegründet und mit 25 Kanonikern besetzt. Im Sommer 1072 wurden die Kanoniker entfernt und der Ort mit allen Zugehörungen dem Abt Egbert von St. Michael zur Einführung der Mönchsregel übergeben. Das bedeutet, dass die Stiftung 1071/1072 erfolgte und Gaustadt damit erstmals urkundlich erwähnt wurde. Erkenbertus wurde am 22. März 1087 als Teilnehmer an der Synode der Bamberger Kirche und als Domherr von Bamberg erwähnt. Papst Innozenz IV. bestätigte 1251 die Besitzungen des Klosters Michelsberg, darunter auch Gaustadt.

Am 1. Juli 1972 wurde die damals größte Gemeinde des Landkreises Bamberg trotz der einundneunzigprozentigen Ablehnung durch die Bevölkerung bei einer Volksabstimmung im Rahmen der Gemeindegebietsreform in die Stadt Bamberg eingemeindet.[1]

Der traditionelle Ortskern Gaustadts lag im Bereich rund um die Kapelle St. Sebastian und ist heute noch an den kleinen, verwinkelten Gassen in diesem Bereich erkennbar. Umgeben war Gaustadt zu dieser Zeit von Feldern, die zu den vielen Gaustadter Bauernhöfen gehörten. Die Ortsgrenze zu Bamberg lag dadurch ursprünglich etwa einen Kilometer weit vom eigentlichen Ort entfernt. Infolge der Errichtung der ERBA an der Gemeindegrenze zu Bamberg gegen Ende des 19. Jahrhunderts, stieg die Nachfrage nach Wohnraum in Gaustadt stark an. So entwickelte sich zunächst der Bereich entlang der Hauptstraße in Richtung Bamberg, geprägt durch die Wohnhäuser des Fabrikbaus, sehr stark. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden zunehmend die Felder der ehemaligen Bauernhöfe, vor allem des Cherbonhofes (ehemals großer Hof im Osten Gaustadts), bebaut. Der Ort breitete sich dadurch zunächst im Bereich oberhalb der heutigen Pfarrkirche St. Josef bis hin zum Michaelsberger Wald im Süden und der Grenze zu Bamberg im Osten aus. Die ehemaligen Felder, auf denen sich heute die Ortsmitte befindet, sind teilweise noch an den Straßennamen zu erkennen (so wurde aus dem „Stammfeld“ die Stammfeldstraße, aus der „Sturz“ die Sturzstraße und aus der „Höhe“ die Höhenstraße). Der Westen wurde durch Bebauung des Gebietes rund um das sogenannte „Eichhorn“ westlich des Sylvanersees erschlossen.

Heute ist der Übergang von Gaustadt nach Bamberg fließend, die Ortsgrenze ist nur noch am Ortsschild am Ende der Gaustadter Hauptstraße zu erkennen. Die letzten großen Neubaugebiete Gaustadts waren die „Ökosiedlung“ unterhalb des Bamberger Wegs und die „Siedlung am Ochsenanger“. Seit Ende der Landesgartenschau Bamberg 2012 entstanden im Backsteinbau und auf dem Areal der ehemaligen ERBA neue Wohneinheiten. Ein weiteres großes Neubaugebiet entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei, oberhalb des Gaustadter Friedhofs. Das ehemalige Gemeindegebiet Gaustadts ist damit weitestgehend durch Wohnbebauung erschlossen. Nur noch vereinzelte Baulücken sind vorhanden. Um der gleichbleibend hohen Nachfrage nach Wohnraum nachzukommen, gab es zuletzt Überlegungen über ein neues Wohngebiet zwischen dem Rothofer Weg und dem Ziegelhüttenweg südlich der Vogt- und Krötleinstraße.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1721 177
1760 202
1805 340
1879 1450
1910 2612
1925 2483
1933 2811
1939 3117
1946 3508
1950 3935
Jahr Einwohner
1960 4673
1970 5632
01.07.1972 5628
31.12.1980 5389
31.12.1987 5423
31.12.1988 5694
31.12.1989 6005
31.12.1990 6127
31.12.1991 6225
31.12.1992 6287
Jahr Einwohner
31.12.1993 6256
31.12.1994 6217
31.12.1995 6229
31.12.1996 6348
31.12.1997 6410
31.12.1998 6385
31.12.1999 6276
31.12.2000 6311
31.12.2001 6266
31.12.2002 6243
Jahr Einwohner
31.12.2003 6149
31.12.2004 6202
31.12.2005 6071
31.12.2006 5902
31.12.2007 5835
31.12.2008 5807
31.12.2009 5753
31.12.2010 5722
31.12.2011 5765
31.12.2012 5917
Jahr Einwohner
31.12.2013 5975
31.12.2014 5949
31.12.2015 5939
31.12.2016 6122
31.12.2017 6434
31.12.2018 6479
31.12.2019 6637
31.12.2020 6771

Durch den Entwicklungsschub der Planungen für die Landesgartenschau 2012 und die anschließende Wohnbebauung und Universitätsansiedlung der ERBA-Insel (dieser neue Ortsteil von Gaustadt hatte am 31. Dezember 2019 893 Einwohner) kam es ab 2011 wieder zu einer Steigerung der Einwohnerzahl. Zum 31. Dezember 2020 erreichte Gaustadt somit seine höchste Einwohnerzahl in der Geschichte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gründung der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei Bamberg im Jahre 1858, umgangssprachlich „Spinnerei“, später auch „ERBA“ (Erlangen-Bamberg) genannt, veränderte sich das Aussehen des ländlich geprägten Gaustadts und das Leben seiner Bewohner nachhaltig. Das ursprüngliche Klosterdorf entwickelte sich rasant zu einer Industrie- und Arbeitergemeinde. Mit dem Konkurs der ERBA AG 1993/1994 verlor Gaustadt seinen größten Arbeitgeber und seine wirtschaftliche Bedeutung in der Region. Auf dem Industriegelände entstand der Nordpark, dort fand die Landesgartenschau Bamberg 2012 statt. Noch vor dem Wintersemester 2012/13 bezog die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ihren neuen Standort auf der ERBA-Insel.

Die derzeit größten Arbeitgeber Gaustadts sind das Unternehmen Rudolf Zimmermann, Bamberg GmbH, das Leuchten aller Art herstellt, mit ca. 350 und die Brauerei Kaiserdom mit ca. 60 Beschäftigten. Mit der Gasthausbrauerei Kronprinz gibt es seit 2016 eine zweite Braustätte im Stadtteil.

Gaustadt erfuhr Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre eine weitere Veränderung und Vitalisierung durch die Erschließung und Bebauung des Cherbonhofviertels mit Ökosiedlungen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister von 1945 bis 1972:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Josef, erbaut 1899–1906 mit neugotischer Ausstattung
  • Fischerhof, Erholungsstätte der Mönche des Klosters Michelsberg in Bamberg
  • Kapelle St. Sebastian, erbaut 1808 als erster Kirchenneubau Nordbayerns nach der Säkularisation
  • Pestmarter
  • Cherbonhof (ab 1820 im Besitz der Edlen von Weling und ihrer Nachkommen)
  • Kriegerdenkmal, 1922 von Hans Leitherer, Bamberg (mit A. Seidlein)

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die römisch-katholische Pfarrei St. Josef, mit regelmäßigen Gottesdiensten der portugiesischen Mission Nürnberg, zählt ca. 3920 Katholiken mit Erstwohnsitz und bildet mit der Pfarrei St. Martin in der Stadtmitte sowie St. Josef im Hain den Seelsorgebereich St. Martin und St. Josef Bamberg.
  • Die evangelisch-lutherische Kirche St. Matthäus wurde im Jahr 1964 eingeweiht. Sie steht auf einem Gelände, das der Gemeinde von der Familie Wörner geschenkt wurde.
  • Seit dem Jahr 2000 nutzt die ukrainische griechisch-katholische Personalpfarrei St. Nikolaus für die Diözesen Bamberg und Würzburg die ehemalige Altenheimkapelle.
  • Außerdem finden in Gaustadt regelmäßige Gottesdienste der russisch-orthodoxen Gemeinde Nürnberg statt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liederhort 1874 Gaustadt e.V.
  • Männerchor Gaustadt
  • Blaskapelle St. Josef Gaustadt e.V.

Sonstige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerverein Gaustadt e.V.
  • Obst- und Gartenbauverein Gaustadt e.V.
  • Freunde des Gaustadter Freibades e.V. (Förderverein zum Erhalt des Freibades)
  • Kleingartenverein Gaustadt e.V.
  • Associacao Recreativa Portuguesa e.V (Verein der portugiesischen Gemeinde)
  • Ortscaritasverein Gaustadt St. Josef e.V.
  • KDFB – Zweigverein Gaustadt (katholischer deutscher Frauenbund)
  • KJG – Ortsgruppe Gaustadt

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die im Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Zachert (1942–2011), deutscher Kommunal- und Landespolitiker (SPD), Konrektor an der Volksschule Bamberg-Gaustadt

Gaustadter Bildsteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaustadter Bildsteine im Historischen Museum Bamberg

Die drei Bamberger Götzen (Gaustadter Götzen, richtiger: Gaustadter Bildsteine) wurden im Jahr 1858 aus dem Schwemmsand der Regnitz bei Gaustadt geborgen.

Es handelt sich um Skulpturen aus Keuper-Sandstein, der in geologischer Vorzeit im Obermaingebiet abgelagert wurde. Sie sind etwa 1 bis 1,70 m groß. Ihr Alter ist unbekannt, es kann von der Jungsteinzeit bis ins erste nachchristliche Jahrtausend reichen. Demzufolge können die Figuren als heidnische Götzen oder auch als frühchristliche Schöpfungen interpretiert werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 600

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Arneth: Gaustadt. Ein fränkisches Klosterdorf. Druckerei Wilhelm Schramm, Hallstadt 1972.
  • Andreas Sebastian Stenglein: Gaustadt, erstmalige Erwähnung des Ortes. Bamberg 2006.
  • Ingrid Weidner: Nudeln für alle. Die Ökosiedlung „Cherbonhof“ in Bamberg wird zwanzig Jahre alt – ihr Konzept ist heute noch aktuell. In: Süddeutsche Zeitung, 5. September 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gaustadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien