Gawrilowo (Kaliningrad)

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Siedlung
Gawrilowo
Gawaiten (Herzogsrode)

Гаврилово
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Osjorsk
Erste Erwähnung 1530
Frühere Namen Gawaiten,
1938–1945 Herzogsrode
Bevölkerung 385 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 227 804 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 24′ N, 22° 14′ O54.39722222222222.24Koordinaten: 54° 23′ 50″ N, 22° 14′ 24″ O
Gawrilowo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Gawrilowo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Gawrilowo (russisch Гаврилово, deutsch Gawaiten, 1938–1945 Herzogsrode) ist ein Dorf im Südosten der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Osjorsk. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Osjorsk.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gawrilowo liegt am nordwestlichen Rand der Rominter Heide und 16 Kilometer östlich der Rajonhauptstadt Osjorsk (Darkehmen, 1938–1946 Angerapp). Die nächstgrößere Stadt ist die frühere Kreisstadt Gołdap (Goldap) auf polnischem Staatsgebiet und in 13 Kilometern über die Fernstraße von Gussew (Gumbinnen) nach Ełk (Lyck) (Teilstück der ehemaligen deutschen Reichsstraße 132) zu erreichen. Die frühere Reichsstraße 137 von Groß Skaisgirren (1938–1946 Kreuzingen, heute russisch: Bolschakowo) über Goldap nach Suwalki (1938–1946 Sudauen, heute polnisch: Suwałki) führte zehn Kilometer südlich des Dorfes vorbei.

Die frühere Bahnstrecke von Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk) nach Lyck (heute polnisch: Ełk) mit der nächstgelegenen Bahnstation Wikischken (1938–1946 Wiecken, heute russisch: Bagrationowo) existiert nicht mehr. Südöstlich des Ortes fließt die Selezkaja (Gawaite, 1938–1946 Herzogsroder Fließ) vorbei auf ihrem 23 Kilometer langen Weg zur Mündung in die Wika (Wiek), kurz bevor diese die Angrapa (Angerapp) erreicht.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1530 wurde das damals Gawaiten genannte Dorf erstmals urkundlich erwähnt - noch vor der ehemaligen Kreisstadt Goldap. Am 18. März 1874 wurde der Amtsbezirk Gawaiten gebildet, in den neun Landgemeinden eingegliedert waren:

  • Gawaiten, 1938–46 Herzogsrode (heute russisch: Gawrilowo)
  • Gulbenischken, 1938–46 Gulbensee (Oneschskoje)
  • Kurnehnen, 1938–46 Kurnen (Kruglowka)
  • Loyken, 1938–46 Loken (Strelzowo)
  • Maleyken, 1938–46 Maleiken (Nelidowo)
  • Murgischken, 1938–46 Bastental (Melnikowo)
  • Pelludszen, 1936-38 Pelludschen, 1938–46 Pellau (Schilowo)
  • Skarupnen, 1938–46 Hartental (Nowochatka)
  • Stukatschen, 1938–46 Freienfeld (Wostotschnoje).

Im Jahre 1910 zählte Gawaiten 386 Einwohner. Im Ersten Weltkrieg war das Dorf am 19./20. August 1914 einbezogen in die Schlacht bei Gawaiten-Gumbinnen im Vorfeld der Schlacht bei Tannenberg nur wenige Tage später.

In Gawaiten lebten 1933 insgesamt 419 Menschen. Am 16. Juli 1938 wurde es in „Herzogsrode“ umbenannt, und infolgedessen erhielt am 25. Juli 1939 auch der Amtsbezirk Gawaiten den Namen „Amtsbezirk Herzogsrode“. Er gehörte mit den neuen Gemeinden bis 1945 zum Landkreis Goldap im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

Bei seiner Eingliederung in die sowjetische Administration erhielt der Ort im Jahr 1947 den Namen Gawrilowo, der in Russland häufiger vorkommt. Gleichzeitig wurde Gawrilowo Sitz eines Dorfsowjets. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990/91 kamen Russlanddeutsche aus deren östlichen Staaten auch nach Gawrilowo. Hier wurden zwischen 1992 und 1995 mit Spenden aus Deutschland acht Wohnhäuser für sie errichtet. Seit Öffnung des neun Kilometer entfernten Grenzübergangs nach Polen fanden mehrere Dorfbewohner in der Stadt Gołdap eine Betätigung. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat den noch aus dem Ersten Weltkrieg stammenden Soldatenfriedhof instand gesetzt. Im Jahr 2008 wurde Gawrilowo Namensgeber einer Landgemeinde, deren Verwaltungssitz sich aber in Jablonowka befand. Seit deren Auflösung im Jahr 2014 gehört der Ort zum Stadtkreis Osjorsk.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Gawrilowski 1947–2008[Bearbeiten]

Der Dorfsowjet Gawrilowski (ru. Гавриловский сельский Совет, Gawrilowski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[2] Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet Pskowski an den Dorfsowjet Gawrilowski angeschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit die Bezeichnung Dorfbezirk Gawrilowski (ru. Гавриловский сельский округ, Gawrilowski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Gawrilowskoje eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Belinskoje (Белинкое) Kaszemeken/Kaschemeken, 1938–1945:"Kaschen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich um 1980 verlassen.
Bereschki (Бережки) Budszedehlen/Budschedehlen, 1938–1945:"Salzburgerhütte" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Borowitschi (Боровичи) Tautschillen, 1938–1945:"Altentrift" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1980 verlassen.
Dserschinskoje (Дзержинское) Jogelehnen, 1938–1945:"Jürgendorf" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Dworiki (Дворики) Jodszen/Jodschen, 1938–1945:"Schwarzenau" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Gajewo (Гаево) Rödszen/Rödschen, 1938–1945:"Röden" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Gawrilowka (Гавриловка) Szardeningken/Schardeningken, 1938–1945:"Schardingen" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich um 1980 verlassen.
Gawrilowo (Гаврилово) Gawaiten, 1938–1945:"Herzogsrode" Verwaltungssitz
Gribnoje (Грибное) Groblischken[3], 1938–1945:"Ringfelde" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Jablonowka (Яблоновка) Wilhelmsberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet.
Kamaritschi (Камаричи) Der Ort wird seit 1997 geführt. Genaue Ortslage?
Karamyschewo (Карамышево) Pabbeln, Domäne[4] Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Kirpitschnoje (Кирпичное) Jockeln Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Komaritschi (Комаричи) Stumbern, 1938–1945:"Auersfeld" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vermutlich um 1980 verlassen.
Kruglowka (Кругловка) Kurnehnen, 1938–1945:"Kurnen" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Kusnezowo (Кузнецово) Annaberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Malaja Petrowka (Малая Петровка) Jurgaitschen, 1938–1945:"Kleinau" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vermutlich um 1980 verlassen.
Maloje Ischewskoje (Малое Ижевское) Groß Dumbeln, 1938–1945:"Erlensee", und Klein Dumbeln, 1938–1945:"Kräuterwiese" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Maloje Kusnezowo (Малое Кузнецово) Seeberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Maloje Pensenskoje (Малое Пензенское) Gelleszuhnen/Gelleschuhnen, 1938–1945:"Gellenau" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Melnikowo (Мелниково) Murgischken, 1938–1945:"Bastental" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1980 verlassen.
Murawjowo (Муравьёво) Praßlauken, 1938–1945:"Praßfeld" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Nelidowo (Нелидово) Maleyken, 1938–1945:"Maleiken" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Nowgorodskoje (Новгородское) Egglenischken, 1938–1945:"Preußisch Nassau" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Nowochatka (Новохатка) Skarupnen, 1938–1945:"Hartental" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet. Er wurde vor 1976 verlassen.
Nowoselzewo (Новосельцево) Worellen, 1938–1945:"Runden" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1980 verlassen.
Nowo-Slawjanskoje (Ново-Славянское) Königsfelde Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet.
Nowoslawkino (Новославкино) Schaltinnen, 1938–1945:"Quellental" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1990 verlassen.
Oneschskoje (Онежское) Gulbenischken, 1938–1945:"Gulbensee" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Pensenskoje (Пензенское) Dakehnen, 1938–1945:"Daken" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Petrowka (Петровка) Szeeben/Scheeben Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Plawni (Плавни) Plawischken, 1938–1945:"Plauendorf" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Porchowo (Порхово) Zodszen/Zodschen, 1938–1945:"Zoden" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Pskowskoje (Псковское) Friedrichsberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Pskowski.
Rutscheiki (Ручейки) Eszergallen/Eschergallen, 1938–1945:"Tiefenort" Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Sapadnoje (Западное) Groß Gudellen, 1938–1945:"Großguden" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Schatkowo (Шатково) Stonupönen, 1938–1945:"Kaltenbach" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Schelesnodoroschnoje (Железнодорожное) Groß Trakischken, 1938–1945:"Hohenrode" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Schilowo (Шилово) Pelludszen/Pelludschen, 1938–1945:"Pellau" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Schipownikowo (Шиповниково) Schestocken, 1938–1945:"Peterstal" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Slawkino (Славкино) Gut Wilhelmsburg Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet.[5]
Smirnowo (Смирново) Kiauten, 1938–1945:"Zellmühle" Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Solnetschnoje (Солнечное) Szameitschen/Schameitschen, 1938–1945:"Brahmannsdorf" Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet.
Strelzowo (Стрельцово) Loyken, 1938–1945:"Loken" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Swerdlowo (Свердлово) Linkischken, 1938–1945:"Rabeneck" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Tolstowo (Толстово) Pillkallen, 1938–1945:"Hoheneck" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Torfjanoje (Торфяное) Schlaugen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Wolkowo (Волково) Raudohnen, 1938–1945:"Raunen" Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Pskowski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1980 verlassen.
Wolotschajewo (Волочаево) Grischkehmen, 1938–1945:"Grischken" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen.
Wostotschnoje (Восточное) Stukatschen, 1938–1945:"Freienfeld" Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1976 verlassen.

Landgemeinde Gawrilowskoje 2008–2014[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung des Rajons Osjorsk von 2008 bis 2014

Die Landgemeinde Gawrilowskoje (ru. Гавриловское сельское поселение, Gawrilowskoje selskoje posselenije) wurde im Jahr 2008 eingerichtet[6] und umfasste 30 Orte, die in Russland „Siedlung“ (possjolok) genannt werden. Diese gehörten vorher den Dorfbezirken Bagrationowski und Gawrilowski an. Der Verwaltungssitz der Gemeinde befand sich in Jablonowka. Im Jahr 2014 wurde die Landgemeinde aufgelöst und deren Siedlungen in den neu gebildeten Stadtkreis Osjorsk eingegliedert.

Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name
Bagrationowo (Багратионово) Wikischken (Wiecken) Porchowskoje Порховскоө Kermuschienen (Fritzenau)
Borok (Борок) Grasgirren (Dingelau) Poretschje (Поречье) Balschkehmen (Balsken)
Dubrawa (Дубрава) Buylien (Schulzenwalde) Prudnoje (Прудное) Brindlacken (Kleinfritzenau)
Gawrilowo (Гаврилово) Gawaiten (Herzogsrode) Pskowskoje I (Псковское) Friedrichsberg
Jablonowka (Яблоновка) Wilhelmsberg Pskowskoje II[7] (Псковское) (Königlich) Pogrimmen (Grimmen)
Kadymka (Кадымка) Eszerningken (Eschingen) Resnikowo (Резниково) Röseningken (Rößningen)
Kamaritschi[8] (Камаричи) Rjasanskoje (Рязанское) Hallwischken (Hallweg)
Karamyschewo (Карамышево) Pabbeln (Schardingen) Rutscheiki (Ручейки) Eszergallen (Tiefenort)
Kolzowo (Кольцово) Kohlau Schilowo (Шилово) Ischdaggen (Brenndenwalde)
Krasny Bor (Красный Бор) Kellmienen (Kellmen) Schutschkowo (Жучково) Szuskehmen (Angerhöh)
Kruglowka (Кругловка) Kurnehnen (Kurnen) Slawkino (Славкино) Gut Wilhelmsberg
Kutusowo (Кутузово) Kleszowen (Kleschauen) Smirnowo (Смирново) Kiauten (Zellmühle)
Nowo-Slawjanskoje (Ново-Славянское) Königsfelde Solnetschnoje (Солнечное) Szameitschen (Brahmannsdorf)
Ossipenko (Осипенко) Adlig Pogrimmen/zu Pogrimmen (Grimmen) Suworowka (Суворовка) Weedern
Plawni (Плавни) Plawischken (Plauendorf) Waldaiskoje (Валдайское) Kleszowen Mühle/zu Wikischken (Wiecken)

Kirche[Bearbeiten]

Ehemalige Pfarrkirche[Bearbeiten]

Der Amtshauptmann von Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk) hatte dafür zu sorgen, dass in jedem der Insterburger Schulbezirke eine Kirche gebaut wurde. Als erste Kirche im Jagteschen (Gawaiter) Schulbezirk entstand so vor 1550 die Kirche in Gawaiten. Es handelte sich um einen Holzbau, der als ältestes Gotteshaus im Kreis Goldap galt.

Das immer wieder marode Gebäude erhielt zwei Neubauten. Nach einem Brand im Jahre 1750 dann entstand 1755 der Bau, der 1788 noch eine Orgel erhielt und auch noch die beiden Weltkriege überdauern sollte. 1848 allerdings musste der baufällige Turm abgerissen werden.

Das Kirchengebäude wurde nach 1945 als Lagerhalle zweckentfremdet. Das Bauwerk verkam und wurde schließlich zum Ende der 1970er Jahre abgerissen und nicht wieder aufgebaut. Heute dient ein kleines Gemeindehaus als Kirchenersatz.

Im Jahre 2013 wurde feierlich ein Gedenkstein (Steinplatte auf Findling) mit folgendem Text am früheren Standort der Kirche in Gawaiten enthüllt: " Mehr als 400 Jahre stand hier die Kirche von Gawaiten, die älteste Kirche im Kreis Goldap / Ostpreußen ". Der Stein wurde von der "Kreisgemeinschaft Goldap Ostpreußen e.V." konzipiert, finanziert und errichtet.[9]

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Gehörte das seit der Reformation evangelische Kirchspiel Gawaiten ursprünglich zur Inspektion Insterburg, so war es vor 1945 ein Teil des Kirchenkreises Goldap in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Katholische Kirchenglieder gehörten zur Pfarrei in Goldap.

Im Jahre 1944 waren 29 Dörfer in das Kirchspiel eingepfarrt, zu dem zwölf Schulen gehörten und in dem mehr als 6000 Gemeindeglieder wohnten.

In der Zeit der Sowjetunion von 1945 bis 1991 kam das kirchliche Leben in dem nun Gawrilowo genannten Ort zum Erliegen. Zu Beginn der 1990er Jahre entstand eine neue kleine Gemeinde, vornehmlich aus Russlanddeutschen, die sich hier angesiedelt hatten. Gawrilowo gehört jetzt zur Kirchenregion der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) in der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland. Das Pfarramt, in dem zwei Geistliche tätig sind, befindet sich in Gussew.

Pfarrer bis 1945[Bearbeiten]

In der Zeit von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges taten 25 Pfarrer ihren Dienst in Gawaiten/Herzogsrode:

  • N.N., 1550
  • Nicolaus Hollstein, 1562/1570
  • Johann Holstein, 1595/1605
  • Simon Waißnarus, 1608–1625
  • Friedrich Löbel, 1625–1655
  • Johann Friedrich Buchholtzer, 1651–1662
  • Friedrich Cibrovius, 1663–1692
  • Johann Christoph Cibrovius, 1690–1710
  • Christian Friedrich Stein, 1710–1755
  • Johann Trentovius 1756–1765
  • Johann Friedrich Sperber, 1765–1770
  • Gottfried Herrmann, 1770–1771
  • Georg Hintz, 1771–1786
  • Friedrich Chr. Heydenreich,
    1788–1791
  • Carl Hammer, 1792–1810
  • Daniel Friedrich Wüsthoff, 1811–1827
  • Johann Carl Prellwitz, 1827–1847
  • Georg Jul. Wilh. Schröder, 1848–1873
  • Adolf Wilhelm Brinkmann, 1873–1885
  • Friedrich Wilhelm Riech, 1886–1890
  • Franz Lebrecht Kuhnke, 1891–1914
  • Paul Korsitzki, 1917–1930
  • Iwan Schönemann, 1930–1935
  • Hemlmut Welz, 1935
  • Wilhelm Schiweck, 1938–1945

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  3. Im Umbenennungserlass von 1947 wurde Gribnoje ebenso wie Oneschnoje mit dem ehemaligen deutschen Ort Gulbenischken identifiziert. Da die letztere Identifikation zu stimmen scheint, kann wegen der Ähnlichkeit der beiden deutschen Ortsnamen und der Lautähnlichkeit von "Grib" und "Grob" in diesem Fall vielleicht auf den Ort Groblischken spekuliert werden.
  4. Der Ort gehörte seit 1928 zu Szardeningken/Schardingen.
  5. Offenbar irrtümlich wurde 1947 auch der Ort Wikischken/Wieken in Slawkino umbenannt.
  6. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 259 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Озëрский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 259: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Osjorsk")
  7. Offenbar wurde Pskowskoje II im Jahr 2011 an Pskowskoje I angeschlossen.
  8. Nicht zu verwechseln mit dem Ort Komaritschi (dt. Stumbern/Auersfeld), der vermutlich um 1980 aufgelöst wurde.
  9. Die Erinnerung beleben. Kreisgemeinschaft Goldap initiierte Gedenksteinaufstellung in Gawaiten. Preußische Allgemeine Zeitung, 27. Juli 2013

Weblinks[Bearbeiten]