Geb (ägyptische Mythologie)

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Geb in Hieroglyphen
meistens
G39D58

Geb
Gb
oder
mit Determinativ
G39D58
A40
oder
N35
W11 W11
G41G37
D21
A40

Negaga-wer
Ng3g3-wr
Der große Schnatterer
Geb.svg
Geb mit Gans, Was-Zepter und Anch-Zeichen

Geb ist der Erdgott in der ägyptischen Mythologie. Er gilt als Brudergatte der Himmelsgöttin Nut sowie als Sohn vom Luftgott Schu und der Feuergöttin Tefnut als Trägerin des Sonnenauges.

Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geb wird menschengestaltig und mit grüner Hautfarbe dargestellt. Die meisten Abbildungen zeigen ihn unter seiner Schwester und Frau Nut, manchmal aber auch stehend mit einem Stab in der linken und dem Zeichen für Leben (Anch) in der rechten Hand sowie mit einer Gans auf dem Kopf, weswegen er auch „Großer Schnatterer“ genannt wird. Bei der Gans, mit der er assoziiert wurde, handelte es sich um die Nilgans, einem im Alten Ägypten domestizierten Entenvogel.[1]

In der Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geb und die Himmelsgöttin Nut

Mit Nut zeugte er die Götter Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Alten Mythen zufolge zeugten Geb und Nut die Sonne und sind damit die Vorfahren aller ägyptischen Götter.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Aker, Tatenen und Sokar war Geb der wichtigste Erdgott. Er schenkte den Menschen Bodenschätze, bewirkte aber auch Erdbeben. Getreide und Pflanzen wachsen auf seinem Rücken. Geb war die Quelle des Wassers und alldessen, was die Erde hervorbrachte, und somit der Fruchtbarkeitsgott. Er regierte nach seinem Großvater Atum und Vater Schu, die sich in die himmlischen Gefilde zurückzogen. Geb, ihr Nachfolger, stand somit auch für die göttliche Rechtmäßigkeit des Königtums. Der ägyptische König (Pharao) selbst wurde „Erbe des Geb“ genannt und saß angeblich auf dem „Thron des Geb“. Geb brachte auch ein Ei hervor, aus dem die Vogelgottheit Benu schlüpfte.

Kultorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geb wurde in Heliopolis als Erbfürst und Richter oder „Vater“ der Götter[2] verehrt. Weitere Kultorte waren Memphis und Kom Ombo. Es findet sich auch eine Darstellung des Gottes im Amun-Tempel in Hibis.

In der griechischen Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Ägypten wurde Geb in griechisch-römischer Zeit mit dem Gott Kronos gleichgesetzt, der als Vater der Götter Zeus, Hades und Poseidon eine ähnliche Position im griechischen Pantheon einnahm wie Geb in der ägyptischen Mythologie. Besonders gut ist diese Gleichsetzung in Tebtynis im südlichen Faiyum bezeugt: Geb bzw. Kronos waren hier in eine lokale Ausformung des Kultes um den Krokodilgott Sobek integriert.[3] Die Gleichsetzung zeigte sich einerseits in der lokalen Götterikonografie, in der Geb als Mensch mit Attributen des Kronos bzw. Kronos mit Attributen des Geb dargestellt wurde.[4] Andererseits wiesen sich die Priester des örtlichen Haupttempels in ägyptischen Texten als Priester des „Soknebtynis-Geb“, in griechischen Texten aber als Priester des „Soknebtynis-Kronos“ aus. In der lokalen Bevölkerung waren zudem neben ägyptischen Namen, die sich auf den Gott Geb bezogen, auch griechische Namen beliebt, die von dem Namen Kronos hergeleitet waren, insbesondere „Kronion“.[5]

Die Griechen setzten Geb auch ihrem Gott Hades gleich.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Geb – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Janet Kear: Man and Wildfowl. T. & A.D. Poyser, London 1990, ISBN 0-85661-055-0, S. 22.
  2. hier ist speziell Osiris gemeint
  3. Holger Kockelmann: Der Herr der Seen, Sümpfe und Flußläufe. Untersuchungen zum Gott Sobek und den ägyptischen Krokodilgötter-Kulten von den Anfängen bis zur Römerzeit. Band 1. Harrassowitz, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10810-2, S. 81–88.
  4. Vincent Rondot: Derniers visages des dieux dʼÉgypte. Iconographies, panthéons et cultes dans le Fayoum hellénisé des IIe–IIIe siècles de notre ère. Presses de lʼuniversité Paris-Sorbonne; Éditions du Louvre, Paris 2013, S. 75–80; 122–127; 241–246.
  5. Benjamin Sippel: Gottesdiener und Kamelzüchter: Das Alltags- und Sozialleben der Sobek-Priester im kaiserzeitlichen Fayum. Harrassowitz, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-447-11485-1, S. 73–78.