Gebhard Ullmann

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Gebhard Ullmann im Jazzclub Unterfahrt (München 2013)

Gebhard Ullmann (* 2. November 1957 in Bad Godesberg) ist ein deutscher Jazzmusiker (Saxophone, Flöten, Bassklarinette) und Komponist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ullmann hatte in seiner Jugend zunächst klassischen Querflötenunterricht. Ab 1976 studierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Flöte und Saxophon und nahm daneben Saxophonunterricht bei Herb Geller und Dave Liebman. Laut Angaben seiner Homepage studierte er außerdem von 1977 bis 1983 Medizin. Bereits in dieser Zeit arbeitete er mit dem Gitarristen Andreas Willers im Duo, aber auch in einer Bluesband sowie einem Trio mit Keyboards und dadaistischen Vokalimprovisationen.

Seit 1983 lebte er in Berlin und prägte dort die Szene entscheidend mit. Zudem lebte er seit 1999 in New York City und leitete unterschiedlichste Formationen sowohl in Berlin als auch in NYC. 1984 entwickelten Ullmann und Willers mit Niko Schäuble das gemeinsame Quartett Out to Lunch, das internationale Tourneen unternahm, auf großen Festivals spielte und mit Enrico Rava tourte und aufnahm. 1987 spielten Willers und Ullmann als Minimal Kidds mit Trilok Gurtu, später traten sie mit Steve Argüelles auf und nahmen mit Bob Stewart, Marvin Smitty Smith sowie Phil Haynes auf. 1991 begann er mit dem Ta Lam Projekt, eine seiner spektakulärsten Besetzungen (bis zu zehn Holzbläser plus Akkordeonist Hans Hassler), mit dem er weltweit auf Festivals gastierte und vier Tonträger veröffentlichte.

1993 rief er zusammen mit Soul-Note-Gründer Giovanni Bonandrini das Projekt Basement Research ins Leben, zunächst ein Quartett mit Ellery Eskelin (später Tony Malaby), Drew Gress und Phil Haynes entwickelte es sich zu einem Quintett (mit Julian Argüelles, Steve Swell, John Hébert später Pascal Niggenkemper und Gerald Cleaver).

Weitere Projekte sind das Clarinet Trio (mit Jürgen Kupke und Michael Thieke bzw. Theo Nabicht, 4 CDs auf Leo Records), das Trio BassX3 (dieses kombiniert zwei Kontrabässe - Chris Dahlgren und Peter Herbert, später Clayton Thomas - mit seiner Bassklarinette und Bassflöte), das transatlantische Quartett Conference Call (mit Michael Stevens, Joe Fonda und George Schuller), das ebenfalls transatlantische Quartett The Chicago Plan (mit Steve Swell, Fred Lonberg-Holm und Michael Zerang). 2014 veröffentlichte er das Double Trio de Clarinettes (das Clarinet Trio zusammen mit dem französischen Trio de Clarinettes), das Berliner Quartett GULF of Berlin sowie eine Duo-Produktion mit der Vokalistin Almut Kühne. In letzterem Projekt wie auch in einem neuen Solo Programm arbeitete er erstmals mittels sampling und looping.

2015 hat Ullmann seinen 50. Tonträger als Bandleader/Co-Leader veröffentlicht. Als Sideman war er tätig bei in der Springtime von Günter Lenz, in George und Ed Schullers Projekt Schulldogs, im Quartett des New Yorker Gitarristen Scott DuBois, im Berliner Projekt Stereo Lisa, in Chris Dahlgrens Lexicon, in The Silent Jazz Ensemble, der Berliner Grossformation Die Elefanten und in Hannes Zerbes Jazz Orchester.

Er arbeitet u. a. mit Paul Bley, Satoko Fujii, Armand Angster, Sylvain Kassap, Michael Rabinovitz, Ernst-Ludwig Petrowsky, the Ensemble Percussion de Guinee, Han Bennink, William Parker, Herb Robertson, Bob Moses, Keith Tippett, Frank Gratkowski, Bobby Previte, Glen Moore, Lauren Newton, Andrew Cyrille, Sylvie Courvoisier, Alexander von Schlippenbach, Willem Breuker, Michael Riessler, Rita Marcotulli, Dieter Glawischnig, Tom Rainey, Sergeij Starostin, Beñat Achiary, Frank Möbus oder Ivo Papasov.

Weiterhin arbeitete er in verschiedensten Theater- und genreübergreifenden Projekten u. a. mit Otto Sander oder dem Heiner Müller Projekt von Hannes Zerbe.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Arbeit erhielt er den Julius Hemphill Composition Award (1999) in zwei Kategorien, (gemeinsam mit Willers) den Preis der Deutschen Phonoakademie (1983) und den Jazzpreis des SWF (1987) sowie eine ganze Reihe von Stipendien und Preisen der Stadt Berlin. Die zweite CD seines Ta Lam-Projekts wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik 1995 als beste Jazz CD des Jahres ausgezeichnet. Down Beat hat seine CDs Final Answer (2002), The Bigband Project (2004) und New Basement Research (2008) Poetry in Motion (2008) News? No News! (2010) Ta Lam 11- Mingus! (2011) Clarinet Trio 4 (2012) und "Hat And Shoes" (2015) unter den besten Tonträgern des jeweiligen Jahres aufgeführt. Andere renommierte Magazine und Onlineseiten wie AllAbout Jazz New York vergeben regelmäßig Höchstbewertungen für Gebhard-Ullmann-Veröffentlichungen. Die CD Transatlantic erhielt den renommierten Choc des JazzMags in Frankreich. Seit 2005 wird Ullmann im Kritiker-Poll des Down Beat regelmäßig in der Kategorie 'Rising Star' aufgeführt. Im Jahr 2017 erhält er den ersten Jazzpreis der Stadt Berlin

Diskographische Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Gebhard Ullmann/Diskografie

Lexigraphischer Eintrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gebhard Ullmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien