Gebiet Tschüi

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Gebiet Tschüi
Чүй облусу
Flagge
Flagge
Wappen
Wappen
Staat: KirgisistanKirgisistan Kirgisistan
Hauptstadt: Bischkek
 
Größte Städte: Tokmok
Karabalta
Kant
 
Fläche: 19.895 km²
Einwohner: 803.230 (2009)
Bevölkerungsdichte: 40 Einwohner je km²
 
Kfz-Kennzeichen: 08
ISO 3166-2: KG-C
Webpräsenz:
Stadt OschBischkekGebiet BatkenGebiet OschGebiet TalasGebiet DschalalabatGebiet NarynGebiet TschüiGebiet YssykkölKasachstanUsbekistanTadschikistanChinaKarte
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Lage des Gebiets Tschüi in Kirgisistan

Das Gebiet Tschüi (auch Chui oder Chuy; kirgisisch Чүй облусу Tschüi oblussu, russisch Чуйская область Tschuiskaja oblast) ist eines von sieben Verwaltungsgebieten (Oblast) Kirgisistans in Zentralasien. Es ist das nördlichste Gebiet des Landes und grenzt im Norden an Kasachstan, im Osten an Yssykköl, im Süden an Naryn und im Westen an Talas. Innerhalb des Gebiets Tschüis liegt die kirgisische Hauptstadt Bischkek. Das Gebiet hat eine Fläche von 19.895 km² und etwa 803.000 Einwohner (ohne Bischkek, das eine eigene Verwaltungseinheit bildet). Das administrative Zentrum ist dennoch Bischkek, zwischen den Jahren 2003 und Mai 2006 war es Tokmok.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nördliche Teil des Gebietes ist, für Kirgisistan ungewöhnlich, sehr flach; hier befindet sich die niedrigste Stelle des Gebiets auf etwa 550 m Seehöhe.[1] Große Flächen nimmt hier das Tal des Flusses Tschüi ein, der auch für die intensive Bewässerung der fruchtbaren Böden in diesem Gebiet genutzt wird. Landwirtschaftliche Bedeutung hat das Gebiet im Anbau von Weizen, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln, Luzernen und verschiedenen Obst- und Gemüsesorten. Durch die landwirtschaftliche Bedeutung Tschüis wurden während der Sowjetzeit zahlreiche weiterverarbeitende Betriebe und Industrieanlagen errichtet, wodurch einige Orte, z. B. Tokmok, Kant oder Karabalta, an regionaler Bedeutung gewonnen haben.

Im Süden des Gebietes bildet das Hochgebirge des Kirgisischen Alataus eine natürliche Grenze zum südlich gelegenen Gebiet Talas. Das Gebirge ragt bis in eine Höhe von 4895 m ü. NN (Alamedinski Pik)[1] und beherbergt den Ala-Artscha-Nationalpark. Durch die Nähe zu Bischkek ist das südliche Gebirge in der Region ein beliebtes Naherholungsziel. Es gibt hier zahlreiche Wanderwege, Bergsteigercamps und ein Skigebiet.[2]

Das Klima ist im nördlichen Teil trocken und kontinental, mit heißen Sommern und mäßig kalten Wintern. Die mittleren Julitemperaturen liegen zwischen 17 und 25 °C, die mittlere Januartemperatur um −7 °C. Die jährlichen Niederschläge liegen zwischen 270 und 400 mm. Im Süden des Gebietes, im Tal des Suusamyr, liegen die durchschnittlichen Julitemperaturen zwischen 13 und 14 °C, die durchschnittlichen Januartemperaturen bei −20 bis −21 °C. Die jährlichen Niederschläge liegen dort bei 350 bis 370 mm.[1]

Die Gewässer gehören zu den Einzugsgebieten des Naryn und des Tschüi. Auf seinem Weg durch das Gebiet nimmt der Tschüi zahlreiche Nebenflüsse auf, darunter Tschong-Kemin und Kitschi-Kemin als rechte und Schamschy, Kegeti, Ysyk-Ata, Alamüdün, Ala-Artscha, Schylamysch, Sokuluk, Aksuu und Karabalta als linke Zuflüsse, die im Kirgisischen Alatau entspringen. Heute erreicht das Wasser dieser Zuflüsse den Tschüi häufig nicht, denn es wird zur Bewässerung verwendet.[1] Auf dem Gebiet von Tschüi gibt es 582 Gletscher mit einer Gesamtfläche von 520 km². Der größte Teil davon befindet sich im zentralen Teil des Kirgisischen Alatau.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Gebiet Tschüi (Quelle:[3])
Datum Einwohner ±%
1970 621.004
1979 700.063 +12,7 %
1989 796.602 +13,8 %
1999 770.811 −3,2 %
2009 803.230 +4,2 %

Im Gebiet Tschüi gibt es vier Städte, fünf Siedlungen städtischen Typs und 331 Dörfer. Die kirgisische Volkszählung im Jahr 2009 ermittelte für das Gebiet eine Einwohnerzahl von 803.230. Die größten Städte sind Tokmok (53.231 Einwohner), Karabalta (37.834 Einwohner) und Kant (21.589 Einwohner).

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Tschüis ist heterogener als in anderen Teilen Kirgistans. Den Hauptanteil bilden mit 59,1 % die Kirgisen. Danach folgen mit 20,8 % der Bevölkerung Russen sowie mit 6,2 % die Dunganen. Dazu leben in Tschüi über zahlreiche weitere Ethnien bzw. Minderheiten, darunter Uiguren (1,9 %), Usbeken (1,8 %), Kasachen (1,6 %), Ukrainer (1,3 %) Aserbaidschaner (1,3 %), Tataren (0,7 %) und auch Kirgisistandeutsche (0,7 %).[3] Der Anteil der Deutschen ist seit dem Zerfall der Sowjetunion stark zurückgegangen, die deutsche Minderheit emigrierte mehrheitlich nach Deutschland. Noch 1989 hatte ihr Anteil in der Region bei über 9 % gelegen.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet Tschüi ist in acht Rajons unterteilt. Die Stadt Tokmok (53.087 Einwohner, 41 km² Fläche) entspricht selbstständig einer den Bezirken gleichgestellten Gebietskörperschaft. Die Stadt Bischkek ist eingebettet in den Bezirk Alamüdün, gehört jedoch selbst nicht zum Gebiet Tschüi, sondern besitzt administrativ Gebietsstatus. Folgende neun Bezirke befinden sich in Tschüi (geordnet von Ost nach West):

Bezirksgliederung (Rajons)
Gebiet Tschüi
Rajon Verwaltungs-
sitz
Einw.[3] Fläche
(in km²)[3]
Lage
Alamüdün Lebedinowka 147.208 1.503 Kyrgyzstan Alamüdün Raion.png
Dschajyl Karabalta 90.348 3.435 Kyrgyzstan Jayyl Raion.png
Kemin Kemin 41.924 3.533 Kyrgyzstan Kemin Raion.png
Moskowski Belowodsk 83.641 2.056 Kyrgyzstan Moskva Raion.png
Panfilow Kajyngdy 39.837 2.606 Kyrgyzstan Panfilov Raion.png
Sokuluk Sokuluk 158.137 2.550 Kyrgyzstan Sokuluk Raion.png
Tschüi Tschüi 44.753 1.756 Kyrgyzstan Chüy Raion.png
Ysyk-Ata Kant 131.503 2.415 Kyrgyzstan Ysyk-Ata Raion.png

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptverbindung zwischen Ost und West innerhalb des Gebiets ist die Fernverkehrsstraße Taraz–Bischkek–Balyktschy, die fast alle bedeutenden Städte im Gebiet Tschüi miteinander verbindet. Der westlich von Bischkek gelegene Straßenabschnitt ist Teil der Europastraße 40; lokal als Fernstraße M-39 aus Zeiten der UdSSR bezeichnet. Der weitere Verlauf dieser Straße führt nördlich von Bischkek über den Fluss Tschüi, den kasachischen Grenzort Qordai weiter in die nahe gelegene Großstadt Almaty in Kasachstan.

Der Schienenverkehr in Kirgistan ist veraltet und mit einem gesamten Schienennetz von 370 Kilometern relativ unbedeutend. Ein Großteil des kirgisischen Schienennetzes verläuft entlang der Route Taraz-Bischkek-Balyktschy im Gebiet Tschüi. Es besteht eine direkte Zugverbindung von Moskau nach Bischkek.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gebiet Tschüi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Осмон Ибраимов, Осмонакун Ибраимов: Кыргызстан : энциклопедия. Центр государственного языка и энциклопедии, Bischkek 2001, ISBN 5-89750-129-7, S. 524 (russisch).
  2. Thomas Scholl: Kirgistan. Zu den Gipfeln von Tien-Schan und Pamir. Trescher Verlag, Berlin, 2008; ISBN 978-3-89794-139-7; S. 121f
  3. a b c d Population and Housing Census 2009. Book 3 (in tables). Provinces of Kyrgyzstan: Chuy Province (Перепись населения и жилищного фонда Кыргызской Республики) 2009. Книга 3 (в таблицах). Регионы Кыргызстана: Чуйская область (Memento vom 23. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 5,4 MB) Bishkek: National Committee on Statistics, 2010 (russisch)

Koordinaten: 42° 45′ N, 74° 25′ O