Gebr. Ludewig
Das Unternehmen Gebr. Ludewig betrieb eine Karosseriefabrik in Essen. Es machte sich vor allem als Hersteller von Omnibussen einschließlich Oberleitungsbussen und insbesondere von Anderthalbdeckerbussen einen Namen.
Firmengeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis 1945
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen begann 1909 in Essen unter der Firma „Kopp & Ludewig“ Aufbauten für PKW und Kombis herzustellen. Ab 1919 bestand der Standort an der Steeler Straße 199, der von den Brüdern Josef und Rudolf unter dem Namen „Gebr. Ludewig GmbH“ geführt wurde. In den 1920er Jahren erhielt man die Werksvertretung von Bugatti. Es wurden Sonderkarosserien wie z. B. Cabriolets aufgebaut. Dafür wurde das Patent eines auch während der Fahrt zu öffnendem Verdeck benutzt, die auch später verwendete Bezeichnung „Aero“ wurde dabei eingeführt. Ab 1934 wurden Karosserien für Omnibusse vor allem auf Fahrgestellen von Opel hergestellt, darunter auch stromlinienförmige Autobahn-Schnellbusse.[1] Im Zweiten Weltkrieg folgten militärische Busse mit zunehmend vereinfachten Aufbauten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kurz nach dem Krieg wurden weiter Opel-Blitz-Fahrgestelle, aufgrund der Materialknappheit mit sehr einfachen, Busaufbauten aufgebaut. Bereits verfügbare Büssing-Fahrgestelle konnten mit größeren Bus-Karosserien komplettiert werden. Eine Besonderheit der Gebr. Ludewig war ab 1949 die Entwicklung von Anderthalbdecker-Omnibussen, die auf Büssing- und Krupp-Fahrgestellen aufgebaut wurden. Auch einige Fahrgestelle von Henschel wurden mit neuen Anderthalbdecker-Oberleitungsbus-Aufbauten erneuert.[2] Alle verfügten über einen abgesenkten Heckbereich, der auf einem Patent von 1936 beruhte, und darüber ein zweites Deck. So konnte das Sitzplatzvolumen bei kaum mehr Fahrzeuglänge gesteigert werden. Wegen des erhöhten Fahrzeuggewichts wurden die Fahrgestelle hinten mit einer zusätzlichen Schleppachse ausgerüstet. Durch das abgesenkte Heck betrug die Gesamthöhe des Busses nur 3,8 m. Vor allem in den Großstädten Nordrhein-Westfalens waren Anderthalbdecker im Linienbusbereich bei längeren Fahrtstrecken beliebt, um z. B. Nachbarstädte miteinander zu verbinden. Im Reisebusbereich sah man Anderthalbdecker seltener, obwohl ab 1960 der Betrieb von Busanhängern verboten wurde. Im Reiseverkehr wurden die Sitzplätze im Unterdeckbereich von den Fahrgäste nicht gerne angenommen; im Linienverkehr befand sich bei frühen Modellen in diesem Bereich der niederflurige Einstiegsperron und daneben der Schaffnersitz. Im Linienverkehr ermöglichte diese Bauweise einen schnellen Zustieg der Fahrgäste. Nach Einführung des Einmannbetriebs änderte sich die Richtung des Fahrgastflusses, so dass der Einstieg nun vorn beim Fahrer war. Einer der bisherigen Vorteile ging damit verloren.
Durch den Erfolg beim Bau von Anderthalbdeckern im Linienbusgeschäft vernachlässigte Ludewig den Markt für Reisebusse. An Stadtbussen karosserierte Ludewig auch einige Krupp- und Büssing-Fahrgestelle. Mitte der 1950er Jahre konstruierte Ludewig auch einen eigenen kleineren Bus mit Kämper-Dieselmotor im Heck für den Einmannbetrieb.[3] Ab den 1960er Jahren kamen verstärkt Gelenkbusse auf, die ebenfalls über ein größeres Fahrgastvolumen verfügen. Diese Busse wurden zunächst von anderen Aufbauherstellern wie Gaubschat in Berlin, Göppel in Augsburg und Vetter in Fellbach gefertigt. Ab 1968 stellte Ludewig auf Fahrwerken von Daimler-Benz und Büssing mit Unterflurmotor auch selbst Gelenkbusse her. Später wurden Busse zunehmend von den marktbeherrschenden Nutzfahrzeugherstellern Daimler-Benz und MAN komplett selbst hergestellt. Das Unternehmen Ludewig musste deshalb 1976 die Omnibusherstellung aufgeben. Die Fertigung von Anderthalbdeckerbussen führte noch bis 1983 das Unternehmen Vetter fort.
Der ursprüngliche Betrieb an der Steeler Straße in Essen firmierte zuletzt als Gebr. Ludewig GmbH & Co. KG, er hatte sich auf die Reparatur von Omnibussen und die Herstellung von Sonderauf- bzw. umbauten spezialisiert, z. B. Bücherbusse, Blutspendebusse und Infomobile. So stattete Ludewig die spurgeführten Duo-Busse (Mercedes-Benz O 405 GTD) der EVAG zur Bedienung der Mittelbahnsteige in den U-Stadtbahn-Tunneln mit linksseitigen Falttüren aus.
Ende Januar 2015 wurde bekannt, dass die Firma Insolvenz angemeldet hatte. Zunächst lief der Betrieb noch weiter.[4] Im November 2018 wurden die Werksanlagen abgebrochen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Andreas Tacke u. a.: 80 Jahre Omnibusse in Essen 1925–2005, In: Sternfahrt, Ausg. Nr. 36 vom April 2006, Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG, S. 24, 40–42, 49, 51, 54, 59–61, 63–65, 68–70, 72–76, 82, 91–95, 137–145
- Wolfgang H. Gebhardt: Deutsche Reiseomnibusse. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03037-4, S. 139/140.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Gerhard Gudrian, Alfred Loges, Andreas Tacke: Gebrüder Ludewig · Firmengeschichte. In: 80 Jahre Omnibusse in Essen 1925–2005, Sternfahrt, Ausg. Nr. 36 vom April 2006, Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG, S. 92–95
- ↑ Alfred Loges, Andreas Tacke, Gerhard Gudrian: Vom ersten 1½-Decker bis zum Wagen 3902. In: 80 Jahre Omnibusse in Essen 1925–2005, Sternfahrt, Ausg. Nr. 36 vom April 2006, Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG, S. 138–145
- ↑ Ludewig H 4000 In: 80 Jahre Omnibusse in Essen 1925–2005, Sternfahrt, Ausg. Nr. 36 vom April 2006, Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG, S. 69
- ↑ Janet Lindgens: Ludewig insolvent – Mitarbeiter erleichtert. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 24. Januar 2015, abgerufen am 26. Januar 2015.