Gechingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gechingen
Gechingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gechingen hervorgehoben
Koordinaten: 48° 42′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Calw
Höhe: 484 m ü. NHN
Fläche: 14,68 km2
Einwohner: 3682 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 251 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75391
Vorwahl: 07056
Kfz-Kennzeichen: CW
Gemeindeschlüssel: 08 2 35 029
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Calwer Straße 14
75391 Gechingen
Webpräsenz: www.gechingen.de
Bürgermeister: Jens Häußler
Lage der Gemeinde Gechingen im Landkreis Calw
OstelsheimEnzkreisLandkreis KarlsruheLandkreis KarlsruheLandkreis BöblingenLandkreis TübingenLandkreis RastattLandkreis FreudenstadtPforzheimBad HerrenalbDobelHöfen an der EnzUnterreichenbachSchömberg (Landkreis Calw)Oberreichenbach (Schwarzwald)Bad LiebenzellAlthengstettCalwBad Teinach-ZavelsteinBad WildbadEnzklösterleNeuweilerSimmersfeldAltensteigRohrdorf (Landkreis Calw)EgenhausenHaiterbachNagoldWildberg (Schwarzwald)EbhausenNeubulachGechingenOstelsheimSimmozheimSimmozheimKarte
Über dieses Bild

Gechingen ist eine Gemeinde im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gechingen liegt ca. 25 km südwestlich von Stuttgart im Hecken- und Schlehengäu, wenige Kilometer vom Schwarzwald entfernt und etwa auf halber Strecke zwischen Calw und Böblingen/Sindelfingen. Durch Gechingen fließt das Flüsschen Irm (schwäbisch Sau), welches über Aid und Würm in die Enz mündet. Der Ortskern selbst liegt im Tal, die umfangreichen Neubaugebiete erstrecken sich auch über die Hanglagen (Gailer, Bergwald, Angel, Kirchberg, Hahnenberg/Gänswasen).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte sind im Norden Althengstett und Ostelsheim, im Osten Deufringen, im Süden Dachtel (beides Ortsteile von Aidlingen und im Landkreis Böblingen gelegen), und im Westen Stammheim (Ortsteil von Calw).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören das Dorf Gechingen, der Ort Bergwald und die Höfe Berghöfe, Dachtgrubenhöfe und Waldhof.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus Gechingen

Auch wenn vermutlich bereits früher Menschen in der Region gesiedelt haben, stammen die ältesten gesicherten Fundstücke aus der Bronzezeit (Kirchhalde). Aus der Zeit der Kelten sind mehrere Grabhügel entdeckt worden. In den Nachbarorten (Stammheim, Althengstett) gibt es größere Funde aus der späten Römerzeit.

Gechingen gehört zu den ältesten alamannischen Dörfern. Ortsnamen auf „-ingen“ gehören zu den ersten Ansiedlungen, die im 4. bis 5. Jahrhundert gegründet wurden. Über die Entstehung des Ortsnamens gibt es zwei Vermutungen. Die eine leitet sich von dem Namen „Gacho“ ab. Die Endung „-ing“ war eine Geschlechtsbezeichnung. „Gacho-ingen“ bezeichnet die Mehrzahl, also „bei den Leuten des Gacho“ (vgl. Bildungen wie „Merowinger“ oder „Karolinger“). Die andere Deutung bezieht sich auf den Wasserreichtum des Ortes. Die Vorsilbe „ge“ bedeutet „viele“ (wie „Gebirge“ gleich „viele Berge“), „Aach“ oder „Gach“ ist der alte Name für Wasser, daraus könnte Gachingen als „Dorf am Wasser“ entstanden sein.

in einer Reichenauer Chronik von Anfang 1500 ist Gechingen erstmals urkundlich Erwähnt. Darin wird von einer Schenkung um 830 berichtet. Die sechzehn Orte (teils aus nächster Umgebung), die damals an das Kloster Reichenau fielen, sind namentlich genannt. Darunter wird auch „Gaichingen“ erwähnt. Die Schenkung kam von einem Sohn des Calwer Grafen Erlafried († 850) mit Namen Noting. Er war Bischof in dem oberitalienischen Bistum Vercelli. Eine weitere gesicherten Nennung erfolgte im Jahr 1200. Ein Marquart von Gechingen schenkte dem Kloster Hirsau zwei Huben. Das Wappenbuch des Landkreises Calw verzeichnet als Erstnennung Gechingens im Codex Hirsaugiensis das Jahr 1150.

Im 15. Jahrhundert kaufte das Kloster Herrenalb Gechingen von den Tübinger Pfalzgrafen. 1534 wurde unter Herzog Ulrich die Reformation in Gechingen eingeführt. Mit der damit einhergehenden Säkularisation des Klosters Herrenalb wurde Gechingen württembergisch und blieb es bis zur Gründung Baden-Württembergs.

Im Jahr 1881 fiel ein Großteil der damaligen Häuser einem Großbrand infolge Brandstiftung zum Opfer. Sämtliche Häuser der heutigen Gartenstraße (rechtsseitig) wurden ein Raub der Flammen. Noch heute wird berichtet, dass ein Mann um das heutige Anwesen Dachteler Str. 3 mit einer Bibel gelaufen ist und gebetet hat, dass das Haus nicht auch den Flammen zum Opfer fällt. Das Haus hatte lediglich leichte Brandschäden, wobei die umliegenden Häuser alle bis auf die Grundmauern abbrannten.

Am 20. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, erlebte Gechingen einen Luftangriff, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen, darunter ein französischer Kriegsgefangener. Auf dem Gechinger Friedhof wurden alle Opfer in einem Grab beigesetzt. Bereits am nächsten Tag besetzten Französische Soldaten den Ort ohne größeren Widerstand.

In den 1960er Jahren entstand der Ortsteil Bergwald als reine Wohnsiedlung. In den 1970ern und '80ern expandierte die Gemeinde durch die benachbarten Ansiedlung von größeren Firmen wie Daimler und IBM.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gechingen ist seit der Reformation evangelisch geprägt und hat bis heute eine evangelische Kirchengemeinde (Dekanat Calw); römisch-katholische Bürger werden von Aidlingen aus betreut. Ferner existiert unter anderem eine Kapelle der Siebenten-Tags-Adventisten.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gechingen ist eine eigenständige Kommune und gehört zum Gemeindeverwaltungsverband Althengstett, zum Landkreis Calw, zur Region Nordschwarzwald, Regierungsbezirk Karlsruhe, Baden-Württemberg.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Jens Häußler. Im Oktober 1994 wurde Jens Häußler im zweiten Wahlgang mit 56 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Gechingen gewählt. Im Jahr 2002 wurde er mit 83 Prozent, 2010 mit 92 Prozent der abgegebenen Stimmen bestätigt.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Stimm- und Sitzverteilung:[3][4]

Bürger-Union 47,0 % 7 Sitze ± 0
Gechinger Freie Wählergemeinschaft 28,9 % 4 Sitze + 1
SPD 26,1 % 3 Sitze − 1

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1955 verliehene Wappen zeigt in Gold auf blauem Dreiberg einen aufgerichteten roten Löwen, der in den Pranken einen blauen Abtsstab hält. Es enthält Elemente das Calwer Wappens (Löwe und Dreiberg), der Abtsstab deutet die ehemalige Zugehörigkeit zu den Klöstern Herrenalb und später Merklingen an.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gechingen besitzt ein Gewerbegebiet am Ortsausgang Richtung Gültlingen. Der größte Betrieb ist der Medizingerätehersteller Dürr Optronik (früher Gechinger Motoren Dürr+Co), ein Unternehmen der Dürr Dental-Gruppe, daneben gibt es kleinere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe. Ein erheblicher Anteil der Berufstätigen sind Pendler nach Böblingen, Sindelfingen oder Stuttgart.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsmäßig ist Gechingen über Kreisstraßen in Richtung Calw und Böblingen angeschlossen. Die nächste Autobahn-Anschlussstelle (Gärtringen) liegt etwa zehn Kilometer östlich (A 81). Von Böblingen über Aidlingen-Dachtel und Gechingen nach Calw verkehrt eine Buslinie.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gechingen gibt es eine Grundschule (Schlehengäuschule) mit Turnhalle und Hallenbad.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martinskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martinskirche Gechingen

Die 1481 errichtete Martinskirche ist die evangelische Gemeindekirche Gechingens. Verschiedene Quellen bezeugen, dass es in Gechingen bereits vor der Martinskirche eine andere Kirche gab. Der Kirchenname erinnert wohl an Martin von Tours (um 316–397), daher ist es wahrscheinlich, dass die erste Kirche in fränkischer Zeit, also um 700 entstand, da Martin der Schutzheilige Frankens war.

Gechingen wurde 1534 reformiert, jedoch blieb die protestantische Kirche bis 1806 in katholischem Besitz, da sie dem Chorherrenstift Baden-Baden unterstellt war. 1865 bis 1867 wurde die Kirche um 120 Plätze vergrößert. Der Kirchturm wurde 1876 von 24 auf 42 Meter erhöht.

Eine Orgel vom Orgelbauer Johann Viktor Gruol aus Bissingen an der Teck aus dem Jahr 1842 befindet sich heute in der Musikhistorischen Sammlung Jehle im Stauffenberg-Schloss in Albstadt-Lautlingen.

Das dreistimmige Geläut wurde im Jahr 1495 von dem Heilbronner Glockengießer Bernhart Lachaman gegossen. Die kleinste Glocke musste aber sowohl im Ersten Weltkrieg als auch – nach Neuguss – im Zweiten Weltkrieg zur Rüstungsproduktion abgeliefert werden. 1951 wurde das Geläut wieder vervollständigt durch einen erneuten Guss der kleinen Glocke durch die Gießerei Kurtz in Stuttgart.[5]

Bei einem Luftangriff gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche erheblich beschädigt, zu einer Instandsetzung kam es erst Anfang der 1950er Jahre.

In der evangelischen Gemeinde wirkte von 1960 bis 1972 Adolf Burkhardt als Pfarrer. Er gründete eine Esperanto-Gruppe, deren Mitglieder bis heute für die internationale Sprache eintreten.

Etwa einmal monatlich findet in der Kirche ein katholischer Gottesdienst statt.

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum Appeleshof bietet Einblicke in die Geschichte und Lebensweise der Bewohner Gechingens.[6]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwasser am Freitag, den 15. Mai 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochwasser in Gechingen
Die Irm im Sommer 2018

Am Freitag, den 15. Mai 2009 wurde das Gebiet um Gechingen, Althengstett und Ostelsheim von einem gewaltigen Unwetter befallen, das eine Überflutung von Straßen und Feldern bewirkte. Der starke Regen führte zu einer kompletten Überflutung ab der Dorfäckerstraße, die Wassermassen flossen weiter in den Ortskern, vorbei an dem Rathaus und weiter zur Irm. Eine Art Fluss hatte sich durch Gechingen gebildet. Die Irm weitete sich auf 30 Meter aus und floss weiter in Richtung Aidlingen.

Durch das Hochwasser sind etliche Keller und Garagen geflutet worden, selbst die Pflastersteine im Ortskern wurden weggespült. Ein Lebensmittelladen in Gechingen wird nicht wieder in Betrieb genommen werden können, da der entstandene Schaden um die 40.000 Euro beträgt.

Die Polizei musste sämtliche Zufahrtsstraßen nach Gechingen sperren. Mehrere Freiwillige Feuerwehren aus dem Landkreis waren mit rund 300 Mann im Einsatz. Sie mussten vor allem voll gelaufene Keller leer pumpen, dabei entstanden durch aufgeschwemmte Heizöltanks zunächst die größten Probleme. Mehrere Tiefgaragen, in denen einige Fahrzeuge geparkt waren, standen bis zur Decke unter Wasser.

Laut Schätzungen der Polizei beträgt der Schaden um die 4 Millionen Euro.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2017 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 475–476
  3. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (Memento des Originals vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.statistik.baden-wuerttemberg.de, abgerufen 26. Dezember 2014
  4. Öffentliche Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl des Gemeinderats am 25. Mai 2014, abgerufen 26. Dezember 2014 über die Homepage der Bürger-Union Gechingen
  5. Evangelische Kirchengemeinde Gechingen – Geläut, abgerufen am 20. Oktober 2017
  6. Schwarzwaldverein Gechingen e.V. - HEIMATMUSEUM. Abgerufen am 16. August 2018 (deutsch).
  7. Hochwasser in Aidlingen, Gechingen, Deufringen. In: Tilo Hensel. 16. Mai 2009 (tilo-hensel.de [abgerufen am 16. August 2018]).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Roller: Gechinger Chronik, 1996 (Arbeitskreis Heimatgeschichte im Schwarzwaldverein Gechingen)
  • Karl Friedrich Eßig: Heimatbuch
  • Junge Wissenschaft 113 / 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gechingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien