Gedeckte Brücke

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Gedeckte Brücke in Wettingen
Innenansicht der von Johannes Grubenmann gebauten Brücke über die Glatt bei Rümlang
Seitenwand einer Brücke mit Town’schem Lattenträger
Seitenwand einer Brücke mit Burr-Träger

Eine gedeckte Brücke (englisch covered bridge) ist eine meist in Fachwerkbauweise errichtete Holzbrücke mit einem Dach zum Schutz vor Witterung. Zweck der Überdeckung ist der Schutz der tragenden Holzbalken vor Verwitterung, da ungeschützte Holzbalken schneller verwittern, zumal es in früherer Zeit noch keine chemischen Holzschutzmittel gab. Ungeschützte Holzbrücken müssen alle 10 bis 15 Jahre saniert werden. Meist gehören zur Deckung einer solchen Brücke zwei geschlossene Seitenwände; solche Brücken werden auch als Archenbrücken bezeichnet.[1] Als gedeckte Brücken gelten aber auch Brücken, die zu den Seiten hin offen sind.

Ein weiterer Grund für den Bau gedeckter Brücken war früher, dass Pferde das rauschende Wasser scheuen und sich leichter über nahezu fensterlose geschlossene Brücken führen ließen.[2]

Verbreitung der Bauweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedeckte Holzbrücken waren vom Spätmittelalter bis Ende des 19. Jahrhunderts in waldreichen Gebieten Nordamerikas und Europas weit verbreitet. Wegen der höheren Belastungen durch schwerere Fahrzeuge werden heute solche Brücken nur noch für untergeordnete Straßen sowie Fahrrad- und Fußwege gebaut.

In Europa gibt es heute noch etwa 200 gedeckte Brücken. In den USA sind hingegen ungefähr 1000 dieser Bauwerke erhalten, davon mehr als die Hälfte in den vier Bundesstaaten Pennsylvania, Ohio, Indiana und Vermont an der Ostküste, sowie im Bundesstaat Oregon an der Westküste. Es wird geschätzt, dass einst über 14000 derartige Brücken in den USA existierten.[3] In Kanada gibt es von ihnen noch 400. Auf den anderen Kontinenten wurden gedeckte Brücken kaum errichtet. Ausnahmen sind China, Japan, Indonesien und Vietnam[4], wo einige Brücken bekannt sind.

Gedeckte Brücken gelten in den Vereinigten Staaten als folkloristische Sinnbilder. Es werden deshalb auch Brücken, die kein hölzernes Tragwerk haben, mit Holzwänden und Dächern versehen. Diese Verkleidung wird im Englischen als Romantic Shelter, zu Deutsch Romantisches Schutzdach bezeichnet. Die Nachbildung gedeckter Brücken geht dabei so weit, dass diese Bauwerke ähnlich den richtigen gedeckten Brücken eine nationale Klassifikation haben.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drohnenvideo von gedeckten Järuska Brücke in Estland

Nach dem Niedergang des Römischen Reiches wurden in der Geschichte des Brückenbaus nur noch wenige Steinbrücken gebaut. Die meisten Brücken wurden aus Holz in Form von Jochbrücken errichtet. Im Spätmittelalter wurden diese Brücken zum Schutz der Holzkonstruktion mit einem Dach versehen. Beispiele dafür sind die Kapellbrücke in Luzern oder der Ponte Vecchio von Bassano del Grappa in Italien. Zwar sind von Renaissance-Architekten wie Andrea Palladio oder Leonardo da Vinci Entwürfe von hölzernen Brücken mit Tragwerken über der Fahrbahn bekannt, doch scheinen diese kaum umgesetzt worden zu sein.[6]

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden gedeckte Brücken errichtet, die nicht mehr als Jochbrücken ausgebildet waren, sondern seitlich der Fahrbahn über Fachwerke aus Stabpolygonen verfügten. Diese Brücken wiesen Seitenwände auf, um das Tragwerk besser vor der Witterung zu schützen. Ihre größere Spannweite machte sie gegenüber Jochbrücken weniger empfindlich bezüglich Beschädigungen durch Eisgang im darunterliegenden Gewässer.[7]

In der Schweiz erlangten im 18. Jahrhundert die Bauwerke der Gebrüder Hans Ulrich und Johannes Grubenmann größere Bekanntheit.[8] Während die ersten Brücken noch mit Stabpolygonen errichtet wurden, gingen sie zu Bogenkonstruktionen über, die mit Spreng- und Hängewerk kombiniert waren. Ihre Brücken erreichten Spannweiten bis zu 60 Meter. Als bekanntestes Bauwerk gilt die Rheinbrücke Schaffhausens, die 120 m lang war und nur einen Zwischenpfeiler hatte. Grundlagen zur Berechnung der Brücken standen noch nicht zur Verfügung, weshalb vor dem Bau der Brücke maßstäbliche Modelle erstellt wurden, die den Bauherren zur Abnahme präsentiert wurden.[9] Ihre kombinierte Technik wurde von den Brüdern Grubenmann dann auch im Bau weitgespannter Kirchendächer eingesetzt. In Europa bekannt wurde die 1778 von Johann Christian Adam Etzel (1743–1801; Onkel von Gottlieb Christian Eberhard von Etzel) gebaute Neckarbrücke Plochingen mit einer freitragenden Spannweite von 70 Meter,[10] die 1905 völlig intakt der Erweiterung der Bahnhofanlagen weichen musste. Die 1955 original wieder aufgebaute gedeckte Holzbrücke Forbach (Nordschwarzwald) über die Murg, ursprünglich ab 1778 geplant und gebaut von Otto Lindemann, wird mit ihren 38 Metern Spannweite regional als die "längste freitragende, überdachte und aufgrund ihrer Stabilität befahrbare Holzbrücke in Europa"[11] bezeichnet. Die höchste gedeckte Brücke in Europa ist die Hohe Brücke zwischen den Orten Flüeli-Ranft und Kerns im Schweizer Kanton Obwalden, die die Grosse Melchaa in rund 100 Metern Höhe überspannt.

In Amerika wurde die erste gedeckte Brücke 1806 von Timothy Palmer in Philadelphia über den Schuylkill River gebaut. Das hölzerne Tragwerk mit drei Bögen hatte die beachtliche Länge von 151 Meter. Die Tragwerke gedeckter Brücken wurden im Amerika weiter entwickelt und führten zu Konstruktionen, die in Europa kaum Verwendung fanden. Beispielsweise erfand Ithiel Town den nach ihm benannten Town’schen Lattenträger, einen hölzernen Gitterträger, der sich aus relativ leichten Teilen zusammensetzen ließ und einfach an verschiedene Tragwerkslängen anzupassen war. Durch Theodore Burr wurde der Burr-Träger entwickelt, eine Kombination aus Bogen und Fachwerkträger. Eine dieser Brücken ist die Roseman Covered Bridge. Sie war zentraler Handlungsort der Novelle "The Bridges of Madison County" und deren Verfilmung "Die Brücken am Fluß" mit Meryl Streep und Clint Eastwood, der auch Regie führte und Produzent war.

Mit dem Aufkommen von Eisenbahnen mussten die Brücken für schwerere Lasten ausgelegt werden, so dass mehr und mehr Eisen und Stahl zum Einsatz kamen. Zuerst wurden die modernen Werkstoffe nur für Teile des Tragwerks, später für das ganze Tragwerk verwendet. Da diese Werkstoffe keinen Witterungsschutz benötigen, wurden fortan die Brücken ohne Wetterschutz gebaut.[12]

Ausgewählte Beispiele von gedeckten Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Name Ort Land Nutzung Länge in Metern Jahr der Fertigstellung Bild Kommentar
1 Kapellbrücke Luzern Schweiz Fußgänger 205 1365 Kapellbrücke

Zweitlängste gedeckte Brücke Europas

2 Holzbrücke Finstermünz Nauders Österreich, Schweiz Radfahrer, Fußgänger 17 1472 Holzbrücke Finstermünz

Grenzbrücke zwischen Tirol und Graubünden.

3 Ponte Vecchio Bassano del Grappa Italien Radfahrer, Fußgänger 58 1567 Ponte Vecchio

Von Andrea Palladio erbaute Jochbrücke mit Dach

4 Holzbrücke Bad Säckingen Bad Säckingen, Stein Schweiz, Deutschland Radfahrer, Fußgänger 207 16. Jh. Holzbrücke Bad Säckingen

Längste gedeckte Brücke Europas

5 Rheinbrücke Schaffhausen–Feuerthalen Schaffhausen Schweiz Straßenverkehr 111 1758 Rheinbrücke Schaffhausen–Feuerthalen

Bekanntestes Bauwerk von Hans Ulrich Grubenmann, durch die Franzosen zerstört 1799

6 Market Street Bridge Philadelphia USA Straßenverkehr 151 1805 Market Street Bridge

Erste gedeckte Brücke in Amerika. Das Holztragwerk hat eine Länge von 151 m, die Gesamtlänge des Bauwerks mit den Vorbrücken war 400 m.

7 Ströhberne Bruck’n Edelschrott Österreich Fußgänger 11,5 1816 Ströhberne Bruck’n

Beispiel für eine strohgedeckte Brücke. Durch Stauseebau 2,5 m verkürzt und einige Meter versetzt worden.

8 Worrall Covered Bridge Rockingham (Vermont) USA Straßenverkehr 25 1870 Worrall Covered Bridge

Beispiel einer Brücke mit Town’schem Lattenträger.

9 Contoocook Railroad Bridge Contoocook (New Hampshire) USA Eisenbahn 44 1870 Contoocook Railroad Bridge

Eisenbahnbrücke mit Town’schem Lattenträger.

10 Hartland Bridge Hartland Kanada Straßenverkehr 391 1901 Hartland Bridge

Längste gedeckte Brücke der Welt.

11 Office Bridge Westfir (Oregon) USA Straßenverkehr, Fußgänger 56 1944 Office Covered Bridge, Westfir Oregon.jpg Beispiel einer gedeckten Brücke mit separatem Fußgängerweg.

Weitere Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz – Liechtenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz – Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gedeckte Brücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Huber, Renate Rieth (Hrsg.): Glossarium Artis. Band 9: Städte / Villes / Towns. Walter de Gruyter, 2011, ISBN 978-3-11-097205-4, S. 171.
  2. West Montrose Covered Bridge (Kissing Bridge). (Nicht mehr online verfügbar.) Township of Woolwich, archiviert vom Original am 6. Januar 2012; abgerufen am 14. April 2013 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.woolwich.ca
  3. About Covered Bridges. In: Covered Bridges of Maryland. Jim Smedley, abgerufen am 11. Februar 2013 (englisch).
  4. In Vietnam gibt es beispielsweise die gedeckte Holzbrücke Thanh Toan Bridge in Huế, siehe Thanh Toan Bridge, Hue, Vietnam auf der Website orientalarchitecture.com, abgerufen am 25. August 2019.
  5. Romantic Shelters. In: Covered Bridges of Maryland. Jim Smedley, abgerufen am 11. Februar 2013 (englisch).
  6. C. Ceraldi, E. Russo Ermolli: The Swiss covered bridges of eighteenth century. A special case: The bridge of Schaffhausen. (PDF; 1,1 MB) Abgerufen am 11. Februar 2013 (englisch).
  7. T. Bitterli: Historische Brücken. Eine Einführung. In: Schweizerischer Burgenverein (Hrsg.): Mittelalter. Nr. 4. Schwabe, 2003, ISSN 1420-6994, S. 105–108 (burgenverein.ch [PDF; abgerufen am 11. Februar 2013]).
  8. Josef Killer: Die Werke der Baumeister Grubenmann, Doktorarbeit ETHZ, Zürich 1942 - einsehbar als PDF (27 MB) auf [1], zuletzt abgerufen am 30. Juni 2019.
  9. A. Müller, H. Kolb: Grubenmanns Brücken. (PDF; 346 kB) Tec21, 2009, abgerufen am 2. Februar 2013 (Die Aussage im Artikel, dass nur noch zwei Brücken von Grubenmann existieren, ist falsch.).
  10. Abbildung von 1905 einsehbar auf [2], zuletzt abgerufen am 30. Juni 2019.
  11. siehe [3], zuletzt abgerufen am 30. Juni 2019.
  12. Covered Bridge. Britannica Online Encyclopedia, abgerufen am 11. Februar 2013 (englisch).