Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

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Gedenkstätte Genslerstraße
Berlin-Hohenschönhausen
2012-07-22 Gedenkstaette Berlin-Hohenschoenhausen Genslerstr. 66 anagoria.JPG
Wachturm an der Genslerstraße
Daten
Ort Berlin-Alt-Hohenschönhausen, Genslerstraße 66
Eröffnung 1994
Besucheranzahl (jährlich) 444.000 (Jahr 2015)[1]
Betreiber Stadt Berlin
Leitung Hubertus Knabe (seit 2001)
Website Stiftung Hohenschönhausen
ISIL DE-MUS-917111

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besteht aus den Räumlichkeiten der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR, die von 1951 bis 1989 in Weißensee bzw. Hohenschönhausen in Betrieb war. Dort wurden vor allem politische Gefangene inhaftiert und physisch und psychisch gefoltert.[2] Der Gebäudekomplex war auf Stadtplänen nicht verzeichnet.[3] Seit den 1990er Jahren existiert an gleicher Stelle eine Gedenkstätte als Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland. Die Gebäude der ehemaligen Haftanstalt wurden 1992 unter Denkmalschutz gestellt.[4] Die Gedenkstätte ist Mitglied der Platform of European Memory and Conscience.

Aufgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgabe der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist im Gesetz über die Errichtung der Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ festgelegt.[5] Demnach ist die Gedenkstätte einerseits Dokumentations- und Begegnungszentrum und hat andererseits die Aufgabe, die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 zu erforschen. Durch die Erarbeitung von Informationsmaterial und Publikationen sowie durch Ausstellungen und Veranstaltungen soll ein Beitrag zur Diskussion über politische Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur geleistet werden. An der ehemaligen Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen soll beispielhaft über die politische Justiz in der DDR informiert werden.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industriegelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gelände der späteren Haftanstalt Hohenschönhausen gehörte bis 1938 dem Maschinenfabrikanten Richard Heike. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt errichtete auf dem Grundstück einen zweistöckigen Backsteinbau, der eine Großküche beherbergte. In der Nähe der Großküche befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Barackenlager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Speziallager Nr. 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1945 richtete das sowjetische NKWD auf dem Gelände der Großküche ein Speziallager ein, die Nr. 3 von zehn Lagern in der Sowjetischen Besatzungszone.

In diesem Lager waren bei einer Durchschnittsbelegung von 1800 Häftlingen (Höchstbelegung: 4000 bis 5000) insgesamt etwa 20.000 politische Häftlinge und andere für die Sowjetunion verdächtige Menschen inhaftiert und wurden von hier auf die anderen Speziallager verteilt. Inhaftiert waren sogenannte „feindliche Elemente“, unter ihnen ehemalige aktive Mitglieder der NSDAP oder Gestapo, Spione, Terroristen, Betreiber von illegalen Funkstationen oder Druckereien, Zeitungs- und Zeitschriftenredakteure und Autoren, die anti-sowjetische Schriften veröffentlicht hatten, sowie Jugendliche unter „Werwolf“-Verdacht. Neben Deutschen gehörten ehemalige osteuropäische Zwangsarbeiter (wie Russen, Polen, Ukrainer, Esten, Letten, Tschechen) zu den Gefangenen. Das Speziallager Nr. 3 wurde im Oktober 1946 aufgelöst.[7] Die Häftlinge wurden in die Speziallager Sachsenhausen oder Buchenwald verlegt.

Gedenkstein für die Opfer des Speziallagers Nr. 3

Von den 20.000 Inhaftierten des Speziallagers Nr. 3 und eines benachbarten sowjetischen Haftarbeitslagers verstarben schätzungsweise 1000 Menschen.[8] Für sie wurde auf dem Friedhof an der Gärtnerstraße/Ferdinand-Schultze-Straße ein Gedenkstein errichtet. In der Genslerstraße befand sich die zentrale Verwaltung aller zehn sowjetischen Speziallager der SMAD in der sowjetischen Besatzungszone.

Zentrale Untersuchungshaftanstalt der sowjetischen Geheimpolizei (1946–1950)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Isolierzelle im Altbau, dem „U-Boot“

In dem unterirdisch gelegenen Lager- und Kühlraum der ehemaligen Großküche mussten Gefangene im Winter 1946/47 ein Zellengefängnis errichten. Es wurden 60 fensterlose Zellen geschaffen. Das Inventar dieser feuchten und zum Teil unbeheizbaren Kammern bestand aus einer Holzpritsche und einem Kübel für Fäkalien. Weil in den Zellen Tag und Nacht Licht brannte, ständig das Geräusch der Belüftungsanlage hörbar war und die Häftlinge sich „abgetaucht“ fühlten, nannten sie das Gefängnis „U-Boot“.

Die größtenteils politischen Häftlinge berichteten von den Verhörmethoden seitens des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes: Die Verhöre fanden in der Regel nachts statt und die Häftlinge wurden physisch und psychisch gefoltert. Zu den Foltermethoden gehörten neben Prügeln und Auspeitschen mit dem Ledergürtel auch subtilere Methoden wie dauerhafter Schlafentzug, stundenlanges Stehen, tagelanger Arrest in winzigen Isolierzellen oder der mehrtägige Aufenthalt in Kammern mit erhöhter Türschwelle, in denen Gefangene mit kaltem Wasser übergossen wurden, bis sie knöcheltief im Wasser standen.[9]

Zu den Inhaftierten in dieser Zeit zählten neben Nationalsozialisten vor allem mutmaßliche politische Widersacher, die den demokratischen Parteien SPD, LDPD und CDU angehörten, aber auch sowjetische Militärangehörige und Kommunisten, denen mangelnde Linientreue zum Vorwurf gemacht wurde.[10] Auch die damals 14-jährige Erika Riemann gehörte zu den Inhaftierten. Sie befand sich von 1945 bis 1954 in sowjetischen und DDR-Haftanstalten, weil sie ein Stalinplakat mit einem Lippenstift bemalt hatte.[11]

Zentrales Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit (1951–1989)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gang mit Zellen im Neubau der ehemaligen Haftanstalt

Fast 40 Jahre lang war das Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen zugleich das wichtigste der Staatssicherheit. Hinter seinen Mauern isolierte, vernahm und folterte der DDR-Unrechtsstaat mehr als 10.000 Häftlinge vor ihren Prozessen, zum Teil jahrelang.[3]

Das 1950 gegründete Ministerium für Staatssicherheit (MfS) übernahm im Sommer 1951 zusammen mit dem Sperrgebiet auch das weiterhin als „U-Boot“ bezeichnete Kellergefängnis für die folgenden zehn Jahre als zentrale Untersuchungshaftanstalt. [12] In den späten 1950er Jahren wurde direkt daneben ein neues Gefängnis errichtet. Nach seiner Inbetriebnahme im Jahr 1961 diente das alte Kellergefängnis überwiegend Lagerzwecken.[13]

Zusätzlich existierte in unmittelbarer Nähe der Untersuchungshaftanstalt bis 1974 ein geheimes Haftarbeitslager des MfS für verurteilte Gefangene, das Lager X.[14] Häftlinge dieses Lagers hatten bis 1960 den Gefängnisneubau errichtet. Dieser enthielt über 100 Zellen und 120 Vernehmungszimmer. Die an den Außenseiten liegenden oberirdischen Zellen erhielten vergitterte Glasbausteinfenster. Im danebenliegenden „Zentralen Haftkrankenhaus“ wurden zwischen dem 21. Mai 1959 und dem 7. Dezember 1989 insgesamt 2694 Insassen aus allen Haftanstalten des MfS behandelt. Nach dem letzten Umbau 1972 enthielt es 28 Betten.

Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 diente es unter anderem als Haftanstalt für Menschen, die fliehen oder ausreisen wollten, und auch für Kritiker der SED wie Rudolf Bahro, den Schriftsteller Jürgen Fuchs oder die Malerin Bärbel Bohley. Auch nach der unmittelbaren Nachkriegszeit waren dort noch gelegentlich Nazi-Kriegsverbrecher wie Heinz Barth und Josef Blösche inhaftiert.

Als die DDR in den 1950er Jahren um internationale Anerkennung rang und die vielen Folteropfer negative Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung hatten, wurde statt direkter körperlicher Folterungen vermehrt psychologische Zermürbung der Häftlinge unter anderem durch Isolationshaft, Ungewissheit und Desorientierung (soziale und sensorische Deprivation) ausgeübt.[15] Ziel war es, den Willen der Insassen ohne nachweisbare körperliche Schädigung zu brechen,[3] daher wurden von der Stasi fortan nur noch weiße Folter angewandt.

An der juristischen Hochschule in Potsdam ausgebildetes Personal wurde geschult, die Persönlichkeit der Gefangenen zu destabilisieren und zu zersetzen. In allen Situationen wurden die Gefangenen schikaniert, zum Beispiel durch regelmäßiges Wecken in der Nacht (alle drei Minuten) oder durch Wechsel der Zimmertemperatur.

Jürgen Fuchs beschreibt in Protokollen vom Haftalltag in Hohenschönhausen die wechselnde Verhörstrategie und Erniedrigungsversuche. Sein Zellenpartner führte Verhör und Folter zu jeder Zeit fort. Fuchs wurde während seiner Haftzeit ein Besuch von seiner Frau gestattet. Nach dem Treffen sagte ihm ein Wärter: „Der erste Sprecher und ohne Tränen. Gratuliere. […] Vielleicht hätten wir doch anordnen sollen, dass Ihr Kind mitkommt.“[16]

Zwecks Standortverschleierung erreichten Häftlinge den Zellentrakt nur mit fensterlosen Häftlingstransportern über die ebenfalls fensterlose Garage
An den Flurwänden ein Alarmsystem aus Überputzleitungen, im Hintergrund Flurampeln zur Isolation der Gefangenen außerhalb ihrer Zelle

Schon während der Verhöre und der erkennungsdienstlichen Behandlung wurden die Häftlinge psychisch unter Druck gesetzt, indem sie über Stunden, ohne beachtet zu werden, auf den ihnen zugewiesenen Plätzen verharren mussten, ohne zu wissen, was weiterhin geschehen sollte. Des Weiteren wurden während der Anwesenheit des Häftlings fingierte Telefonate mit falschem Inhalt geführt. Beispielsweise wurde auf diese Weise suggeriert, dass einem Angehörigen ein schlimmes Schicksal zugestoßen sei.

In der Regel wussten die Gefangenen während ihrer Inhaftierung nicht, dass sie sich in Berlin befanden: die fensterlosen Häftlingstransporter mussten sie in der fensterlosen Garage des Zellentraktes verlassen. Alle Zellenfenster bestanden aus vergitterten Glasbausteinen, vor jeder Vernehmung wurden im Verhörraum die Gardinen geschlossen. Ampelähnliche Vorrichtungen in allen Fluren verhinderten, dass sich jemals zwei Gefangene außerhalb ihrer Einzelzelle zufällig begegneten. So war es möglich, mehrere der gemeinsamen Tat Verdächtige oder ganze Familien in demselben Gebäude unterzubringen und direkt nacheinander zu verhören, ohne dass ein Gefangener von der Anwesenheit der anderen wusste.

Das MfS hatte auf dem Gelände weitere Diensteinheiten wie die Hauptabteilung IX/11, den Operativ-Technischen Sektor (z. B. Fälscherwerkstätten) und das Archiv der vom MfS verwalteten Akten aus der NS-Zeit. Alle MfS-Gefängnisse der DDR wurden von diesem Ort aus zentral verwaltet.

Die gesamte Umgebung des Gefängnisses war zu DDR-Zeiten Sperrgebiet und in Stadtplänen verschleiert dargestellt. Das Gefängnis lag mitten in einem Wohngebiet; um die Geheimhaltung trotzdem zu gewährleisten, wohnten hier ausschließlich systemtreue Personen, in der Regel Stasi-Offiziere. Bei letzteren ist die Gedenkstätte besonders verhasst, weil ehemalige Häftlinge durch das Gelände führen und die Taten als Betroffene sehr glaubwürdig schildern können.[17] Ehemalige DDR-Funktionäre und Stasi-Angehörige haben daher eigene Organisationen wie die GBM und die GRH gegründet, die gegen die Aufarbeitung der DDR-Geschichte seitens der Gedenkstätte agitieren.[18]

Friedliche Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Wende und friedlichen Revolution in der DDR wurde am 17. November 1989 das Ministerium für Staatssicherheit von der reformkommunistischen Regierung Modrow in das Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) umgewandelt. Am 14. Dezember beschloss der Ministerrat auf Druck der demokratischen Bürgerbewegung und unter dem Einfluss des Zentralen Runden Tisches die Auflösung des AfNS und damit aller Untersuchungsgefängnisse. Die Gefängnisabteilungen gingen in die Verwaltung des Ministeriums des Innern der DDR über.[19] Die letzten Gefangenen wurden im Frühjahr 1990 entlassen. Die Haftanstalt Hohenschönhausen selbst wurde offiziell am 2. Oktober 1990 geschlossen und an die West-Berliner Justizverwaltung übergeben.

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelzelle im Neubau

Nach der Friedlichen Revolution blieben die Gebäude und Einrichtungen weitgehend im Originalzustand. So wurde 1994 eine Gedenkstätte eingerichtet. Besucherreferenten, zumeist ehemalige Häftlinge, führen die Besucher durch die verschiedenen Gebäude.

Die Gedenkstätte wendet sich mit Lehrangeboten auch an Schulen und gab dafür in Zusammenarbeit mit dem Berliner Landesinstitut für Schule und Medien Unterrichtsmaterial heraus. Bei einem von der Gedenkstätte angebotenen Projekttag sollen die Schüler Haftbedingungen aus der Sicht der Inhaftierten veranschaulicht bekommen. Dabei durchlaufen die Schüler unter Anleitung verschiedene Stationen wie Hören eines Gefängnisliedes, fünfzehnminütiges Stillsitzen (zum Kennenlernen einer Vernehmermethode und deren „Auswirkungen auf die Häftlinge durch Nachahmen an eigenem Körper“), Schreiben eines Kassibers, Schreiben eines Briefes unter der Bedingung der Briefzensur und Geben von Klopfzeichen.[20]

Das Gros der Besucher sind mittlerweile Schüler, die vor allem aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg kommen. Ausländer, die sich für diese Gedenkstätte interessierten, kamen meist aus Dänemark, Norwegen und Großbritannien.[1]

Die Führungen durch Zeitzeugen werden durch eine Ausstellung über die Geschichte des Stasigefängnisses wissenschaftlich unterfüttert, Schulklassen wird vor jeder Führung ein dreißigminütiger, didaktisch aufbereiteter Dokumentarfilm vorgeführt. Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, hält die Rolle der Zeitzeugen als Museumsführer für unerlässlich.[21]

Wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte ist seit 2001 der Historiker Hubertus Knabe. Stellvertretender Direktor ist Helmuth Frauendorfer.

Am 21. Juli 2006 wurden in Berlin-Hohenschönhausen vier Tafeln zum Gedenken der „Opfer der Kommunistischen Diktatur“ aufgestellt, um das ehemalige Sperrgelände um das Gefängnis der Staatssicherheit der DDR zu kennzeichnen. Dem Ereignis ging eine lange Debatte in der Bezirksverordnetenversammlung in dem PDS-regierten Bezirk Lichtenberg voraus.[22][23]

Im Frühjahr 2009 wurde die Gedenkstätte zum Ausgewählten Ort 2009 der Initiative Deutschland – Land der Ideen erklärt.[24]

Politiker aus Deutschland und dem Ausland besichtigten wiederholt die Gedenkstätte. Am 5. Mai 2009 besuchte die Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals das Gelände und legte einen Kranz nieder.[25] Am 11. März 2013 besuchte der ungarische Staatspräsident János Áder die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und legte einen Kranz am Gedenkstein für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft nieder.[26]

Im älteren Gefängnisbau, in dessen Keller das U-Boot besichtigt werden kann, wurde nach einer zweijährigen Sanierung im Oktober 2013 eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes eröffnet.[27]

Geschichtsrevisionismus durch Stasi-Offiziere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. März 2006 bestritten hochrangige ehemalige Stasi-Offiziere und -Funktionsträger wie Wolfgang Schwanitz und der frühere Anstaltsleiter Siegfried Rataizick während einer Podiumsdiskussion die Misshandlungen an Häftlingen, zweifelten die Schilderungen über die Zustände in der Haftanstalt an und leugneten den von der Stasi ausgeübten Terror gegen politische Gegner.[28][29] Dies verursachte einigen Wirbel in Politik und Öffentlichkeit, insbesondere da der anwesende PDS-Kultursenator Thomas Flierl keinerlei Einspruch gegen das Schönfärben der Stasifolter erhob, obwohl Flierl durch sein Amt Stiftungsratsvorsitzender der Gedenkstätte war.[30] Das Berliner Abgeordnetenhaus wies dagegen die Äußerungen der ehemaligen Stasi-Offiziere zurück. Der Präsident des Abgeordnetenhauses Walter Momper versicherte den Opferverbänden und der Gedenkstätte die Unterstützung des Abgeordnetenhauses und griff die ehemaligen Stasi-Offiziere scharf an.[31] Karl Wilhelm Fricke schrieb nach diesem Auftritt der ehemaligen Stasi-Offiziere: „Ihre Spekulation auf ein kurzes Gedächtnis ist gerechtfertigt. Davon lebt ihr Geschichtsrevisionismus, der die Wahrheit selektiert und auf den Kopf stellt.“[32]

Durch organisierte ehemalige Stasi-Offiziere und -Mitarbeiter, die sich zum Teil fälschlich als sächsische Historiker ausgaben, kam es einige Zeit lang regelmäßig zu Störungen durch Zwischenrufe während der Führungen durch die Gedenkstätte. Bei Besuchern, die an den Führungen teilnahmen, führte die Agitation der ehemaligen Stasi-Mitarbeiter zu Verwirrung.[33]

Hohenschönhausen-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 verleiht der Förderverein der Gedenkstätte Hohenschönhausen alle zwei Jahre den Hohenschönhausen-Preis. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird an eine Persönlichkeit verliehen, die sich in herausgehobener Weise durch wissenschaftliche Arbeiten oder interessante künstlerische Projekte oder journalistische Arbeiten „um die kritische Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur verdient gemacht“ hat.

Die Preisträger waren 2008 der Schriftsteller Joachim Walther, 2010 der Publizist und DDR‑Experte Karl Wilhelm Fricke, 2012 der Schriftsteller Erich Loest. Im gleichen Jahr erhielt der Journalist Sven Felix Kellerhoff einen Ehrenpreis und das Menschenrechtszentrum Cottbus einen Sonderpreis für seine Bemühungen um die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus.[34]

2014 ging der Hohenschönhausen-Preis an den Schriftsteller Reiner Kunze. 2016 wurden der chinesische Schriftsteller und Dissident Liao Yiwu sowie der Verein Doping-Opfer-Hilfe und dessen Vorsitzende Ines Geipel geehrt.[35]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Bath: Gefangen und freigetauscht. 1197 Tage als Fluchthelfer in der DDR-Haft. (Reihe Inhaftiert in Hohenschönhausen). Jaron, Berlin 2007, ISBN 978-3-89773-566-8.
  • Susanne Buckley-Zistel: Detained in the Memorial Hohenschönhausen: Heterotopias, Narratives and Transitions from the Stasi Past in Germany. In: Buckley-Zistel, Susanne/Schäfer, Stefanie (Hgs.): Memorials in Times of Transition. Intersentia Series on Transitional Justice. Cambridge, Antwerp, Portland, 2014, S. 97–124, ISBN 978-1-78068-211-2.
  • Marc Buhl: 375, drei sieben fünf. Roman. Eichborn-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8218-5782-4.
  • Rainer Dellmuth Ausflüge im Grotewohl-Express. Operativ-Vorgang „Lehrling“: eine Jugend wird zerstört. Anita-Tykve Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-925434-93-3.
  • Peter Erler: Polizeimajor Karl Heinrich – NS-Gegner und Antikommunist. Eine biographische Skizze. (Reihe Inhaftiert in Hohenschönhausen). Jaron, Berlin 2007, ISBN 978-3-89773-567-5.
  • Peter Erler, Hubertus Knabe: Der verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen. Jaron, Berlin 2005, ISBN 3-89773-506-7.
  • Jürgen Fuchs: Vernehmungsprotokolle. Rowohlt, Berlin 1978, ISBN 3-499-12726-1.
  • Karl Wilhelm Fricke: Akten-Einsicht. Rekonstruktion einer politischen Verfolgung. Mit einem Vorwort von Joachim Gauck. Berlin 1995, 4. Auflage 1997: ISBN 3-86-153099-6.
  • Robert Ide: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. (Die Neuen Architekturführer Nr. 43). Stadtwandel Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-933743-89-3.
  • Hubertus Knabe (Hrsg.): Gefangen in Hohenschönhausen. (Reihe Inhaftiert in Hohenschönhausen). List-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-548-60741-2.
  • Hubertus Knabe, Andreas Engwert (Hrsg.): Inhaftiert in Hohenschönhausen. Zeugnisse politischer Verfolgung 1945–1989. Katalog zur Dauerausstellung. Nicolai, Berlin 2015, ISBN 978-3-89479-947-2.
  • Klaus Kordon, Krokodil im Nacken. Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim 2002, ISBN 3-407-80893-3.
  • Elisabeth Martin: „Ich habe mich nur an das geltende Recht gehalten“. Herkunft, Arbeitsweise und Mentalität der Wärter und Vernehmer der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2014, ISBN 9783848716845.[36]
  • Matthias Melster, Oliver S. Scholten: Wall - Die Kontrolle der Bilder. 20 Jahre Mauerfall. Verlag Onkel&Onkel, 2009, ISBN 978-3-940029-36-2.
  • Sergej Mironenko u. a. (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945–1950. Bd. 1, Akademie Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-05-002531-X.
  • Peter Reif-Spirek, Bodo Ritscher (Hrsg.): Speziallager in der SBZ. Links, Berlin 1999, ISBN 3-86153-193-3.
  • Anatol Rosenbaum: Die DDR feiert Geburtstag, und ich werde Kartoffelschäler. Als Arzt und „Agent“ im „Kommando X“ des MfS. Lichtig-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-929905-19-1.[37][38]
  • Anna Schlotterbeck: Die verbotene Hoffnung. Aus dem Leben einer Kommunistin. Mit einem Vorwort von Hans Noll. Fakta Oblita Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-926827-31-9.[39]
  • Beate Niemann: Mein guter Vater. Mein Leben mit seiner Vergangenheit. Eine Täter-Biographie. Verlag Hentrich&Hentrich Teetz, 2006, ISBN 3-938485-43-4.
  • Julia Spohr: In Haft bei der Staatssicherheit. Das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen 1951-1989. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-35120-8.
  • Tobias Voigt, Peter Erler: Medizin hinter Gittern - Das Stasi-Haftkrankenhaus in Berlin-Hohenschönhausen. Jaron Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89773-673-3.
  • Hans-Eberhard Zahn: Haftbedingungen und Geständnisproduktion in den Untersuchungs-Haftanstalten des MfS – Psychologische Aspekte und biographische Veranschaulichung. (Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen Band 5). 3. Auflage. Berlin 2001.[40]
  • Hans-Eberhard Zahn: Das Haftarbeitslager (Lager X) des Ministeriums für Staatssicherheit als Modell der Deutschen Demokratischen Republik. In: Peter Erler: „Lager X“. Das geheime Haftarbeitslager des MfS in Berlin-Hohenschönhausen (1952–1972). Fakten – Dokumente – Personen. Berlin 1997.

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Gaevert: Die Farce - Geschichte einer Verhaftung, Produktion: Schiwago-Film Berlin, Veröffentlichung: Literaturbüro Sachsen-Anhalt/Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt 2002; Premiere: 13. Februar 2002, Palais am Fürstenwall, Magdeburg, in der Reihe „Kunst im Palais“

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tanya Ury: Artistic Freedom/Künstlerische Freiheit. Fotoserie, 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gedenkstätte zieht Bilanz. In: Berliner Woche, 27. Januar 2016, S. 4.
  2. Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit. Website der Gedenkstätte Hohenschönhausen.
  3. a b c Bickmeyer, Brenner, Krücken: Nur raus hier! 18 Geschichten von der Flucht aus der DDR. 18 Geschichten gegen das Vergessen. Ankerherz Verlag 2014. S. 9.
  4. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste: Genslerstraße 66, ehem. Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit
  5. Gesetz über die Errichtung der Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ vom 21. Juni 2000 (PDF; 33 kB) auf der Website der Stiftung.
  6. § 2 Abs. 1 des Gesetzes über die Errichtung der Stiftung „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“.
  7. Sergej Mironenko, Lutz Niethammer, Alexander v. Plato, Volkhard Knigge, Günter Morsch (Hrsg.): Sowjetische Speziallager in Deutschland 1945–1950, Bd. 1, Akademie Verlag 1998, ISBN 3-05-002531-X.
  8. Vgl.Totenbuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.
  9. Peter Erler, Hubertus Knabe: Der verbotene Stadtteil Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen. Jaron, Berlin 2004, ISBN 3-05-002531-X, S. 57–58.
  10. Peter Erler, Hubertus Knabe: Der verbotene Stadtteil Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen. Jaron, Berlin 2004, ISBN 3-05-002531-X, S. 57.
  11. Riemann, Erika: Die Schleife an Stalins Bart. Ein Mädchenstreich, acht Jahre Haft und die Zeit danach, München 2009.
  12. Information des Projekts Jugendopposition in der DDR der Bundeszentrale für politische Bildung zur Nutzung des U-Boots
  13. Ausschreibung der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (PDF; 3,5 MB) für den partiellen Umbau der Gedenkstätte zur Schaffung eines zentralen Ausstellungsbereichs, S. 20.
  14. Information von Peter Erler zum Lager X in Horch und Guck, Heft 20/1997
  15. Julia Spohr: In Haft bei der Staatssicherheit. Das Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen 1951-1989. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-35120-8.
  16. Jürgen Fuchs: Vernehmungsprotokolle. Rowohlt, Berlin 1978.
  17. Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur. Berlin 2009, S.291
  18. Michael Meyer: Die Schönfärber. Über Versuche, die DDR-Geschichte umzudeuten. In: Deutschlandfunk. 19. Februar 2009, abgerufen am 1. Mai 2014.
  19. Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen – Geschichte der Haftabteilung.
  20. Politische Verfolgung in der DDR. Material für den Unterricht, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Berliner Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM), Berlin 2003, PDF, 6 MB.
  21. Mit Zeitzeugen auf den Spuren der Stasi, Deutschlandfunk, 5. Mai 2011
  22. Information der Gedenkstätte
  23. Berthold Seewald: Letzte Bastion. Warum die PDS im Ostberliner Bezirk Lichtenberg vier Informationstafeln über die DDR-Staatssicherheit verhindern will. In: Welt. , abgerufen am 7. Dezember 2014.
  24. Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen: Gedenkstätte ist Ausgewählter Ort 2009
  25. Armin Fuhrer: Hohenschönhausen: Geschichtsstunde bei der Kanzlerin. Focus Online, 5. Mai 2009.
  26. Homepage der Stiftung Hohenschönhausen
  27. Die Zeit in der Zelle von Barbara Bollwahn in Die Tageszeitung vom 7. Oktober 2013
  28. Stellungnahme der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) zu Vorgängen in der Gedenkstätte vom 20. März 2006
  29. Helmuth Frauendorfer: Stasi-Aufmarsch in Hohenschönhausen. Ex-Stasi-Leute bezeichneten die Gedenkstätte Hohenschönhausen als „Gruselkabinett“. Kultursenator Flierl ging dabei nicht konsequent gegen die Verunglimpfungen vor. MDR, 27. Februar 2006, archiviert vom Original am 27. Mai 2006, abgerufen am 7. Dezember 2014 (Manuskript). Karl Wilhelm Fricke: Geschichtsrevisionismus aus MfS-Perspektiv. Ehemalige Stasi-Kader wollen ihre Geschichte umdeute. Havemann-Gesellschaft, archiviert vom Original am 10. November 2006, abgerufen am 7. Dezember 2014 (pdf).
  30. Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur. Berlin 2008, S. 298
  31. Walter Momper: Rede des Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Walter Momper, zur Veranstaltung „Zeichen setzen - Schauspieler und ehemalige Häftlinge des MfS lesen Zeitzeugenberichte“ am Dienstag, 4. April 2006, 19.00 Uhr, im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin. 4. April 2006, abgerufen am 7. Dezember 2014 (pdf).
  32. Hubertus Knabe: Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur. Berlin 2008, S. 329.
  33. Michael Meyer: Die Schönfärber. Über Versuche, die DDR-Geschichte umzudeuten. In: Deutschlandfunk. 19. Februar 2009, abgerufen am 1. Mai 2014.
  34. Information des Fördervereins der Gedenkstätte Hohenschönhausen
  35. http://www.kulturradio.de/nachrichten/2016/10/preis-der-gedenkstaette-berlin--hohenschoenhausen-vergeben.html
  36. Rezension
  37. Rezension von André Glasmacher.
  38. Lesung mit jüdischem Stasihäftling.
  39. Biographie von Anna Schlotterbeck.
  40. Kurzbiographie und Download

Koordinaten: 52° 32′ 30″ N, 13° 30′ 4″ O