Gedenkstätte Sachsenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das 1968 errichtete Mahnmal, gestaltet von Hanns Diettrich (2016)

Die Gedenkstätte Sachsenburg erinnerte von 1974 bis 1990 an das frühe Konzentrationslager Sachsenburg (1933 bis 1937). Nach dem Ende der DDR wurde die Ausstellung im ehemaligen Fabrikgebäude in Sachsenburg geschlossen, die Mahnmale auf dem Gelände blieben erhalten. Seit den 1990er-Jahren setzen sich verschiedene Initiativen für eine neue KZ-Gedenkstätte ein. Im Juni 2018 beschloss der Stadtrat Frankenberg die Errichtung einer solchen Gedenkstätte. Diese soll von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten gefördert werden.

Gedenkstätte Sachsenburg in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein zur Erinnerung an das KZ Sachsenburg (2016)
Der provisorische Gedenkraum vor den vier erhalten Haftzellen (2015)

Denkmale auf dem ehemaligen KZ-Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde 1945 eine Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenburg angebracht. 1957 ließ die SED ein erstes „Ehrenmal für die Opfer des Faschismus“ errichten.[1] Das von Paul Friede entworfene Denkmal zeigte einen Mann, der seine Ketten abwirft. Beide Gedenkzeichen sind heute nicht mehr erhalten.

Seit 1968 erinnert ein von dem Bildhauer Hanns Diettrich gestaltetes Denkmal an das Konzentrationslager.[2] Das Werk stellt vier erschöpfte Häftlinge dar und ist mit einer Inschrift überschrieben, die auf Friedrich Schillers „Wallenstein“ zurückgeht: „Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein.“[3] Ein weiterer Gedenkstein nennt die Zahl von 2000 in Sachsenburg inhaftierten „Antifaschisten“. Tatsächlich war die Zahl der in Sachsenburg Inhaftierten weitaus höher, die Forschung konnte bislang die Namen von über 7000 Häftlingen ermitteln.[4]

Gedenkstätte im Fabrikgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 wurde in dem Fabrikgebäude ein Gedenkraum eingerichtet, der von der SED initiiert und vom Ministerium für Volksbildung unterstützt worden war. Besuchern war die Gedenkstätte erst nach vorheriger Anmeldung bei der SED-Kreisleitung Hainichen zugänglich. Leiter und maßgeblicher Initiator der Gedenkstätte war bis 1989 der Lehrer Gottfried Weber. 1983, zum 50. Jahrestag der Errichtung des KZ Sachsenburg, wurde der Gedenkraum neu gestaltet.[5]

Eine Dauerausstellung zeigte Schrifttafeln sowie Anschauungsobjekte, darunter einen Nachbau des Prügelbocks. Höhepunkt eines Gedenkstättenbesuchs war die Präsentation eines Dia-Ton-Vortrages zur Geschichte des KZ Sachsenburg in mehreren Sprachen, der von der SED-Kreisgeschichtskommission erstellt worden war. Strukturiert wurde der Vortrag durch die Strophen des „Sachsenburg-Liedes“, das die Häftlinge im Lager gesungen hatten.[6]

Dem SED-Geschichtsbild entsprechend setzte die Ausstellung den Schwerpunkt auf den „Widerstandskampf“ der antifaschistischen Gefangenen. Die DDR sollte als Vermächtnis des kommunistischen Widerstands im Nationalsozialismus erscheinen. Bis 1989 besuchten etwa 135 000 Menschen die Gedenkstätte. Für Jugendliche war der Besuch häufig Teil der Vorbereitungen zur Jugendweihe. Vor dem Mahnmal fanden Zeremonien zur Aufnahme in die Freie Deutsche Jugend statt.[7]

Abwicklung der Gedenkstätte nach 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ende der DDR brachte die Schließung der Gedenkstätte mit sich, die volkseigene Zwirnerei Sachsenburg stellte ihre Produktion in dem Fabrikgebäude ein. Nachdem die Treuhandanstalt die Anlage übernommen hatte, verschwanden Hinweis- und Gedenktafeln, die Gebäude verfielen.[8] Ein Großteil der Ausstellungselemente des Gedenkraums wurde entsorgt. 1992 beschmierten Unbekannte das Ehrenmal mit rechten Parolen, die monatelang nicht beseitigt wurden.[9] Der ehemaligen Gedenkstätte wurde vorgeworfen, ein einseitiges SED-Geschichtsbild vermittelt zu haben, in der öffentlichen Debatte wurde die Existenz eines Konzentrationslagers in Sachsenburg grundsätzlich angezweifelt.[10]

Künftige Gedenkstätte Sachsenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Außenraumausstellung der Initiative „Klick“ (2017)
In der ehemaligen KZ-Kommandantur soll künftig eine Ausstellung gezeigt werden (2015)

Kampf für eine neue Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 1990er-Jahren setzten sich ehemalige NS-Verfolgte für die Errichtung einer neuen Gedenkstätte ein. 1999 organisierten Mitglieder der VVN-BdA in Zusammenarbeit mit weiteren Ehrenamtlichen eine Ausstellung im Schloss Sachsenburg zur KZ-Geschichte.[11] Seit 2010 wird die Ausstellung im Garagenbau auf dem früheren KZ-Gelände gezeigt, sie ist aber nur zu besonderen Anlässen zugänglich.

2009 gründeten ehemalige Häftlinge, Angehörige von Inhaftierten und Gleichgesinnte die „Lagerarbeitsgemeinschaft Sachsenburg“ mit dem erklärten Ziel, wieder einen Ort der Erinnerung zu schaffen.[12] Außerdem setzte sich die 2010 von Jugendlichen gegründete Initiative „Klick“ für eine Gedenkstätte ein, aus ihr ist 2018 die „Geschichtswerkstatt Sachsenburg“ hervorgegangen. Diese betreibt die Website der im Aufbau befindlichen Gedenkstätte Sachsenburg.[13]

Pläne für die künftige Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ende 2012 erfolgte Novelle des sächsischen Gedenkstättengesetzes stellte die institutionelle Förderung einer künftigen KZ Gedenkstätte Sachsenburg in Aussicht.[14] Trotzdem kamen die Planungen jahrelang nicht voran. Im Juni 2018 beschloss der Frankenberger Stadtrat schließlich die Einrichtung einer Gedenkstätte.[15] Grundlage dafür ist das von Anna Schüller erstellte und vom Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Sächsische Gedenkstätten unterstützte Gedenkstättenkonzept von Oktober 2017.

Der Stadtrat entschied sich für die kleinste der vorgeschlagenen Varianten. Demnach soll die ehemalige Kommandantenvilla, die 2014 in den Besitz der Stadt übergegangen ist, abgerissen werden. Eine Einbeziehung des Fabrikgebäudes, in welchem KZ-Häftlinge und Wachmannschaften untergebracht waren, ist nicht vorgesehen.[16]

Die geplante Dauerausstellung soll bis 2021 in dem Gebäude der ehemaligen Kommandantur realisiert werden, das 187 Quadratmeter Ausstellungsfläche bietet. Auf dem Außengelände sollen Stelen die wichtigsten Punkte des ehemaligen Konzentrationslagers markieren und Informationen liefern. Bislang erinnert nur eine kleine Fensterausstellung am Eingang zu dem Gelände an das ehemalige KZ Sachsenburg, sie wurde von der Initiative „Klick“ erarbeitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Knorr: Sachsenburg. Dokumente und Erinnerungen. Hrsg. IVVdN e.V. (Interessenverband der Verfolgten des Naziregimes und ihrer Hinterbliebenen e. V.) 1994.
  • Thiemo Kirmse, Enrico Hilbert (Hrsg.): Sachsenburg Dokumente und Erinnerungen. VVN/BdA-Chemnitz 2009.
  • Tausend Kameraden Mann an Mann. Hrsg. von der SED-Kreisleitung Hainichen (Erinnerungen ehemaliger Häftlinge).
  • Bert Pampel, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Konzentrationslager Sachsenburg (1933–1937), Sandstein, Dresden 2018, ISBN 978-3-95498-382-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva Werner: Entstehung und Funktion der KZ-Gedenkstätte Sachsenburg in der DDR. In: Bert Pampel; Mike Schmeitzner (Hrsg.): Konzentrationslager Sachsenburg (1933-1937), Schriftenreihe der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Band 16, Sandstein, Dresden 2018, ISBN 978-3-95498-382-7, S. 431–444, hier S. 433.
  2. Werner, Entstehung und Funktion, S. 436.
  3. Wallensteins Lager, 11 / Chor. In: Friedrich von Schiller: Wallensteins Lager, Philipp Reclam jun. Leipzig, 1965
  4. Hans Brenner et al. (Hrsg.): NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Von den frühen Konzentrationslagern bis zu den Todesmärschen, Schriftenreihe der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Dresden 2018, S. 252.
  5. Werner, Entstehung und Funktion, S. 438.
  6. Werner, Entstehung und Funktion, S. 439.
  7. Werner, Entstehung und Funktion, S. 442.
  8. Pampel, Vom „vergessenen KZ“, S. 445.
  9. Pampel, Vom „vergessenen KZ“, S. 447.
  10. Pampel, Vom „vergessenen KZ“, S. 445.
  11. Pampel, Vom „vergessenen KZ“, S. 448.
  12. VVN-BdA Chemnitz: Mahnruf 2010, S. 5 Abgerufen am 23. August 2018
  13. https://gedenkstaette-sachsenburg.de/impressum/
  14. Stiftung Sächsische Gedenkstätten: Geändertes Sächsisches Gedenkstättenstiftungsgesetz in Kraft getreten, 19. Dezember 2012 Abgerufen am 23. August 2018
  15. Jan Leißner: Stadtrat gibt Weg frei für KZ-Gedenkstätte Sachsenburg, Freie Presse, 22. Juni 2018 Abgerufen am 23. August 2018
  16. Ebd.

Koordinaten: 50° 55′ 56,5″ N, 13° 1′ 36,8″ O