Gedenkstätte der Sozialisten

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Gedenkstätte der Sozialisten, eingeweiht 1951

Die Gedenkstätte der Sozialisten ist eine Grab- und Gedenkstätte innerhalb des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde in Berlin. Die 1951 offiziell eingeweihte Anlage diente zusammen mit der angrenzenden Gräberanlage „Pergolenweg“ zu Zeiten der DDR als Ehrenfriedhof für Personen, die sich nach Ansicht der SED um die sozialistische Idee verdient gemacht hatten. Sie schließt an die Tradition des Friedhofs Friedrichsfelde als Begräbnisstätte der Arbeiterbewegung an, die im späten 19. Jahrhundert begann.

Geschichte der Gedenkstätte und ihrer Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrichsfelde als „Sozialistenfriedhof“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beerdigung der Revolutionsopfer 1919
13. Juni 1919: Trauerzug zur Beisetzung von Rosa Luxemburg
Grabstätte von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, 1919

Als der Zentralfriedhof Friedrichsfelde 1881 eröffnet wurde, waren hier erstmals für Berlin auch Armenbegräbnisse möglich, weil die Stadt die Kosten übernahm. Im August 1900 wurde der Central-Friedhof Friedrichsfelde in ganz Deutschland bekannt, als der SPD-Gründer Wilhelm Liebknecht hier beerdigt wurde. Bei seiner Beisetzung zogen rund 150.000 Personen von Charlottenburg nach Friedrichsfelde. Weil später auch Paul Singer, Ignaz Auer, Emma Ihrer und weitere Sozialdemokraten dort bestattet wurden, erhielt der Friedhof bald den Beinamen „Sozialistenfriedhof“. Die unmittelbar am Haupteingang eingerichtete Grabstätte der meisten dieser Personen befand sich auf einem leichten Hügel, der umgangssprachlich bei den politischen Anhängern auch „Feldherrnhügel“ genannt wurde.[1]

Da der Berliner Magistrat die Beisetzung auf dem Friedhof der Märzgefallenen nicht genehmigte,[2] wurden am 25. Januar 1919 alle 33 Opfer des Spartakusaufstandes (5. bis 12. Januar 1919), darunter der getötete KPD-Gründer Karl Liebknecht, nach einer Massendemonstration durch die Berliner Innenstadt und einer Großkundgebung auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in einem Massengrab beigesetzt. Einige Tage später bettete man weitere inzwischen identifizierte tote Revolutionäre hier zur Ruhe, darunter Leo Jogiches. Dieser war ein Freund der ebenfalls getöteten Rosa Luxemburg, deren Leiche zunächst nicht auffindbar war. Eine am 31. Mai 1919 aus dem Landwehrkanal geborgene Frauenleiche wurde später als diejenige Luxemburgs bezeichnet und am 12. Juni 1919 im Gräberfeld der Toten des Spartakusaufstandes beigesetzt. Die Berliner Arbeiterschaft erschien dazu zahlreich zu einem Trauerzug durch die östlichen Berliner Bezirke.

Das Revolutionsdenkmal von 1926[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einweihung des Revolutionsdenkmals nach einem Entwurf von Mies van der Rohe durch Wilhelm Pieck im Juni 1926
Revolutionsdenkmal (1926)
DDR-Briefmarke (1980) mit dem Revolutionsdenkmal
Gedenktafel (1982) für das abgerissene Revolutionsdenkmal

Zur Erinnerung an die 1919 getöteten KPD-Führer sowie die Opfer der Reichstagsunruhen von 1920 und einige weitere später gestorbene Revolutionäre aus der Arbeiterbewegung sollte auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde ein Revolutionsdenkmal errichtet werden. Dieser Plan wurde von einem eigenen Denkmalkomitee verfolgt, das sich auf Initiative von Wilhelm Pieck gebildet hatte. Am 15. Juni 1924 wurde feierlich die Grundsteinlegung begangen. Allerdings gab es noch keine klaren Vorstellungen über das Aussehen und vor allem die Finanzierung eines Denkmals. Alle Anhänger der Kommunisten wurden 1925 im Zusammenhang mit der Abhaltung eines Parteitages zu Vorschlägen aufgerufen. Als Grundidee konnte ein Entwurf von Auguste Rodin präsentiert werden, der den Namen „Die Empörung“ trug und eine Bronzestatue (Genie de la Guerre) vor einer Mauer darstellte. Die Mauer diente als Symbol sowohl für die Niederschlagung der Revolution in Frankreich 1871 als auch für die Verbundenheit mit der Sowjetunion und den an der Kremlmauer bestatteten Revolutionären. Das Denkmal wurde in dieser Form dann nicht verwirklicht. Stattdessen entwarf Ludwig Mies van der Rohe im Auftrag des Kunstmäzens und KPD-Funktionärs Eduard Fuchs ein „Denkmal für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg“ bzw. das „Revolutionsdenkmal“ mit dem wesentlichen Element einer Wand aus vorspringenden oder zurückgesetzten Hartbrandziegeln. Mies van der Rohe, dessen Vater schließlich Steinsetzer war, erklärte später (auch gegenüber dem McCarthy-Ausschuss), dass Fuchs ihn um den Auftrag geben habe, nachdem Mies einen existierenden Denkmalsentwurf als den Revolutionären unpassendes „Bankiersdenkmal“ bezeichnet hatte.[3] Am Entwurf und später der Bauausführung beteiligt war zudem der Bildhauer Herbert Garbe.[4]

Das Denkmal wurde von Arbeitern der „Bauhütte Berlin“ im Frühjahr 1926 errichtet und am 13. Juni 1926 - noch unfertig, weil das gesammelte Geld nicht ausgereicht hatte - enthüllt. In den folgenden Wochen konnte der schlichte Klinkerbau am Ort der Grundsteinlegung fertiggestellt und am 11. Juli 1926 endgültig feierlich eingeweiht werden. Die Kommunisten Ernst Meyer, Paul Schwenk und Paul Scholze sowie das Mitglied des „Sozialistischen Bunds“ Georg Ledebour hielten aus diesem Anlass Ansprachen an die Teilnehmer der Einweihungsfeier. Bis 1933 fanden auf dem Friedhof beim „Revolutionsdenkmal“ jährlich Aufmärsche und Gedenkfeiern zu Ehren von Lenin, Liebknecht und Luxemburg (sogenannte „LLL-Wochen“) statt. Im Februar 1933 begannen Nationalsozialisten mit der Zerstörung des Mahnmals, indem der fünfzackige Stern und die Fahnenstange abgerissen wurden. Anfang des Jahres 1935 ließen die Machthaber den Bau bis auf sein Fundament abtragen und die Gräber einebnen.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das zerstörte Revolutionsdenkmal nicht wiederhergestellt. Die Tradition der Gedenkmärsche und der Kundgebung wurden jedoch wiederbelebt, wozu 1946 eine provisorische Nachbildung des van-der Rohe-Baus aufgestellt wurde.

Wiederholt gab es Initiativen, das zerstörte Mahnmal von 1926–1935 dauerhaft zu rekonstruieren. Eine 1968 in West-Berlin gegründete Liebknecht-Luxemburg-Gesellschaft versuchte einige Zeit, das van-der-Rohe Mahnmal im Tiergarten neu errichten zu lassen. Zahlreiche Unterstützer wie die Sozialdemokraten Kurt Neubauer, Walter Sickert und Geisteswissenschaftler wie Wolfgang Abendroth, Ernst Bloch oder Walter Jens schafften es jedoch nicht, eine Finanzierung zu erreichen. Auch hatte der Architekt seine Zustimmung verweigert. So wurde diese Idee nicht verwirklicht.[1]

1982 wurde auf seinem ursprünglichen Standort eine Tafel nach Entwürfen von Günther Stahn (Architekt) und Gerhard Thieme (Bildhauer) aufgestellt mit der Inschrift:[1] „Auf diesem Fundament stand das Revolutionsdenkmal für Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und viele andere revolutionäre Kämpfer der deutschen Arbeiterbewegung. 1926 errichtet von der Kommunistischen Partei Deutschlands nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe.“ Dieses Erinnerungsmal befindet sich in der Berliner Denkmalliste.[5]

Im Jahr 2004 fand aus Anlass des 80. Jahrestages der Grundsteinlegung ein Symposium zu Fragen der Entwurfs- und Zerstörungsgeschichte des Revolutionsdenkmals statt. Dabei wurden auch die Beziehung von Mies van der Rohe zur kommunistischen Arbeiterbewegung, die Archiv- und Aktenlage zum Denkmal und allgemeine Fragen der Erinnerungskultur erörtert.[6]

Jedes Jahr seit der Tötung der beiden Revolutionsführer Liebknecht und Luxemburg findet am zweiten Sonntag im Januar der „Gedenktag der Sozialisten“ statt. Hierbei werden Kränze, am meisten jedoch rote Nelken an den Gräbern der Sozialisten niedergelegt. Der Tag wurde in der DDR gleichzeitig für eine alljährliche Großdemonstration der DDR-Staatsführung genutzt.[7] Diese Liebknecht-Luxemburg-Demonstrationen werden seit 1990 von einem Bündnis verschiedener linksgerichteter Gruppen, Parteien und Einzelpersonen fortgesetzt.

Die neue Gedenkstätte von 1951[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(von rechts nach links): Erich Mielke, Erich Honecker, Joachim Herrmann (Redner), Willi Stoph am 15. Januar 1989 bei der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin-Friedrichsfelde

Anstatt das zerstörte Revolutionsdenkmal von 1926 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in seiner alten Form wiederherzustellen, wurde 1947 ein Ideenwettbewerb zu einer völligen Neugestaltung der Anlage veranstaltet. Unter anderem beteiligte sich die Gartenarchitektin Herta Hammerbacher daran, deren Entwürfe sich im Architekturmuseum der TU Berlin befinden.[8] Im September 1949 gab der Berliner Magistrat dann den Auftrag zum Bau einer gemeinsamen Gedenkstätte für Sozialdemokraten und Kommunisten im vorderen Teil des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde. Die Umgestaltungsarbeiten einschließlich der Umbettung der Särge erfolgten ab 1950 unter Leitung des Stadtrats Arnold Munter. Im Zuge der Bauarbeiten wurden auch ältere Grabplatten, Grabsteine und Stelen von prominenten Sozialdemokraten und Kommunisten aus der Zeit der Monarchie und der Weimarer Republik an den Standort der neuen Gedenkstätte übertragen. Ebenfalls 1950 beschloss das Politbüro der SED, weitere Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung in der Gedenkstätte zu bestatten. Dies sollte in Form von Urnen geschehen, die entweder in der Ringmauer der Gedenkstätte selbst oder in der daran anschließenden Grabanlage „Pergolenweg“ (siehe unten) beigesetzt werden sollten.

Am 14. Januar 1951 wurde die neue Anlage unter Anwesenheit von führenden Politikern der DDR wie Wilhelm Pieck, Friedrich Ebert junior und Erich Honecker in ihrer heutigen Form unter dem Namen „Gedenkstätte der Sozialisten“ eingeweiht. Bis zum Ende der DDR dienten Gedenkstätte und Pergolenweg dann als Ehrenfriedhof der DDR. Die Entscheidung, wer hier ein Ehrengrab erhalten sollte, behielt sich das Politbüro der SED vor. Die Auswahl der solcherart Geehrten spiegelt deshalb in besonderem Maße die Geschichte der DDR wider.

Geschichte seit dem Ende der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Ende der DDR im Jahr 1989 werden in der „Gedenkstätte der Sozialisten“ keine neuen Gräber mehr vergeben. In der Grabanlage „Pergolenweg“ können jedoch weiterhin die Urnen von Familienangehörigen jener Personen beigesetzt werden, die bereits vor 1989 dort bestattet wurden.

Die zur Zeit der DDR alljährlich abgehaltenen Liebknecht-Luxemburg-Demonstrationen an der Gedenkstätte werden seit 1990 von einem Bündnis verschiedener linksgerichteter Gruppen, Parteien und Einzelpersonen fortgesetzt.

Im Jahr 2005 war der Bezirk Lichtenberg kurz davor, die Gedenkstätte zu sperren. Durch die unterirdische Warmluftheizung hatten sich die großen Steinplatten gravierend verschoben. Der 2000 gegründete „Förderkreis Erinnerungsstätte der Deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde“ schaffte es, Geld für die Sanierung zu organisieren und den Friedhof zudem mit einem Wegeleitsystem und Erläuterungstafeln auszustatten.

Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus
Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus

Am 11. Dezember 2006 wurde neben der „Gedenkstätte der Sozialisten“ ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Den Opfern des Stalinismus aufgestellt, der den Gedenkkanon um die während des stalinistischen Terrors getöteten, inhaftierten oder an die Nationalsozialisten ausgelieferten Sozialisten und Kommunisten erweitern soll. Der Stein wurde vom Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses Walter Momper und der PDS-Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg Christina Emmrich eingeweiht. Momper bezeichnete den Stein als notwendige Ergänzung, der explizit kein Gegenstück zur sonstigen Gedenkstätte ist. Er fügte hinzu, dass der Stein „keine Einschränkungen oder Ausgrenzungen“ kenne: „Die Inschrift ‚Den Opfern des Stalinismus‘ umfasst alle Opfer. Und so soll es auch durchaus sein. Denn man kann nicht nur einzelner Opfergruppen gedenken und andere außen vor lassen.“[9] Emmrich verband den Stein mit der Geschichte ihrer Partei, insbesondere mit dem Bruch mit dem „Stalinismus als System“ der SED-PDS im Winter 1989.[10] Der Gedenkstein war vor allem in der Kommunistischen Plattform der PDS, die als größte Fraktion in der Lichtenberger Bezirksverordnetenfraktion politisch für die Aufstellung verantwortlich war, aus verschiedenen Gründen umstritten.[11] Finanziert und aufgestellt wurde der Stein vom „Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung“. Während der Demonstrationen wurde der Stein öfters bespuckt und geschändet.[12]

Architektur und Aufbau der Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrales Rondell der Gedenkstätte mit Stele aus Naturstein

Lage und Ergänzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1951 eingeweihte Gedenkstätte befindet sich unmittelbar rechts vom Haupteingang des Friedhofs hinter einem großen geschotterten Platz. Die Anlage ist kreisrund, ihr Durchmesser beträgt etwa 25 Meter. Ihre äußere Begrenzung bildet eine vier Meter hohe Klinkermauer, während der zentrale Punkt der Gedenkstätte von einer etwa vier Meter hohen Stele aus Rochlitzer Porphyr mit der Inschrift „Die Toten mahnen uns“ gebildet wird.

Im zentralen Rondell um diese Stele ließ das Politbüro der SED die Gedenkplatten für zehn besonders bedeutende Personen aus der Arbeiterbewegung anbringen. Die um das Denkmal laufende Ringmauer aus Klinkern enthält an der Innenseite ältere Grabplatten, Grabsteine und Stelen von prominenten Sozialdemokraten und Kommunisten aus der Zeit der Monarchie und der Weimarer Republik, die bei der Neuerrichtung der Gedenkstätte ab 1950 hierher übertragen wurden. Außerdem befinden sich in dieser Mauer die Urnen zahlreicher weiterer Persönlichkeiten, wobei hier Kurt Fischer 1951 als erster beigesetzt wurde.

Gräber und Denkmäler im Rondell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar um die Porphyrstele mit der Inschrift „Die Toten mahnen uns“ erinnern zehn Gedenkplatten am Boden an (in alphabetischer Reihenfolge): Rudolf Breitscheid, Otto Grotewohl, Franz Künstler, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Wilhelm Pieck, John Schehr, Ernst Thälmann und Walter Ulbricht.

Die Inschriften lauten, im Uhrzeigersinn gelesen: „Rosa Luxemburg ermordet 15. Januar 1919“, „Karl Liebknecht ermordet 15. Januar 1919“, „Ernst Thälmann ermordet 18. August 1944“, „Rudolf Breitscheid ermordet 24. August 1944“, „Franz Künstler ermordet 10. September 1942“, „Franz Mehring verstorben 28. Januar 1919“, „John Schehr ermordet 1. Februar 1934“, „Walter Ulbricht verstorben 1. August 1973“, „Otto Grotewohl verstorben 21. September 1964“ und „Wilhelm Pieck verstorben 7. September 1960“. Nicht alle diese Personen sind jedoch tatsächlich in der Gedenkstätte bestattet. Otto Grotewohl wurde bei seinem Tod 1964 zuerst in der Ringmauer beigesetzt, seine Grabplatte war doppelt so groß wie die anderen. Erst bei der Beisetzung von Ulbricht 1973 wurden die Grabplatten im Kreis angeordnet und Grotewohl umgebettet. Vorher waren die Grabplatten im Rechteck gelegt. Bis 1973 waren nur 9 Grabplatten vorhanden, zwei Stück je rechts, links und hinten, drei Stück für Luxemburg, Liebknecht und Pieck vorn. Pieck und Ulbricht wurden gleich nach ihrem Tod im Rondell begraben, Schehr und Mehring wurden nachträglich hierher überführt und Breitscheids Grab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf, das von Künstler auf dem Friedhof Baumschulenweg. Thälmanns Leiche ist verschollen, und ob die als Rosa Luxemburg aufgefundene Leiche wirklich die der toten Arbeiterführerin ist, ist nicht absolut gesichert.[13] Jedoch wurden bei der Anlage der Gedenkstätte am ursprünglichen Beisetzungsort am Revolutionsdenkmal keine sterblichen Überreste von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg aufgefunden (anders bei Franz Mehring). Unabhängig von der Diskussion, ob Luxemburg 1919 tatsächlich in Friedrichsfelde bestattet wurde oder nicht, handelt es sich bei den letzten fünf hier Genannten in der Gedenkstätte der Sozialisten um Symbolgräber.

Gräber und Denkmäler an der Ringmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der Innenseite der Ringmauer erinnern Grabplatten, Grabsteine und Stelen aus verschiedenen Epochen an folgende Vertreter der deutschen und internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung bzw. Sozialdemokratie (in alphabetischer Reihenfolge): Ignaz Auer, Friedrich Bartels, Adolf Braun, Eugen Brückner, Richard Fischer, Hugo Haase, Adolph Hoffmann, Emma Ihrer, Alwin Körsten, Carl Legien, Theodor Leipart, Wilhelm Liebknecht, Waldeck Manasse, Hermann Molkenbuhr, Hermann Müller-Franken, Adolf Ritter, Paul Singer, Johannes Stelling, Margarete und Robert Wengels, Klara und Hermann Weyl, Luise Zietz sowie Fritz Zubeil.

Gräber in der Ringmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Mauernischen, die mit einheitlichen roten Steinplatten verschlossen sind, finden sich folgende Urnen (in alphabetischer Reihenfolge):

Alexander Abusch
Anton Ackermann
Erich Apel
Rudolf Appelt
Martha Arendsee
Bruno Baum
Edith Baumann
Willi Bredel
Otto Büchner
Erich Correns
Franz Dahlem
Hermann Duncker
Friedrich Ebert jr.
Gerhart Eisler
Georg Ewald
Arthur Ewert
Max Fechner
Werner Felfe
Kurt Fischer
Wilhelm Florin
Otto Franke
Paul Fröhlich
Fritz Gäbler
Ottomar Geschke
Fritz Große
Gerhard Grüneberg
Georg Handke
Edwin Hoernle
Heinz Hoffmann
Max Keilson
Katharina Kern
Hans Kiefert
Bernhard Koenen
Wilhelm Koenen
Alfred Kurella
Werner Lamberz
Helmut Lehmann
Bruno Leuschner
Karl Litke
Paul Markowski
Karl Maron
Hermann Matern
Jenny Matern
Otto Meier
Ernst Melsheimer
Karl Mewis
Josef Miller
Franz Moericke
Albert Norden
Alfred Oelßner
Fred Oelßner
Paul Oestreich
Josef Orlopp
Heinrich Rau
Hans Rodenberg
Frida Rubiner
Florian Schenk
Hermann Schlimme
Otto Schön
Eugen Schönhaar
Rudolf Schwarz
Paul Schwenk
Fritz Selbmann
Gustav Sobottka
Erich Steinfurth
Rosa Thälmann
Paul Verner
Herbert Warnke
Erich Weinert
Otto Winzer
Friedrich Wolf

Insgesamt sind 71 Urnen bestattet, darunter sechs von Frauen. Mit Ausnahme einiger Politiker der Nachkriegszeit waren alle hier Geehrten im antifaschistischen Widerstand aktiv.

Große Gedenktafel
Große Gedenktafel

Außer den Urnenstätten befindet sich auf der rechten Seite der Ringmauer eine große aus rotem Löbejüner Porphyr bestehende Gedenktafel mit den Namen der Toten und Ermordeten aus der Weimarer Republik, aus dem spanischen Bürgerkrieg und 327 im antifaschistischen Widerstand 1933–1945 ums Leben gekommener Personen. Vor dieser Namenstafel ist ein Urnensammelgrab mit der Asche einiger dieser Personen angelegt. Unter den hier bestatteten Persönlichkeiten sind u.a. Alfred Kowalke, Michael Niederkirchner, Hermann Stickelmann, Walter Stoecker, Karl Vesper und Johannes Zoschke.

Grabanlage Pergolenweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerhalb der eigentlichen „Gedenkstätte der Sozialisten“ befindet sich die Gräberanlage „Pergolenweg“. Die Gräberanlage beginnt unmittelbar hinter der Ringmauer der Gedenkstätte und erstreckt sich auf der östlichen Seite des Friedhofs in Richtung Feierhalle. Dieser Bereich war ursprünglich nicht für Ehrengräber vorgesehen, wurde aber seit 1951 schrittweise dafür adaptiert. Die Beisetzung erfolgte ebenfalls in Urnen (maximal vier pro Grab), doch konnten – im Unterschied zur Gedenkstätte – auch Ehepartner und nahe Verwandte der geehrten Persönlichkeiten hier ihre letzte Ruhestätte finden. Am Pergolenweg sind auch Ehefrauen zahlreicher Personen beigesetzt, deren Urnen sich in der Ringmauer der Gedenkstätte (siehe oben) befinden.

Gegenwärtig umfasst diese Anlage rund 350 Grabstellen mit über 500 Toten, darunter sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Alfred Adolph
Ernst Altenkirch
Margot Altenkirch
Fritz Apelt
Bruno Apitz
Ludwig Arnold
Otto Auerswald
Adolf Baier
Willi Barth
Karl Bathke
Bruno Beater
Walter Beling
Hilde Benjamin
Michael Benjamin
Fritz Beyling
Wilhelm Bick
Paul Blechschmidt
Siegfried Böhm
Gustav Borrmann
Jakob Boulanger
Horst Brasch
Otto Braun
Walter Breitfeld
Walter Buchheim
Hermann Budzislawski
Max Burghardt
Max Christiansen-Clausen
Martha Chwalek
Roman Chwalek
Emmy Damerius-Koenen
Franz Demuth
Adolf Deter
Charles Dewey
Karl Dienstbach
Rudolf Dölling
Heinrich Dollwetzel
Artur Dorf
Peter Edel
Werner Eggerath
Luise Eildermann
Wilhelm Eildermann
Werner Fleißner
Heinrich Fomferra
Max Frenzel
Klaus Fuchs
Bruno Fuhrmann
Karl Gaile
Paul Geisler
Fritz Geißler
Fritz Geyer
Richard Gladewitz
Erich Glückauf
Rudi Goguel
Franz Gold
Kurt Goldstein
Otto Gotsche
Gottfried Grünberg
Joseph Gutsche
Richard Gyptner
Walter Hähnel
Karl Hagemann
Josef Hegen
Friedrich Heilmann
Adolf Hennecke
Paul Hentschel
Kurt Herholz
Stefan Heymann
Walter Hochmuth
Ernst Hoffmann
Otto Holz
Marta Husemann
Horst Jonas
Erich Jungmann
Helmut Just
Siegbert Kahn
Bruno Kaiser
Peter Kast
Friedrich Karl Kaul
Gerhard Kegel
Grete Keilson
Willy Kerff
Georg Klaus
Karl Kneschke
Fritz Knittel
Hans Koch
Fritz Köhn
Michael Kohl
Günter Kohrt
Erwin Kramer
Fritz Kroh
Greta Kuckhoff
Otto Kühne
Hermann Landwehr
Ernst Lange
Berta Lask
Rudolf Leonhard
Robert Liebknecht
Rudolf Lindau
Hans Marchwitza
Hilde Marchwitza
Wilhelm Mayer
Paul Merker
Willi Meurer
Alfred Meusel
Zenzl Mühsam
Ewald Munschke
Robert Naumann
Peter Nelken
Peter Nell
Hilde Neumann
Max Nierich
Karl Oltersdorf
Max Opitz
Emil Otto
Helene Overlach
Paul Peschke
Bruno Peters
Arthur Pieck
Karl Polak
Vinzent Porombka
Maria Rentmeister
Fritz Rettmann
Gustav Röbelen
Rubin Rosenfeld
Anton Ruh
Willy Rumpf
Thea Saefkow
Willy Sägebrecht
Willi Sänger
Hanna Sandtner
Richard Schallock
Hans Schaul
Dora Schaul
Franz Scheffel
Elli Schmidt
Waldemar Schmidt
Max Schneider
Alfred Scholz
Hans Schrecker
Albert Schreiner
Josef Schütz
Karl Schulz
Hans Seigewasser
Robert Siewert
Rudolf Singer
Paul Sonnenburg
Max Spangenberg
Fritz Sperling
Georg Spielmann
Richard Stahlmann
Richard Staimer
Josef Steidl
Peter Alfons Steiniger
Gerda Stern
Victor Stern
Wolf Stern
Georg Stibi
Anna Stoecker
Kurt Stoph
Gustav Szinda
Günther Tenner
Hans Teubner
Irma Thälmann
Rudolf Thunig
Michael Tschesno-Hell
Milda Voß
Kurt Wagner
Jacob Walcher
Otto Walter
Paul Walter
Jakob Weber
Bernd Weinberger
Gerhard Weiss
Maria Weiterer
Richard Wenzel
Ernst Wildangel
Karl Wloch
Antonie Wohlgemuth
Konrad Wolf
Markus Wolf
Ernst Wollweber
Maxim Zetkin
Gerhart Ziller

Die meisten der am Pergolenweg bestatteten Personen nahmen aktiv am Widerstand gegen die Nazi-Diktatur und den Krieg teil, in Illegalität und Gefängnissen, in vielen Emigrationsländern wie auch in Streitkräften der Anti-Hitler-Koalition. Sie gehörten zur SPD, KPD, KPO, zur SAPD und anderen politischen Strömungen und Gruppierungen. Sie kamen aus verschiedenen Berufen und Bevölkerungsgruppen, unter ihnen waren Parlamentarier, Gewerkschafter, Wissenschaftler, Journalisten und Künstler. Nicht wenige von ihnen erlitten stalinistische Repressionen in der früheren Sowjetunion oder wurden in den 1950er-Jahren seitens der SED diskriminiert. Beigesetzt sind hier auch weitere Führungspersönlichkeiten der DDR, darunter einige bekannt gewordene Offiziere der Staatssicherheit. Neue Grabanlagen werden seit Ende der DDR nicht mehr vergeben, doch können Angehörige von bereits bestatteten Personen weiterhin hier beigesetzt werden.

Nicht zur Anlage Pergolenweg gehört das daran anschließende Gräberfeld für anonyme Bestattungen, auf dem die Urne Erich Mielkes beigesetzt wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Voßke: Geschichte der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde. Dietz Verlag, Berlin 1982.
  • Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof – Kulturhistorischer Reiseführer. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-360-00959-2.
  • Bezirksamt Lichtenberg von Berlin (Hrsg.): Das Revolutionsdenkmal von Ludwig Mies van der Rohe. Berlin 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gedenkstätte der Sozialisten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde. Ein deutscher Nationalfriedhof – kulturhistorischer Reiseführer. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-360-00959-2.
  2. Paul Singer Verein (Hrsg.): Am Grundstein der Demokratie. Die Revolution 1848 und der Friedhof der Märzgefallenen. Broschüre zur Ausstellung auf dem Friedhof der Märzgefallenen, Berlin 2011, S. 30.
  3. NGBK: „Wem gehört die Welt?“ Berlin 1977; dort: R.-P. Baacke, M. Nungesser: „Ich bin, ich war, ich werde sein!“; dort: D.D. Egbert: zitiert Mies in den 1960ern: “One of the first houses I build was for Hugo Perls in Berlin. Mr. Perls sold his house in the early twenties to a Mr. Edward Fuchs. […] After discussing his house problems Mr. Fuchs then said he wanted to show us something. […] It was a huge stone monument with Doric colums and medaillons of Luxemburg and Liebknecht. When I saw it I started to laugh and I told him it would be a fine monument for a banker. […] the next morning he called me […]”
  4. wie vor, NGBK: „Wem gehört die Welt?“; dort Quelle Rote Fahne vom 15. Juni 1926
  5. Gudrunstraße, Erinnerungsmal an das Revolutionsdenkmal von 1926
  6. Wita Noack (Mies van der Rohe Haus) zur Denkmalsgeschichte (Memento vom 3. Juli 2009 im Internet Archive)
  7. Luxemburg-Liebknecht-Demo: Gedenkzug in eigener Sache (11. Dezember 2011)
  8. 3 Blätter zur neuen Gedenkstätte der Sozialisten von Herta Hammerbacher
  9. Ansprache des Präsidenten des Abgeordnetenhauses Walter Momper zur Einweihung des Gedenksteins für die Opfer des Stalinismus
  10. Website des Förderkreises Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde e.V.
  11. Stalin ist kein Klassiker, Mitteilungen der Kommunistischen Plattform, Februar 2007
  12. http://www.stadtmorgen.de/politik/liebknechtluxemburgkundgebung-rangelei-mit-gegendemonstranten/37722.html
  13. Etliche Informationen in den Tagesnachrichten des Jahres 2009.

Koordinaten: 52° 30′ 56″ N, 13° 30′ 38″ O