Gedenktag der Heiligen

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Der Gedenktag der Heiligen ist der evangelische Name eines Festes, das am 1. November gefeiert wird. In der römisch-katholischen Kirche hat das Fest den Namen Allerheiligen. Ein entsprechendes Brauchtum fand in den 1950er Jahren Eingang in lutherische Agenden.[1][2]

Das biblische Votum (Motto des Gottesdienstes) lautet: „So seid ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Epheserbrief 2,19)[3]

Die liturgische Farbe ist rot.[3]

Der Eingangspsalm für diesen Tag ist Ps 150 LUT.[4]

Folgende Bibeltexte sind nach der Perikopenrevision ab Advent 2018 für diesen Gottesdienst vorgesehen:[4]

Evangelium Epistel Lesung aus dem Alten Testament
Mt 5,1–10 LUT Offb 7,9–12 LUT Dan 7,1-3.13-18.27 LUT
… zugleich Predigttext im Lesejahr III / VI I / IV II / V
Zum Vergleich die Lesungen am katholischen Hochfest Allerheiligen Mt 5,1–12a 1 Joh 3,1-3 EU
Offb 7,2–4.9–14

Von den drei Tagesgebeten, die für den Gedenktag der Heiligen in der Agende vorgeschlagen sind, ist das erste die Bearbeitung eines traditionellen katholischen Gebetes (Leonhard Goffiné, Handpostille, 1690).[5]

Die lutherischen Kirchen kennen nach dem Augsburger Bekenntnis, Artikel 21, eine Heiligenverehrung in dem Sinne, dass man ihrer gedenken soll. Der Glaube soll durch dieses Gedenken gestärkt werden, weil an den Heiligen erkennbar werde, wie ihnen Gnade widerfahren und ihnen durch den Glauben geholfen wurde. Zudem könne sich der Glaubende an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen. Abgelehnt wird aber, die Heiligen anzurufen oder sie um Hilfe zu bitten. Anrufung und Bitte um Hilfe gebührt allein dem Dreieinigen Gott. Darum wird die in der römisch-katholischen Kirche verbreitete Weise der Heiligenverehrung von den lutherischen Kirchen abgelehnt.

Der Vergleich der beiden Tagesgebete zeigt die unterschiedlichen Akzentsetzungen des evangelischen Heiligengedenkens und der römisch-katholischen Heiligenverehrung:

Evangelisch Römisch-katholisch
Heiliger, ewiger Gott,

durch die Taufe hast du uns eingefügt

in den vielstimmigen Chor deiner Heiligen,

die dich rühmen im Himmel und auf der Erde:

Ihre Gemeinschaft stärke uns in den Wirren der Welt

und wecke in uns die Freude auf den Tag,

an dem wir zusammen mit allen Erlösten dich preisen ohne Ende.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.[6]

Allmächtiger, ewiger Gott,

du schenkst uns die Freude,

am heutigen Fest

die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern.

Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher

unsere Hoffnung

und schenke uns dein Erbarmen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.[7]

In einigen lutherischen Kirchen, besonders in Skandinavien und Nordamerika, wird der Gedenktag am Sonntag nach dem 1. November gefeiert (All Saints Sunday) und enthält Elemente des deutschen Gedenktags der Entschlafenen, so die namentliche Nennung der Verstorbenen. Die liturgische Farbe ist hier weiß.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. C.H.Beck, 2005, ISBN 978-3-406-47585-6, S. 177 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Senftleben: Das Kirchenjahr – Gedenktag der Heiligen. In: www.daskirchenjahr.de. 19. Oktober 2018, abgerufen am 1. November 2018.
  2. Für die Schwedische Kirche vgl. Oloph Bexell: Det svenska kyrkoåret under de senaste tvåhundra åren. Förändringar och revitalisering. In: Kyrkohistorisk årsskrift 115, 2015, S. 46 f. (schwedisch)
  3. a b Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland. 3. Auflage. Berlin 2003, S. 438.
  4. a b Christine Jahn (Hrsg.): Neuentwurf der gottesdienstlichen Lesungen und Predigttexte. Entwurf zur Erprobung, im Auftrag von EKD, UEK und VELKD. S. 519.
  5. Evangelisches Gottesdienstbuch. 3. Auflage. Berlin 2003, S. 737.
  6. Evangelisches Gottesdienstbuch. 3. Auflage. Berlin 2003, S. 439.
  7. 1. November. Allerheiligen. Hochfest. In: Erzabtei St. Martin zu Beuron. Abgerufen am 9. November 2018.