Zum Inhalt springen

Gefährlicher Hund

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Gefährlicher Hund ist ein Rechtsbegriff, der unter anderen in Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz in Hunde-, Tierhalte-, Landessicherheits- oder Polizeigesetzen Verwendung findet.

Der Begriff Gefährlicher Hund stammt aus dem Recht der Gefahrenabwehr und den entsprechenden Hundegesetzen der deutschen Bundesländer. Die Haltung gefährlicher Hunde ist erlaubnispflichtig und setzt außer der Sachkunde auch die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Halters voraus.

Als gefährliche Hunde werden Hunde bezeichnet, die aufgrund ihres Verhaltens die Annahme rechtfertigen, dass durch sie eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen oder Tieren besteht. Aus rassespezifischen Merkmalen, der Abstammung, durch Zucht, Abrichten oder Ausbildung können sich insbesondere eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe, ein nicht ständig kontrollierbarer Jagdtrieb oder eine andere in ihrer Wirkung vergleichbare, Mensch oder Tier gefährdende Eigenschaft ergeben. Als gefährlich gelten aber auch Hunde, die einen Menschen oder ein Tier durch Biss geschädigt haben, Hunde, die durch ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie unkontrolliert Wild oder andere Tiere hetzen oder reißen und Hunde, die ohne selbst angegriffen oder provoziert worden zu sein, wiederholt Menschen gefährdet haben oder wiederholt Menschen in gefahrdrohender Weise angesprungen haben.

Bei bestimmten Gruppen und Rassen von Hunden sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden wird die Eigenschaft als gefährliche Hunde unwiderleglich vermutet. Dazu zählen etwa American Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier.

Bei anderen Hunden wie Bullmastiff, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Mastiff, Mastin Español, Mastino Napoletano, Rottweiler oder Tosa Inu wird die Gefährlichkeit dagegen nur vermutet, bis der Halter der zuständigen Behörde nachweist, dass sie keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen oder Tieren aufweisen.

Für gefährliche Hunde bestimmter Rassen ist auch der Begriff Kampfhund gebräuchlich.[1][2]

In manchen Bundesländern werden einzelne Ministerien gesetzlich ermächtigt, durch Rechtsverordnung zu bestimmen, bei welchen Hunden die Gefährlichkeit vermutet wird (sog. Rasseliste), beispielsweise in Sachsen[3], oder „die standardgerechten Merkmale der Phänotypen für gefährliche Hunde unter Berücksichtigung der von kynologischen Fachverbänden entwickelten Kriterien“ zu bestimmen, beispielsweise in Sachsen-Anhalt.[4]

Landesgesetzliche Regelungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
BundeslandGesetzestexte und Verordnungen
 Baden-WürttembergHuV BW 2000 – Polizeiverordnung des Innenministeriums und des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz über das Halten gefährlicher Hunde
§ 2 Gefährliche Hunde
 BayernBayRS 2011-2-7-I – Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit
§ 1
 BerlinHundeG – Gesetz über das Halten und Führen von Hunden (Hundegesetz)
§ 5 Gefährliche Hunde
 BrandenburgHundehV – Ordnungsbehördliche Verordnung über das Halten und Führen von Hunden (Hundehalterverordnung)
§ 8 Gefährliche Hunde
 BremenBrem.GBl – Gesetz über das Halten von Hunden
§ 1 Gefährliche Hunde
 HamburgHundeG Hamburgisches Gesetz über das Halten und Führen von Hunden (Hundegesetz)
§ 2 Gefährliche Hunde
 HessenHundeVO – Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden
§ 2 Gefährliche Hunde
 Mecklenburg-VorpommernHundehVO M-V – Verordnung über das Führen und Halten von Hunden (Hundehalterverordnung)
§ 3 Gefährliche Hunde
 NiedersachsenNHundG – Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden
§ 7 Gefährliche Hunde
§ 14 Führen eines gefährlichen Hundes
 Nordrhein-WestfalenLHundG NRW – Hundegesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (Landeshundegesetz)
§ 3 Gefährliche Hunde
 Rheinland-PfalzLHundG – Landesgesetz über gefährliche Hunde
§ 1 Begriffsbestimmung
 SaarlandHuV SL – Polizeiverordnung über den Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden im Saarland
§ 1 Gefährliche Hunde
 SachsenGefHundG – Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden
§ 1 Begriffsbestimmung und Anwendungsbereich
 Sachsen-AnhaltHundeG LSA – Gesetz zur Vorsorge gegen die von Hunden ausgehenden Gefahren (Hundegesetz)
§ 3 Gefährliche Hunde
 Schleswig-HolsteinHundeG – Gesetz über das Halten von Hunden
§ 7 Gefährliche Hunde
 ThüringenThürTierGefG – Thüringer Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren
§ 3 Gefährliche Tiere

In Thüringen muss die Gefährlichkeit im Einzelfall durch einen Wesenstest festgestellt werden.[5]

Das Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz verbietet die Einführung von Hunden der Rassen Pitbull-Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden nach Deutschland. Es soll verhindern, die landesrechtlichen Bestimmungen durch das Verbringen gefährlicher Hunde aus anderen Staaten in das Inland zu unterlaufen sowie die Durchsetzung der landesrechtlichen Bestimmungen erleichtern.[6]

Landesspezifische Gesetzestexte und Verordnungen zur Haltung von Hunden und gefährlichen Hunden:

Bundesland Gesetzestexte und Verordnungen Rasseliste
 Salzburg Salzburger Landessicherheitsgesetz
§ 19 Halten gefährlicher Hunde
§ 24 Führen eines gefährlichen Hundes
Verordnung (PDF) – Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 22. Oktober 2012 über die für das Halten von Hunden erforderliche Ausbildung
§ 1 Ausbildung für das Halten von nicht gefährlichen Hunden
§ 2 Ausbildung für das Halten eines gefährlichen Hundes
Nein
 Wien Wr. TierhalteG – Gesetz über die Haltung von Tieren (Wiener Tierhaltegesetz)
§ 5 Haltung von Hunden Abs. 3
§ 5a Haltung von hundeführscheinpflichtigen Hunden
§ 8 Haltung von gefährlichen Tieren Abs. 7 – 9
§ 8a Schutzhundeausbildung
Ja
 Vorarlberg LandessicherheitsG – Gesetz über Angelegenheiten der örtlichen Sicherheitspolizei
§ 4 Bewilligungspflichtige Tierhaltung
Verordnung der Landesregierung über das Halten von Kampfhunden
§1 §2
Ja
 Oberösterreich Oö. HHG 2024 – Landesgesetz über das Halten von Hunden in Oberösterreich

§ 5 Große Hunde
§ 6 Hunde spezieller Rassen
§ 7 Auffällige Hunde

Ja
 Tirol Landes-Polizeigesetz
§ 6a Besondere Pflichten für das Halten und Führen von Hunden
Nein
 Steiermark LandessicherheitsG § 3b
Verordnung: Stmk. Hundekundenachweis-Verordnung
Einzelne Gemeinden können weitere Vorschriften für die Hundehaltung erlassen.
Nein
 Kärnten Kärntner Landessicherheitsgesetz
§ 7 Haltung von gefährlichen Tieren
§ 8 Gefahrenabwehr bei der Haltung von Hunden
§ 10 Besondere Bestimmungen für Schutzhunde
§ 11 Warnhinweise
§ 12 Zwangsmaßnahmen, Tierhaltungsverbot
Nein
 Niederösterreich NÖ Hundehaltegesetz 2023
§ 2 Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotential
§ 3 Auffällige Hunde
NÖ Hundehalte-Sachkundeverordnung 2023
Ja
 Burgenland Burgenländisches Landessicherheitsgesetz
§ 22 Halten auffälliger Hunde
Nein
Kanton Gesetzestexte und Verordnungen Vorschriften für gefährliche bzw. auffällige Hunde Rasseliste
 Zürich 554.5 – Hundegesetz
Informationsseite Kanton Zürich
Ja Ja
 Bern BSG 916.31 – Hundegesetz
Informationsseite Kanton Bern
Für auffällig gewordene Hunde Nein
 Luzern 848 – Gesetz über das Halten von Hunden

SRL Nr. 849 – Verordnung über das Halten von Hunden § 7

Ja Nein
 Uri 60.2113 – Veterinärreglement; Veterinärverordnung Für verhaltensauffällige Hunde[7] Nein
 Schwyz 546.100 – Gesetz über das Halten von Hunden (HuG) Nein
 Obwalden 818.3 – Gesetz über das Halten von Hunden und die Hundesteuer Nein Nein
 Nidwalden 826.3 – Gesetz über das Halten von Hunden (Hundegesetz, HuG) 2.2 Art. 11 Nein
 Glarus IX D/633/2 – Verordnung zum kantonalen Tierschutz- und Tierseuchengesetz (Veterinärverordnung, VetV) 4. Art. 19–30

455 – TSchG EG und TSG Art. 27 Informationsseite Kanton Glarus; Zuständigkeit: Kantonstierärztlicher Dienst

Ja Ja
 Zug Eidgenössischen Tierschutzgesetzes (TSchG)[8]

Infoblatt Hundereglemente 2023 (PDF) – Gesetze und Reglemente den einzelnen Gemeinden

Nein
 Freiburg SGF 725.3 – Gesetz über die Hundehaltung (HHG)

SGF 725.31 – Reglement über die Hundehaltung (HHR)

Ja
 Solothurn 614.71 – Gesetz über das Halten von Hunden (Hundegesetz) 2. § 3, § 4 Ja Ja
 Basel-Stadt SG 365.100 – Gesetz betreffend das Halten von Hunden (Hundegesetz) II. § 8–14, III. § 15
SG 365.110 – Verordnung betreffend das Halten von Hunden (Hundeverordnung)
Ja Ja
 Basel-Landschaft SGS 342 – Gesetz über das Halten von Hunden (Hundegesetz) § 2c–3b
SGS 342.12 – Verordnung über das Halten potenziell gefährlicher Hunde
Ja Ja
 Schaffhausen SHR 455.200 – Gesetz über das Halten von Hunden

SHR 455.201 – Verordnung zum Gesetz über das Halten von Hunden II. § 3–5

Ja Ja
 Appenzell Ausserrhoden 525.1 – Gesetz über das Halten von Hunden Nein
 Thurgau RB 641.2 – Gesetz über das Halten von Hunden (HundeG)

RB 641.21 – Hundeverordnung (HundeV)

Ja
 Tessin RL 482.300 – Legge sui cani Art. 15 Abs. 1

RL 482.310 – Regolamento sui cani

Ja Ja
 Waadt 133.75 – Loi sur la police des chiens Art. 3 Abs. 2 LPolC/VD Ja Ja
 Wallis SGS 455.1 – Ausführungsgesetz zum eidgenössischen Tierschutzgesetz (AGTSchG)

455.100 – Verordnung über die Ausbildung von neuen Hundehaltern Art. 2b

Ja Ja
 Neuenburg 636.20 – Loi sur les chiens (LChiens) Ja Nein
 Genf M 3 45 – Loi sur les chiens (LChiens) Ja Ja
 Jura 645.1 – Loi concernant la taxe des chiens

645.11 – Ordonnance concernant la taxe des chiens

Nein
 Schweiz SR 455 – Tierschutzgesetz (TSchG)

Großbritannien

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien ist seit 1991 ein Dangerous Dog Act (Gefährliche-Hunde-Gesetz) in Kraft. Gefährliche Hunde werden dort über einen bestimmten festgelegten Typus beschrieben.[9] Die Liste wurde zuletzt 2024 aktualisiert und der American Bully XL neu mit aufgenommen.[10]

Kritik an der Gesetzgebung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einigen Akteuren in der Diskussion über Sinn oder Unsinn von rassespezifischen Regelungen wird behauptet, dass es keine rassespezifische Aggressivität bei den Kampfhundrassen gäbe.[11][12][13]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. vgl. § 1 der bayerischen Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit.
  2. § 2 HuV BW 2000
  3. § 1 Abs. 2 GefHundG
  4. § 3 HundeG LSA
  5. § 3 Abs. 2 ThürTierGefG
  6. Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung gefährlicher Hunde. BT-Drs. 14/4451 vom 1. November 2000, S. 8.
  7. Änderung Veterinärverordnung und Veterinärreglement (verhaltensauffällige Hunde). Kantonale Verwaltung Uri, 12. Juli 2023, abgerufen am 19. November 2023 (Schweizer Hochdeutsch).
  8. Hunde im Kanton Zug. Abgerufen am 21. November 2023.
  9. Dangerous Dogs Act 1991. Introduction (engl.) abgerufen am 15. Mai 2019
  10. Aktuelle Bestimmung zu XL Bully. Department for Environment Food & Rural Affairs, 12. Januar 2024, abgerufen am 13. Januar 2024 (englisch).
  11. Stefanie A. Ott, Esther Schalke, Amelie M. von Gaertner, Hansjoachim Hackbarth: Is there a difference? Comparison of golden retrievers and dogs affected by breed-specific legislation regarding aggressive behavior. In: Journal of Veterinary Behavior. Band 3, Nr. 3, Mai 2008, S. 134–140, doi:10.1016/j.jveb.2007.09.009.
  12. Dr. Dorit Feddersen-Petersen Hunde in Berlin. Abgerufen am 30. Oktober 2023.
  13. Wissenschaftliche Arbeiten -Dissertationen – Brandenburg braucht keine Rasseliste. Abgerufen am 30. Oktober 2023 (deutsch).