Gefecht der verbundenen Waffen

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The King's Royal Hussars als Armoured Infantry Battlegroup. Kampfpanzer bekämpft Ziele
The King's Royal Hussars als Armoured Infantry Battlegroup. Kampfpanzerzug im Gefecht
Einsatz von Kampfhubschraubern über dem Gefechtsfeld
Panzerabwehrsoldat
dänischer Artilleriebeobachter (VB)
Panzerhaubitzen-Batterie im Feuerkampf
Abfeuern einer holländischen Panzerhaubitze
MLRS Raketenwerferfeuer

Das Gefecht der verbundenen Waffen (en. combined arms), seit 2007 als Operation verbundener Kräfte bezeichnet, ist ein taktisches Konzept der Gefechts­-Führung, in dem die unterschiedlichen Teilstreitkräfte (Truppen- und Waffengattungen) operativ den Gefechtswert maximieren und bei der bereits die taktische Ebene eines Gefechtsverbands durch Kräfte der Kampfunterstützungstruppen und Führungstruppen unterstützt werden. Möglich wird dies durch entsprechende Kommunikationsmittel und Verbindungsoffiziere.

Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges entstand 1921/22 unter Hans von Seeckt die Vorschrift Heeresdienstvorschrift H.DV. 487 „Führung und Gefecht der verbundenen Waffen“ (FuG)[4] des damaligen deutschen Heeres. Diese wurde durch die Heeresdienstvorschrift H.Dv. 300/1 „Truppenführung“ (T.F. 1933, auch: „Beck-Vorschrift“) unter Federführung von Generaloberst Ludwig Beck abgelöst.

In den 1930er Jahren wurden die taktischen Elemente u. a. von dem Offizier Heinz Guderian weiterentwickelt und nach dem Krieg von der Bundeswehr taktisch zunächst weitgehend übernommen. Sie war darauf ausgelegt, dass mechanisierte Truppengattungen eng zusammenwirken, um einen möglichst hohen gemeinsamen Gefechtswert zu erreichen. Dies galt und gilt auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg für die Infanterie im Zusammenwirken mit Artillerie und Pionieren sowie dem Zusammenwirken und der Unterstützung mit Kampfpanzern und Schützenpanzern zur Panzerbekämpfung und Kampfunterstützung durch Schützenpanzer.

Trotz Änderungen der strategischen Vorgaben (Auflösung des Kalten Krieges) und daraus resultierender neuer taktischer Ausrichtung der Bundeswehr blieben die Grundzüge des verbundenen Gefechts der verschiedenen Waffen und Fähigkeiten (Truppengattungen mit Fähigkeiten und Personal mit Ausbildung) erhalten. Seit 2007 wird diese Taktik in der Überarbeitung der Heeresdienstvorschrift (HDV) 100/200 als Operation verbundener Kräfte bezeichnet.[1] Diese Bezeichnung ist v. a. heute treffender, weil längst nicht nur Waffen im Einsatz zusammenwirken, sondern für einen Einsatzerfolg viele verschiedene Gebiete wie Informationen hinzugezogen werden und zusammenwirken.

Gefecht der Verbundenen Waffen im Kalten Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gefecht der Verbundenen Waffen war ein Kernelement der NATO-Verteidigungsstrategie gegen stark gepanzerte Kräfte des Warschauer Paktes. Ausgehend von der Überlegung, dass eine hohe nummerische Überzahl an gepanzerten, feindlichen Gefechtsfahrzeugen durch das Zusammenwirken verschiedener Waffengattungen in den Gefechtsarten Verzögerung oder Verteidigung am effizientesten bekämpft werden kann. Dazu wurde je nach Lage mit einer bestimmten Truppeneinteilung geplant. Die Panzeraufklärer mit ihren schweren (Kampfpanzer Leopard 1) und leichten (Spähpanzer Luchs) Spähzügen erhielten vorrangig den Auftrag, vor dem Vorderen Rand der Verteidigung (VRV), entweder ein Verzögerungsgefecht zu führen oder bodengebundene Gefechtsaufklärung zu betreiben. Die Hauptlast des Gefechtes der Verbundenen Waffen wurde von der Panzer- und Panzergrenadiertruppe direkt am VRV getragen. In Infanteriegelände (Waldgebiete) kam unterstützend die durch MTWs mechanisierte Jägertruppe zum Einsatz. Während Kampfpanzer im Duell feindliche Kampfpanzer auf weite Entfernungen bekämpften und dabei im raschen Wechsel Schwerpunkte bildeten und diese verlagerten, kamen den Schützenpanzern und ihren abgesessenen Schützentrupps, die Aufgabe zu, ihr Vorgehen zu unterstützen und feindliche Infanterie (Mot-Schützen) zu bekämpfen. Um hier eine hohe Feuer- und Durchsetzungskraft sowie Beweglichkeit zu erreichen, wurden einer verteidigenden bzw. verzögernden Panzergrenadierkompanie (11 Schützenpanzer Marder) ein Panzerzug (4 Kampfpanzer Leopard 1, später Leopard 2) unterstellt. Beim Stellungsbau unterstützten Erdarbeitsgeräte der Panzerpioniere. Die Pioniere hatten außerdem den Auftrag, Auffang- und Wurfminensperren zu legen. Ebenfalls direkt am VRV, zur Feuerunterstützung, waren VBs (vorgeschobene Beobachter) der Mörser und Artillerie eingesetzt. Die schwere Kompanie[2], mit ihren Panzermörsern, diente der unmittelbaren Feuerschwerpunktbildung eines Panzergrenadierbataillons. Während die Panzermörser direkt vom Bataillon befehligt wurden, unterstand die Rohr- und Raketenartillerie dem Artillerieführer der Brigade, bzw. der Division. Die Artillerie (Feldartillerie, Panzerartillerie mit Panzerhaubitze M-109 oder Raketenartillerie mit Raketenwerfer LARS, später MARS bzw. MLRS) übernimmt hierbei die direkte Feuerunterstützung der Bodentruppen durch Sperrfeuer. Auf Divisionsebene führt sie hauptsächlich den Konterbatteriekampf (Bekämpfung der gegnerischen Artillerie nach Zielaufklärung durch ELOKA, Schallmess-, Lichtmesstrupps, etc.) und auf Korpsebene den Kampf in der Tiefe, indem sie Hochwertziele wie feindliche Gefechtsstände oder den Nachschub bekämpft.[3] Für Luftunterstützung war der Fliegerleitoffizier (heute Forward Air Controller) zuständig. Hierzu gehörten Luftnahunterstützung (CAS – Close Air Support) und auf weitere Entfernungen die Gefechtsfeldabriegelung (BAI - Battlefield Air Interdiction). Eine weitere Komponente bildeten die Panzerabwehrhubschrauber (PAH) der Heeresflieger, welche Panzerdurchbrüche von Rot abzuriegeln hatten. Der Heeresflugabwehrtruppe kam die Aufgabe zu, mit Flak-Panzer Gepard und FlaR-Roland feindliche Erdkampfflugzeuge und Kampfhubschrauber wie der, als besonders bedrohlich eingestufte, Mil Mi-24 Hind (“fliegender Schützenpanzer”) zu bekämpfen. Aus Kampfentfernungen zwischen drei bis vier Kilometern wirkten bei geeignetem Gelände an den Flanken Jagdpanzer der Panzerjägertruppe. Der Jaguar 1 und 2 wurde, seiner Kampfweise entsprechend, in erster Linie aus gedeckten Hinterhaltstellungen eingesetzt. Ihnen kam die Aufgabe zu, mit Lenkflugkörpern erstranging feindliche Führungspanzer und Vorausabteilungen auszuschalten. Aufgrund ihrer großen Reichweiten und Gefechtsfeldbeweglichkeit sind Panzerjäger dazu in der Lage, einen Panzerabwehrverband schwerpunktmäßig zu verstärken und durchgebrochenen Gegner bekämpfen. Sie agieren häufig aus natürlicher Deckung heraus und bewegen sich auf bestimmten Verschiebewegen von der Lauer- in die Feuerstellung. Die Wahl ihrer Stellung richtet sich dabei hauptsächlich nach den Wirkungsmöglichkeiten und Schussdistanzen ihrer LFK.[4] Des Weiteren konnten Luftlandekräfte als hochbewegliches Manöverelement zum Tragen kommen.

Doktrin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kern der Operation verbundener Kräfte ist die Koordination von Feuer und Bewegung der eigenen Kräfte, um den eigenen Auftrag gegenüber Feindkräften durchzusetzen. Hierzu wirken die verschiedenen Truppengattungen des Heeres der Kampftruppen aus Panzertruppen und Infanterie sowohl mit den Kampfunterstützungstruppen (Artillerie, Pioniere, Heeresflieger, Heeresflugabwehr, ABC-Abwehrtruppe) sowie auch mit den Führungstruppen u.a. Heeresaufklärungstruppe, Elektronische Kampfführung, Fernmeldetruppe auf dem Gefechtsfeld so mit der Luftwaffe zusammen, dass einerseits die eigene Informations- und Feuerüberlegenheit sowie die Bewegungsfähigkeit an der entscheidenden Stelle erzwungen, ihr Einsatzwert und ihr Durchhaltevermögen erhöht und andererseits die Aufklärungs-, Wirkungs- und Bewegungsmöglichkeiten des Feindes minimiert werden sollen.

Kennzeichnend für die Fähigkeit zum Gefecht der verbundenen Waffen ist das vorhandene Führungs- und Informationssystem. Im Idealfall werden Aufklärungsergebnisse in Form universell nutzbarer Zieldaten direkt der Führung zugänglich gemacht, die wiederum dasjenige Waffensystem mit der Bekämpfung des jeweiligen Ziels beauftragt, das hierfür im Rahmen der streitkräftegemeinsamen taktischen Feuerunterstützung am besten geeignet ist. Rechnergestützte Auswertesysteme reduzieren gelegentliche Mehrfach-Zielbekämpfungen bzw. ein Außer-Acht-Lassen von erforderlicher Zieleinwirkung.

Wichtige Bestandteile der Operation verbundener Kräfte sind

Feuer und Bewegung - Sperren - Elektronischer Kampf (EloKa) als

Kräfte - Raum - Zeit - Information

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Einnahme der Heeresstruktur Neues Heer für neue Aufgaben 1997–2001 waren die wesentlichen Elemente durch Kampftruppen mit Panzern und Panzergrenadieren sowie Artillerie und Pionieren (Sperren, Räumen) zum Gefecht der verbundenen Waffen in einer Brigade organisch enthalten. Die Zuteilung weiterer Kräfte wie Heeresflugabwehr oder Verstärkung der Artillerie (für den Feuerkampf oder zur Aufklärung) oder Pioniere erfolgte durch Kräfte der übergeordneten Division. Die Division selber erhielt durch Zuteilung Sorties als Offensive Kräfte der Luftwaffe durch das Korps zur Luftnahunterstützung (eng. Close Air Support) um damit die Brigaden zu unterstützen. Der Kampf in der Tiefe wurde durch die Divisions- und Brigadeartillerie geführt. Nur auf herausragende Ziele oder außerhalb der Reichweite der Artillerie wurden Sorties zum Battlefield Air Interdiction durch das Korps eingesetzt, die Divisionen verfügten zum Kampf in die Tiefe über ihr Divisions-Artillerieregiment.

Nach dem Zwischenschritt Heer der Zukunft (2001–2006) sind die Kräfte des Heeres im Neuen Heer bzw. Heer 2010 (ab 2006) völlig neu strukturiert. Nur noch die zu den Eingreifkräften gehörenden Brigaden der 1. Panzerdivision (Panzerlehrbrigade 9 und Panzerbrigade 21) sowie die Deutsch-Französische Brigade sind in der Lage eine Operation verbundener Kräfte mit eigenen Truppenteilen selbständig zu führen. Die Brigaden der Stabilisierungskräfte[A 1] sowie die Brigaden der Division Spezielle Operationen sind erst dann dazu befähigt, wenn ihnen im Einsatz entsprechende Kräfte der Kampfunterstützungstruppen, vormals als Teile der Heerestruppenbrigade, unterstellt werden.

Das Gefecht der verbundenen Waffen wird bereits ab der Einheitsebene der Kompanie geführt. Dazu werden die Züge einer Panzer- und Panzergrenadierkompanie gegenseitig im Zuge der Truppeneinteilung durch das übergeordnete Bataillon unterstellt - so dass diese grundsätzlich jeweils zwei Panzerzüge und zwei Panzergrenadierzüge führt. Der Kompanie werden zusätzlich Teile der Stabs- und Versorgungskompanie wie Fernmeldetrupp (Bataillonsfunkkreis), Sanitätstrupp, Wartungsgruppentrupp (WTG-Trupp) und Bergepanzer sowie ein Feldküchentrupp unterstellt.

Vormals von der dem Bataillon zugewiesenen Heeresflugabwehrbatterie zwei Kanonenflugabwehrpanzer Gepard. Darüber hinaus aus der Mörserkompanie oder heute vom Divisions- oder Brigadeartilleriebataillon, Vorgeschobene Beobachter (VB); durch die Brigadepionierkompanie ein Panzerpionierzug dem Bataillon oder eine Pioniergruppe der Kompanie auf Zusammenarbeit angewiesen.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weitere Entwicklung führt zur vernetzten Operationsführung (engl. „Network Centric Warfare“), die nicht nur teilstreitkraftübergreifend wirkt, sondern auch alle anderen Einflussfaktoren in die Operationsplanung einbezieht, wie z. B. das Verhalten von Gruppen der lokalen Zivilbevölkerung und von Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John R. Walker erstellte 2009 für die United States Army die Studie Bracketing the enemy: forward observers and combined arms effectiveness during the Second World War. (deutsch etwa: den Feind einklammern. Gefechtsfeldbeobachter und die Effektivität von kombinierten Waffen während des Zweiten Weltkriegs). Die Studie wurde im April 2012 digital veröffentlicht[5] und ist damit Teil der 'Combined Arms Research Library Digital Library'.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harry Horstmann: Die Entwicklung der Gefechtsarten: Operatives Denken und Handeln in deutschen Streitkräften. ISBN 978-3640650613.
  • Jonathan M. House: Toward Combined Arms Warfare: A Survey of 20th-Century Tactics, Doctrine, and Organization. US Army Command General Staff College, 1984. Available online or through University Press of the Pacific (2002).
  • Roland Perry: Monash: The outsider who won a war. Random House, Sydney, 2004
  • Shelby Stanton: The 1st Cav in Vietnam:Anatomy of a division. Presidio Press, Novato, 1999
  • John Schlight: Help from above: Air Force Close Air Support of the Army 1946–1973. Air Force History and Museums program, Washington D.C., 2003
  • Karl v. Neugebauer: H. Dv. 487 Führung und Gefecht der verbundenen Waffen (F.u.G.). Biblio-Verlag, Osnabrück, 1994, ISBN 978-3764817930.
  • HDv 100/100 Truppenführung Heer, Truppenführung von LaSK
  • HDv 100/200 Operation verbundener Kräfte
  • HDv 220/100 Führung der Panzertruppen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heeresdienstvorschrift HDv 100/200 der Bundeswehr
  2. in der Regel die 5./Kp eines PzGrenBtl
  3. Fritz Wermelinger, Herbert Wanner: Die Artillerie im Kampf der verbundenen Waffen. ASMZ Sicherheit Schweiz: Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift, Band (Jahr): 157 (1991), Heft 6
  4. U. König: Der Panzerjäger: langer Spiess der Infanterie im Kampf der verbundenen Waffen. ASMZ Sicherheit Schweiz: Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift, Band (Jahr): 153 (1987), Heft 3 (PDF)
  5. ibiblio.org, 364 S., PDF
  6. Homepage

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 10. Panzerdivision und 13. Panzergrenadierdivision