Gehe hin, stelle einen Wächter

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Gehe hin, stelle einen Wächter (im Original Go Set a Watchman) ist ein Roman von Harper Lee, der, angeblich 1957 verfasst[1], erstmals 2015 veröffentlicht wurde. Das Werk wurde viel beachtet, weil der zuerst publizierte Roman der Autorin, Wer die Nachtigall stört (1960), inhaltlich mit diesem in Zusammenhang steht und ein Weltbestseller war. Nachdem Go Set a Watchman zunächst als eigenständiger Roman beworben wurde, stellte sich heraus, dass es sich bei dem Manuskript um einen bereits 1957 verfassten ersten Entwurf zu Wer die Nachtigall stört handelt, der, nachdem er vom Verlag abgelehnt wurde, auf grundlegende Weise zu Wer die Nachtigall stört umgearbeitet wurde.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean Louise "Scout" Finch, mittlerweile 26 Jahre alt und Jurastudentin, kommt aus New York City zu Besuch in ihr fiktionales Heimadtstädchen Maycomb in Alabama. Ihr älterer Bruder Jeremy "Jem" Finch ist bereits vor einigen Jahren an einer genetisch bedingen Herzerkrankung gestorben, die auch schon den frühen Tod der gemeinsamen Mutter zur Ursache hatte. Die langjährige schwarze Haushälterin Calpurnia, für Jean Louise eine Art Mutterfigur, ist mittlerweile in den Ruhestand getreten. Seitdem führt ihre Tante Alexandra, zu der Jean Louise ein distanziertes Verhältnis hat, den Haushalt. Sehr gut versteht sie sich dagegen mir ihrem Onkel Jack, einem pensionierten Arzt.

In Maycomb trifft sie zunächst ihre Jugendliebe, den Rechtsanwalt Henry "Hank" Clinton, der in der Kanzlei ihres Vaters Atticus arbeitet. Henry schlägt ihr vor, zurück nach Maycomb zu ziehen und ihn zu heiraten. Sie stellt sich das Leben als Hanks Frau mehrmals vor und verfällt auch in Erinnerungen an ihre Kindheitstage mit ihrem Bruder und den beiden gemeinsamen Kindheitsfreunden „Dill“ Harris und Hank.

Aber Jean Louise bemerkt schnell, dass sich einige Dinge in ihrer Heimatstadt grundlegend verändert haben: das Ende der Rassentrennung durch das Urteil Brown v. Board of Education und das Aufstreben der schwarzen Bevölkerung, vor allem durch die Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), wird von den weißen Bewohnern Maycombs, meist Nachfahren ehemaliger Sklavenbesitzer, sehr kritisch gesehen. Weil Jean Louise mit einer schwarzen Frau (Calpurnia) aufwuchs und ihr Vater Atticus häufig unschuldige Schwarze in rassistischen Strafprozessen vertrat, teilt sie das rassistische Gedankengut nicht und hat kein Verständnis dafür.

Doch kurz darauf findet sie eine rassistische Zeitschrift mit dem Titel „Die schwarze Plage“ in den Unterlagen ihres Vaters und beobachtet ihn und Henry heimlich bei einem Treffen eines White Citizens Council, wo Atticus einen rassistischen Redner empfängt. Völlig entsetzt muss sie feststellen, dass auch ihre beiden engsten Vertrauten die in den Südstaaten vorherrschende rassistische Gesinnung teilen, stürmt hinaus und bricht zusammen.

Am nächsten Morgen erfährt Jean Louise, dass Calpurnias Enkelsohn einen weißen Fußgänger angefahren und tödlich verletzt hat. Sie besucht Calpurnia, wird aber gefühlskalt behandelt, was sie noch weiter verletzt. Atticus übernimmt die Strafverteidigung, um zu verhindern, dass sich die NAACP in den Fall einmischt.

Hierauf trifft Jean Louise sich mit Henry. In einem lautstarken Streit auf offener Straße wirft sie ihm die Teilnahme am White Citizens Council vor. Henry erklärt, er wäre hauptsächlich aus opportunistischen Gründen Mitglied im Council: um Einfluss auf die Politik in Maycomb nehmen zu können und Geld für eine Familie zu verdienen. Er glaube, Menschen müssten manchmal Dinge tun, die sie nicht tun möchten, um ein Ziel zu erreichen. Daraufhin bezeichnet Jean Louise ihn als Heuchler und sagt ihm, dass sie ihn niemals heiraten werde.

Plötzlich erscheint Atticus und bittet Jean Louise in ihr Büro. Er erklärt ihr, dass er Mitglied im White Citizens Council sei, weil er glaube, die Schwarzen in den Südstaaten dürften noch nicht vollständig gleichberechtigt sein, da sie nicht in der Lage wären, die dafür benötigte Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sieht er es als juristischen Skandal, dass sich der Oberste Gerichtshof als Bundesgericht in die Rassentrennung einmischt, da letztere Angelegenheit der Bundesstaaten wäre. Jean Louise stimmt Atticus zwar hinsichtlich des Bundesgerichts zu, erwidert aber, nach der jahrelangen Diskriminierung erachte sie die schwarze Bevölkerung relativ gesehen für sehr verantwortungsvoll und ist angewidert von den Positionen ihres Vaters, weil sie ihren Vater eigentlich als sehr toleranten und gerechten Menschen kennt.

Gerade als sie wütend mit dem Auto abreisen möchte, schlägt sie ihr Onkel Jack nieder, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Er erklärt ihr, sie wäre nun eine Erwachsene, weil sie sich endlich von Vater gelöst habe und ihn nun nicht mehr als unfehlbaren „Gott“, sondern als fehlbaren Menschen sieht. Nach kurzer Überlegung stimmt sie Onkel Jacks Gedankengang zu. Sie verabredet sich mit Henry zum Abendessen, glaubt aber, dass sie ihn niemals heiraten könne, weil Henry in Maycomb einen Lebensstil erlernt hat, der ihr fremd ist. Als sie Atticus trifft, ist dieser sehr stolz auf sie, weil sie sogar ihm gegenüber ihren eigenen Werten treu geblieben ist und diese verteidigt hat. Jean Louise sagt Atticus, dass sie ihn sehr liebt und sieht ihren Vater zum ersten Mal nicht mehr als ihr Idol, sondern als menschliches Wesen.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Grünzweig: Gehe hin, stelle einen Wächter: Getötete Seelen, derstandard.at, 2. August 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]