Geisenheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geisenheim
Geisenheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geisenheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 59′ N, 7° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Rheingau-Taunus-Kreis
Höhe: 95 m ü. NHN
Fläche: 40,34 km²
Einwohner: 11.627 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 288 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 65366,
65385 (Am Rüdesheimer Hafen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 06722
Kfz-Kennzeichen: RÜD, SWA
Gemeindeschlüssel: 06 4 39 004
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rüdesheimer Str. 48
65366 Geisenheim
Webpräsenz: www.geisenheim.de
Bürgermeister: Frank Kilian (parteilos)
Lage der Stadt Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis
Lorch (Rheingau) Rüdesheim am Rhein Geisenheim Oestrich-Winkel Kiedrich Eltville am Rhein Walluf Schlangenbad Bad Schwalbach Heidenrod Aarbergen Hohenstein (Untertaunus) Taunusstein Hünstetten Idstein Niedernhausen Waldems Rheinland-Pfalz Wiesbaden Landkreis Limburg-Weilburg Main-Taunus-Kreis Hochtaunuskreis Kreis Groß-GerauKarte
Über dieses Bild

Die Hochschulstadt Geisenheim liegt am Rhein zwischen Wiesbaden und Rüdesheim am Rhein und ist als Wein-, Schul-, Dom- und Lindenstadt bekannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 50. Breitengrad beim Schloss Johannisberg

Das Stadtgebiet zieht sich ungefähr in Süd-Nord-Richtung von der Fahrrinne des Rheins aus in einem etwa drei Kilometer breiten Streifen die Südhänge des Rheingaugebirges zum Taunushauptkamm empor. Der untere Teil der Gemarkungen von Geisenheim und Johannisberg um die bebaute Ortslage besteht bis auf eine Höhe von 250 Meter überwiegend aus Weinbergslagen; der nördlich anschließende Teil ist bewaldet. Am Waldrand liegt das Wallfahrtskloster und die Trabantensiedlung Marienthal. Weiter oben auf einer Rodungsinsel findet sich Stephanshausen. Höchster Berg Geisenheims ist der Hörkopf mit 474 Meter. Hinter dem Taunushauptkamm hat Geisenheim Anteil am Hinterlandswald mit dem unteren Ernstbachtal und dem linken Wisperufer nahe der Kammerburg und der Lauksburg. Vom Rhein bis zur Wisper ist das Stadtgebiet 13 Kilometer lang.

Durch die Weinbergslage „Schloss Johannisberg“ zieht sich knapp südlich des Johannisberger Schlosses der 50. nördliche Breitengrad und ist mit zwei schmiedeeisernen Markierungen auf gemauertem Sockel kenntlich gemacht.

Der Stadt vorgelagert liegt die Schönborn’sche Aue, eine verlandete Rheininsel, die im Zuge einer Renaturierung wieder vom Festland gelöst werden wird. (Stand: März 2014)

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisenheim grenzt im Norden an die Stadt Lorch, im Osten an die Stadt Oestrich-Winkel, im Süden an die Städte Ingelheim und Bingen (beide Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz), sowie im Westen an die Stadt Rüdesheim.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Basilika von Schloss Johannisberg

Die Stadt Geisenheim ist aufgeteilt in vier Stadtteile: „Kernstadt“, Johannisberg (Grund, Berg, Schloßheide), Marienthal und Stephanshausen.

Johannisberg ist wohl der bekannteste Stadtteil von Geisenheim, ist er doch die Geburtsstätte der Spätlese (genauer: der systematischen Erzeugung von Auslesen) und für seine Weinlage weltbekannt. Im Schloss Johannisberg erinnert eine Statue an den unbekannten Spätlesereiter. Fürst von Metternich erhielt die Schlossdomäne 1816 nach dem Wiener Kongress aus den Händen Kaiser Franz I. zum Geschenk.

Marienthal erhielt seinen Namen nach dem nahegelegenen Kloster Marienthal. Das Kloster ist bekannt wegen seiner Marienwallfahrt, und hier gab es die erste Klosterdruckerei der Welt.[2]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Geisenheim unterhält der Deutsche Wetterdienst eine Außenstelle der Abteilung Agrarmeteorologie. In der dortigen Wetterstation werden Klimadaten seit 1884 fortlaufend aufgezeichnet.[3]

Geisenheim
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
39
 
3
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35
 
5
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13
 
 
53
 
24
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20
10
 
 
42
 
14
7
 
 
49
 
8
3
 
 
46
 
5
0
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Geisenheim
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 3,4 5,3 9,7 14,2 18,9 22,0 23,9 23,6 20,1 14,3 7,8 4,5 Ø 14
Min. Temperatur (°C) -1,2 -0,6 1,9 4,8 8,7 11,9 13,4 13,2 10,3 6,6 2,5 -0,1 Ø 6
Niederschlag (mm) 39 35 38 39 51 59 57 53 41 42 49 46 Σ 549
Sonnenstunden (h/d) 1,3 2,4 3,9 5,4 6,6 6,6 7,2 6,7 5,1 3,2 1,6 1,2 Ø 4,3
Luftfeuchtigkeit (%) 82 77 72 67 66 67 67 70 76 82 83 83 Ø 74,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
3,4
-1,2
5,3
-0,6
9,7
1,9
14,2
4,8
18,9
8,7
22,0
11,9
23,9
13,4
23,6
13,2
20,1
10,3
14,3
6,6
7,8
2,5
4,5
-0,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisenheim wurde 772 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte seit dem Mittelalter zum Erzbistum Mainz, später zum Herzogtum Nassau, zum Königreich Preußen und zum Land Hessen. Seit 1864 besitzt Geisenheim Stadtrechte.

Während der NS-Zeit wurde am 26. September 1944 in den Werkshallen der Maschinenfabrik Johannisberg GmbH in Geisenheim ein Außenkommando des KZ Natzweiler-Struthof eingerichtet, um die hierhin ausgelagerte Rüstungsproduktion der Friedrich Krupp AG aufrechtzuerhalten. Am 12. Dezember 1944 kamen die ersten weiblichen KZ-Häftlinge nach Geisenheim. 200 Frauen wurden in Baracken untergebracht. Das Lager lag zwischen der Bahnlinie Rüdesheim-Wiesbaden, der Winkeler Straße und der Tankstelle Reutershan. Die Mehrzahl der Häftlinge waren polnische Jüdinnen, die aus dem Ghetto Lodz stammten und zuvor im KZ Auschwitz als „arbeitsfähig“ selektiert worden waren. Am 18. März 1945 mussten die Frauen einen Marsch nach dem Dachauer KZ-Außenlager Allach in München antreten. Dort wurden sie schwer misshandelt und schließlich Anfang Mai von US-Amerikanern befreit.[4] Auch gab es auf dem Werksgelände ein firmeneigenes Lager mit 25 sowjetischen Kriegsgefangenen (Stand 1943).[5]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[6]

  • Gisenheim (772)
  • Gysenheim (788)
  • Gisenheim (776-796 (789/94?))
  • Gysenheim (954-984)
  • Gysinheim (1107)
  • Gysenheim (1108)
  • Gisenheim (1128)
  • Gisenheim (1133–1137)
  • Gisenheim (1144)
  • Gisenheim (1215)
  • Gysinheym (1350)
  • Gysenheym (1408)

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis die zuvor selbstständige Gemeinde Johannisberg[7] und am 1. Januar 1977 per Gesetz die zuvor selbstständige Gemeinde Stephanshausen nach Geisenheim eingegliedert.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[9] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[10][11]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
     
Von 37 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2016
Sitze
2016
 %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
 %
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,4 12 37,0 14 39,7 15 38,2 14
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 30,4 11 32,8 12 35,0 13 36,6 14
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 11,3 4 18,3 7 8,9 3 10,7 4
FDP Freie Demokratische Partei 9,2 3 12,0 4 13,2 5 11,0 4
ZfB Zeit für Bürger 17,7 7
FWG Freie Wähler Geisenheim und Ortsteile 3,3 1
REP Die Republikaner 3,5 1
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 46,7 45,3 41,8 47,6

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Wappen bis 1977 von Geisenheim Neues Wappen seit 1977 mit dem Stephanshäuser Drachen

Nach der Gebietsreform von 1972 wurde 1977 auch das Wappen der Stadt angepasst. Die beiden „alten“ Mainzer Räder wurden durch die Johannisberger-Version des Mainzer Rades (oben) und durch den Stephanshausener Drachen (unten) ersetzt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Geisenheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus Geisenheim
Rheingauer Dom in Geisenheim
Villa Monrepos

Direkt vor dem Rathaus steht die große Linde, ein Symbol der Stadt. Diese Winterlinde[12] ist vermutlich 700 Jahre alt. Sie wurde in den 1970er Jahren durch Krankheit ihrer oberen zweiten Laubkrone beraubt. Im Juli findet das Lindenfest mit der Stunde der Heimat in den Straßen zwischen Dom und Rathaus statt.

Am Pfefferzoll wurde von vorbeifahrenden Schiffern Zoll in Form des damals wertvollen Gewürzes verlangt. Das kleine Haus mit dem schönen Erker steht heute über 200 Meter vom Rhein entfernt im Südosten der Altstadt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rheingauer Dom, neugotische Doppelturmfassade aus dem 19. Jahrhundert, Langhaus und Chor aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, bedeutende Grabmäler und reiche Innenausstattung, bekannte Stumm-Orgel aus dem 19. Jahrhundert
  • Evangelische Kirche, Neuromanik, 1891–1897 nach Plänen des Architekten Ludwig Hofmann erbaut.
  • Alte Werkshalle der Maschinenfabrik Johannisberg Geisenheim (MJG), bedeutendes Industriedenkmal der langjährigen Maschinenbau-Tradition in Geisenheim.
  • Kronberger Hof, ehemaliger Adelshof aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts
  • Eberbacher Hof, ehemaliger Wirtschaftshof des Klosters Eberbach und Elternhaus des Architekten Philipp Hoffmann
  • Bachelin-Haus, ehemaliges Wohnhaus der Familie Bachelin, entstanden um 1695. Im Hauptwohnraum handgemalte Papiertapete aus den Jahren 1822/23. Älteste in einem bürgerlichen Haus bekannte handgemalte Tapete Deutschlands.[13]

Schlösser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen und Osten der Stadt stehen alte Schlösser und Palais:

  • Das 1550 erbaute Schloss Schönborn (ehemaliger Stockheimer Hof) steht am Bahnhof inmitten eines Weinbergs und ist ein beliebtes Fotomotiv. Es gehört noch heute den Grafen von Schönborn-Wiesentheid, die das Erdgeschoss und den 1. Stock für Feierlichkeiten zur Verfügung stellen.
  • Palais Ostein, Sommerresidenz des letzten Grafen von Ostein; hufeisenförmige Anlage aus dem 18. Jahrhundert, um 1811 wurde der prachtvolle Mittelbau wegen Gütertrennung niedergelegt. Heute im Eigentum der St. Ursula-Schule.
  • Villa Monrepos, repräsentatives Gebäude in einem großen Park, Erbauer Eduard von Lade (Gründer der Forschungsanstalt), errichtet im 19. Jahrhundert.
  • Schloss Kosakenberg (ehemaliger Ingelheimer Hof), Anlage oberhalb des Bahnhofes, aus dem 17. Jahrhundert, heute Weingut
  • Zwierleinsches Palais, des deutschen Jurists und Politikers Hans Constantin von Zwierlein (1802–1863), oberhalb von Schloss Kosakenberg gelegen, durch mehrfache Umbauten dient es heute als Mehrfamilienhaus, der barocke Park ist einem Wohnviertel gewichen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rheingaustadion mit Rasenplatz und Kunststoffleichtathletikanlagen (Kellersgrube)
  • Rheingaubad (Hallenbad)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rheingau Musik Festival im Schloss Johannisberg (und im gesamten Rheingau)
  • Am Wochenende vor Christi Himmelfahrt (Vatertag): Besser als nix! Das Festival
  • drittes Wochenende im Juli: vier Tage Geisenheimer Lindenfest mit der Stunde der Heimat am Montag
  • erstes Wochenende im August Sommernachtsfest in den Rheinanlagen
  • erstes Wochenende im September in ungeraden Jahren: Tage der offenen Tür der Forschungsanstalt Geisenheim
  • zweites Wochenende im September: Wein- und Sektfest Schloss Johannisberg

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisenheim weist neben einer hohen Dichte an Bildungs- und Forschungseinrichtungen ebenso eine leistungsfähige und stabile Wirtschaftsstruktur auf. Neben zahlreichen örtlichen Handels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben haben auch einige international agierende Industrieunternehmen ihren Sitz in Geisenheim. Somit ist Geisenheim auch als Handels- und Industriestandort bedeutsam. Einschnitte ergaben sich durch die Abwanderung des großen Arbeitgebers MAN Roland Druckmaschinen-AG. Die örtliche Wirtschaft entwickelt sich seit Jahren wieder stabil und positiv.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Geisenheim hat die Ferrostaal Industrieanlagen GmbH (ehem. Fritz Werner Werkzeugmaschinen) ihren Sitz, die wiederum ein Tochterunternehmen des Essener Ferrostaal-Konzerns ist. Die Wachendorff-Unternehmensgruppe beschäftigt ungefähr 470 Mitarbeiter und ist international führend bei Automatisierungstechnik und Steuerung. Das Familienunternehmen Erbslöh entwickelt und vertreibt Produkte für die Getränkeveredelung und -behandlung. Im Zuge einer fortlaufenden Expansion siedelte sich 2009 die GAT (Gesellschaft für Antriebstechnik mbH) in Geisenheim an. In der alten Werkshalle, dem ehemaligen Sitz der MAN Roland Druckmaschinen-AG siedelte sich im Jahre 2012 ein Unternehmen an, das auf Kunststoff-Recycling spezialisiert ist. In Geisenheim befindet sich weiterhin das Kino „Linden-Theater“, das heute durch eine gemeinnützige Gesellschaft als Integrationsbetrieb im Sinne der beruflichen Wiedereingliederung betrieben wird.

In Geisenheim, kurz vor Rüdesheim am Rhein, befindet sich zudem das Rheingau-Bad, das einzige Hallenbad im Rheingau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Geisenheim vorbei führt die B 42, die Wiesbaden mit Koblenz verbindet.

Durch die Rechte Rheinstrecke kann Wiesbaden in einer halben Stunde per Bahn oder mit dem Regionalbus in rund einer Stunde erreicht werden.

Am Bahnhof Geisenheim ging am 3. Oktober 2014 ein Relaisstellwerk der Bauart Dr S2 ausser Betrieb. Seither ist der Bahnhof Geisenheim an ein Elektronisches Stellwerk angeschlossen. Von diesem Stellwerk werden alle Bahnhöfe im Rheingau fernbedient. Ausnahmen bilden hier die Bahnhöfe Oestrich-Winkel und Rüdesheim, die später angeschlossen werden sollen. Mit der Umstellung wurde die Strecke für das signalgeführte Befahren des Gegengleises hergerichtet. Für die Bedienung des Bahnhofs Geisenheim ist nun der in der Betriebszentrale in Frankfurt am Main arbeitende Fahrdienstleiter „Lahnstein Süd“ zuständig.

Seit 2007 verbindet der Rhein-Main-Verkehrsverbund via Bus die Orte Marienthal, Johannisberg, Hallgarten, Presberg und Stephanshausen mit Geisenheim.

Auch eine Schiffsanlegestelle für kleine Personenschiffe ohne festen Fahrplan ist vorhanden.

Radwanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die Variante R3a des Hessischen Radfernweg R3 (Rhein-Main-Kinzig-Radweg). Der R3 führt unter dem Motto Auf den Spuren des Spätlesereiters. entlang von Rhein, Main und Kinzig über Fulda nach Tann in der Rhön. Auf dem ersten Teilstück bis Eltville am Rhein führt die Variante R3a über die Rheingauer Riesling Route.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisenheim verdankt seinen Ruf als Schulstadt der Konzentration von verschiedenen Schulen:

In Geisenheim befand sich seit 1872 die Forschungsanstalt Geisenheim für Wein- und Gartenbau. Die Forschungsanstalt kooperierte seit Beginn der 1970er Jahre im Bildungsbereich mit der Fachhochschule Wiesbaden, später in Hochschule RheinMain umbenannt, die einen Fachbereich in Geisenheim unterhielt. Der Schwerpunkt der Forschungsanstalt lag im Garten- und Weinbau sowie in der Getränketechnik. Der Fachbereich Geisenheim fusionierte zum 1. Januar 2013 mit der Forschungsanstalt Geisenheim zur Hochschule Geisenheim. Diese 13. Hochschule des Landes Hessen ist eine so genannte „Hochschule neuen Typs“ und vereinbart die praxisnahe studentische Ausbildung mit Bachelor- und Masterabschlüssen mit angewandter und Grundlagenforschung und hat Promotionsrecht. Aufgrund der Hochschule wurde der Stadt, gemäß Paragraf 13 Absatz 2 der Hessischen Gemeindeordnung, der Titel „Hochschulstadt“ verliehen[14].

Das landeseigene Schloss Hansenberg in Johannisberg wurde im Jahr 2003 vom Land Hessen als Oberstufengymnasium für besonders leistungsstarke Schüler zu einer Internatsschule umgebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad von Geisenheim; † 30. Mai 1386, deutscher Diplomat und Bischof von Lübeck
  • 1554, November, Jakob Christmann; † 16. Juni 1613, Orientalist, geboren im heutigen Stadtteil Johannisberg
  • 1804, Wilhelm Michael Nebel, Verfasser katholischer Erbauungsliteratur
  • 1806, 23. November, Philipp Hoffmann; † 4. Januar 1889, Architekt und Baumeister
  • 1808, 18. April, Peter Josef Blum; † 30. Dezember 1884, Bischof der Diözese Limburg
  • 1813, 18. April, Carl Burgeff; † 1. April 1871, Sektkellereibesitzer
  • 1817, 24. Februar, Heinrich Eduard von Lade; † 7. August 1904 in Geisenheim, Bankier, Waffenhändler, Diplomat, Gärtner und Pflanzenzüchter sowie Amateur-Astronom. Gründer der Forschungsanstalt Geisenheim, erster Ehrenbürger der Stadt Geisenheim
  • 1818, 26. Januar, Gustav Dresel; † 14. September 1848, Schriftsteller
  • 1840, 6. September, Wilhelm Simmler; † 8. Dezember 1923 in Berlin, Maler
  • 1846, 14. Dezember, Franz Joseph Simmler; † 2. Oktober 1926 in Offenburg, Bildhauer, Kirchenmaler und Altarbauer
  • 1858, 10. Oktober, Lorenz Werthmann; † 10. April 1921 in Freiburg im Breisgau, Gründer der Caritas
  • 1882, 6. August, Peter Spring, Gärtner, studierter Obstbautechniker, Sozialdemokrat und Pazifist; † 10. April 1945 im KZ Dachau
  • 1883, 19. April, Hans Burgeff; † 27. September 1976, Botaniker
  • 1892, 3. April, Gustav Gundlach; † 23. Juni 1963 in Mönchengladbach, katholischer Sozialethiker, Sozialphilosoph und Sozialwissenschaftler
  • 1927, 8. März, Prof. Dr. Helmut Becker; † 19. Juli 1990 in Geisenheim, Rebenzüchter und Dozent
  • 1966, 28. Mai, Markus Kastenholz, Schriftsteller

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. November 2005 übernahm Geisenheim auf Initiative eines Geisenheimer Triebfahrzeugführers als 150. Stadt die Patenschaft für einen ICE 1, der im Wiesbadener Hauptbahnhof auf den Namen „Geisenheim/Rheingau“ getauft wurde.[15]

Getauft wurde – durch den ehm. Bürgermeister Manfred Federhen und die damalige Weinkönigin Michaela Hans – der Triebzug 162, ein auslandsfähiger Triebzug der zweiten Bauserie des ICE1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf-Heino Struck: Geschichte der Stadt Geisenheim. Frankfurt 1972.
  • Gerd Hagenow: Beiträge zur Kultur und Geschichte der Stadt Geisenheim 1, zusammengestellt von Paul Claus. Geisenheim 1991.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Website des Franziskanerklosters Marienthal
  3. Deutscher Wetterdienst – Außenstelle Geisenheim
  4. „Geisenheim, KZ-Außenkommando Geisenheim, Maschinenfabrik Johannisberg GmbH“. Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 2. Dezember 2015)
  5. „Geisenheim, Lager für sowjetische Kriegsgefangene“. Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 2. März 2011)
  6. „Geisenheim, Rheingau-Taunus-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 31. März 2014, abgerufen am 11. Juli 2014.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  8. Gesetz zur Neugliederung des Rheingaukreises und des Untertaunuskreises. vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22
  9. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  10. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  12.  Wikisource: Die Linde in Geisenheim – Quellen und Volltexte
  13. Peter Foissner, Klaus Grossmann u.a.: Geisenheim. Bachelin-Haus und Altstadtsanierung. Beiträge zur Kultur und Geschichte der Stadt Geisenheim - Band 10/2012. Herausgeber: Magistrat der Stadt Geisenheim. ISBN 978-3-00-036939-1
  14. Hessisches Ministerium des Innern und für Sport (Hrsg): Geisenheim erhält den Titel „Hochschulstadt“ vom 19. Oktober 2015 (Zugegriffen 21. Oktober 2015)
  15. ICE „Geisenheim/Rheingau“ getauft Frankfurter Nahverkehrsforum

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geisenheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Dokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]