Geisingen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Geisingen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Geisingen
Geisingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Geisingen hervorgehoben
Koordinaten: 47° 55′ N, 8° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Tuttlingen
Höhe: 667 m ü. NHN
Fläche: 73,74 km²
Einwohner: 6042 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 82 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78187
Vorwahlen: 07704, 07708 (Aulfingen, Leipferdingen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: TUT
Gemeindeschlüssel: 08 3 27 018
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 36
78187 Geisingen
Webpräsenz: www.geisingen.de
Bürgermeister: Walter Hengstler (CDU)
Lage der Stadt Geisingen im Landkreis Tuttlingen
Landkreis Konstanz Landkreis Rottweil Landkreis Sigmaringen Schwarzwald-Baar-Kreis Zollernalbkreis Aldingen Balgheim Bärenthal Böttingen Bubsheim Buchheim Deilingen Denkingen Dürbheim Durchhausen Egesheim Emmingen-Liptingen Fridingen an der Donau Frittlingen Geisingen Gosheim Gunningen Hausen ob Verena Immendingen Irndorf Königsheim Kolbingen Mahlstetten Mühlheim an der Donau Neuhausen ob Eck Reichenbach am Heuberg Renquishausen Rietheim-Weilheim Seitingen-Oberflacht Spaichingen Talheim (Landkreis Tuttlingen) Trossingen Tuttlingen Wehingen Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen)Karte
Über dieses Bild

Geisingen ist eine Stadt im Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg. Sie liegt am Westrand des Kreisgebietes und ist nach Einwohner die fünft-, nach Fläche die drittgrößte Gemeinde des Landkreises.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisingen liegt im Südwesten des Landkreises Tuttlingen an der Donau in 663 bis 904 Meter Höhe, am südöstlichen Rand der Baar. Die breite Hochebene der mittleren Baar verengt sich zwischen dem Wartenberg, dem nördlichsten Kegel des Hegauvulkanismus und des ihm gegenüberliegenden Höhenrückens, der „Länge“, zu einem schmalen Tal, das die Donau Richtung Osten weiterführt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt grenzt im Norden an die Stadt Bad Dürrheim im Schwarzwald-Baar-Kreis, im Osten an Immendingen, im Süden an Engen und Tengen im Landkreis Konstanz sowie Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Westen an die Städte Donaueschingen und Hüfingen, beide im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Geisingen besteht aus den fünf Stadtteilen Geisingen, Geisingen / Aulfingen, Geisingen / Gutmadingen, Geisingen / Kirchen-Hausen und Geisingen / Leipferdingen. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Beistrich getrennt nachgestellt der Name des jeweiligen Stadtteils. Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind jeweils identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden.

Zu den Stadtteilen Geisingen / Aulfingen und Geisingen / Gutmadingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Geisingen die Stadt Geisingen, der Weiler Drei Lärchen, Schloss und Gehöft Wartenberg und die Höfe Espenhöfe und Mühle. Zum Stadtteil Geisingen / Kirchen-Hausen gehören die Gemeindeteile Kirchen und Hausen und das Gehöft Immensitz (Neuhaus). Zum Stadtteil Geisingen / Leipferdingen gehören das Dorf Leipferdingen und die Häuser Bahnstation Leipferdingen.
Im Stadtgebiet liegen die abgegangenen Ortschaften Hagstetten, Längeschloß und Neubrunnen (alle Stadtteil Geisingen / Aulfingen), Bodelshausen, Ebenhausen oder Sebenhausen, von dem Teile der Gemarkung in Unterbaldingen (Bad Dürrheim) aufgegangen sind, Engelbreiten, Gereuthof und Weiler (alle Stadtteil Geisingen), Neu-Sunthausen und Eselsmühle (beide im Stadtteil Geisingen / Kirchen-Hausen) und Neufra im Stadtteil Geisingen-Leipferdingen.[2]

Wappen Ortsteil Einwohner
(Stand: 31. Dezember 2015)[3]
Fläche[3]
Geisingen Geisingen (Kernstadt) 2.850 2.163 ha
Aulfingen Aulfingen 569 1.204 ha
Gutmadingen Gutmadingen 800 1.164 ha
Kirchen-Hausen Kirchen-Hausen 1.098 1.504 ha
Leipferdingen Leipferdingen 776 1.339 ha

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alemannische Siedlung wurde erstmals im Jahre 764 in einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. 829 wurde der Ort als öffentlicher Gerichtsplatz nachgewiesen. 1329 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als Stadt, als Geisingen in den Besitz der Grafen von Fürstenberg übergegangen war.

Bei einer verheerenden Brandkatastrophe wurde Geisingen 1487 weitgehend zerstört. Der Sage nach trugen die Geisinger in ihrer Verzweiflung die Figur der Heiligen Agatha aus der Kirche und stellten sie in die Hauptstraße. Daraufhin erlosch das Feuer.

Ab 1500 lag die Stadt im Schwäbischen Reichskreis. Im 16. Jahrhundert wurde Geisingen für drei Jahrzehnte Regierungssitz der Fürsten von Fürstenberg. In dieser Epoche zwischen Bauernkrieg und Dreißigjährigem Krieg stand die Stadt in höchster Blüte. Zahlreiche Handwerker hatten sich niedergelassen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erhielt Geisingen das Recht, zweimal im Jahr Markt abhalten zu dürfen, um 1580 ist auch ein Kaufhaus belegt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dessen Verlauf Geisingen 1632 von den Schweden erobert wurde, begann der Abstieg der Stadt. 1806 wurde die Stadt ins Großherzogtum Baden eingegliedert. Trotz einer zaghaften Industrialisierung verlor Geisingen 1921 seine Stadtrechte, als eine neue badische Gemeindeordnung in Kraft trat. Erst 1956 wurde Geisingen durch das neugebildete Land Baden-Württemberg berechtigt, die frühere Bezeichnung „Stadt“ wieder anzunehmen. Damit wurde auch einer starken wirtschaftlichen, kulturellen und städtebaulichen Aufwärtsentwicklung, die Geisingen nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte, Rechnung getragen.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1972 wurden die damals selbständigen Gemeinden Gutmadingen und Kirchen-Hausen (so seit dem 14. November 1961, vorher Kirchen und Hausen) und am 1. Januar 1974 die Gemeinden Aulfingen und Leipferdingen als Stadtteile eingemeindet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Geisingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt (in Klammern Ergebnis von 2009).

Wahlbeteiligung: 51,70 % (52,25 %)

CDU - 35,92 % 12.518 Stimmen 7 Sitze (32,25 %; 7 Sitze)

FW/FDP - 29,40 % 10.248 Stimmen 6 Sitze (34,01 %; 8 Sitze)

SPD/Freie Bürger - 21,40 % 7.457 Stimmen 4 Sitze (22,34 %; 5 Sitze)

Aktive Bürger - 13,28 % 4.630 Stimmen 2 Sitze (11,40 %; 2 Sitze)

Die Stadtteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und mit Ausnahme des Stadtteils Geisingen kommunalrechtliche Ortschaften mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.[4]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Stadt Geisingen ist Walter Hengstler (CDU)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In gespaltenem Schild vorn in Silber ein roter Löwe, hinten in Gold ein blaubewehrter, blaubezungter roter Adler.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen.

Im Süden reicht die Gemarkung bis zu dem Höhenrücken, der das Donautal vom Bodenseebecken trennt. Auf diesem verläuft die Europäische Wasserscheide, auf mehreren Kilometern auch der Alte Postweg, ein historischer Verkehrsweg von überregionaler Bedeutung.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Geisinger Gemarkungen finden sich zahlreiche Zeugnisse aus der Zeit des Mittelalters und aus der Vorgeschichte. Zu diesen zählen die Burg Wartenberg, einer Burgruine auf dem Wartenberg, die Obere Burg Wartenberg (Alt-Wartenberg), die Ehrenburg, die Abschnittsbefestigung Hörnekapf, die Burg Neu-Sunthausen, die Abschnittsbefestigung Schanze, die Abschnittsbefestigung Schänzle und die ehemalige Wallburg Heidenburg.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand von Geisingen wurde vom 16. bis 18. April 2010 Deutschlands erste und weltweit vierte überdachte Inline-Arena eröffnet. Der ovale Bau hat eine 200 Meter lange Rundbahn, ein 3000 Quadratmeter großes Infield mit Vesamaco-Kunstharz und einen 480 Meter langen Straßenkurs, der um einen Weiher führt. Die Arena wurde nach internationalen Normen gebaut und nicht nur für den Trainings- und Breitensport konzipiert. Sie bietet mit 3000 Tribünenplätzen, einer fest eingebauten Zeitmessanlage und einer 14 Quadratmeter großen Videoleinwand alle Voraussetzung für Wettkämpfe, Turniere, Weltcuprennen und Weltmeisterschaften.[5]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisinger Hansele

Fasnet:
Geisingen ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht auf der Baar. Treibende Kraft der Geisinger Fasnet ist die Narrenzunft „Grünwinkel“ 1858 e. V. mit ihren Narrenfiguren Hansele (ein Weißnarr) und Gretele sowie den Geisinger Hexen. Die Narrenzunft ist Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN).

Weitere Veranstaltungen

  • Arena Geisingen Halbmarathon
  • Aulfingen: Pfarrbuckfest
  • Geisingen: Straßenfest in der Hauptstraße
  • Gutmadingen: Dorffest, Dorfhock
  • Kirchen-Hausen: Dorffest, Karibische Nacht
  • Leipferdingen: Brunnenfest des Musikvereins, Grümpelturnier des SV Leipferdingen, Sichelhenke des Männergesangvereins, Gugenrock der Guggenmusik

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ringzug auf der Wutachtalbahn beim Haltepunkt Geisingen-Kirchen

Geisingen liegt an zwei Bahnlinien: Die Kernstadt liegt an der Donautalbahn von Donaueschingen nach Ulm. Hier ist Geisingen zweistündlich Halt der Regional-Express-Züge. Außerdem liegt die Kernstadt auch an der Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Singen (Hohentwiel). Die Züge der Schwarzwaldbahn halten jedoch nur vereinzelt sehr früh am Morgen und spät am Abend in Geisingen.

Darüber hinaus werden außer Geisingen und Gutmadingen alle Stadtteile durch das Ringzug-System erschlossen. Die Stadtteile Kirchen-Hausen, Aulfingen und Leipferdingen liegen an der Wutachtalbahn von Immendingen nach Waldshut, die 2004 im Abschnitt Immendingen–Blumberg wieder für den Personenverkehr reaktiviert wurde. Neben dem Bahnhof Geisingen besitzt die Stadt so vier weitere Haltepunkte. Dies sind Geisingen-Hausen, Geisingen-Kirchen, Geisingen-Aulfingen und Geisingen-Leipferdingen. Werktags verkehren so normalerweise im Stunden-Takt Ringzüge der HZL von Leipferdingen über Immendingen, Tuttlingen nach Rottweil. Am Wochenende wird ein Zwei-Stunden-Takt ab Blumberg gefahren. Am Haltepunkt Geisingen-Hausen herrscht Bus-Anschluss zur Kernstadt, so dass auch die Kernstadt vom Ringzug-System profitiert.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Geisingen führt der Donauradweg, einer der bekanntesten und längsten Radfernwege.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pajunk Medizintechnik gilt mit rund 400 Beschäftigten als größter Arbeitgeber Geisingens. Unter den ansässigen mittelständischen Unternehmen und Niederlassungen von Konzernen sind mehrere Logistik-Betriebe. Auch das „Haus Wartenberg“, ein Alters- und Pflegeheim, ist ein bedeutender Arbeitgeber. Die Stadtmühle Geisingen ist auf die Verarbeitung von Dinkel spezialisiert, der traditionell auf der Baar angebaut wird.

Ab 1971 existierte in Geisingen ein Portland-Zementwerk, das nach mehreren Eigentümerwechseln, wie die Holderbank, die Hupfer GmbH und die Breisgauer Zement GmbH, beim Holcim-Konzern landete und 2003 geschlossen wurde.[6]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geisingen besitzt eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Hug (1839–1911), geboren im Ortsteil Aulfingen, Reichstagsabgeordneter
  • Nikolaus Gihr (1839–1924), geboren im Ortsteil Aulfingen, geistlicher Schriftsteller und Subregens im Priesterseminar St. Peter
  • Eugen Brandeis (1846–1930), Ingenieur in Mittelamerika, Verwaltungsbeamter in den deutschen Kolonien
  • Siegfried Meister (1903–1982), Ingenieur und Politiker (CDU), Landtagsabgeordneter, Bundestagsabgeordneter, MdEP
  • Theodor Hogg OSB (* 1941 in Kirchen-Hausen), 10. Erzabt der Erzabtei Beuron (2001–2011)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geisingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 637–640
  3. a b Wissenswertes; abgerufen am 20. Februar 2016
  4. Hauptsatzung der Stadt Geisingen vom 22. Februar 2000, zuletzt geändert am 20. Juli 2004
  5. Christina Fröhlin: Ein Paradies für Skater. In: Südkurier vom 8. April 2010
  6. Wilhelm Butschle: Geisinger Zementwerk ist jetzt endgültig Geschichte. Südkurier, 27. Juni 2013, abgerufen am 21. Juni 2015.