Geisloch bei Münzinghof

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Geisloch bei Münzinghof
Höhlenportal des Geisloches

Höhlenportal des Geisloches

Lage: Münzinghof, Fränkische Alb, Deutschland
Höhe: 508 m ü. NN
Geographische
Lage:
49° 37′ 28,9″ N, 11° 28′ 31,6″ OKoordinaten: 49° 37′ 28,9″ N, 11° 28′ 31,6″ O
Geisloch bei Münzinghof (Bayern)
Geisloch bei Münzinghof
Katasternummer: D 16
Geologie: Dolomit
Typ: Spaltenhöhle
Schauhöhle seit: um 1906
Beleuchtung: Nein
Gesamtlänge: 145 Meter
Besonderheiten: Verschlossen 1. Oktober - 31. März

Das Geisloch bei Münzinghof ist eine natürlich entstandene Karsthöhle und ehemalige Schauhöhle im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle befindet sich etwa 2800 Meter nordöstlich von Velden nahe dem Veldener Ortsteil Münzinghof.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geisloch, auch Gaisloch geschrieben, ist im Höhlenkataster Fränkische Alb (HFA) mit der Nummer D 16 gelistet, daneben ist sie vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Bodendenkmal Nummer D-5-6334-0025: „Höhlenstation vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung“ aufgeführt.[1] Die Höhle hat sich im gebankten Riffdolomit gebildet und weist eine Gesamtlänge von etwa 145 Meter auf. Das Höhlensystem ist horizontal angelegt und besteht aus drei hintereinander liegenden Hallen, zuvorderst die sogenannte „Küche“, dann die „Seehalle“ und weiter innen die „Lehmkammer“. Dort findet sich fast überall Höhlenlehm, einige Tropfsteine, Wand- und Bodensinter sowie in den beiden vorderen Hallen je ein kleiner See (12 mal 5 Meter) mit schwankendem Wasserstand.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutung erlangte die Höhle durch prähistorische Lesefunde aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und Urnenfelderzeit, sowie der Hallstatt- und Latènezeit, ebenso wurden Funde aus der Neuzeit geborgen. Sie bestanden aus menschlichen Skelettresten und großen Mengen von zerscherbter Keramik. Weshalb sie zu den früheren Zeiten begangen wurde, ist nicht bekannt, als Wohnhöhle war sie kaum geeignet. Möglicherweise gehörte sie zu einer vorgeschichtlichen Siedlung, und wurde als Wasserstelle und als Vorratsraum oder als Kultraum genutzt. Archäologisch untersucht wurde die Höhle bisher noch nicht.[3]

Das Geisloch ist eine der ältesten bekannten und befahrenen Höhlen der fränkischen Alb. Eine erste schriftliche Erwähnung geht auf das Jahr 1534 als Geisselloh (Wald eines Geisel) zurück. Ihren verwendeten Namen Geislochhöhle erhielt sie wohl erst durch den 1906 begonnenen, ehemaligen Schauhöhlenbetrieb. Bekannt war sie auch durch den Abbau von Höhlenlehm zur Gewinnung von Heilerde während des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Lehm wurde zu Heilzwecken zu runden Tabletten der Terra Sigillata (Siegelerde)[4] gepresst und verkauft. Das Gebiet um Velden gehörte bis 1806 zum Territorium der Reichsstadt Nürnberg und daher wurden diese mit dem Wappen des Veldener Pflegamtes oder dem Nürnberger Stadtwappen gesiegelt. Diese sollten gegen Sodbrennen und andere Magenbeschwerden helfen. Einige der originalen Siegelerdetabletten befinden sich in der Sammlung des Nürnberger Germanischen Museums. [5][6]

Zugang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle ist vom 1. April bis zum 30. September frei zugänglich. Zum Schutze von Fledermäusen ist sie in den Wintermonaten verschlossen. Der Einstieg erfolgt über einen steilen, etwa 12 Meter tiefen Einsturztrichter. Die Höhle kann mit entsprechender Ausrüstung befahren werden. Zu erreichen ist die Höhle nur zu Fuß über einen mit rotem Kreis gekennzeichneten Wanderweg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Graf, Bernd Mühlberger: Velden: Die Geislochhöhl und das Gräberfeld bei Velden-Münzinghof. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Band 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2368-2, S. 228–232.
  • Stephan Lang: Höhlen in Franken - Ein Wanderführer in die Unterwelt der Hersbrucker Schweiz und des Oberpfälzer Jura. Verlag Hans Carl, Nürnberg 2002, ISBN 3-418-00390-7, S. 66–68.
  • Hardy Schabdach: Unterirdische Welten. Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. Verlag Reinhold Lippert, Ebermannstadt 2000, ISBN 3-930125-05-6, S. 76–78
  • Bettina Stoll-Tucker: Nacheiszeitliche Höhlennutzung am Beispiel des oberen Pegnitztales (Nördliche Frankenalb). Aus der Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands, Band 4. Verlag Dr. Faustus, Büchenbach 1997, ISBN 3-9803996-6-4, passim.
  • Friedrich Herrmann: Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. 2. verbesserte Auflage. Verlag Hans Carl, Nürnberg 1991, ISBN 3-418-00356-7, S. 128–129.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geisloch bei Münzinghof (D 16) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bodendenkmal D-5-6334-0025 (Abgerufen am 12. April 2013)
  2. Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken e.V., Geisloch (Abgerufen am 12. April 2013)
  3. Norbert Graf, Bernd Mühlberger: Velden: Die Geislochhöhl und das Gräberfeld bei Velden-Münzinghof. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Band 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb, S. 228 ff.
  4. E. Enslin: Das Geisloch bei Velden und seine Siegelerde. In: Nordbayerische Verkehrs- und Touristenzeitung. 5, 1908, Heft 4, S. 55 ff., und dazu Hermann Peters in: Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 7, 1908, S. 417 f.
  5. Norbert Graf, Bernd Mühlberger: Velden: Die Geislochhöhl und das Gräberfeld bei Velden-Münzinghof. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Band 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb, S. 229
  6. Brigitte Kaulich, Hermann Schaaf: Kleiner Führer zu Höhlen um Muggendorf. Naturhistorische Gesellschaft - Abteilung für Höhlen- und Karstforschung, Nürnberg 1980, ISBN 3-922877-00-1, S. 16