Geisternetz

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Geisternetz am Meeresgrund mit Taucher
Vorne rechts: Mumifizierter, von einem Geisternetz strangulierter Basstölpel neben brütender Artgenossin (Helgoland, 2011)
Eine in einem Geisternetz verfangene Schildkröte (2005)
Fisch in einem Geisternetz (Malediven, 2014)

Als Geisternetz wird ein Fischernetz bezeichnet, das beim Fischfang (z. B. im Sturm, in Notsituation, bei Netzhakern) verlorenging oder absichtlich im Meer entsorgt wurde und seitdem dort herumtreibt oder sich am Meeresgrund verfangen hat. Hierbei kann es sich um kleinere Netze aus der küstennahen Stellnetzfischerei oder Reusenfischerei handeln, aber auch um große Schleppnetze, die in der Hochseefischerei eingesetzt werden. Zusätzlich gehen zu den eigentlichen Netzen auch noch die dazugehörigen Leinen, Scherbretter und andere Teile verloren und können dann Jahrzehnte im Meer treiben.

Nahezu 10 % des Kunststoffmülls (insbesondere reißfeste Polymere) in den weltweiten Meeren besteht aus Geisternetzen.[1] Gemäß einer Studie der Welternährungsorganisation FAO landen alleine in den europäischen Meeren pro Jahr rund 1.250 Kilometer Fischereinetze als Geisternetze, weltweit sei die Fischerei Verursacher mehr als einer Million Tonnen Plastikmüll (vgl. Plastikmüll in den Ozeanen).[2]

Umweltauswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Meer treibende, unmarkierte Fischernetze stellen eine Gefahr für Fische, Meeressäuger, Vögel und andere Tiere dar, die sich dort verfangen und verenden. Die in der Regel aus Kunststoffen bestehenden Netze können zudem selber giftige Chemikalien wie z. B. Weichmacher freisetzen. Beim Rollen über den Meeresgrund zersetzen sich die Netze zu Mikropartikeln (Mikroplastik), die letztendlich in die Nahrungskette gelangen können.

Gegenwärtig beschäftigen sich verschiedene Arbeitsgruppen mit der Bergung der Netze beziehungsweise der Untersuchung, ob solche herrenlosen Netze nicht auch unter Umständen eine Chance für die Umwelt bieten können, indem sie als Habitat für Tiere und Pflanzen dienen.

Archäologische Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oftmals gehen Schleppnetze beim Kontakt mit Wracks verloren, verheddern sich in den Schiffsresten und müssen aufgegeben werden. Historische Wracks können hierdurch beschädigt werden, Aufbauten, beim Versuch die Netze zu bergen, abgerissen und können somit zu einem Problem für die Unterwasserarchäologie werden. Meistens werden solche Netzhakerpositionen durch Fischer notiert und gemieden, stellen sie doch eine Gefahr für den Verlust weiterer Fischernetze dar. Aber auch treibende Netze können sich in Wracks verhaken, diese durch erhöhten Strömungswiderstand belasten oder zur Auskolkung beitragen.

Datenbank und Survey[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge des drittmittelgeförderten Projekts „Geisternetze – Falle oder Habitat?“ sollte ab 2015 durch die Scientific Diving Association Kiel und Terra Mare Excavation & Research unter Einbindung von Sport- und Forschungstauchern sowie der Fischereiindustrie ein Meldesystem bzw. eine Datenbank für verlorenes Fischfangzeug umgesetzt und wissenschaftlich begleitet werden.[3][4]

Beseitigung von Netzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Organisationen haben in den letzten Jahren begonnen, Geisternetze aus den Meeren zu bergen. Beispielsweise startete der WWF Deutschland im August 2013 ein entsprechendes Projekt, im Zuge dessen unter anderem in der Ostsee Netze eingesammelt wurden.[5] Zuletzt wurde im Sommer 2016 ein 1,5 Tonnen schweres Schleppnetz mit Stellnetzresten geborgen.[6] An den Aktivitäten von Natur- und Umweltschutzorganisationen beteiligen sich mitunter auch privatwirtschaftliche Unternehmen, wie zum Beispiel Tönsmeier.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geisternetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Geisternetz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage
  2. Michael Weiland: Untot unter Wasser. Greenpeace, 13. Mai 2016, abgerufen am 14. Juli 2016.
  3. Das Projekt. In: Geisternetze – Falle oder Habitat? Scientific Diving Association, abgerufen am 14. Juli 2016.
  4. Aus der Praxis. Terra Mare Excavation & Research, abgerufen am 14. Juli 2016.
  5. Schluss mit Geisternetzen: Von der Idee bis zur Bergung. WWF Deutschland, 16. September 2014, abgerufen am 14. Juli 2016.
  6. WWF fischt nach Geisternetzen. WWF Deutschland, abgerufen am 14. Juli 2016.
  7. Tönsmeier unterstützt das Projekt Geisternetze des WWF. In: WWF Deutschland. Abgerufen am 14. Juli 2016.