Gelb-Rote Karte

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Eine Gelb-Rote Karte ist eine Sanktion im Mannschaftssport. Ähnlich einer Roten Karte wird ein Spieler vom restlichen Spielverlauf ausgeschlossen, wobei nach der Gelben gleich die Rote Karte gezeigt wird. Die Gelb-Rote Karte wird umgangssprachlich wegen der Farbähnlichkeit auch als Ampelkarte bezeichnet.[1]

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schiedsrichter Andreas Heiß zeigt eine Gelb-Rote Karte (2013)

Regelwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karte wird im Fußball gezeigt, wenn ein bereits mit der Gelben Karte verwarnter Spieler im selben Spiel einen weiteren Regelverstoß begeht, der ebenfalls mit Gelb geahndet werden müsste. Der betroffene Spieler wird nicht ersetzt, wodurch die Anzahl der Spieler der zugehörigen Mannschaft während des weiteren Spiels um eine Person abnimmt. In allen Wettbewerben oberhalb der deutschen Oberliga wird der Spieler für das nächste Spiel im selben Wettbewerb gesperrt.

Nach einer Gelb-Roten Karte darf das Spiel erst fortgesetzt werden, wenn der Schiedsrichter es freigegeben hat. Wird der Ball zu früh gespielt, hat dies – bei exakter Regelauslegung – eine Gelbe Karte wegen Spielverzögerung zur Folge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gelb-Rote Karte wurde erst 1991 eingeführt und ist eigentlich nicht eine Karte, sondern wird vom Schiedsrichter dadurch signalisiert, dass er nacheinander erst die Gelbe, dann die Rote Karte zeigt. Vor 1991 wurde ein Spieler direkt mit einer Roten Karte vom Platz geschickt. Es war daher nicht immer ersichtlich, ob der Schiedsrichter diesen wegen einer zweiten Gelben Karte oder wegen eines einer Roten Karte würdigen Regelverstoßes vom Platz stellte.

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine nicht offizielle Gelb-Rote Karte zeigte der österreichische Schiedsrichter Helmut Kohl bereits 1990 bei der Weltmeisterschaft im Spiel Deutschland – Tschechoslowakei dem bereits verwarnten Spieler Ľubomír Moravčík, der aus Verärgerung seinen Schuh weggeschleudert hatte. Kohl griff versehentlich zur Gelben Karte, und zeigte danach erst die Rote, die zu Boden gefallen war.[2] Die tatsächliche Einführung ein Jahr später erlebte der am 26. September 1991 verstorbene Kohl nicht mehr.

In einem Vorrunden-Spiel der WM 2006 gegen Australien bekam der Kroate Josip Šimunić als erster Spieler bei einer WM irrtümlich zwei Gelbe Karten, ehe er in der Nachspielzeit von Schiedsrichter Graham Poll beim dritten Vergehen mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Aufgrund der darauf folgenden Kritik der FIFA-Verantwortlichen beendete der englische Schiedsrichter seine internationale Karriere und zog sich bald darauf auch gänzlich von seiner Tätigkeit als Schiedsrichter zurück.

Am 15. September 2012 bekam der vorher nicht verwarnte Spieler Szabolcs Huszti im Bundesligaspiel Hannover 96 – Werder Bremen die Gelb-Rote Karte für verbotenen Torjubel über ein und dasselbe Tor gezeigt. Er war auf den Zaun des eigenen Fanblocks gestiegen und hatte sich das Trikot ausgezogen. Schiedsrichter Deniz Aytekin sah darin regelkonform zwei Einzelverstöße, die jeder für sich mit Gelb geahndet werden müssen und erteilte Huszti den Platzverweis, zeigte die Gelbe Karte dabei jedoch nur einmal.

Volleyball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Volleyball ist die Gelb-Rote Karte die schwerste vom ersten Schiedsrichter zu verhängende Sanktion. Sie kommt in zwei Ausführungen vor, zusammen und getrennt gehalten. Eine zusammen gezeigte Gelb-Rote Karte bedeutet eine Hinausstellung. Das schuldige Mannschaftsmitglied (Spieler, Trainer, weitere Mannschaftsoffizielle) muss die Spielfläche für den Rest des Satzes verlassen und auf der Straffläche Platz nehmen. Ein hinausgestellter Trainer verliert das Recht, während des laufenden Satzes, das Spiel seiner Mannschaft zu leiten. Dieses Recht darf solange der Co-Trainer übernehmen. Eine Hinausstellung gibt es für das Mannschaftsmitglied, wenn sich dieses zum ersten Mal ausfallend verhält oder wenn es sich zum zweiten Mal unangemessen verhält.

Eine getrennt gezeigte Gelb-Rote Karte bedeutet eine Disqualifikation. Sie gilt für das gesamte Spiel und daher muss das schuldige Mannschaftsmitglied den Wettkampfbereich verlassen. Wird der Trainer disqualifiziert, übernimmt der Co-Trainer für den Rest des Spiels seine Rechte. Ein Mannschaftsmitglied wird disqualifiziert, wenn es sich aggressiv, zum zweiten Mal ausfallend oder zum dritten Mal unangemessen verhält.

Als aggressives Verhalten zählt tatsächlicher oder versuchter physischer Angriff (Tätlichkeit) oder Bedrohung. Beleidigende oder diffamierende Gestik oder Äußerung, sowie verächtliches Handeln werden als ausfallendes Verhalten zusammengefasst. Ein Spieler verhält sich unangemessen, wenn er anerkannte und gesittete Umgangsformen überschreitet, zum Beispiel durch Reklamieren.

Befand sich der Spieler, als er hinausgestellt oder disqualifiziert wurde, auf dem Spielfeld, muss er mit einer regulären Auswechslung ausgetauscht werden. Kann die Mannschaft sich nicht vervollständigen, wird sie für unvollständig erklärt. Dadurch verliert sie den laufenden Satz. Im Beachvolleyball hat die schuldige Mannschaft bei einer Hinausstellung automatisch den Satz verloren, da der Spieler nicht ersetzt werden kann und die Mannschaft für diesen Satz unvollständig ist.

Wird ein Spieler, der auf dem Spielfeld ist, disqualifiziert und kann sich die Mannschaft nicht vervollständigen, verliert sie ebenfalls automatisch den Satz. Kann sie sich auch im nächsten Satz nicht vervollständigen, ist das Spiel zu Ende und die Mannschaft hat verloren. Im Beachvolleyball ist bei einer Disqualifikation das Spiel sofort zu Ende. Die schuldige Mannschaft hat das Spiel verloren, da der disqualifizierte Spieler nicht mehr einsetzbar ist und die Mannschaft damit für den Rest des Spiels unvollständig bleibt. Sowohl im Volley- als auch im Beachvolleyball werden der gegnerischen Mannschaft die für den Satz- bzw. Spielgewinn fehlenden Punkte und Sätze zuerkannt. Die schuldige Mannschaft behält ihre Sätze und Punkte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ampelkarte, die. Duden, abgerufen am 12. Juni 2014.
  2. Videozusammenfassung auf YouTube