Gelbe Spinnerameise

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gelbe Spinnerameise
Gelbe Spinnerameise (Anoplolepis gracilipes)

Gelbe Spinnerameise (Anoplolepis gracilipes)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Familie: Ameisen (Formicidae)
Unterfamilie: Schuppenameisen (Formicinae)
Gattung: Anoplolepis
Art: Gelbe Spinnerameise
Wissenschaftlicher Name
Anoplolepis gracilipes
F.Smith, 1857

Die Gelbe Spinnerameise (Anoplolepis gracilipes, Yellow Crazy Ant) ist eine Ameisenart, die unbeabsichtigt im Norden Australiens (erstmals 1978 im Regenwald des Atherton Tableland), auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean und anderen tropischen Lebensräumen weltweit eingeführt wurde. Dort richtet die Art als Neozoon beträchtlichen Schaden in bestehenden Ökosystemen an, indem sie die einheimische Biodiversität reduziert und eine Bedrohung für ansässige gefährdete Arten darstellt. Aus diesem Grund wird die Ameise in der Global Invasive Species Database zu den hundert schädlichsten invasiven Neobiota weltweit gezählt.[1] Die ursprüngliche Heimat der Tiere ist unbekannt, man nimmt an, dass sie aus Westafrika, Indien oder China stammt.

Auswirkungen als Neozoon auf der Weihnachtsinsel[Bearbeiten]

Besonders auf der Weihnachtsinsel stellen die Ameisen eine Bedrohung für die heimische Flora und Fauna dar. Hier haben sie ihr Verhalten dahingehend geändert, dass sie keine Einzelkolonien mehr mit einzelnen Königinnen, sondern sogenannte Superkolonien mit mehreren kooperierenden Königinnen bilden. Die Tiere sind sehr aggressiv und mit Hilfe der Ameisensäure auch in der Lage, größere Tiere zu überwältigen. Sie greifen entsprechend kleine Reptilien ebenso an wie Palmendiebe und sind verantwortlich für den Tod von 10 bis 20 Millionen Weihnachtsinsel-Krabben. Durch das Fehlen dieser Tiere können Sämlinge gedeihen, die von ihnen normalerweise unter Kontrolle gehalten werden, wodurch sich die Flora der Wälder zugunsten dieser Pflanzen verschiebt.

Ein weiteres Phänomen, das bei dieser Ameisenart zu beobachten ist, ist die eigene Züchtung von Schildläusen, die ihrerseits den Ameisen durch Produktion des sogenannten Honigtaus Nährstoffe liefern, und die im Gegenzug von den Ameisen in neue Pflanzenbestände transportiert werden. Durch dieses symbiotische Verhältnis tritt ein Ungleichgewicht im Ökosystem auf, vor allem, wenn der abgesonderte Honigtau nicht von den Ameisen abgeerntet wird, sondern auf die darunterliegenden Pflanzenteile fällt und sich dort als eine klebrige, lichtundurchlässige Masse absetzt. Diese Masse verhindert die Fotosynthese der betroffenen Pflanze und verursacht somit weitere Waldschäden, insbesondere auf der Weihnachtsinsel.

Auch der Weißbauch-Fregattvogel (Fregata andrewsi) sowie der Graufußtölpel (Papasula abbottii) sind durch diese Art bedroht. Wissenschaftler befürchten, dass sich die Bestände um etwa 80 Prozent reduzieren werden, da die Ameisen die Jungtiere dieser Vögel töten.

Lange Zeit gab es keine effektiven Gegenmittel gegen die Ameisen. Auch durch hochdosierte Insektizide konnten keine nennenswerten Erfolge erzielt werden. Bei einem 2009 durchgeführten Versuch mit niedrig dosierten Fipronil-Ködern konnte allerdings die Populationsdichte einer Superkolonie um 99 % reduziert werden. Die australische Regierung hat 4 Millionen AUD zur Erforschung weiterer Abwehrmaßnahmen bereitgestellt, die Studien werden unter anderem an der La Trobe University und der Monash University durchgeführt.[2]

Als Neozoon auf Sulawesi[Bearbeiten]

Findet die Sulawesi-Kröte bei der Nahrungssuche die Gelbe Spinnerameise, ernährt sie sich hauptsächlich von ihr. Dies ist bemerkenswert, weil die Gelbe Spinnerameise Ende der 1970er Jahre als Neozoon nach Sulawesi gelangte. Durch ihr Fraßverhalten nehmen die Kröten positiven Einfluss auf die Population der einheimischen Ameisenarten und damit indirekt eventuell auch auf die Kontrolle von Krankheiten unter den Kakaopflanzen.[3]

Namensgebung[Bearbeiten]

Der englische Name Crazy Ants leitet sich von der Fortbewegung der Tiere ab. Diese bewegen sich sehr rasch vorwärts und schlagen dabei ständig neue Richtungen ein – vor allem, wenn sie gestört werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gelbe Spinnerameise – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 100 of the World's Worst Invasive Alien Species. Global Invasive Species Database. Abgerufen am 11. Februar 2011.
  2. Webseite des Christmas Island National Abschnitt "Yellow crazy ants " (abgerufen am 30. März 2011)
  3. Bernd Ebeling, Pressestelle der Georg-August-Universität Göttingen: Überraschende Entdeckung: Kröten könnten Kakaoernte in Indonesien sichern, in: Informationsdienst Wissenschaft vom 16. September 2010, abgerufen am 20. September 2010