Gelber Steinklee

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Gelber Steinklee

Gelber Steinklee (Melilotus officinalis)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Gattung: Steinklee (Melilotus)
Art: Gelber Steinklee
Wissenschaftlicher Name
Melilotus officinalis
(L.) Pall.

Der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis), auch Gewöhnlicher Steinklee, Echter Steinklee, (Gebräuchlicher) Steinklee oder Honigklee genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 4
Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen
Gestieltes, dreiteiliges Laubblatt mit gestielten Fiederblättchen

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gelbe Steinklee ist eine zweijährige bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 100 (bis 200) Zentimetern erreicht. Die aufrechten und verzweigten Stängel sind überwiegend kahl und nur im oberen Bereich schwach behaart sind.[1]

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die unpaarig gefiederte Blattspreite besitzt drei gestielte Fiederblättchen, von denen das mittlere deutlich länger gestielt ist als die beiden seitlichen.[1] Auf den Fiederblättchen sind 6 bis 14 Paare Seitennerven vorhanden. Die Blattzähne sind stumpf bis spitz, aber unregelmäßig und reichen fast bis zum Grund des Blättchens.[1] Die Nebenblätter sind bei einer Länge von 7 bis 8 Millimetern lanzettlich und meist ganzrandig.[1]

Blütenstand, Blüte und Frucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die traubigen Blütenstände sind 4 bis 10 Zentimeter lang enthält 30 bis 70 Blüten.[1] Die Blütenstiele sind mit einer Länge von 2 bis 3 Millimetern etwa so lang wie der Kelch.[1] Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist glockig. Die fünf Kronblätter sind gelb. Die 5 bis 7 Millimeter lange Blütenkrone besitzt die typische Form der Schmetterlingsblüte. Die Flügel sind länger als das Schiffchen und an der ihrer Basis mit dem Schiffchen verwachsen. Das einzige Fruchtblatt ist kahl.

Die kahlen Früchte (Übergangsformen zwischen Hülsenfrucht und Nussfrucht) sind ein- (bis zwei-)samig, sie springen nicht oder nur unvollkommen auf und sind nur 3 bis 5 Millimeter lang. Die Früchte sind querrunzelig und im reifen Zustand braun.

Chromosomenzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[2]

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hohe Steinklee (Melilotus altissimus) ist recht ähnlich, hat aber einen behaarten Fruchtknoten und eine kurz zerstreut behaarte, querfaltige Hülsenfrucht.

Illustration der Laubblätter in Tag- und Nachtstellung (Nyktinastie); A tags, B nachts

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gelbe Steinklee ist ein Hemikryptophyt. Die schief aufsteigende Pfahlwurzel reicht bis zu 90 Zentimeter tief. Er hat Wurzelknöllchen mit stickstofffixierenden Bakterien. Die Pflanze ist ein Rohbodenpionier.

Seine Fiederblätter haben Blattgelenke und legen sich nachts zusammen (Nyktinastie).

Blütenökologisch handelt es sich um „Nektar führende Schmetterlingsblumen mit Klappmechanismus“. Die Kronblätter sind durch Carotinoide gelb gefärbt. Die Blüten sind sehr nektarreich und duften nach Honig. Der Gelbe Steinklee ist ein Nektar- und Pollenspender von besonderem Wert. Wegen der nur 2 Millimeter langen Kronröhre ist der Nektar auch kurzrüsseligen Insekten zugänglich. Bestäuber sind Bienen und Schwebfliegen.

Die Früchte werden durch den Wind und möglicherweise auch durch den Menschen ausgebreitet.

Habitus
Fruchtstand

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gelbe Steinklee ist in Mitteleuropa und Asien weitverbreitet. Er fehlt in Portugal und kommt in Osteuropa nur im Donaudelta und um Odessa vor.[3] Sein Status auf den Britischen Inseln und in Skandinavien ist fraglich. Er wurde als Futterpflanze nach Nordamerika gebracht und ist auch in Afrika und Australien ein Neophyt.[4]

Der Gelbe Steinklee wächst verbreitet in sonnigen Unkrautfluren, an Wegen, im Bahngelände, in Steinbrüchen, auf Erdanrissen, an Ufern und Schuttplätzen. Er gedeiht am besten auf basenreichen, kalkhaltigen und mäßig stickstoffarmen Böden. In Gebieten mit kalkarmem Gestein fehlt er gelegentlich. Nach Ellenberg ist er eine Lichtpflanze und ein auf stickstoffarmen Standorten wachsender Trockniszeiger. Er ist eine Ordnungscharakterart wärmebedürftiger und Trockenheit ertragender, zweijähriger bis ausdauernder Ruderalfluren (Onopordetalia acanthii). Er ist aber in Deutschland eine Charakterart des Echio-Melilotetum im Dauco-Melilotion-Verband, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Convolvulo-Agropyrion oder Caucalidion vor.[2]

Der Gelbe Steinklee steigt in den Alpen bis in Höhenlagen von 1700 bzw. 2000 Metern auf.[1]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).[5]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im Gelben Steinklee enthaltene Kumarin verleiht ihm einen angenehmen Heuduft. Er ist als Herba Meliloti citrini offizinell und wird auch manchmal angebaut.[1] In der Volksmedizin wird der Gelbe Steinklee als schmerzstillendes Mittel bei Wunden verwendet.[1] Schon Theophrast und Hippokrates kannten die Heilkraft des Gelben Steinklee.[1]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten – flores meliloti genannt – wurden im Mittelalter als Arzneimittelzutat eingesetzt.[6]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gelber Steinklee (Melilotus officinalis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Gustav Hegi, Helmut Gams: Familie Leguminosae. S. 1243–1245. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, Band IV, Teil 3, Verlag Carl Hanser, München 1964.
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 586–587.
  3. ILDIS World Database of Legumes 2010. Datenblatt Melilotus officinalis In: Euro+Med PlantBase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. Corey L. Gucker, 2009: Datenblatt Melilotus officinalis - Yellow Sweetclover In: FEIS = Fire Effects Information System, des U.S. Department of Agriculture, Forest Service, Rocky Mountain Research Station, Fire Sciences Laboratory.
  5. Melilotus officinalis Lam. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 10. August 2022.
  6. Volker Zimmermann: Die Heidelberger Arzneibücher Ysack Leujs. Beiträge jüdischer Ärzte zur Heilkunde des Mittelalters. Franz Steiner, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-515-12174-3, S. 62 f.