Geld

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Dieser Artikel handelt von Geld als Tausch- und Zahlungsmittel; zu weiteren Bedeutungen siehe Geld (Begriffsklärung).
200-Euro-Banknote
Deutsches Geld vor der 1923er Währungsreform:
50-Pfennig-Stück

Geld ist jedes allgemein anerkannte Tausch- und Zahlungsmittel. Es können unterschiedliche Geldformen bestehen, vor allem Bargeld (Geldmünzen und Banknoten) und der Zahlungsanspruch einer Nichtbank gegenüber einer Bank (Buchgeld und Giralgeld).[1] Der Begriff stammt von dem althochdeutschen gelt (= Vergeltung, Vergütung, Einkommen, Wert) ab.[2]

Das in der Währungsverfassung eines Landes als gesetzliches Zahlungsmittel bestimmte Geld bezeichnet man als Währung.

Begriff und Aufgaben des Geldes

Im praktischen Gebrauch ist Geld ein Zahlungsmittel, das sich von einfachen Tauschmitteln dadurch unterscheidet, dass es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern auf Grund allgemeiner Akzeptanz zu weiterem Tausch eingesetzt werden kann.

Geldfunktion

Hauptartikel: Geldfunktion
Heutzutage wird ein Großteil der Zahlungen bargeldlos über EC-Karten abgewickelt. Der größte Teil der Geldmenge besteht aus Girokonto- und Tagesgeldguthaben (Sichteinlagen).

In der Volkswirtschaftslehre wird Geld funktional definiert.[3]

  • Geld hat Zahlungsmittelfunktion. Unter einem Tausch- oder Zahlungsmittel versteht man ein Objekt oder auch ein erwerbbares Recht, das ein Käufer einem Verkäufer übergibt, um Waren oder Dienstleistungen zu erwerben. Geld vereinfacht den Tausch von Gütern und die Aufnahme und Tilgung von Schulden.
  • Geld ist ein Wertbewahrungsmittel.
  • Geld ist Wertmaßstab und Recheneinheit. Der Wert einer Geldeinheit wird als Kaufkraft bezeichnet.

Je besser ein Gut die Geldfunktionen erfüllt, umso eher wird es als Geld angesehen.

Geldschöpfung

Hauptartikel: Geldschöpfung
Herstellung von Banknoten in Russland.

Geld entsteht heutzutage üblicherweise im zweistufigen Bankensystem aus Zentralbank und (Geschäfts)-Banken.[4]

Zentralbankgeld besteht aus dem Bargeld und den Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Verkaufen die Geschäftsbanken der Zentralbank Wechsel, Devisen oder Wertpapiere, so erhalten diese Zentralbankgeld in Form von Geldscheinen, Geldmünzen oder Zentralbankguthaben. Zentralbankgeld kann auch durch verzinsliche Kreditvergabe der Zentralbank an Geschäftsbanken gegen Pfandhinterlegung entstehen. Den Prozess der Zentralbankgeldschöpfung kann die Zentralbank über ihr geldpolitisches Instrumentarium (insbesondere Diskontsatz, Lombardsatz und Offenmarktpolitik) steuern.

Giralgeld entsteht aus Nettokreditaufnahmen. Beispiel: Bank A hat eine Einlage von einem Bankkunden erhalten, davon kauft sie Zentralbankgeld. Bank A gewährt einem Bankkunden Kredit und zahlt ihm Zentralbankgeld (in Form von Bargeld) aus. Der Bankkunde tätigt einen Kauf und überweist das Zentralbankgeld als Kaufpreis an das Girokonto seines Geschäftspartners bei Bank B. In dem Beispiel ist die Menge des Zentralbankgeldes gleich geblieben, es sind aber zusätzliche Kredite und Einlagen entstanden. Bank B kann mit der Einlage nun einen erneuten Giralgeldschöpfungsprozess auslösen. Insgesamt kann sich der Vorgang viele Male wiederholen, das nennt man dann multiple Giralgeldschöpfung durch Kreditvergabe. Durch den Giralgeldschöpfungsprozess könnte theoretisch eine unendlich große Giralgeldmenge entstehen. Die Zentralbank begrenzt die Giralgeldschöpfung jedoch durch die Mindestreserve: Geschäftsbanken sind dazu verpflichtet, für jeden Euro, den ein Bankkunde bei der Bank eingelegt hat (Sichteinlagen), einen bestimmten Prozentsatz bei der Zentralbank zu hinterlegen (wofür sie ein Zentralbankguthaben erhalten). Bei der EZB beträgt der Mindestreservesatz derzeit 1%.[5] Es kann also im gesamten Bankensystem theoretisch maximal die 100-fache Menge des Zentralbankgeldes als Giralgeld entstehen. Weitere begrenzende Faktoren sind die Bargeldquote, also die Menge an Bargeld, die eine Geschäftsbank für tagtägliche Bargeldabhebungen bereithalten muss, und natürlich generell die Bereitschaft der Banken zu Kreditvergaben (im Falle von Banken-, Wirtschafts- oder Finanzkrisen kann die Giralgeldschöpfung nachlassen und die Giralgeldmenge sinken).

Geldmenge

Hauptartikel: Geldmenge
Die Geldmenge im Euro-Raum im März 2012

Die Geldmenge ist eine wichtige ökonomische Größe, weil sie im Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen steht und Hinweise auf die zukünftige Preisentwicklung liefert. Die Geldmengendefinition ist nicht ganz einheitlich; im Folgenden wird beispielhaft die Geldmengendefinition der Europäischen Zentralbank dargestellt. Die Geldmenge M0, auch Geldbasis genannt erfasst das Zentralbankgeld. Um den Umfang des geschöpften Giralgeldes zu messen, beobachtet die Zentralbank die Geldmengen M1-M3, die den Geldbestand von Nichtbanken erfassen. Die Geldmengen M1-M3 werden nach dem Grad der Verfügbarkeit des Geldes für die Bankkunden unterteilt.[6]

  • Die Geldmenge M1 umfasst das Bargeld und die Sichteinlagen, also die innerhalb von einem Tag abrufbaren Bankguthaben (Girokonto, Tagesgeldkonto).[7]
  • Die Geldmenge M2 umfasst M1 und Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten und Termineinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren.[8]
  • Die Geldmenge M3 beinhaltet M2 und zusätzlich Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Geldmarktpapiere sowie Bankschuldverschreibungen mit einer Ursprungslaufzeit von bis zu zwei Jahren.[8]

Gleichgewicht auf dem Geldmarkt

Hauptartikel: Geldpolitik

Die Zentralbanken streben auf dem Geldmarkt ein Gleichgewicht zwischen Geldangebot und Geldnachfrage an. Das Geldangebot kann die Zentralbank weitgehend steuern. Die Geldnachfrage ist abhängig von dem Verhalten von Wirtschaft und Privatleuten.

Monetäre Ursachen für Inflation und Deflation: Übersteigt das Geldangebot die Geldnachfrage, so steigen die Preise (Inflation). Ist das Geldangebot kleiner als die Geldnachfrage, fallen die Preise (Deflation). Zentralbanken haben ein geldpolitisches Dilemma. Einerseits möchte sie durch niedrige Zinsen für Zentralbankgeld die Wirtschaft ankurbeln, denn niedrige Zinsen fördern Investitionen und Wirtschaftswachstum. Andererseits soll das Geldangebot (die EZB beobachtet hauptsächlich die Geldmenge M3[9]) die Geldnachfrage nicht übersteigen, damit die Inflation niedrig bleibt. Hierzu muss ggf. durch Zinserhöhungen gegengesteuert werden. Zinserhöhungen verteuern das Schöpfen von Zentralbankgeld. Die Zentralbanken müssen also immer den situativ richtigen Zinspfad finden.[10]

Realwirtschaftliche Ursachen: Inflation ist nicht immer ein monetäres Phänomen, sie kann auch realwirtschaftliche Ursachen haben. Auf dem Gütermarkt können sich bestimmte Güter z.B. Rohöl verknappen, dies führt zu Preissteigerungen, die sich als Preissteigerungen in nachgelagerten Märkten (z.B. Transportgewerbe) fortpflanzen.[11]

Rechtliches zum Geld

Braunschweiger Geldschein (Staatskassenschein, Notgeld), 10 Mark

Auch der Bundesgerichtshof hat sich mit dem (strafrechtlichen) Begriff des Geldes befassen müssen. Danach ist Geld „… jedes vom Staat oder einer durch ihn ermächtigten Stelle als Wertträger beglaubigte, zum Umlauf im öffentlichen Verkehr bestimmtes Zahlungsmittel ohne Rücksicht auf einen allgemeinen Annahmezwang“.[12] Hierin kommen die bisher bereits erwähnten Grundfunktionen des Geldes zum Ausdruck. Regelmäßig ist der Staat oder eine von ihm beauftragte Stelle für die Ausgabe dieses verkehrsfähigen Zahlungsmittels zuständig, das als Wertträger fungieren soll. Dieses Monopol des Staates, Geld zu drucken und in Umlauf zu bringen, schließt mithin aus, dass nicht Autorisierte ebenfalls Geld drucken und in Umlauf bringen, sodass deren Handlungen als strafbare Fälschung von Zahlungsmitteln gelten (vgl. Falschgeld).

Nach deutschem Recht wird Geld den Inhaberpapieren gleichgestellt (§ 935 Abs. 2 BGB). Das bedeutet, dass Geld gutgläubig sogar dann noch erworben werden kann, wenn es dem rechtmäßigen Eigentümer gestohlen wurde, verloren gegangen oder sonst abhandengekommen ist. Für andere bewegliche Sachen gilt das nicht (§ 935 Abs. 1 BGB), weil bei Geld und Inhaberpapieren deren Verkehrsfähigkeit nicht eingeschränkt werden soll.

Münzen und Scheine gehen ins Eigentum des Inhabers über; die oft behauptete Aussage, die Europäische Zentralbank sei Eigentümer, der Inhaber nur berechtigter Besitzer, gilt nicht für den Euro. Das Eigentum an Geld wird wie bei Inhaberpapieren durch einfache Einigung und Übergabe verschafft (§ 929 Satz 1 BGB). Euroscheine sind Sachen im Sinne von § 90 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. An Sachen kann jeder Eigentum gemäß allgemeinen zivilrechtlichen Regelungen erwerben. Banknoten und Münzen gehören somit demjenigen, dem sie übereignet worden sind. Der Eigentümer kann mit ihm gehörenden Sachen in den durch die Rechtsordnung gesetzten Grenzen nach Belieben verfahren. Für den Euro gilt, dass die Zerstörung von Zahlungsmitteln weder rechtswidrig noch strafbar ist.[13] In Deutschland gilt § 903 des Bürgerlichen Gesetzbuches, wonach der Eigentümer mit seinen Sachen grundsätzlich nach Belieben verfahren darf. Jeder Besitzer von Geld kann entscheiden, sein Geld nie mehr auszugeben und damit für immer aus dem Umlauf zu nehmen. Mit einer unumkehrbaren Beschädigung von Zahlungsmitteln wird Geld auch nicht vernichtet, sondern nur unumkehrbar aus dem Umlauf genommen. Die Bundesbank leistet jedoch für absichtlich beschädigte Geldscheine keinen Ersatz.[14]

In manchen Ländern (wie den USA[15]) kann die Zerstörung von Zahlungsmitteln strafbar sein, beispielsweise wenn durch die Zerstörung die Abbildung eines Staatsoberhauptes oder geschützte Symbole beschädigt werden und eine solche Beschädigung strafbar ist.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Geldes
Im 8. Jahrhundert wurden in Japan Pfeilspitzen, Reis und Goldpuder als Tauschmittel benutzt.

Geld ist, was Geldfunktion erfüllt. Im Alltag sind dies heute vor allem Münzen und Banknoten. Aber auch immaterielles Geld in Form von Bankguthaben und Karten mit Geldfunktion spielt heute eine große Rolle. Entwickelt haben sich die heutigen Geldformen aus Primitivgeld, z.B. Muscheln oder Reis, die im Geschäftsleben als Tauschmittel akzeptiert wurden.[16] Geld gehörte anfangs zur kultischen und rechtlichen Sphäre und bezeichnete „das, womit man Buße und Opfer erstatten bzw. entrichten kann“. Erst nach dem 14. Jahrhundert nahm es seine aktuelle Bedeutung als „geprägtes Zahlungsmittel” an.[2] Ab Mitte des 19. Jahrhunderts existierte in vielen Ländern der Goldstandard bei dem der Umtausch von gesetzlichen Zahlungsmitteln (Münzen, Banknoten) in eine feststehende Menge Gold versprochen wurde. Um 1930 herum haben fast alle größeren Staaten den Goldstandard aufgegeben. An die Stelle eines solchen Standards traten geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken, die eine Preisniveaustabilität sicherstellen sollten.

Volkstümliche Bezeichnungen des Geldes

Auf Grund der universellen Verbreitung und der großen Bedeutung des Geldes für den Alltag entstehen im Volksmund dafür immer wieder zahlreiche synonyme Bezeichnungen, wobei die Benennungsmotive unterschiedlicher Art sein können.

Für Geld generell

Viele Bezeichnungen stammen aus einer anderen Sprache, so etwa die weit verbreiteten Ausdrücke

Etliche Bezeichnungen stammen aus dem Wortfeld Brennstoff, stehen also stellvertretend für die Tatsache, dass mit Geld Dinge erworben werden können, die die „Wärme“ und „Energie“ für das Leben liefern, so etwa

  • Holz, Kohle (Kohle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig ersatzweise und informell als Zahlungsmittel verwendet), Koks, sowie das Folgeprodukt Asche
  • Pulver (gemeint ist Zündpulver; vgl. sein Geld verpulvern, veraltet: verzünden)

Synonyme Bezeichnungen für Geld stehen auch in Zusammenhang mit Lebensmitteln, die also den Brennstoff für die körperliche Energie darstellen und so stellvertretend für das Geld stehen, mit dem die Grundbedürfnisse des Lebens befriedigt werden können. (In vielen Kulturen war oder ist daher die Menge an vorhandener Nahrung, in erster Linie Getreide oder Vieh, auch gleichbedeutend mit dem Wohlstand einer Person, und Tiere gelten dort auch als Einheitswert für den Tauschhandel.)

  • Getreide: Bims/Bimbes (vom rotwelschen Wort bimbes = 'Brot'), Diridari (vom alten bayrischen Wort Diradey = 'Gemisch aus Roggen und Gerste')
  • Tier und Tierprodukte: Mäuse, Kröten, Mücken, Eier und Fett, aber auch Penunzen/Pinunze (über berlinisch Penunse aus polnisch pieniądze, dies wiederum aus dem Westgermanischen entlehnt, vgl. althochdeutsch pfenning)

Für bestimmte Arten von Geld werden beispielsweise folgende Wörter verwendet:

  • für Kleingeld/Münzen: Schotter, Steine, Kies (jiddisch kis, „Geldbeutel“), abschätzig Negergeld[17]
  • für Papiergeld: Scheine, Lappen
  • für einen geringen, unbedeutenden Betrag: Peanuts, Obolus (von Obolos, altgriechisches Münznominal; für einen kleinen, meist freiwillig geleisteten Beitrag zu etwas)
  • für eine große unbestimmte, aber bedeutsame Menge: Zaster (siehe oben), Mammon (vom aramäischen oder arabischen Wort aman = 'das, worauf man vertraut')
  • für Falschgeld: Blüte, falscher Fuffziger (in erster Linie als Metonymie für unehrliche Personen)

Einige weitere, oft auch nur regional, zeitlich begrenzt oder von bestimmten Personengruppen verwendete Benennungen verschiedenen Ursprungs sind:

  • Draht, Flocken, Keulen, Kikerlinge, Klötze, Knaster, Knöpfe, Knosse, Knüppel, Krazacken, Marie, Moos, Ocken/Öcken, Patte, Piepen, Pimperlinge, Pinke/Pinkepinke, Schabangas, Schleifen, Schnee, Sickel, Stutz, Tacken, Taler

Für spezielle Denominationen

Für bestimmte Geldwerte werden vorwiegend lautliche Varianten und Verballhornungen der entsprechenden Zahlwörter gebildet oder stehen meist in anderem unmittelbaren Zusammenhang mit dem jeweiligen Geldstück bzw. -schein, so etwa:

  • Papiergeld: Ameise (auf der alten Schweizer 1000er-Note war eine Ameise abgebildet), Riese/Tausi/Taui (in Österreich:) Blauer (Tausender), Hunni/Blauer (Hunderter; Blauer nur für die D-Mark), Lappen (Hunderter; in der Schweiz), Fuffi (Fünfziger), Lübecker (auf dem 50 D-Mark-Schein war das Holstentor abgebildet), Pfirsich (Vierzig), Zwanni/Zwackel/Pfund (Zwanziger), Blaue Fliese (in der DDR der 100-Mark-Schein der „Westmark“).
  • Münzgeld: Groschen (10 Pfennig oder selten 10 Eurocent), Heiermann (5-Mark-Stück), Sechser (lange noch in Berlin für das 5-Pfennig-Stück), Fünfliber (5-Franken-Stück in der Schweiz), Zwickel (2-Mark-Stück, 2-Euro-Stück)

Für bestimmte Währungen

Bei volkstümlichen Bezeichnungen für bestimmte Währungen wird oft ein scherzhafter Charakter offenkundig. Mit solchen neuen Wörtern ist aber vielfach nicht (nur) die Währung als solche gemeint, sondern das stoffliche Äquivalent, also Münze oder Schein, und der Wert 1 dieser Währung. Daher wird in solchen Fällen der Ausdruck in erster Linie gemeinsam mit einem Zahlwort verwendet.

  • Alpendollar (für die frühere österreichische Währung; sollte den Schilling nach Vorbild des US-Dollars als Hartwährung positiv charakterisieren)
  • Euronen (Pluralform von Euro)
  • Stutz (schweizerisch für Franken; aus der Studenten- und Soldatensprache; wahrscheinlich entstanden aus dem alten Wort stutzen = 'tauschen')
  • Aluchips (für die teilweise aus Aluminium bestehenden Münzen der DDR)

Rezeption

Mythologie und Psychologie

In Mythen und Märchen spielt auch das Geld eine Rolle. Die antike Sage, dass der kleinasiatische König Midas sich von den Göttern gewünscht habe, alles, was er berühre, solle zu Gold werden, und der deshalb zu verhungern und zu verdursten drohte, ist wahrscheinlich ein Echo der Tatsache, dass Münzgeld historisch zuerst in Lydien geprägt worden ist.

In Träumen und Märchen kann Geld die Bedeutung von Reichtum und Macht wie auch von Lebensenergie haben, aber auch die des moralisch Schmutzigen.

Die Knappheit des Geldes und das Leben aus der Fülle heraus sind zwei Aspekte, die unter Verwendung der C.G. Jungschen Archetypenlehre in dem Buch „Mysterium Geld“ von Bernard A. Lietaer näher beleuchtet werden. Es wird die These vertreten, dass verschiedene Währungsmechanismen – Geldentstehung, Umlauf und Knappheitssicherung – auch zu verschiedenen Wahrnehmungen und Haltungen gegenüber dem Geld führen. Zukunftsforscher sehen eine Zeit der Währungsvielfalt nahen, in der vielgestaltige Geld-Typen nebeneinander koexistieren und sich ergänzen, so wie es sie mit Webmiles, Bonus-Flügen, Aral-Punkten, Apothekentalern, Tauschring- und Regionalwährungen bereits heute gibt. Der Fordismus-Ausspruch „Zeit ist Geld“ entspringt einer starken Vereinfachung und Standardisierung, Zukunftsforscher sprechen schon von „Zeit war Geld“ bzw. „verschiedene Zeiten sind verschiedene Gelder“.

Pädagogische Psychologie

Gelderziehung vermittelt ein Verständnis für materielle Werte und den Wert von Arbeitsleistungen, ein Verständnis für numerische Geldbeträge und den Umgang mit Zahlungsmitteln aller Art sowie für nicht sichtbares Kapital und das Geldwesen insgesamt. Im Vordergrund der Gelderziehung stehen das Taschengeld, Hinzuverdienste im Haus und mit Schülerjobs sowie der Umgang mit Sparbüchern und Schülerkonten. Untersuchungen zufolge verschlechtert zunehmender Besitz das Sozialverhalten.[18]

Geld als Belohnung

Philosophie

Etliche Klassiker (so Georg Simmel und Alfred Sohn-Rethel) haben bedeutende Beiträge vorgelegt. Beachtenswert ist die wissenssoziologische Analyse Sohn-Rethels, dass die abstrakte Wertform, die das Geld seit seiner Einführung als Münzgeld im Lydien des 7. vorchristlichen Jahrhunderts verkörperte, auch denkerischen Abstraktionen in anderen Bereichen (so in der frühen ionischen Naturphilosophie) angebahnt habe.

Zeichen- und wertetheoretisch wirksam und wichtig ist der früh (1897) von dem Philosophen und Begründer der Soziologie in Deutschland Ferdinand Tönnies ausgearbeitete Ansatz einer Loslösung der Begriffe aus einer natürlichen Denkungsart hin zu einer der Wissenschaft angemessenen Terminologie. Mit einer Analogie von „Begriff“ und „Geld“ unternimmt Tönnies, die Bedeutung der Zeichen – und dann die Kategorie der Werte – und das Verständnis von Geld als Zeichen herzustellen. Eine anfangs auf einer Situationserfahrung basierende Terminologie strebt hin zu einem unabhängig von sonstigen Vorstellungen und Gedanken entkontextualisiertem Konstruktionsprinzip einer reinen Wissenschaft, nämlich dass eigentliche Wissenschaft sich ihre „Begriffe ausschließlich für ihre eigenen Zwecke, als bloße Gedankendinge, gleichgültig gegen ihr Vorkommen in irgendwelcher Erfahrung, ja mit dem Wissen der Unmöglichkeit eines solchen Vorkommens“ bildet.[19] Über die natürliche Entstehung allgemeiner Begriffe bzw. Begriffsnamen, die Tönnies „Allgemeinvorstellungen“ nennt, wird die Zeichen-Bedeutungs-Relation bis zur „Erfindung“ fort entwickelt, d. h. Konstruktion und Fiktionalisierung des zu benennenden Gegenstandes, der als „Ding oder Vorgang gedacht“ wird.[20] Die damit implizierte Identität von Gegenstand und Idee ermöglicht im Gegensatz zur Merkmalsverarmung der Allgemeinvorstellung im Abstraktionsprozess eine zweckbestimmte, tendenziell geradezu unbegrenzte Merkmalausstattung des konstruierten Begriffs,[21] der damit seiner eigenen Idee, der Idee eines Allgemeinen, das zugleich singulär (individuell) ist, entspricht. Daher kommt wie den Begriffen auch dem Geld Bedeutung zu. Wie Begriffe auf die natürliche Sprache zurückzuführen sind und insofern empirisch gegeben sind, so hat auch das „abstrakte“ Geld empirisch nur Bedeutung durch seinen Bezug auf das natürliche, also das gemünzte Geld.

Tönnies unterscheidet das „ursprüngliche Geld“, das durch den Gebrauch als absatzfähiges Gut, also als allgemein gültiges Tauschmittel etabliert wird, aber erst durch den öffentlichen Glauben als vom Gemeinwesen mit Garantiestempel geprägte Münze bestimmtes Gewicht und damit bestimmte Bedeutung erhält. Durch die Verpflichtung des Gemeinwesens, Geld als Kredit der Staatsregierung anzuerkennen, wird konventionelles Papiergeld – vorerst als nur kaufmännischer Kredit – dem Geld angeähnelt, ihm wird kraft künstlichen sozialen Willens Bedeutung als gesetzliches Zahlungsmittel zugewiesen. Die Bedeutung des Geldes als etwas, das nicht ist, sondern nur bedeutet und gilt, wird in der Banknote zum Zeichen materiellen Wertes, durch die Abkunft vom Metallgeld jedoch noch mitgedacht als Gegenstand. Damit stellt Tönnies die soziale Funktion der jeweiligen Zeichen – hier zum Beispiel des Geldes – in Beziehung zu den jeweiligen Erfordernissen sozialer Organisationen hinsichtlich der Generierung und Stabilisierung normativer Regelungen des sozialen Lebens, die zunehmend abstrakter und zweckrationaler werden.

Physik und Informationstheorie

Lange dienten zur Sicherung des Geldwertes materielle Güter, insbesondere Gold. Daraus ergibt sich aber noch keine Äquivalenz von Materie und Geld, sondern hergestellt wurde nur ein Bezug von Geld zu dem Wert des Goldes. Populär ist die Annahme, Geld könne mit Energie verglichen werden. Jedoch gälte dann der Energieerhaltungssatz, und Geld könnte weder entstehen noch vernichtet werden. Einen Bezug zwischen Geld und Entropie stellte im Jahr 1887 der Mathematiker Georg Helm her. In seiner Lehre von der Energie postulierte er, dass Geld das ökonomische Äquivalent niedriger Entropie sei. In den Wirtschaftswissenschaften ist die Akzeptanz von physikalischen Analogien zu Geld eher niedrig, jedoch brachte Nicholas Georgescu-Roegen im Jahr 1971 Helms Gedanken wieder in Erinnerung.[22] In der Physik kann der Begriff der Entropie heute aus der Informationstheorie heraus erklärt werden,[23] entsprechend liegt dann bei der Anwendung des Entropiebegriffes auf Geld keine physikalische Analogie vor, sondern eine informationstheoretische Deutung. Damit kann unter Anderem mit der Beschreibung der Entropiezunahme als Informationsverlust[24] die Möglichkeit der „Geldvernichtung“ erklärt werden. Hierzu gehören auch die Beschreibung von Irreversibilität in der Ökonomie und ihre Bedeutung für Wechselkursmodelle.[25]

Soziologie

Oft traten in der Neuzeit ein Unbehagen über das Geld und ein damit verbundenes Gefühl von Ungerechtigkeit zutage. Es gab deshalb viele Entwürfe utopischer Gesellschaften, die ohne Geld auszukommen versuchten. Sie alle waren aber mit einer gemeinschaftsorientierten Arbeitspflicht verbunden, die die individuelle Freiheit einschränkte. Solche Entwürfe stammen etwa von Robert Owen, Francois Babeuf oder Pierre-Joseph Proudhon.

Anfänglich gab es bis in die Gegenwart hinein Stammes- und Volkswirtschaften, die ohne Geld auskamen. Solche Wirtschaftsformen sind als Naturalwirtschaft oder Subsistenzwirtschaft bekannt. In diesen herrscht entweder eine Verteilwirtschaft (in Stammeskulturen wird die Ernte gemeinschaftlich eingebracht und nach bestimmten Regeln an die Stammesmitglieder verteilt), oder es herrscht weitgehende Selbstversorgung, bei welcher kaum Handel und dann nur Tauschhandel getrieben werden.

Das „Schatzhaus der Athener“ in Delphi – zugleich Tempel und Thesaurós (Depotbank)

Soziologisch wird darauf verwiesen, dass die ursprüngliche Etablierung von gemünztem Geld im 6. vorchristlichen Jahrhundert historisch auf große Schwierigkeiten stieß und dass dabei die antiken Tempel als erste Depotbanken dessen Einführung erleichterten, weil die dem gemünzten Geld zunächst eine diffuse symbolische (sakrale) Garantie mitgaben (vergleiche den Tempel der Iuno Moneta im alten Rom).

Auf die Bedeutung des neu entstandenen Münzgeldes für das abstrakte Denken, zuerst in der ionischen Naturphilosophie, hat Alfred Sohn-Rethel hingewiesen (Theorem der „Realabstraktion“).

Die neuere, über die Soziologie hinaus greifende Systemtheorie abstrahiert den Geldbegriff und sieht darin ein „symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium“.[26]

Religionswissenschaft/Theologie

Das Verhältnis von Religion(en) zu Geld ist historisch gesehen kontrovers insofern, als Geld mitunter kritisiert wird als falscher Gott in Form des Mammon (dem man nicht gleichzeitig dienen kann)[27] oder als „irdischer got“ (H. Sachs) oder als „allergewöhnlichsten Abgott auf Erden“ (M. Luther).[28] Es gibt aber auch Religionen, in denen eine positive, affirmative Beziehung zum Geld als Repräsentant von ökonomischer Prosperität zu finden ist, etwa im Konfuzianismus, bei bestimmten Hindu-Gottheiten wie Lakshmi oder entsprechend der These Max Webers im Protestantismus.

Kritik

  • Neben der Kritik am Geldwesen, wurde auch die Rolle des Geldes kritisiert und Forderungen nach dessen Abschaffung gestellt. Es zog sich über die Begrenzung des Handelns mit Geld auf bestimmte Mengen oder Personen, über die Suche nach alternativen Mitteln der Verteilung von Reichtum und Umverteilung von Waren und Leistungen. Geldkritik war zunächst moralisch motiviert und ist seit der Entstehung des Kapitalismus später mit der Kritik an dieser Wirtschaftsform verbunden. Seitens der Ideologie des Marxismus wurde Geldkritik laut, und gesellschaftlich entwickelte sich damit der Antisemitismus. Dies wurde verstärkt, da Juden in der Mehrzahl handwerklicher Berufe und der Landwirtschaft ausgeschlossen waren und andererseits gläubigen Christen der Geldhandel verboten war.[29]

Literatur

Einführung
Geschichte
Theorie
Problematik
  •  Bernd Senf: Der Nebel um das Geld. Zinsproblematik – Währungssysteme – Wirtschaftskrisen. Ein Aufklarungsbuch. 10 Auflage. Projekte-Verlag Cornelius, Kiel 2009, ISBN 978-3-87998-456-5.
  •  Ansgar Knolle-Grothusen, Stephan Krüger, Dieter Wolf, in Geldware, Geld und Währung. Grundlagen zur Lösung des Problems der Geldware: Gesellschaftliche Praxis und das Problem der Geldware. Argument Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88619-345-5.
  •  Peter Seele, in Theologische Zeitschrift 4/65, S. 346–365., Theologische Fakultät der Universität Basel (Hrsg.): "Gelt ist auff erden der irdisch got" : Überlegungen zu einer Religionsökonomie des Geldes. Friedrich Reinhardt, Basel 2009 (abstract (PDF 45.7 kB)).

Weblinks

 Wiktionary: Geld – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Geld – Zitate
 Wikisource: Geld – Quellen und Volltexte
 Commons: Geld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Geld
  2. a b Geld. In: Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen
  3. G. Crowther (1940) An Outline of Money; London, Nelson; zitiert in Open University (2003) The Fundamentals of Finance; Open University, Milton Keynes, ISBN 0-7492-5726-1.
  4. Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Geldtheorie
  5. Seit 18. Januar 2012, bundesbank.de
  6. Geld und Geldpolitik - Schülerbuch für die Sekundarstufe II. Deutsche Bundesbank, S. 70.
  7. Springer Gabler Verlag (Hrsg.): Gabler Wirtschaftslexikon. Stichwort: Geldmenge
  8. a b Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Geldmenge
  9. Geld und Geldpolitik - Schülerbuch für die Sekundarstufe II. Deutsche Bundesbank, S. 69.
  10. Dietmar Dorn,Rainer Fischbach,Volker Letzner: Volkswirtschaftslehre. Band 2, 5. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2010, ISBN 978-3-486-59094-4, S. 96 ff.
  11. Dietmar Dorn,Rainer Fischbach,Volker Letzner: Volkswirtschaftslehre. Band 2, 5. Auflage. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2010, ISBN 978-3-486-59094-4, S. 103 f.
  12. BGH WM 1984, 222
  13. Geldvernichtung. In: Die Zeit, Nr. 40/2003.
  14. Beschädigtes Geld, Deutsche Bundesbank abgerufen am 30. Juli 2013.
  15. 18 U.S.C. § 333: US Code – Section 333: Mutilation of national bank obligations
  16. Geld und Geldpolitik - Schülerbuch für die Sekundarstufe II, Deutsche Bundesbank, S. 12.
  17. Rhein-Zeitung, 12. September 2007, zitiert nach dem Textkorpus des Instituts für Deutsche Sprache, Projektseite (mit Registrierungspflicht). Vgl. Georg Schramm: Rotarier und Lioner. In: Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen. München 2007, ISBN 978-3-89667-348-0, S. 108 f.
  18. Jochen Paulus: Geld macht geizig. In:badische-zeitung.de, Bildung, wissen, 24. Dezember 2011 (2. Januar 2011)
  19. Tönnies a.a.O. 1906, S. 30 f.
  20. a.a.O., S. 31 und 32
  21. vgl. a.a.O., S. 33.
  22. Nicholas Georgescu-Roegen: The Entropy Law and the Economic Process. 1971, S. 283.
  23. Arieh Ben-Naim: Statistical Thermodynamics Based on Information: A Farewell to Entropy. 2008, ISBN 978-981-270-707-9.
  24. Gilbert Newton Lewis: The Symmetry of Time in Physics. In: Science. 71, 0569 (Jahr: 1930)
  25. Richard Hule: Irreversibilität in der Ökonomie. 2000, ISBN 3-631-36788-0.
  26. Niklas Luhmann: Geld als Kommunikationsmedium. In: Die Wirtschaft der Gesellschaft. 1988, ISBN 3-518-28752-4, S. 230–271 (Kap. 7)
  27. Oakman, Douglas (2004): The radical Jesus : you cannot serve God and Mammon, in: Biblical theology bulletin 34. 122-129.
  28. Seele, Peter (2009): "Gelt ist auff erden der irdisch got" : Überlegungen zu einer Religionsökonomie des Geldes, In: Theologische Zeitschrift 65. 346-365. hier 348f.
  29. Gerhard Hanloser: Krise und Antisemitismus. Eine Geschichte in drei Stationen von der Gründerzeit über die Weltwirtschaftskrise bis heute, Unrast Verlag 2004.