Geldschöpfung

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Die Geldschöpfung ist die Schaffung neuen Geldes. Buch- oder Giralgeld wird von privaten oder staatlichen Geschäftsbanken für deren Kunden erzeugt. Bargeld wird hingegen als Teil der Geldbasis (auch Zentralbankgeld genannt) von einer Zentralbank zunächst für die Geschäftsbanken geschaffen. Bargeld gelangt nur in öffentlichen Umlauf, wenn vorhandenes Buchgeld von Kunden einer Geschäftsbank am Schalter oder Geldautomaten abgehoben, also in Bargeld umgetauscht wird.

Hierarchie der Banken, Zentralbankgeldkonten, Buchgeldkonten

Schaffung der Geldbasis durch die Zentralbank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frau Schmalz überweist 800 € von der Commerzbank erzeugtes Buchgeld an die LTY GmbH. Die Commerzbank muss nun 800 € Zentralbankgeld beschaffen und an die Postbank auf deren Zentralbankgeldkonto transferieren (Clearing).
Überweisen Kunden der Commerzbank an Kunden der Postbank und andere Kunden der Postbank an weitere Kunden der Commerzbank, so werden beim Clearing zwischen den Banken nur die verbleibenden Salden mit Zentralbankgeld beglichen.

Geschäftsbanken unterhalten – im Gegensatz zu anderen Unternehmen und Privathaushalten – Konten bei der Zentralbank. Sie benutzen die Guthaben auf diesen Konten, um Zahlungen untereinander zu tätigen. Ferner können die Guthaben auf diesen Konten von den Geschäftsbanken jederzeit in Bargeld (Banknoten oder Münzen) umgetauscht werden, falls ihre Kunden oder sie selbst Bargeld benötigen. Die Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank zusammen mit dem Bargeld bilden die Geldbasis, auch Zentralbankgeld oder Reserven genannt.[1]

Die Zentralbank kann Zentralbankgeld schaffen, indem sie Kredite zum jeweils gültigen Leitzins und gegen die Bereitstellung entsprechender Sicherheiten an Geschäftsbanken vergibt. Auch kann sie im Rahmen ihrer Offenmarktpolitik Wertpapiere oder andere Aktiva erwerben und im Gegenzug Guthaben gewähren. In beiden Fällen erhalten Geschäftsbanken Zentralbankgeld auf ihre Konten bei der Zentralbank gutgeschrieben.[2]

Zahlen Geschäftsbanken ihre Kredite bei der Zentralbank zurück oder verkaufen Zentralbanken zuvor erworbene Wertpapiere, wird Zentralbankgeld vernichtet. Man kann sich Zentralbankgeld als Forderung gegen die Zentralbank vorstellen, die verschwindet, sobald sie zur ihr zurückkehrt. Die Geldbasis wird auf der Passivseite der Zentralbankbilanz verbucht.

Verwendung der Geldbasis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sobald Geschäftsbanken wie weiter unten beschrieben Buchgeld schaffen, haben sie aus verschiedenen Gründen Bedarf an Zentralbankgeld:

  • Sie müssen zur Zeit 1 % des erzeugten Buchgeldes als Mindestreserve bei der Europäischen Zentralbank als Guthaben halten.
  • Ihre Kunden können ihr Buchgeld jederzeit in Bargeld tauschen, somit muss die Geschäftsbank zunächst ihrerseits vorhandene Zentralbankguthaben in Bargeld tauschen, um dem Wunsch ihrer Kunden nachkommen zu können. Dies geschieht zur Zeit mit ca. 10 % des Buchgeldes (Geldmenge M3 im Eurosystem).[3]
  • Überweist ein Kunde sein Buchgeld auf ein Buchgeldkonto bei einer anderen Bank, muss die Geschäftsbank diese andere Bank in Zentralbankgeld auszahlen, sofern diese ihr keinen Interbankenkredit gewährt. Da sich Transaktionen zwischen Banken aber oft z. B. durch Überweisungen in Gegenrichtung aufheben (Clearing) und für den verbleibenden Saldo in der Tat Interbankenkredite zum Einsatz kommen, ist der Bedarf an Zentralbankgeld für diesen Zweck eher gering.

Steuerung der Geldbasis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leitzinssätze der Europäische Zentralbank seit ihrem Bestehen und des Federal Reserve System der USA im gleichen Zeitraum
EURIBOR-Zinssätze seit der Einführung am 1. Januar 1999
Laufzeiten: 1 Woche (grün), 3-Monate (blau), 1-Jahr (rot)

Die Menge des Bargelds richtet sich nach dem Bargeldbedarf der Nichtbanken und wird somit nicht direkt von der Zentralbank beeinflusst.

In Zeiten konventioneller Geldpolitik beeinflusst die Zentralbank die Geldbasis ebenfalls indirekt, indem sie die Leitzinsen, welche Geschäftsbanken auf ihr Guthaben bzw. ihre Kredite bei der Zentralbank erhalten bzw. zahlen, hebt oder senkt. Sie befriedigt dann in der Regel den gesamten Bedarf nach Zentralbankgeld zu den gesetzten Bedingungen.[4] In Zeiten wirtschaftlicher Krise kann jedoch auch erheblich mehr Zentralbankgeld in Umlauf sein als durch die genannten Gründe bedingt, falls die Zentralbank dies für ihre geldpolitischen Ziele als sinnvoll erachtet und in großem Ausmaß Wertpapiere kauft (Quantitative Lockerung).

Bedeutung der Geldbasis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zentralbankgeldmenge ist in der Regel klein im Vergleich zur in öffentlichem Umlauf befindlichen Geldmenge M3 und steht in keinem festen Verhältnis zu ihr.[5] Auch ist sie bis auf das in Kundenbesitz befindliche Bargeld kein Teil der Geldmenge M3, da Zentralbankguthaben nur zwischen Banken als Zahlungsmittel dienen. Trotzdem haben Leitzinsänderungen erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. So setzen sie z. B. obere und untere Grenzen für die Geldmarktzinsen (siehe EURIBOR oder LIBOR), zu denen sich Geschäftsbanken untereinander Kredite einräumen, da ein Interbankenkredit durch die Übertragung von Zentralbankgeld substituiert werden könnte. Über weitere Transmissionsmechanismen wirken sich Leitzinsänderungen auch auf Spar- und Kreditzinsen längerer Laufzeit und andere Größen der Volkswirtschaft wie Lohnniveau, Inflation oder Wirtschaftswachstum aus.[6] Die Europäische Zentralbank orientiert ihre Geldpolitik primär an ihrem Inflationsziel,[7] andere Zentralbanken darüber hinaus auch an Wachstums- oder Beschäftigungszielen.

Seigniorage und Münzgewinn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Zentralbank erwirtschaftet in der Regel durch Zinsen oder Ausschüttungen von gehaltenen Wertpapieren Gewinn, der auch als Seigniorage bezeichnet wird. Dieser Gewinn fließt dem Staat zu. Den Unterschied zwischen Herstellungskosten und Nominalwert von Banknoten bezeichnet die Zentralbank nicht als Seigniorage, da sie Bargeld jederzeit zurücknehmen würde und auf der Passivseite ihrer Bilanz führt.

Münzen werden, im Gegensatz zu Banknoten, vom Staat geprägt und an die Zentralbank zum Nennwert verkauft. Sie werden dann analog zu den Banknoten als Teil des Bargeldes in Umlauf gebracht. Dem Staat entsteht dabei ein Münzgewinn, also die Differenz zwischen Nominalwert und Herstellungskosten.

Giralgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematische Bankbilanz: Die Großbuchstaben stehen für die genannte Position in der Bilanz, die korrespondierenden Kleinbuchstaben (z mit Index) für deren Verzinsung.

Vergeben Geschäftsbanken einen Kredit an einen Kunden, erzeugen sie in diesem Zuge Giralgeld (auch Buchgeld genannt) auf dem Girokonto dieses Kunden. Dies entspricht in der nebenstehenden schematischen Darstellung einer Bankbilanz der gleichzeitigen Vergrößerung der Kundenkredite (L) auf der Aktivseite und der Kundeneinlagen (D) auf der Passivseite, also einer Bilanzverlängerung. Kreditverträge mit Kunden stehen als Forderungen auf Rückzahlung auf der Aktivseite einer Bankbilanz.

Kaufen Geschäftsbanken Vermögenswerte, wie Hochhäuser, Rechenzentren oder Wertpapiere, bezahlen sie mit von ihnen erzeugtem Giralgeld, welches sie dem Verkäufer auf einem Girokonto bereitstellen. Dies entspricht in der nebenstehenden Darstellung einer gleichzeitigen Vergrößerung der Positionen A und D, also ebenfalls einer Bilanzverlängerung.[8]

Die Giralgeldschöpfung ist ein Buchungsakt. Insbesondere müssen Geschäftsbanken dieses neue Geld (D) nicht vorher als Eigenkapital besessen haben, nicht als Kundeneinlagen in ihrer Bilanz gehalten haben und nicht von der Zentralbank oder anderen Geschäftsbanken leihen. Sie müssen allerdings in der Folge dieser Giralgeldschöpfung die Mindestreserveanforderungen der Zentralbank einhalten sowie die Mindesteigenkapitalanforderungen für Kreditrisiken erfüllen.

Ferner ergeben sich für die Geschäftsbanken durch die Konkurrenz mit anderen Banken Zinskosten () für das erzeugte Giralgeld, wie weiter unten erklärt wird. Daneben verursacht die sichere Verwaltung von Kundenkonten in Filialen und Rechenzentren Kosten.

Das entstandene Buchgeld ist eine Forderung gegen die erzeugende Geschäftsbank. Wird es, z. B. bei der Tilgung eines Kredits, an die Bank zurücküberwiesen, hebt sich diese Forderung gegen die Bank selbst auf und das Geld wird somit vernichtet.

Zu den Geldmengen M1, M2 und M3 werden nur Verbindlichkeiten von Banken gegenüber Nichtbanken (Unternehmen, die keine Banken sind, private Haushalte und Staat) gerechnet. Verbindlichkeiten zwischen Banken, etwa Interbankensalden auf der Passivseite, zählen nicht dazu.

Mindestreserveanforderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der nebenstehenden Bilanzdarstellung bedeutet die Mindestreserveanforderung, dass die Reserven bei der Zentralbank (R) mindestens 1 % der Kundeneinlagen (D) betragen müssen. Ist das nicht der Fall kann die Bank einen kleinen Teil ihrer Vermögenswerte (meist Wertpapiere) in den oben beschriebenen Offenmarktgeschäften bei der Zentralbank gegen weitere Reserven tauschen. Dies darf auch im Nachgang zu einer Kreditgewährung oder dem Kauf von Vermögenswerten geschehen und somit beschränkt die Mindestreserveanforderung die Giralgeldschöpfung nicht.

Kauft also etwa eine Geschäftsbank ein Hochhaus mit 100 Stockwerken für von ihr selbst erzeugte 100 Millionen EUR, kann sie danach in einem Pensionsgeschäft mit der Zentralbank 1 Stockwerk zum Leitzins () gegen 1 Million EUR Zentralbankgeld zeitlich begrenzt tauschen und somit die Mindestreserveanforderung erfüllen, sofern Hochhausstockwerke notenbankfähige Sicherheiten darstellen. Erweitert die Bank das Pensionsgeschäft um ein weiteres Stockwerk, erfüllt sie zusätzlich die Mindestreserveanforderung, um 100 Millionen EUR Giralgeld für Kredite neu zu schaffen. Die Mindestreserve wird von der Europäischen Zentralbank zum Leitzins verzinst ().

Kundeneinlagen mit einer Laufzeit oder Kündigungsfrist von mehr als zwei Jahren sind im Euroraum nicht mindestreservepflichtig. Zentralbanken einiger Länder, wie Australien, Kanada, England oder Schweden, fordern zur Zeit keine Mindestreserve.[9]

Eigenkapitalanforderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Vorschriften Basel III muss eine Bank für die Positionen auf der Aktivseite je nach Ausfallwahrscheinlichkeit bis zu 8 % Eigenkapital (Position K) reservieren, d. h. besitzen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Aktiva wird meistens von Ratingagenturen bewertet. Diese Anforderung kann die Gelderzeugung gegen risikoreiche Kreditverträge einschränken. Kauft die Bank jedoch sichere Staatspapiere, ist dafür kein Eigenkapital notwendig.

Neues Eigenkapital kann eine Bank aufnehmen, indem sie z. B. neue Aktien emittiert. Gekauft werden diese Aktien mit Buchgeld, das letztlich vom Bankensystem selbst erzeugt wurde, aber den Käufern gehört. So ist mittelfristig eine Ausweitung der Geldmenge bei genügend Vertrauen in die Bank seitens des Kapitalmarktes möglich. Jedes neue Eigenkapital kann wie beschrieben als Basis für ein Vielfaches an risikobehafteten Aktiva und damit auch neuem Buchgeld auf der Passivseite verwendet werden.

Bargeldabhebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hebt ein Kunde einen Teil seiner Einlagen (D) von seinem Girokonto ab, vermindert sich für die Bank auf der Passivseite die Position D. Auf der Aktivseite tauscht sie Zentralbankreserven (R) bei der Zentralbank gegen Banknoten und Münzen ein und händigt sie dem Kunden z. B. an einem Geldautomaten aus. Dadurch vermindert sich auch R um den abgehobenen Betrag.

Betrachtung der Zinsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betrachtet man die Buchungen, wie oben geschehen, größtenteils ohne Zinsen oder Vereinbarungen über Laufzeit und Sicherheiten, wird nicht ersichtlich welche Anreize und Beschränkungen dahinter stehen.

Die von der Zentralbank gesetzten Leitzinsen sind in der vereinfachten Bankbilanz mit angegeben. Diese steuern, wie aus dem vorigen Abschnitt ersichtlich, effektiv die Interbankenzinsen. Es gilt annähernd

Nun ist es für jede Geschäftsbank profitabel Kunden anderer Banken mit einem Zinssatz dazu zu bewegen ihre Einlagen (D) zu ihr zu überweisen. Dadurch entstehen der Bank natürlich Kosten (zusätzliches D mit Zinssatz ) auf der Passivseite. Jedoch entsteht mit der Überweisung gleichzeitig eine Forderung gegen die Bank des überweisenden Kunden, also ein positiver Interbankensaldo (zusätzliches M mit Zinssatz ) auf der Aktivseite. Offensichtlich lohnt sich dieses Geschäft für eine Bank solange kleiner bleibt als weniger der Kosten für die Verwaltung der entstandenen Konten. Es sollte sich also bei Banken, die im Wettbewerb miteinander stehen, ein Einlagenzins einstellen nahe[10]

Somit werden in einem Umfeld konkurrierender Geschäftsbanken die Leitzinsen über die Interbankenzinsen bis zu den Spar- und Einlagezinsen weitergegeben. Bei erhöhten Einlagezinsen ist es natürlich nicht ratsam für eine Bank Kredite gegen geringere Kreditzinsen anzubieten oder Vermögenswerte mit einer geringeren Rendite zu kaufen als . Der Grund ist, dass, wie oben beschrieben, mit den vergebenen Krediten (L) oder erworbenen Vermögenswerten (A) auf der Aktivseite, Kundeneinlagen (D) auf der Passivseite gewährt werden. Zudem muss sich die Bank das Kreditausfallrisiko (siehe unten) vergüten lassen. Auch für Kredite fallen Verwaltungskosten an und schließlich möchte die Bank auch einen Gewinn verzeichnen, also ist

Das zusätzliche Buchgeld (D), das die Zinszahlung auf Einlagen erforderlich macht, kann die Bank ebenso durch einen Buchungsakt erzeugen. Dadurch vermindert sich das verbleibende Eigenkapital (K). Durch Zinszahlungen von Kunden werden Kundeneinlagen (D) vernichtet und das Eigenkapital der Bank steigt. Zinskritiker bemängeln, dass das geschöpfte Buchgeld nicht für Tilgung und Zinsen ausreicht. Jedoch können Zinsen an die Banken von zukünftigen weiteren Geldschöpfungen bei Wirtschaftswachstum bedient werden. Reicht das Wachstum nicht aus, werden Kredite ausfallen (siehe unten).

In den Wirtschaftswissenschaften ist die eben erklärte sogenannte Zinsweitergabe (engl.: interest rate pass-through) als Teil der erwähnten Transmissionsmechanismen Gegenstand der Forschung. So funktioniert die Anpassung der Einlage- und Kreditzinsen an geänderte Leitzinsen in einigen Ländern der Europäischen Währungsunion schneller und vollständiger als in anderen.[11]

In der vereinfachten Bankbilanz ist nur ein Zinssatz für alle Kundeneinlagen genannt, obwohl dort sehr unterschiedliche Posten zusammengefasst sind. So bekommt man für Einlagen auf einem Girokonto, im Widerspruch zur Theorie der Zinsweitergabe, in der Regel keine Zinsen, für Tagesgeld jedoch wohl. Offensichtlich ist für eine Bank entscheidend, ob zu erwarten ist, dass der Kunde die Zahlungsmittelfunktion des Geldes betont oder ob er es als Wertaufbewahrung den besten Zinsangeboten zuführt.

Im deutschen Sprachraum werden die mit der Kreditgewährung entstehenden Verbindlichkeiten auf der Passivseite der Bankbilanz oft als Teil der Refinanzierung aus Fremdmitteln genannt. Im Falle von Sichteinlagen auf Girokonten zahlen die Geschäftsbanken darauf aber meist keine Zinsen und erzeugen diese Einlagen selbst.

Durch Interbankenkredite entstehen dem gesamten Bankensektor kaum Kosten, denn alle Interbankensalden addieren sich zu Null und die Zinskosten für Banken mit negativem Saldo sind die Gewinne derjenigen mit positivem Saldo.

Kreditausfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird ein Kredit von einem Bankkunden nicht bedient und fällt aus, so kann die Bank das vormals im Gegenzug erzeugte Buchgeld natürlich nicht einfach wieder vernichten, da es durch Bezahlvorgänge endgültig zu anderen Kunden transferiert wurde. Die Bank muss daher den verbleibenden Verlust nach Verwertung der Sicherheiten selbst durch Erträge, Rückstellungen oder Eigenkapital ausgleichen.

Fallen einer Bank zu viele Kredite aus, erfüllt sie nicht mehr die Eigenkapitalvorschriften der Finanzaufsicht und kann somit zur Abwicklung gezwungen werden. Dabei kann es für Kunden zum Verlust ihrer Einlagen kommen, denn sie stellen Verbindlichkeiten der Bank dar, die in das Insolvenzverfahren einbezogen werden. In früheren Zeiten kam es in diesen Situationen dann zu sogenannten Schalterstürmen (englisch bank run), bei denen viele Einleger ihr Geld am Schalter in bar verlangten oder zu sicheren Instituten transferieren wollten. Heute gibt es in den meisten Ländern eine gesetzliche Einlagensicherung. Diese sichert in allen EU-Mitgliedstaaten Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 € pro Person ab indem sie Kreditinstitute dazu verpflichtet an gemeinschaftlichen, umlagefinanzierten Entschädigungseinrichtungen teilzunehmen.

Sind zu viele oder einige sehr wichtige, systemrelevante Banken eines Witschaftsraumes insolvent, kann es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems kommen: Kredit, Geldanlage und die Zahlungsmittelfunktion des Geldes stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Die massenhafte Insolvenz sprengt möglicherweise die Sicherungssysteme. Ausgefallene Einlagen führen zu Zahlungsschwierigkeiten, Insolvenz und Arbeitslosigkeit in weiteren Wirtschaftsbereichen. Um die Wahrscheinlichkeit solcher Szenarien abzuschätzen, führen die Aufsichtsbehörden sogenannte Stresstests durch.

Begrenzung der Geldschöpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Menge des geschöpften Buchgeldes wird auf der einen Seite durch die Nachfrage der Kunden nach Krediten bei den gegebenen Zinsen begrenzt. Kredite mit von der Zentralbank beeinflussten Zinsen sind für Banken auf der anderen Seite prinzipiell kein knappes Gut, die Vergabe wird aber durch Profit- und Risikoabwägungen der Geschäftsbanken ebenfalls begrenzt. Daneben durch Regulierungen der Finanzmarktaufsicht, insbesondere durch Verordnungen im Rahmen von Basel III.

Weitere Einflüsse auf die Geldmenge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weiteste Geldmengendefinition der Europäischen Zentralbank, M3, erfasst nur Einlagen und verwandte Finanzprodukte mit einer Laufzeit von bis zu 2 Jahren. Laut dieser Definition entsteht nun Geld, wenn Bankverbindlichkeiten, die nicht zur Geldmenge gehören (z. B. längerfristige Termin- und Spareinlagen), in kurzfristige Bankverbindlichkeiten, die Teil der Geldmenge sind (z. B. Sichteinlagen), umgewandelt werden. Letztlich haben derartige Transaktionen ihren Ursprung in Geldschöpfungsprozessen aus der Vergangenheit, da längerfristige Bankverbindlichkeiten in der Regel aus Sichtguthaben entstanden sind.

Überweisen Käufer aus einem anderen Währungsraum Geld, getauscht in Euro, auf Konten in Ländern der europäischen Währungsunion, so entstehen bei den empfangenden Geschäftsbanken Sichteinlagen, also Geld. Dies ist bei einem Handelsbilanzüberschuss der Fall.

Kaufen Banken ihre eigenen Aktien von Nichtbanken zurück steigt die Geldmenge, da wiederum Einlagen entstehen. Die jeweils entgegengesetzten Operationen vernichten Geld in einem Währungsraum entsprechend.[12]

Zentralbankkredite an öffentliche Haushalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die direkte Vergabe von Krediten an die öffentliche Hand durch die Zentralbank ist im Euroraum seit der zweiten Stufe der Europäischen Währungsunion von 1994 verboten, d. h. der Staat muss sich Geld bei Geschäftsbanken bzw. am Rentenmarkt leihen. Allerdings interveniert die Europäische Zentralbank täglich u. a. am Rentenmarkt und kauft vorzugsweise Staatsanleihen mit zusätzlich geschöpftem Geld, falls die Umlaufrendite gesenkt werden soll. In den USA machte beispielsweise am 17. November 2004 der Posten „U.S. Treasury“ sogar 89,3 % der gesamten Aktiva des Federal Reserve Systems aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geldschöpfung war immer wesentliches Element einer Geld- und Währungspolitik. In der Geschichte des Geldes war die bestehende Geldordnung immer unterschiedlich. Erst wurde mit Primitivgeld bezahlt, später mit Münzgeld. Zusätzliches Geld wurde deshalb nur in Relation zu zusätzlichem Abbau entsprechender Edelmetalle wie Gold und Silber emittiert.

Mit Aufkommen des Münzregals war die Geldschöpfung lediglich dem Staat vorbehalten. Auf Falschgeld oder eigenständige Prägung stand eine hohe Strafe. In bestimmten Zeiten wurden mittels Münzentwertung viele Münzen geprägt. Die Emission von Banknoten veränderte an diesen Sachverhalten nichts. Fortan war es allerdings teilweise möglich, dass Zettelbanken auch über die persönlichen Einlagen Zettel oder Banknoten hinausgaben. Manche Institute sicherten sich über Gilden ab.

Außerdem entstanden Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die fortan Kredite vergaben. Das Banknotenmonopol fiel außerdem nach und nach in die Hände des Staates, sodass die Anzahl der Währungen abnahm. In der Geschichte des Geldes lösten sich Phasen intrinsischen Geldes (materiell unterpfändetes wie Gold- oder Golddevisenstandard) mit „Fiatgeld-Systemen“[13] (auch aufgrund von Kriegsfinanzierungen) zahlreich ab.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Interview der FAZ aus dem Jahr 2009 interpretieren Josef Ackermann und dessen Doktorvater Hans Christoph Binswanger Johann Wolfgang von Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Dabei beleuchten sie die Magie, die in der Geldschöpfung stecke, und die Ambivalenz des auf den Vorschlag Mephistopheles’ erschaffenen Geldes in seiner Wirkung durch die Wette auf die Zeit mit dem Risiko, Inflation auszulösen und Gier, Gewalt und Geiz, die „Gesellen Raufebold, Habebald und Haltefest“, anzulocken. Auch mit dem Wandel von Lehen, die man pfleglich behandeln muss, zum Eigentum, das man „gebrauchen, aber auch verbrauchen, ausplündern, zerstören“ kann, und den damit ausgelösten Allmachtsträumen des Menschen (in der Person des Fausts) befasse sich Goethe, der in dem Werk seine ökonomischen Erfahrungen aus zehn Jahren als Finanz- und Wirtschaftsminister am Weimarer Hof und seine umfangreichen Studien der Ökonomie verarbeite. Ackermann warnt allerdings auch, eine Rückkehr zum Goldstandard bedeute eine sehr starke Verringerung der Geldmenge und hätte gravierende Nachteile. Auch weist er darauf hin: „Aber man muss sich dabei auch bewusst sein, dass mit weniger Geldschöpfung und weniger Wachstum wahrscheinlich auch der allgemeine Wohlstand geringer sein wird.“[14]

Innerhalb der Volkswirtschaftslehre setzt sich die Geldtheorie mit der Theorie des Geldes und der Teil der Kredittheorie mit seiner Schöpfung auseinander. Es gibt dabei unterschiedliche Monetäre Systeme. Innerhalb von Ordnungen mit einem Münzregal oder Banknotenmonopol wird das Basisgeld automatisch durch Monopolvergabe innerhalb eines Staats per Gesetz einer Institution zugeteilt, im Regelfall der Zentralbank. Dem steht das Free Banking gegenüber, welches keinerlei Privilegien oder Restriktionen für Banken fordert. Des Weiteren unterscheidet man zwischen Mindestreserve-Systemen und Vollreserve-Systemen. Um Geldwertstabilität oder eine gezielte schwache Inflation von z. B. 2 %[15] zu gewährleisten, ist eine Geldpolitik vonnöten.[16] Die Erkenntnisse von Knut Wicksell (Wicksellscher Prozess) haben auch heute noch wesentlichen Einfluss auf geldpolitische Entscheidungen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Christoph Binswanger: Die Wachstumsspirale – Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des Marktprozesses. Metropolis Verlag, Marburg 2006. ISBN 3-89518-554-X
  • Mathias Binswanger: Geld aus dem Nichts. Wiley, Weinheim 2015. ISBN 978-3-527-50817-4.
  • Jesús Huerta de Soto: Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen. Hayek Institute, Madrid 2009.
  • Joseph Huber: Monetäre Modernisierung. Zur Zukunft der Geldordnung. Metropolis Verlag, Marburg 2010.
  • Niklot Klüßendorf: „Der Kupferwechsel“ des Alchimisten Johann Steitz für die Herrschaft Schmalkalden. Ein frühneuzeitliches Projekt zur Geldschöpfung. In: Bankhistorisches Archiv. 1/1989, Zeitschrift für Bankengeschichte, Frankfurt am Main.
  • Dieter Lindenlaub: Auf der Suche nach einem Instrumentarium zur Kontrolle der Geldschöpfung. Notenbank und Banken in Deutschland im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. In: Bankhistorisches Archiv. 2/2000, Zeitschrift für Bankengeschichte, Frankfurt am Main.
  • Ann Pettifor: Die Produktion des Geldes: Ein Plädoyer wider die Macht der Banken. Hamburger Edition, Hamburg, 2018, ISBN 386854318X
  • Michael Rowbotham: Goodbye America. Globalization, Debt and the Dollar Empire. Carpenter Publishing, Charlbury/Oxfordshire, 2000, ISBN 1-897766-56-4.
  • Martin Scheytt: Theoretische Grundlagen der bankgeschäftlichen Kreditgewährung. Dissertation. Duncker & Humblot, 1962.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Bundesbank, Glossar, Zentralbankgeld
  2. Deutsche Bundesbank, Schülerbuch Geld und Geldpolitik, Kapitel 6, Offenmarktgeschäfte
  3. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 17
  4. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 26
  5. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 16
  6. Die Geldpolitik der EZB 2011, Seite 64
  7. Die Geldpolitik der EZB 2011, Seite 9
  8. Deutsche Bundesbank, Schülerbuch Geld und Geldpolitik, Kapitel 3, Geldschöpfung
  9. Europäische Zentralbank, Eurosystem, Was ist die Mindestreservepflicht?
  10. Xavier Freixas / Jean-Charles Rochet, Microeconomics of Banking, 1997, MIT Press ISBN 978-0-262-06193-3, The Competitive Equilibrium of the Banking Sector S. 55f, The Transmission Channels of Monetary Policiy, Endogenous Money, S. 167
  11. European Central Bank, Occasional Paper Series No. 155 / September 2014, The Retail Bank Interest Rate Pass-through, the case of the Euro area during the financial and sovereign debt crisis
  12. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 20
  13. Paul Terres: Die Logik einer wettbewerblichen Geldordnung. Tübingen 1999.(online) S. 42.
  14. Josef Ackermann und Hans Christoph Binswanger: Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn! In: FAZ Online vom 30. Juni 2009.
  15. Siehe z. B. das "Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent" bei der EZB, Stand 2015, n-tv
  16. Geschichte des ökonomischen Denkens: Paradigmenwechsel in der Volkswirtschaftslehre. ISBN 978-3-486-58522-3, S. 141.