Gelsdorf (Grafschaft)

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Koordinaten: 50° 34′ 59″ N, 7° 1′ 59″ O

Gelsdorf
Verbandsfreie Gemeinde Grafschaft
Höhe: 214 m ü. NHN
Fläche: 9,39 km²
Einwohner: 1404 (30. Okt. 2013)
Bevölkerungsdichte: 150 Einwohner/km²
Eingemeindung: 16. März 1974
Postleitzahl: 53501
Vorwahl: 02225
Gelsdorf (Rheinland-Pfalz)
Gelsdorf

Lage von Gelsdorf in Rheinland-Pfalz

Blick auf Gelsdorf vom Gewerbepark Grafschaft

Blick auf Gelsdorf vom Gewerbepark Grafschaft

Gelsdorf ist ein Ortsbezirk der Gemeinde Grafschaft im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Der Ort hat 1404 Einwohner.[1] Damit ist Gelsdorf nach Lantershofen der zweitgrößte Einzelort der Gemeinde Grafschaft.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der Voreifel am Nordrand der Gemeinde Grafschaft. Im Nordwesten grenzt Gelsdorf an Meckenheim (Nordrhein-Westfalen).

Gelsdorf (Grafschaft), Luftaufnahme (2015)
Katholische Pfarrkirche St. Walburgis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Gelsdorf wurde im Jahre 846 erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Lothar I. dem Kloster Prüm Ackerland zu „Gelichesdorp“ im Eifelgau schenkte.[2] In einer Urkunde aus dem Jahr 877 bestätigt Kaiser Karl der Kahle dem Stift St. Omer und dem Kloster St. Bertin dem Besitz von „Kirche, Weingütern und Land in Gefwaldasthorp“.[3] Königin Richeza schenkte im Jahre 1014 unter andern Gütern auch Ländereien zu Gelsdorf dem Kloster Brauweiler.[2]

Um 1200 hatte sich mit den „Herren von Gelsdorf“ ein Ortsadel gebildet, dem von St. Omer und St. Bertin das Schultheißenamt und die Zehntrechte übertragen wurde. Zur gleichen Zeit (um 1220) entstand die Wasserburg Gelsdorf als Mittelpunkt der Güter, die 360 Morgen umfassten.[3]

1359 verlieh Kaiser Karl IV. Gelsdorf die Stadtrechte, die aber hinsichtlich der damals bereits üblichen städtischen Verwaltungsstrukturen (Bürgermeister, Stadtrat, Schöffen) und Baumaßnahmen (Stadtmauern) nicht ausgeführt wurden.[2][3]

Bis 1382 waren Dorf und Burg Gelsdorf ein Teil der Grafschaft Neuenahr.[3]

Am 16. März 1974 wurde Gelsdorf in die neue Gemeinde Grafschaft eingegliedert.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbezirk Gelsdorf wird durch einen aus sieben Mitgliedern bestehenden Ortsbeirat und einem Ortsvorsteher vertreten.[5]

Ortsvorsteher von Gelsdorf war von 1978 bis zu seinem Tode Hermann-Josef Linden (CDU) († 10. Oktober 2009). Am 7. März 2010 wurde Andreas Ackermann (CDU) als neuer Ortsvorsteher gewählt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Gelsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Gelsdorf, Herrenhaus

Schloss Gelsdorf ist ein kleiner Herrensitz, 1766 durch Konstantin von Gruben an der Stelle einer Burg aus dem 13. Jahrhundert erbaut. Von dieser sind im Gartengeschoss Gewölbe und eine romanische Säule erhalten. Die Adresse „Burghof“ erinnert an die alte Burg. Nach wechselvoller Geschichte wurde die Anlage aus dem 18. Jahrhundert in den 1980er bis 1990er Jahren restauriert bzw. wieder aufgebaut und in unterschiedliche Wohneinheiten unterteilt. Das Anwesen befindet sich in Privatbesitz.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr am vorletzten Oktoberwochenende finden in Gelsdorf die Tage der offenen Höfe und Betriebe statt. Gäste aus ganz Deutschland und aus den europäischen Nachbarstaaten kommen in das überschaubare Dorf. Bauern, Landwirte, Handwerker und die Betriebe im Gewerbegebiet stellen sich und ihre Berufe von damals bis heute vor. Zu den alljährlichen Klassikern gehört auch ein großes Traktorenoldtimertreffen. Weltweit bekannte Spezialität und Delikatesse ist der Grafschafter Goldsaft, der aus den heimischen Zuckerrüben in Meckenheim produziert wird. Bekannt ist Gelsdorf auch für den Anbau von Plantagenobst.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordöstlich des Ortes verläuft die Bundesautobahn 61. Südlich von Gelsdorf, als Weiterführung der Bundesstraße 257, beginnt die Bundesautobahn 565. Nächster Bahnhof ist Meckenheim (Bz Köln) (Voreifelbahn BonnEuskirchenBad Münstereifel, Kursbuchstrecke 475). Buslinien des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel verbinden Gelsdorf mit Bad Neuenahr, Remagen, Meckenheim und Rheinbach.

Gewerbepark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 45 ha große Gewerbepark Gelsdorf umfasst zurzeit 1.400 Arbeitsplätze und gilt als internationaler Standort durch seine gute Anbindung an die Bundesautobahn 565 und den Flughafen Köln/Bonn.

Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr mit Sitz im Gewerbegebiet von Gelsdorf war bis Sommer 2007 die zentrale Dienststelle der Bundeswehr zur Feststellung, Analyse und Bewertung der militärischen und politischen Lage anderer Staaten sowie der militärischen Sicherheitslage der Bundesrepublik Deutschland.

Seit August 2007 ist in Gelsdorf das Kommando Strategische Aufklärung beheimatet. Seit 8. Oktober 2009 heißt die Liegenschaft offiziell „Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne“, die Namensgebung erfolgte durch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Namensgeber ist der Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Philipp Freiherr von Boeselager (1917–2008).[6]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Grünstraße befinden sich der katholische Kindergarten St. Walburga sowie die Grundschule Gelsdorf.

Söhne und Töchter von Gelsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gelsdorf (Grafschaft) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner-Bestandsstatistik Gemeinde Grafschaft, Stand: 30. Oktober 2013.
  2. a b c Johann Friedrich Schannat: Eiflia illustrata oder geographische und historische Beschreibung der Eifel. Band 3, 1852, S. 494 (google books [abgerufen am 25. Februar 2015]).
  3. a b c d Willy Gebhard: Die Herren von Gelsdorf. In: Kreis Ahrweiler (Hrsg.): Heimatjahrbucharchiv. Heimatjahrbuch 1970, S. 75 (online [abgerufen am 25. Februar 2015]).
  4. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz − Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 178 (PDF; 2,6 MB)
  5. Hauptsatzung der Gemeinde Grafschaft
  6. Volker Jost: Vorbild für das Streben nach Freiheit. In: Bonner Rundschau. 8. Oktober 2009, abgerufen am 24. April 2017 (Zeitungsbericht zur Namensgebung der Kaserne).