Geltinger Birk

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NSG Geltinger Birk

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Naturschutzgebiet Geltinger Birk (2014)

Naturschutzgebiet Geltinger Birk (2014)

Lage Nieby und Gelting, Schleswig-Holstein, Deutschland
Fläche 7,73 km²
Kennung Nr. 8
WDPA-ID 70923
Geographische Lage 54° 47′ N, 9° 55′ OKoordinaten: 54° 47′ 23″ N, 9° 54′ 54″ O
Geltinger Birk (Schleswig-Holstein)
Geltinger Birk
Einrichtungsdatum 23. Dezember 1986

Die Geltinger Birk (dänisch Gelting Birk) ist seit 1986[1] ein Naturschutzgebiet an der schleswig-holsteinischen Ostsee. Es liegt − nordöstlich von Gelting − überwiegend im Bereich der Gemeinde Nieby an der Geltinger Bucht am Ausgang der Flensburger Förde. Die Bezeichnung Birk entstammt der historischen Verwaltungsgliederung im Herzogtum Schleswig.

Beschreibung des Gebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konik-Herde in der Geltinger Birk (2017)

Mit seiner Fläche von rund 773 ha[1] ist das in der Geltinger Bucht (Ostsee-Wasserfläche) und auf einer Halbinsel (es handelt sich um einen sogenannten Höft)[2] gelegene Naturschutzgebiet das größte im Kreis Schleswig-Flensburg. Das Gebiet gehört der Stiftung Naturschutz des Landes Schleswig-Holstein.[3]

Von der Gesamtfläche liegen etwa 260 ha unter Normalnull.[4] Die Landschaft ist geprägt durch Wasserflächen (Geltinger Noor), Strandseen, Sümpfe, Wälder, Salzwiesen, Dünen, Strand und Nehrungshaken.[5] Zum Naturschutzgebiet gehören auch die an das Land grenzenden Flachwasserbereiche mit Seegraswiesen. Zur Erhaltung der Weidelandschaften werden von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auf Teilen des Gebietes Herden von Pferden (Koniks), Rindern (Schottische Hochlandrinder, Galloways) und Schafen eingesetzt.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geltinger Birk ist ein Nehrungshaken, der bei der Bildung einer Ausgleichsküste aufgrund von Sedimentverdriftung durch küstenparallele Strömungen entstand. Um die Birk landwirtschaftlich nutzen zu können, wurde dort 1581 der erste Deich an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste errichtet, der das Geltinger und Beveroer Noor von der Ostsee abtrennte. Danach begann auch die Entwässerung des tief liegenden Gebietes.[6] Der erste Deich wurde später durch eine Sturmflut zerstört.[7] 1750 wurde der Grahlensteindamm als zweiter Damm erbaut, Mit der 1826 nach der Eindeichung des Großen Noores errichtete Windmühle Charlotte war es erstmals möglich, die Birk großflächig zu entwässern.[4] Bis heute wird der Wasserstand auf 3,20 Meter unter Meeresspiegelniveau abgesenkt. Zurzeit laufen umfangreiche Vorbereitungen zur kontrollierten Vernässung der Birk. Dazu werden u. a. Deiche und Schöpfwerke gebaut. Seit dem 16. September 2013 wird über ein Rohr nördlich des Ortes Falshöft Seewasser in die Birk gelassen, um den Wasserstand auf ein Meter unter Meeresspiegelniveau zu erhöhen. So sollen Lagunen und Salzwiesen wieder neu entstehen. Diese Maßnahme ist eines der größten Naturschutzprojekte, die zurzeit in Schleswig-Holstein geplant werden.

Naturschutzrelevante Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über das Geltinger Noor (Wasserfläche im NSG) zur Windmühle Charlotte (2003)

Die Birk ist ein wichtiges Gebiet beim Vogelzug und für die Brut von rund zweihundert Arten. Zusätzlich brüten hier über 90 Vogelarten.[5] Deswegen ist es ein beliebtes Ziel für Ornithologen. Auch aus botanischer Sicht ist das Gebiet interessant: Es kommen seltene und geschützte Arten wie der Echte Meerkohl (Crambe maritima) und die Stranddistel (Eryngium maritimum) vor.

Das Naturschutzgebiet ist außerdem Bestandteil von zwei deutlich größeren Gebieten, die zum europäischen Natura-2000-Schutzgebietsnetzwerk gehören: Es liegt im FFH-Gebiet DE-1123-393 Küstenbereiche Flensburger Förde von Flensburg bis Geltinger Birk[8] und im Europäischen Vogelschutzgebiet DE-1123-491 Flensburger Förde.[9]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Windmühle Charlotte

Touristen ist das Gebiet über mehrere Rundwege zugänglich. Jährlich besuchen ca. 50.000 bis 80.000 Touristen das Naturschutzgebiet. Es gibt verschiedene Rundwanderwege. Das Radfahren im Naturschutzgebiet ist entlang ausgewiesener Wege erlaubt. In der Integrierten Station Geltinger Birk, die unter anderem vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Gemeinde Nieby unterhalten wird, gibt es eine kleine Ausstellung zur Geltinger Birk. Von hier aus werden die Birk und andere Naturschutzgebiete in der Region naturschutzfachlich durch hauptamtliche Mitarbeiter der Station (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume) betreut. Diese bieten Informationen und Führungen an bzw. vermitteln Führungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred und Dorothea Diehl: Naturschutzgebiete an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins. In Berichte des Vereins „Natur und Heimat“ und des Naturhistorischen Museums zu Lübeck, Heft 19/20, Lübeck 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geltinger Birk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Landesverordnung über das Naturschutzgebiet "Geltinger Birk" vom 23. Dezember 1986
  2. Uwe Muuß und Marcus Petersen: Die Küsten Schleswig-Holsteins. Neumünster 1974, ISBN 3-529-05301-5.
  3. Naturschutzgebiet "Geltinger Birk" - NABU Schleswig-Holstein. Abgerufen am 2. Oktober 2017.
  4. a b Scholz, Rieke, Stoll, Franziska: Coastal adaption processes in the German Baltic Sea Region. ISBN 978-3-939206-14-9, S. 57.
  5. a b c Fachplan Küstenschutz Ostseeküste. Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, 15. Mai 2017, S. 13; abgerufen am 10. Februar 2017 (PDF).
  6. Scholz, Rieke, Stoll, Franziska: Coastal adaption processes in the German Baltic Sea Region. ISBN 978-3-939206-14-9, S. 57.
  7. Fachplan Küstenschutz Ostseeküste: Zahlen Daten Fakten. Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig - Holstein, 7. Februar 2014; abgerufen am 2. Oktober 2017 (PDF).
  8. World Database on Protected Areas – Küstenbereiche Flensburger Förde von Flensburg bis Geltinger Birk SAC (englisch)
  9. World Database on Protected Areas – Flensburger Förde Special Protection Area (englisch)