Gemäldegalerie Düsseldorf (Gebäude)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Aufriss und Schnitt der Flügel des Galeriegebäudes (Kupferstich von 1776)
Plan des Gebäudes der kurfürstlichen Gemäldegalerie in Düsseldorf mit Standort der Jan-Wellem-Statue
Burgplatz im Jahre 1859. Links der Galeriebau, rechts die Akademie, das ehemalige Schloß. Zeichnung A. Frank (vermtl. Alfred Ritter von Franck)

Die Gemälde der Gemäldegalerie Düsseldorf waren in einem dreiflügeligen, zweigeschossigen Galeriegebäude beheimatet, das auf Anregung des Hofmalers Jan Frans van Douven[1] im Auftrag des Kurfürsten Johann Wilhelm zu Pfalz-Neuburg von 1709 bis 1714 auf der Südseite des Residenzschlosses am Rhein errichtet worden war. Das Gebäude zählte zu den „frühesten selbständigen Museumsbauten Europas“.[2] Seit 1881 zwei Flügel des Gebäudes abgerissen wurden, ist heute nur noch der ehemalige Ostflügel erhalten.

Galeriegebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Entwurf für den Bau der Gemäldegalerie lieferte der kurpfälzische Generalsuperintendent Graf Matteo Alberti, die Ausführung oblag dem Hofarchitekten Jacob du Bois,[3] einem Halbbruder des Hofbildhauers Gabriel Grupello.[4] Der barocke Backsteinbau, in dessen Erdgeschoss von Johann Joachim Winckelmann besorgte Abgüsse nach Antiken und große Statuen ausgestellt wurden[5][6] war auf seiner Nordseite mit dem Schloss verbunden, so dass der Kurfürst die Galerie von seinen Gemächern aus betreten konnte.[4] Die Plafonds der Galerie waren von dem Architektur- und Perspektivmaler Antonio Milanese gestaltet worden, zusammen mit Domenico Zanetti und Johann Fischer von Erlach.[7] Den Eingang zur kurfürstlichen Gemäldegalerie flankierten die Porträtbüsten des Kurfürsten Johann Wilhelm und der Kurfürstin Anna Maria Luisa aus dem Hause Medici, geschaffen von Grupello. Sie befinden sich heute in der Rubens-Galerie des Museum Kunstpalast.[8] Zwischen 1716 und 1738 stand auf dem Platz vor der Galerie die sogenannte Grupello-Pyramide, ein barocker Bronzeguss des Hofbildhauers Grupello, welche durch das Jan-Wellem-Denkmal, welches heute im Rathaus steht, ersetzt wurde.

Kurfürstliche Hofbibliothek / Königliche Landesbibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königliche Landesbibliothek um 1902

Seit 1770 war in dem Galeriegebäude die von Karl Theodor von der Pfalz gegründete „Kurfürstliche öffentliche Bibliotheque“ untergebracht.[9] Diese spielte im kulturellen Leben Düsseldorfs eine bedeutende Rolle: „Der unverkennbare Aufschwung der Bildungseinrichtungen im Jahrhundert der Aufklärung fand 1770 einen gewissen Höhepunkt in der Gründung einer öffentlichen Bibliothek, die nach ihren Statuten jedermann zur Verfügung stehen sollte.“[10]

Die Bibliothek erhielt zunächst zwei Säle und ein Vorzimmer im Erdgeschoss des Südflügels, die zuvor der Hofregistratur zugewiesen waren.[11][12] Da diese Räume sich aufgrund zu hoher Feuchtigkeit bald als ungeeignet erwiesen, zog die Bibliothek Ende 1777 in zwei Säle im Erdgeschoss des Ostflügels der Galerie um. 1803 wurde ein dritter Saal im Südflügel hinzugenommen,[13] ein weiterer Umzug in zwei Säle des Obergeschosses des Ostflügels erfolgte 1822.[14]

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den historischen Sammlungen der Landesbibliothek, die heute noch in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf und dem Heinrich-Heine-Institut zu finden sind, wurde in der Königlichen Landesbibliothek auch eine Sammlung von kleinen Bronzewerken aus dem alten Schloss aufbewahrt:[15]

  • Statuette der Minerva, 33 cm hoch, aus unziselierter Bronze, Gusswerk von Gabriel Grupello. Die gewappnete Göttin, das Haupt mit hohem Helm und Lorbeerkranz stand vor einer Waffentrophäe, der linke Arm war leicht erhoben.
  • Büste der pfälzischen Kurfürstin Anna Maria, Tochter des Großherzogs der Toskana und Frau von Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Das von Grupello geschaffene Werk war aus ziselierter Bronze und 56 cm hoch. Es stand auf einem hohen geschweiften Sockel, der an der Vorderseite in Basrelief einen auf Wolken thronenden Genius mit Posaune und Friedenspalme zeigte. Die Büste war aufwändig modelliert und kühn drapiert und galt als bedeutendes dekoratives Werk.
  • Bronzefigur des Paris. Das Gusswerk von Grupello war 35 cm hoch und bestand aus unziselierter Bronze. Es stellte, in weichen und ruhig fließenden Linien, eine nackte Jünglingsfigur dar.
  • Bronzefigur des sitzenden Paris (44 cm hoch) und eines sitzenden älteren Mannes (48 cm hoch). Diese galt als minderwertige Schülerarbeit und wurde der Gusshütte Gruppelos zugeschrieben.

Erweiterung des Ostflügels 1869[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Schloss in Düsseldorf (1869)
Ständehaus (links), Galeriegebäude (Mitte) und Schlossturm (rechts)

Durch stetige Ankäufe wurden die Bibliotheksräume mit der Zeit zu klein, so dass der Ostflügel der Gemäldegalerie 1866–1869 einen Anbau erhielt, der unter anderem einen neuen Bibliothekssaal, Katalog- und Lesezimmer umfasste.[16] Die Baugeschichte dieser neuen Landesbibliothek am Burgplatz beschrieb Heino Pfannenschmid wie folgt:

„Im Jahre 1866 erfolgte die Genehmigung zur Ausführung des von dem Geheimen Regierungs- und Baurath Krüger hierselbst herrührenden, von dem königlichen Bauinspektor Schroers veranschlagten Entwurfes eines Erweiterungsbaues. Der ebenso geschmackvolle als solide Bau wurde unter der Leitung des genannten K. Bauinspectors im April 1867 begonnen und ist nunmehr vollendet. Durch diesen Erweiterungs-Bau sind außer den Wohnungen für den Bibliotheksdiener und den Castellan der Kunstakademie im Erdgeschoss und in der Zwischenetage zum Behuf der Bibliothek fünf Räume im ersten Stock gewonnen, nämlich zu den bereits vorhandenen […] noch ein langer Saal mit zwei Galerien, ein Lesezimmer und ein Arbeitszimmer des Bibliothekars, während der Raum des im alten Treppenhause befindlichen Katalog- und Bibliothekar-Zimmers durch Erweiterung für das jetzige s.g. Katalog-Zimmer verwandt wurde, da man die alte Treppe abbrach und durch eine neue im vorderen Anbau ersetzt. Der stattliche Erweiterungsbau ist von Ziegelsteinen aufgeführt und in den Façaden verputzt, das Dach ist mit Zink gedeckt. Die Baukosten, welche etwa 22000 Thaler betragen, sind durch eine außerordentliche Bewilligung des königl. Ministerium der geistlichen etc. Angelegenheiten flüssig gemacht worden.

Dieser durch den Erweiterungsbau neu gewonnene Raum, der im vergangenen Frühjahr bezogen wurde, war ein so durchaus nothwendiges Bedürfnis, daß er sammt den beiden alten mit Büchern besetzten Sälen grade zur Unterbringung und vielfach veränderten neuen Ausstellung der vorhandenn Büchermassen ausreicht, aber den Vortheil gewährt, durch leicht und bequemt anzubringende Repositorien auf längere Jahre dem Raummangel abzuhelfen.“

Heino Pfannenschmid 1870 (S. 421–422)

Abriss des West- und des Südflügels[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brand des Düsseldorfer Schlosses, Gemälde von August von Wille, 1872 Der Ostflügel der Gemäldegalerie (links) am Burgplatz um 1908
Der Ostflügel der Gemäldegalerie (links) am Burgplatz um 1908

Bei dem Brand des Düsseldorfer Schlosses im Jahr 1872 blieb das gesamte Galeriegebäude weitgehend verschont.[17] Bis zur Eröffnung ihres Neubaus am Sicherheitshafen 1879 wurde die Kunstakademie vorübergehend in den verbliebenen Räumen der Galerie untergebracht.[18] Das Gebäude wurde anschließend von der Stadt Düsseldorf übernommen, die den Antikensaal im Erdgeschoss unter der Bibliothek ab 1879 dem Historischen Museum zur Verfügung stellte.[19] Der West- und der Südflügel der Galerie wurden ab 1881 für den Bau der Kunstgewerbeschule Düsseldorf abgerissen, von der zum verbliebenen Ostflügel später eine bauliche Verbindung geschaffen wurde.[20] Die „Königliche Landesbibliothek“ wurde 1904 an die Stadt Düsseldorf abgegeben und bezog zwei Jahre später als „Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf“ den westlichen Trakt des Kunstgewerbemuseums am Friedrichsplatz, dem heutigen Grabbeplatz.[21] 1928 wurde auch das Historische Museum in ebendieses Gebäude verlegt.

Der erweiterte Ostflügel der Galerie ist noch heute am Burgplatz 2 erhalten und wird mittlerweile von der Stadt Düsseldorf unter anderem als Verwaltungsgebäude genutzt.[22][23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Koch: Die Düsseldorfer Gemäldegalerie. In: Bénédicte Savoy (Hrsg.): Tempel der Kunst. Die Geburt des öffentlichen Museums in Deutschland 1701–1815. Böhlau Verlag, Köln 2015, ISBN 978-3-412-22251-2, S. 151 ff.
  • Heino Pfannenschmid: Die Königliche Landesbibliothek zu Düsseldorf seit der Zeit ihrer Stiftung (März 1770) bis zu Gegenwart. In: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, Neue Folge, Band 2, Heft 2. Verlag von J. M. Heberle (H. Lempertz), Köln 1870, S. 373–431. (online bei Google Bücher)
  • Anton Fahne: Der Düsseldorfer Museumsbau. Düsseldorf 1876 (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Leopold Strauven: Ueber künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf bis zur Düsseldorfer Maler-Schule unter Direktor Schadow. Hofbuchdruckerei H. Voß, Düsseldorf 1862, S. 11.
  2. Als Florenz an den Rhein rückte mit einer ausführlichen Beschreibung der Gemäldegalerie
  3. Die Bildenden Künste, Artikel im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  4. a b Else Rümmler: Düsseldorf zur Zeit Johann Wilhelms und Anna Maria Luisas. In: Stadtmuseum Düsseldorf: Anna Maria Luisa Medici. Kurfürstin von der Pfalz. Aufsatz im Ausstellungskatalog, Verlag R. Meyer, Düsseldorf 1988, S. 32
  5. Karl Leopold Strauven: Ueber künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf bis zur Düsseldorfer Maler-Schule unter Direktor Schadow. Hofbuchdruckerei H. Voß, Düsseldorf 1862, S. 40.
  6. Manfred von Stosch: Düsseldorfs „öffentliche Bibliotheque“ 1770–1809. In: Gerhard Kurz (Hrsg.): Düsseldorf in der deutschen Geistesgeschichte (1750–1850), Verlag Schwann-Bagel, Düsseldorf 1984, S. 37, ISBN 3-590-30244-5
  7. Karl Leopold Strauven: Ueber künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf bis zur Düsseldorfer Maler-Schule unter Direktor Schadow. Hofbuchdruckerei H. Voß, Düsseldorf 1862, S. 24.
  8. Bust Anna Maria Luisa de’ Medici, Electress Paladine aus der Sammlung von Museum Kunstpalast, auf Google Arts & Culture
  9. Verkehrsverein Düsseldorf (Hrsg.): Führer durch Düsseldorf am Rhein und seine Umgebung. Düsseldorfer Verlags-Anstalt, Düsseldorf 1904, S. 9.
  10. Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. Band 2: Von der Residenzstadt zur Beamtenstadt (1614–1900). Schwann, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, S. 244.
  11. Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 5.
  12. Pfannenschmid 1870, S. 380f., 420f.
  13. Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 6f.
  14. Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 8.
  15. Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Dritter Band. I. Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf. Im Auftrage des Provinzialverbandes der Rheinprovinz. Düsseldorf 1894, S. 71
  16. Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 9f.
  17. Karl Woermann: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie, Düsseldorf 1880, S. 9.
  18. Karl Woermann: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie, Düsseldorf 1880, S. 14.
  19. Edmund Spohr, Hatto Küffner: Burg, Schloß und Galerie. Düsseldorf 2005, ISBN 3-933969-05-0, S. 129.
  20. Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 10.
  21. Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 11f.
  22. Jörg Gamer: Matteo Alberti: Oberbaudirektor des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, Herzogs zu Jülich und Berg etc., Düsseldorf: Schwann, 1978. (Die Kunstdenkmäler des Rheinlandes: Beih.; 18). ISBN 3-590-29018-8, S. 200.
  23. Sonja Schürmann: Burgplatz und Marktplatz zu Düsseldorf: Zwei historische Plätze der Altstadt. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 1988, ISBN 3-88094-598-5, S. 11f.

Koordinaten: 51° 13′ 35,7″ N, 6° 46′ 19″ O