Gemünden (Taunus)

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Gemünden
Gemeinde Weilrod
Wappen von Gemünden
Koordinaten: 50° 21′ 32″ N, 8° 24′ 20″ O
Höhe: 257 m ü. NHN
Fläche: 5,55 km² [LAGIS]
Einwohner: 486 (Jan. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Rod an der Weil
Postleitzahl: 61276
Vorwahl: 06083
Karte
Lage von Gemünden in Weilrod
Gemünden Heimatmuseum

Gemünden ist ein Ortsteil der Gemeinde Weilrod im hessischen Hochtaunuskreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemünden liegt im östlichen Hintertaunus des Naturpark Taunus. In der Dorfmitte ist der Zusammenfluss von Laubach und Sattelbach. Höchste Erhebung bei Gemünden ist der Hardtküppel mit 384 Metern NN.

Nachbarorte sind Emmershausen (westlich), Winden und Heinzenberg (nördlich), Laubach (nordöstlich) und Niederlauken (östlich).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf, in einem Talkessel gelegen, wird umgeben von Feldern und Wäldern. Urkundliche Ersterwähnung im Jahre 1402. In der Dorfmitte ist der Zusammenfluss von Laubach und Sattelbach. Unwetter und Überschwemmungen sorgten in der Gründerzeit immer für Katastrophen. Eines der ältesten Wohnhäuser, das heute noch bewohnt ist, erbaut im Jahre 1648, trägt die Balkeninschrift: Ehret die Scholle, sie gibt uns das Brot. Landwirtschaft und Handwerksbetriebe garantierten das täglich Einkommen der Bewohner. Schulische Ausbildung in der Volksschule, sowie einer Gewerbeschule, sorgten für das Wissen und Weiterbildung der Gemündener. Gasthäuser beherbergten viele Erholungssuchende.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich die Gemeinden Gemünden, Rod an der Weil sowie weitere Gemeinden am 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis zur Gemeinde Rod an der Weil zusammen, bevor diese Gemeinde am 1. August 1972 mit mehreren bis dahin selbstständigen Gemeinden durch ein Landesgesetz zur Gemeinde Weilrod zusammengeschlossen wurde.[2][3] Im Jahr 2002 feierte das Dorf seine 600-jährige Geschichte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste Gebäude des Ortes ist das Backhaus. Das massive Untergeschoss war ursprünglich eine Kapelle. Die Ersterwähnung ist datiert auf das Jahr 1580. Die Entstehung der Kapelle wird auf 100 bis 200 Jahre früher geschätzt. Damals stand am Zusammenfluss von Sattelbach und Laubach eine kleine Kapelle. Gottesdienste wurden nur sehr wenig in dieser Kapelle gehalten. Dadurch wurde die Kapelle baufällig und im Jahre 1828 zum Backhaus umgebaut. Im Jahre 1948 wurde dieses älteste Gebäude von Gemünden aufgestockt, zum Rathaus und Gemeindekasse ausgebaut. Nach der Gebietsreform im Jahre 1972 wurde das Heimatmuseum durch den Landfrauenverein Gemünden in den oberen Räumen errichtet. Viele Umbau- und Renovierungsarbeiten wurden schon an diesem Gebäude durchgeführt.

Erst im Jahre 1996 wurden bei erneuten Renovierungsarbeiten Wandmalereien aus dem Alten und Neuen Testament entdeckt. Anhand der verwendeten Farben datierte das hessische Amt für Denkmalschutz diese Malereien auf das 15. Jahrhundert. Von der exakteren Datierung der Wandgemälde erhoffen sich die Historiker eine exaktere Datierung der Erbauung der Kapelle.

Im folgenden Jahr, nach über 170-jähriger Unterbrechung, wurde wieder ein Gottesdienst in diesem Gebäude abgehalten. Dieser stand unter dem Bibeltext: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund“.[4]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Tourismus in Gemünden. Im März 1967 bildete sich ein Heimat- und Verkehrsverein. 1968 bestanden an Gasthäusern der "Burckhof" (34 Betten), "Zur Linde" (25 Betten), "Zur Sonne" (21 Betten) "Haus Anita" (9 Betten) und andere. In dieser Zeit wurde die Schutzhütte Philipps-Eiche, die heute noch bestehende, am Ortsrand von Gemünden liegende Wassertretanlage und ein Netz von Wanderwegen eingerichtet. Am 13. April 1974 erhielt der Ort von dem Hessischen Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen die Genehmigung, die Bezeichnung Staatlich anerkannter Erholungsort zu führen. In den folgenden Jahrzehnten ging die Bedeutung des Tourismus immer weiter zurück. Vermutlich um das Jahr 2000 herum verzichtete die Gemeinde auf die Wiederbewerbung als Staatlich anerkannter Erholungsort und verlor das Prädikat.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gemünden (Taunus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemünden im Internetauftritt der Gemeinde Weilrod, abgerufen am 25. März 2018.
  2. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen (GVBl. II Nr. 330-18) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 227, § 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen, S. 276
  4. Bruno Rühl: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein; in: Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2006, S. 86–87
  5. Frank Saltenbacher: Abkühlen und durchatmen; in: Taunuszeitung vom 8. März 2018, S. 15.