Gemeindepädagogik

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Gemeindepädagogik bezeichnet das pädagogische Handeln innerhalb der christlichen Gemeinde.

Gemeindepädagogik als Arbeitsbereich der Religionspädagogik hat zum Ziel, christliche bzw. theologische Inhalte und Wertvorstellungen im Alltag zu vermitteln. Die Arbeitsfelder der Gemeindepädagogik sind Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Arbeit mit Familien und Senioren, aber auch Seelsorge, karitative Tätigkeiten, Beratungsstellen sowie freizeit- und schulnahe Angebote. Gemeindepädagogik versteht sich dabei nicht als Ableitungshandeln der Theologie oder Pädagogik, sondern als eigenständiges kirchliches Theorie- und Praxisfeld.

Gemeindepädagoge ist eine Berufsbezeichnung für Menschen, die für diese Arbeitsfelder qualifiziert sind. Die Qualifikation zum Gemeindepädagogen / zur Gemeindepädagogin erlangt man

  • durch ein Studium der Gemeindepädagogik, Religionspädagogik oder Kirchlichen Gemeindepraxis (unter diesem Namen nur an evangelischen Hochschulen), evtl. auch der Sozialpädagogik
  • eine Ausbildung zum Diakon (zur Diakonin), oder
  • durch Weiterqualifizierung nach entsprechender Tätigkeit und Anerkennung durch die jeweilige Landeskirche bzw. den Bischof.

Gemeindepädagogen arbeiten in Kirchen- bzw. Pfarrgemeinden, Kirchenkreisen, Landeskirchen und Bistümern (z. B. Schulamt), karitativen Werken (Diakonie, Caritas, missio etc.), Schulen und Bildungseinrichtungen, oder selten auch freiberuflich.

Als Berufsbezeichnung wird „Gemeindepädagoge“ nur in der evangelischen Kirche verwendet. In der katholischen Kirche werden die verwandten Begriffe Religionspädagoge (Religionslehrer/in), Diakon und Pastoralassistent/in verwendet. Ein erheblicher Teil der genannten Tätigkeiten in Pfarren und Betreuungseinrichtungen wird jedoch auch von ehrenamtlichen Mitarbeitern erbracht.

In den ostdeutschen evangelischen Landeskirchen EKBO, EKM, und ELLM gibt es zudem das Berufsbild des/der ordinierten Gemeindepädagogen/in. Nach acht Semestern Studium an der Evangelischen Fachhochschule Berlin und einem Vikariat (zusammen mit TheologInnen) können GemeindepädagogInnen in den kirchlichen Dienst ordiniert werden. Dort nehmen sie auch pfarramtliche Dienste wahr und dürfen die Kasualien verwalten.

Siehe auch:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Perspektiven für diakonische und gemeindepädagogische Ausbildungs- und Berufsprofile. Tätigkeiten – Kompetenzmodell – Studium (EKD-Texte 118), hg. vom Kirchenamt der EKD, Hannover 2014.
  • Gottfried Adam, Rainer Lachmann (Hrsg.): Neues Gemeindepädagogisches Kompendium. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 3-899-71524-1.
  • Ferdinand H. Barth (Hrsg.): Unvollendete Reformation. Wege zur Gemeindepädagogik. Bogen, Darmstadt 1995, ISBN 3-920606-10-8.
  • Ferdinand H. Barth: Kirche und Gemeindepädagogik oder: Die gemeindepädagogische Frage nach der strukturellen Häresie der Pastorenkirche. Bogen, Darmstadt 1998, ISBN 3-920606-21-3.
  • Peter Bubmann/Götz Doyé/Hildrun Keßler/Dirk Oesselmann/Nicole Piroth/Martin Steinhäuser: Gemeindepädagogik (de Gruyter Studium), Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-022108-4.
  • Christian Grethlein: Gemeindepädagogik. de Gruyter, Berlin u. a. 1994, ISBN 3-11-013766-6.
  • Markus Printz: Grundlinien einer bibelorientierten Gemeindepädagogik. Pädagogische und praktisch-theologische Überlegungen, SCM R. Brockhaus, Witten 1996, ISBN 978-3-4172-9414-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]