Gemeiner Pfennig

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Der Gemeine Pfennig (auch: Reichspfennig) war eine Reichssteuer, die auf Betreiben Maximilians I. 1495 auf dem Reichstag zu Worms beschlossen wurde, um dem Kaiser die Mittel für die Kriege gegen Frankreich, gegen das Osmanische Reich und vor allem zum Unterhalt des Reichskammergerichts zu verschaffen.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung Gemeiner Pfennig bezieht sich auf die allgemeinere Bedeutung des Wortes Pfennig als Geld bzw. Geldabgabe, ähnlich dem Peterspfennig als Abgabe an die katholische Kirche bzw. den Papst in Rom. Gemein meint eine allgemeine Steuer bzw. Abgabe.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genau wie die anderen Projekte und Vorhaben Reformen im Heiligen Römischen Reich auf dem Wormser Reichstag von 1495 das Ergebnis der Entwicklungen und Diskussionen waren, die bereits seit Beginn des 15. Jahrhunderts andauerten, so steht der Gemeine Pfennig ebenso am Ende einer Reihe von Versuchen das immer drängendere Problem der Reichsfinanzen dauerhaft zu lösen.

Finanzierung der Kriege des Reiches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der bis zum 15. Jahrhundert übliche Gestellung von Reichsheeren konnten die zahlreichen militärischen Anforderungen nicht mehr gewährleistet werden, wie die Niederlagen gegen die Hussiten in den Jahren 1421 und 1422 zeigten. Außerdem fand in dieser Zeit, eine grundlegende Umwälzung im Militär statt. An die Stelle der Heere, die durch die Lehensnehmer gestellt wurden und dem Reich kaum Kosten verursachten, traten Söldnerheere mit moderner Militärtechnik. Diese Söldnerheere mussten aber besoldet werden, so dass dies zu einer ungeheuren Aufwertung des Geldes im Bewusstsein der Zeitgenossen führte und die Diskussion um die Kriegsfinanzen eine Triebfeder für die Steuerdiskussionen dieser Zeit wurde.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steuer wurde zunächst auf vier Jahre bewilligt. Die Steuer war so konzipiert, dass der (all-)gemeine Pfennig als eine Kopfsteuer von jedem Untertanen im Heiligen Römischen Reich über 15 Jahren, nach Vermögen gestaffelt erhoben werden sollte. Sie galt für die Einwohner aller Territorien.

Je nach persönlichem Status und Vermögen war sie als Kopf-, Einkommen- und Vermögensteuer gestaltet. Ihre Einziehung erfolgte durch die römisch-katholische Kirchenadministration, über die einzelnen Pfarreien.[3]

Gründe für das Scheitern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Berichte über Schwierigkeiten bei der Steuereintreibung sind im sogenannten „Buch der Gebrechen“ versammelt. Dieses ist ein Kompilat der den Steuereinnehmern in Frankfurt am Main mitgeteilten Probleme. So ersieht man aus diesen Berichten, dass sich im Hochstift Worms die Frage ergab, welcher Landesherr in den Kondominaten des Stiftes, also in den Gebieten, die von mehreren Herren verwaltet wurden, die Steuer eintreiben sollte. Ebenso ergaben sich Probleme bei Leibeigenen, wenn diese der Gerichtsbarkeit eines anderen Herren unterstanden, da diese sich mit dem Hinweis eines Verbotes der Steuerzahlung durch ihren Herren weigerten die Steuer zu entrichten. Andererseits wurde durch den Leibherren oft nicht versucht Leibeigene in fremden Gerichtsbezirken zur Steuer heranzuziehen. In den Städten weigerten sich Ordensleute und ritterschaftliche Adlige die Steuer zu zahlen und gelegentlich konnten die Gebiete nicht klar bestimmt werden, in denen bspw. Städte das Recht der Steuereintreibung besaßen. Besonders kläglich waren die Versuche des Deutschen Ordens die Steuer einzunehmen.[4]

Aus den Berichten im „Buch der Gebrechen“ wird ersichtlich, dass die Steuereintreibung immer dann besonders schwierig oder sogar unmöglich war, wenn die Herrschaftsverhältnisse in einem Gebiet nicht eindeutig waren. D. h. immer wenn nicht alle Hoheitsrechte, wie die Grund-, über die Leib- und Niedergerichtsbarkeitsherrschaft bis hin zur Hochgerichtsbarkeit, in einer Hand lagen, weigerten sich viele Herren anderen konkurrierenden Herrschaften das Recht der Steuereintreibung zuzubilligen, da mit dem Recht der Steuereintreibung, eigene obrigkeitliche Rechte tangiert wurden. Dies wurde noch dadurch unterstützt, dass nicht klar war, welche Befugnisse für die Steuereintreibung notwendig waren. Hinzu kam, dass durch eine Nichteintreibung der Steuer den Herrschaften keinerlei finanzielle Einbußen entstanden und dem Reich die exekutiven Möglichkeiten fehlten, um die Verweigerung der Steuerzahlung zu ahnden.[5]

Das Recht auf die Eintreibung der Steuer gegenüber anderen Obrigkeiten durchzusetzen, bedeutete einen Zugewinn an Macht und wurde als Präjudiz für andere obrigkeitliche Rechte angesehen. Deshalb wurde teilweise verbissen um dieses Recht gestritten und man verbat den eigenen Leibeigenen oder Vögten die Steuer zu entrichten oder gebot den Gemeinen Pfennig an diesen oder jenen zu entrichten. Angesichts der in den Quellen erscheinenden Probleme kann es als wahrscheinlich angesehen werden, dass der Gemeine Pfennig das Gegenteil erreichte, was mit diesem gewollt war. Nicht die fehlende oder wenig ausgeprägte Reichsbürokratie ließ den Gemeinen Pfennig scheitern, sondern sein grundlegendes Prinzip widersprach der bereits weit fortgeschrittenen Souveränität der Glieder des Reiches. Somit scheiterte, neben dem gesicherten Finanzstrom an das Reich, auch eines der weiteren gewünschten Ziele, den Reichsverband mit seiner ständischen Gliederung, vom Kaiser bis zum einfachen Bauern, zu stärken.[6]

Nachfolger des Gemeinen Pfennigs als Reichssteuer war der Kammerzieler, der aber nur der Finanzierung des Reichskammergerichtes diente.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Isenmann: The Holy Roman Empire in the Middle Ages. In: The Rise of the Fiscal State in Europe. ca. 1200–1815. Herausgegeben von Richard Bonney, Oxford 1999, S. 243–280, hier S. 265–267.
  • Eberhard Isenmann: Reichsfinanzen und Reichssteuern im 15. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Historische Forschung 7. 1980, S. 1–76, 129–218.
  • Peter Moraw: Der »Gemeine Pfennig«. In: Mit dem Zehnten fing es an. Herausgegeben von U. Schultz, 1986, S. 130–142.
  • Peter Schmid: Der gemeine Pfennig von 1495. Vorgeschichte und Entstehung, verfassungsgeschichtliche, politische und finanzielle Bedeutung (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 34. Band 34). Göttingen 1989.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historisches Lexikon der Schweiz: Artikel Gemeiner Pfennig. Abgerufen am 30. Juli 2018.
  2. Peter Schmid: Der gemeine Pfennig von 1495. Vorgeschichte und Entstehung, verfassungsgeschichtliche, politische und finanzielle Bedeutung (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 34. Band 34). Göttingen 1989, S. 16.
  3. Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation. Verlag der Weltreligionen, Frankfurt am Main / Leipzig 2009, ISBN 978-3-458-71024-0, S. 41–54
  4. Peter Blickle: Gemeiner Pfennig und Obrigkeit (1495). In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 63, Nr. 2, 1976, S. 180–193, hier S. 184 ff.
  5. Peter Blickle: Gemeiner Pfennig und Obrigkeit (1495). In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 63, Nr. 2, 1976, S. 180–193, hier S. 187.
  6. Peter Blickle: Gemeiner Pfennig und Obrigkeit (1495). In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Band 63, Nr. 2, 1976, S. 180–193, hier S. 192 f.