Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
CPLP Logo.svg
CPLPmapDetail.png
Mitgliedstaaten der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder Angola, Brasilien, Guinea-Bissau, Kap Verde, Mosambik, Osttimor, Portugal, São Tomé und Príncipe
Amtssprache Portugiesisch
Sitz Lissabon
Generalsekretär Murade Isaac Miguigy Murargy
Fläche 10.742.000 km²
Bevölkerung 223 Millionen
Gründung 1996

Die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (portugiesisch: Comunidade dos Países de Língua Portuguesa oder CPLP) ist ein multilaterales Forum für Freundschaft und Zusammenarbeit unter den portugiesischsprachigen Ländern. Die Mitgliedstaaten sind Portugal und ehemalige Kolonien Portugals. In allen Mitgliedstaaten ist Portugiesisch Amtssprache.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Bereits im August 1965 hatte Portugals damaliger Diktator António de Oliveira Salazar Brasilien die Bildung einer Gemeinschaft „für die Sicherstellung und Verteidigung des nationalen Erbes“ vorgeschlagen. Diese Gemeinschaft, der auch Portugals Kolonien angehören sollten, hätte im Südatlantik die Rolle einer Großmacht spielen sollen.[1] Doch Brasilien orientierte sich mehr auf die USA und die portugiesischen Kolonien befanden sich im Aufstand. Nur Adhemar Perreira de Barros, der Gouverneur des bevölkerungsreichsten Bundesstaates Sao Paulo, erwärmte sich für die Idee und schlug im Januar 1966 Portugal die Bildung eines „luso-brasilianischen Staatenbundes“ vor. Portugiesisches Kapital sollte die brasilianische Inflation aufhalten und in die Entwicklung brasilianischer Ressourcen investiert werden, Brasilien sollte Portugal dafür bei der Behauptung der Kolonien und der Bekämpfung des Kommunismus helfen.[2] Noch im gleichen Jahr aber wurde de Barros abgesetzt, lediglich ein portugiesisch-brasilianischer Vertrag über wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit wurde 1966 abgeschlossen.

Noch während der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974 bemühte sich Portugals Staatspräsident António de Spínola, den verlorenen Kolonialkrieg in Afrika durch die Umwandlung des Kolonialreiches in eine plurikontinentale luso-brasilianisch-afrikanische Föderation beenden und die afrikanischen Völker so von der Forderung nach vollständiger Unabhängigkeit abbringen zu können.

Erst ab 1983, lange nach der Nelkenrevolution, die den afrikanischen Kolonien die Unabhängigkeit brachte, normalisierte sich das Verhältnis Portugal zu den ehemaligen Kolonien und erste Vorschläge einer lusophonen Zusammenarbeit wurden diskutiert. 1986 wurde der 1966 geschlossene Kooperationsvertrag zwischen Brasilien und Portugal verlängert.

Mitglieder[Bearbeiten]

Nationalparlament Osttimors mit den Nationalflaggen der CPLP-Mitglieder

Die CPLP wurde im Jahr 1996 durch die sieben Länder Angola, Brasilien, Guinea-Bissau, Kap Verde, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe gegründet. Nach der Unabhängigkeit von Indonesien im Jahre 2002 trat auch Osttimor der Gemeinschaft bei. Am 13. Juli 2007 hat Äquatorialguinea Portugiesisch als eine seiner Amtssprachen angenommen, um in geraumer Zeit ebenfalls beitreten zu können.

Die Mitgliedstaaten haben zusammen mehr als 223 Millionen Bewohner und umfassen eine Fläche von 10.742.000 km², was etwas größer als die USA oder Kanada ist.

Beobachterstatus[Bearbeiten]

In einigen ehemaligen Kolonien Portugals entstanden Kreolsprachen, die aus dem Portugiesischen hervorgingen. Seit 2006 haben Äquatorialguinea und Mauritius den Status eines assoziierten Beobachters inne, seit 2008 auch Senegal. Auch Macao strebt dies an.

Macao war bis 1999 eine portugiesische Überseeprovinz und noch heute ist Portugiesisch eine der Amtssprachen. Da Macao nun eine Sonderverwaltungszone Chinas ist, bat die Volksrepublik 2006 um den Beobachterstatus.

Die Gemeinschaft[Bearbeiten]

Die Gemeinschaft befindet sich im Aufbau, denn sie ist eine Organisation von Ländern, die voneinander sehr wenig wissen und „nur“ durch eine gemeinsame Sprache verbunden sind, wohingegen große Entfernungen und kulturelle Unterschiede die acht Staaten, die auf verschiedenen Kontinenten liegen, trennen. Faktisch jedoch gibt es keine gemeinsamen Organe und auch das Budget der Gemeinschaft ist nur symbolisch.

Seit seiner Gründung hat die CPLP in Guinea-Bissau und São Tomé und Príncipe bei der Überwindung innerer Krisen nach Staatsstreichen geholfen und hat die Einführung von politischen und wirtschaftlichen Reformen unterstützt. Eine darüber hinaus von den Kapverden vorgeschlagene gemeinschaftliche Staatsbürgerschaft wurde jedoch von Portugal (indirekt auch von Brasilien) vorerst abgelehnt.

Die CPLP hat ihren Sitz in Lissabon, wo ein Generalsekretär alle zwei Jahre gewählt wird. Generalsekretär von 2008 bis 2012 war Domingos Simões Pereira aus Guinea-Bissau. Sein Nachfolger ist Murade Isaac Miguigy Murargy aus Mosambik. Die notwendigen Finanzmittel stellen größtenteils die acht Mitgliedsstaaten. Am Sitz der Gemeinschaft sind mit eigenen Botschaftern bereits Brasilien, Guinea-Bissau und Portugal vertreten. Osttimor hat die Entsendung eines Botschafters für die CPLP angekündigt.

Obwohl portugiesischsprachig trat Mosambik neben der CPLP gleichzeitig auch dem Commonwealth of Nations bei.

Liste der Generalsekretäre[Bearbeiten]

IV. Konferenz der Staats- und Regierungschefs der CPLP in Brasília, 1. August 2002
Name Von Bis Land
Marcolino Moco 17. Juli 1996 Juli 2000 Angola
Dulce Maria Pereira Juli 2000 1. August 2002 Brasilien
João Augusto de Médicis 1. August 2002 April 2004 Brasilien
Zeferino Martins (Interims) April 2004 Juli 2004 Mosambik
Luís de Matos Monteiro da Fonseca Juli 2004 Juli 2008 Kap Verde
Domingos Simões Pereira Juli 2008 September 2012 Guinea-Bissau
Murade Issac Murargy September 2012 Gegenwart Mosambik

Anwärter auf eine Mitgliedschaft[Bearbeiten]

Da die galicische Sprache wie die portugiesische Sprache ihren Ursprung in der galicisch-portugiesischen Sprache hat, gibt es in Galicien Bemühungen der CPLP beizutreten.

Osttimors Präsident José Ramos-Horta nannte im November 2008 einen Beitritt Indonesiens zur Gemeinschaft eine gute Idee. Das Land habe durch die Kolonialzeit eine Beziehung zu Portugal. Auch seien tausende portugiesische Lehnwörter in Bahasa Indonesia vorhanden. Auch einen Beitritt Malaysias könne sich Ramos-Horta aufgrund der Geschichte Malakkas vorstellen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Rosenberg (Hrsg.): Die Welt 1966 – Daten, Fakten und Informationen des Jahres 1965, Seite 448. Dietz Verlag Berlin 1966
  2. Werner Rosenberg (Hrsg.): Die Welt 1967 – Daten, Fakten und Informationen des Jahres 1966, Seite 130. Dietz Verlag Berlin 1967

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]