Gemeinschaftsgarten

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Ein Gemeinschaftsgarten ist ein als Garten genutztes Stück Land, das von einer Gruppe von Personen gemeinsam genutzt und bewirtschaftet wird.

Gemeinschaftsgarten in Ottawa, 2005

Beschreibung[Bearbeiten]

Gemeinschaftsgärten sind kollektiv betriebene Gärten in der Tradition der Community gardens. Die Grundstücke befinden sich meistens in der Stadt. Oft sind die Gärten öffentlich zugänglich. Der rechtliche Status ist sehr unterschiedlich. Es kann sich um Besetzungen handeln, es können aber auch Privatgrundstücke sein oder öffentliche Gelände. Die Initiatoren und Träger der Gemeinschaftsgärten können ebenfalls sehr verschieden sein: Nachbarn, politische Gruppen, Kirchen, Schulen und Guerilla-Gärtner. Dies hängt unmittelbar mit den jeweiligen Zielen sowie den örtlichen und regionalen Bedingungen, Bedürfnissen und den betreibenden Interessengruppen zusammen. Viele Gemeinschaftsgärten haben sich beispielsweise bereits mit dem Ziel des interkulturellen Gärtnerns zusammengefunden. Hier gärtnern Menschen unterschiedlichster nationaler Herkunft miteinander. Die Gemeinschaftsgärten entstanden zum einen aus einem neu erwachten Bedürfnis nach der Produktion eigener gesunder Lebensmittel (insbesondere in den Großstädten), aber auch mit dem Ziel des Austausches untereinander, nicht nur über gärtnerisches Alltags- und Fachwissen, und eben der Pflege von Gemeinschaftsleben. Viele Gärten entstanden durch öffentliche Förderung, aber mit dem Ziel der Erhaltung aus eigener Kraft. Nicht alle Gemeinschaftsgärten sind jedoch dauerhaft gesichert.

Besondere Formen[Bearbeiten]

Eine weitere Form des Gemeinschaftsgartens ist Gardensharing (auch Landsharing), bei dem ein Grundbesitzer einem Gärtner (oder mehreren) Zugang zu Land, in der Regel einem Garten ermöglicht, um Nahrungsmittel anzubauen. Dies kann in einer vertraglich geregelten Beziehung zwischen zwei Personen (Personen im rechtlichen Sinn: es kann sich auch um Gruppen von Menschen oder juristische Personen handeln) oder über die Vermittlung durch ein Web-basiertes Projekt erfolgen. Land zu teilen ist keine Schenkökonomie sondern der Share Economy zuzuordnen. Ermöglicht wird der rasche Zugang zur Nutzung von Erde, wenn Gemeinschaftsgärten nicht oder nur über Wartelisten genutzt werden können.

Eine Sonderform des Gemeinschaftsgartens ist der Gemeinschaftsdachgarten.[1]

In vielen Städten sind so genannte Mobile Gemeinschaftsgärten anzutreffen. Charakteristisch des Mobilen sind folgende Eigenschaften:

Hochbeet aus umgebauten Paletten mit Bigbag.
Palette auf Steinblöcke. Kontaminierter Boden mit Tennisplatzsand überdeckt.
  • Es wird Brachland in der Innenstadt verwendet, dass im Regelfall nur temporär Brachland sein kann, aber dafür kostenlos oder gegen geringe Miete befristet überlassen wird.
  • Der komplette Garten wird mobil gehalten in dem alle Pflanzen nicht in den Boden gepflanzt werden, sondern auf Transportpaletten, Kisten, Fässern oder Säcken. Der komplette Gemeinschaftsgarten kann so umziehen, sobald das Brachland als Bauland genutzt werden soll. Bevorzugt werden Hochbeete auf Paletten, weil diese besonders gut per Gabelstapler umziehen können. Oft werden diese Paletten auf Steinblöcke gelegt, damit die Bodenfeuchtigkeit nicht das Holz angreift.
  • Sehr oft werden Mobile Gemeinschaftsgärten auf kontaminierte Böden angelegt, weil dieses Brachland erst durch eine aufwendige Sanierung als Bauland genutzt werden kann. Charakteristisch an dieser Situation ist, dass oft der Boden zunächst mit einer unbedenklichen Schutzschicht überzogen werden muss ggf. oft auch mit einer Folie als Trennschicht um bei der Sanierung nicht die Entsorgungsmenge zu erhöhen. Das pflanzen in Paletten ist hier auch erforderlich damit das Wurzelwerk nicht mit dem kontaminierten Böden in Berührung kommt.
  • Da ein mobiler Gemeinschaftsgarten auf temporären Brachland angelegt wird, sollte der mobile Gemeinschaftsgarten möglichst ohne ortsgebundene Investitionen errichtet werden. Hilfreich ist hier die Nutzung von Abfällen aus der Wirtschaft die sonst entsorgt werden müssten wie zum Beispiel Transportpaletten von Baustellen, Bigbag aus der Lebensmittelindustrie oder jährlich ausgetauschter Tennisplatzsand (bspw. als Schutzschicht gegenüber kontaminierten Boden).

Beispiele[Bearbeiten]

Rosa Rose (Berlin)[Bearbeiten]

Ein Beispiel für einen Gemeinschaftsgarten ist Rosa Rose in Berlin. Seit Mai 2004 nutzten Nachbarinnen und Nachbarn gemeinsam eine etwa 2000 m² große, aus drei Grundstücken bestehende Fläche im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, einem Bezirk mit nur wenigen innerstädtischen Grünflächen. Ein großer Teil dieser Fläche ist im Sommer 2008 geräumt worden, die verbliebenen Gemeinschaftsgartennutzer versuchten, mit Hilfe einer Unterschriftenkampagne, den Fortbestand ihres Gartens zu sichern. 2009 wurde jedoch auch der übrige Teil der Fläche geräumt.[2] Inzwischen ist Rosa Rose umgezogen und macht auf neuer Fläche weiter.

Neuland (Köln)[Bearbeiten]

Als Mobiler Gemeinschaftsgarten ist Neuland 2011 entstanden und wird inzwischen durch eine Stiftung unterstützt in dessen Folge 1,5 Stellen finanziert sind. Es ist ein großer Gemeinschaftsgarten der sich in die Richtung eines „OpenAir Bürgerzentrums“ entwickelt. Besonderes Merkmal ist dass eine beliebte Wegabkürzung mitten durch den Garten geht wodurch eine leichtere soziale Interaktion möglich ist.

Entwicklungsländer[Bearbeiten]

Cooperative Alamar, Kuba, im Film Voices of Transition

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit spielen Gemeinschaftsgärten eine wachsende Rolle, da sie helfen, den weit verbreiteten Mangel an Mikronährstoffen zu überwinden und darüber hinaus den Zusammenhalt der Beteiligten stärken können.[3] In Kubas Landwirtschaft spielen Gemeinschaftsgärten und landwirtschaftliche Kooperativen seit Beginn der 1990 eine wichtige Rolle für die Versorgung der Landwirtschaft.[4][5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christa Müller (Hrsg.): Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. Oekom-Verlag, München 2011, 350 S., ISBN 978-3-86581-244-5
  • Marit Rosol: Gemeinschaftsgärten in Berlin: Eine qualitative Untersuchung zu Potenzialen und Risiken bürgerschaftlichen Engagements im Grünflächenbereich vor dem Hintergrund des Wandels von Staat und Planung. Taschenbuch, Verlag Mensch & Buch, Berlin 2006, ISBN 978-3866640764
  • Elisabeth Schwiontek: Grünes Glück: Gärten erobern die Großstädte. Goethe Institut 2008, abgerufen am 28. Februar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Vereins Dachgärten für alle e.V.
  2. Beleg Räumung Rosa Rose
  3. Hans-Heinrich Bass, Klaus von Freyhold und Cordula Weisskoeppel: Wasser ernten, Bäume schützen. Ernährungssicherung im Sahel, Bremen 2013
  4. The Avery Diet: The Hudson Institute’s Misinformation Campaign Against Cuban Agriculture (PDF; 339 kB). Online publication: Funes, Altieri & Rosset, abgerufen am 4. Januar 2013.
  5. Jack Fairweather, Christina Asquith: How Can Cuba’s Sustainable Agriculture Survive the Peace? In: The Solutions Journal. Volume 1, Issue 2, S. 56–58.