Genetischer Fehlschluss

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Als genetischer Fehlschluss (englisch genetic fallacy, fallacy of origins oder fallacy of virtue) bezeichnet man in der Philosophie ein Fehlschluss-Argument, bei dem die Ursprungs- und Entstehungsumstände einer These die Wahrheit oder Falschheit eines Arguments nahelegen.[1]

Die Bezeichnung genetic fallacy ist hierbei auf das Buch Logic and Scientific Method von Morris Raphael Cohen und Ernest Nagel aus dem Jahr 1934 zurückzuführen.[2]

Logische Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

a) Der Ursprung der Aussage ist angegeben.

b) Also ist die Aussage entweder falsch oder wahr.[3]

Unterarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Variante ist das Autoritätsargument, bei dem eine Aussage automatisch als wahr angenommen wird, da sie von einer Autorität stammt.[4] Das bedeutet, dass jedes Autoritätsargument ein genetischer Fehlschluss ist, aber nicht jeder genetische Fehlschluss ein Autoritätsargument. Auch beim Argumentum ad hominem wird eine These durch Aufgriff der persönlichen Umstände oder Eigenschaften angegriffen. Insofern entscheidet auch hier der persönliche Ursprung einer These über die Akzeptanz oder Ablehnung einer Aussage.[1][4]

Eine andere Variante ist der Fehlschluss-Fehlschluss, bei dem eine Aussage aufgrund eines Fehlschlusses in der Argumentation als falsch angenommen wird.[4] Eine Schlussfolgerung kann jedoch richtig sein, auch wenn die vorherigen Prämissen falsch sind oder inhaltlich abgelehnt werden.

Bayessche Ausnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn sich die Aussagen einer Quelle sehr häufig als falsch herausstellen, so können die Aussagen dieser Quelle ignoriert werden.[4] Die Zeit, die benötigt wird, um die Aussagen zu falsifizieren, ist anders besser angelegt.[4]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich kommt für den Ursprung Verschiedenes in Frage: Autoritäten, Mythologien, Traditionen oder die Natur.


Vom Ursprung und Ende der Metaphysik (Ernst Topitsch):[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die europäische Philosophie sehr stark vom Existentialismus geprägt. Die Metaphysik spielte in den damaligen Diskursen eine ganz zentrale Rolle, die für viele Studierende schwer nachvollziehbar war. Im Gegensatz dazu kamen etwa Theoretische Philosophie und Logik zu kurz. Als 1957 Ernst Topitsch “Vom Ursprung und Ende der Metaphysik” schrieb, war dies eine Sensation. Topitsch versuchte zu zeigen, dass die frühen Vorstellungen (aus der griechischen Philosophie) auf mythologischen Ideen und Bildern (biomorphe, soziomorphe und technomorphe Analogien) beruhen und auf eine merkwürdige Art und Weise entstanden seien. So wird z. B. die Entstehung der Welt biomorph auf einen Zeugungsakt zwischen Sonne und Mond zurückgeführt. Topitsch erklärte die Metaphysik deshalb für haltlos, weil sie auf unwissenschaftliche Vorstellungen zurückzuführen sei. In seiner Argumentation sind Strukturen erkennbar, die auf genetische Fehlschlüsse hinweisen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genetic Fallacy. In: Logically Fallacious. Abgerufen am 13. März 2017 (englisch).

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Engel, S. M., Soldan, A., & Durand, K. (2007). The Study of Philosophy. Rowman & Littlefield
  1. a b genetic. In: Your Fallacy Is. Abgerufen am 13. März 2017 (englisch).
  2. Ted Honderich: The Oxford Companion to Philosophy. Oxford University Press, 1995, ISBN 978-0-19-866132-0 (englisch).
  3. Rowman & Littlefield Publishing Group. Abgerufen am 7. November 2019.
  4. a b c d e genetic fallacy. In: Rational Wiki. Abgerufen am 13. März 2017 (englisch).
  5. Argumentationstheorie. In: https://philosophie.oehunigraz.at/files/2010/08/Kamitz_Argumentationstheorie.pdf. 2010, abgerufen am 7. November 2019.