Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung

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Die Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung bezeichnet bei Frauen auftretende, anhaltende oder wiederkehrende Schwierigkeiten in Bezug auf die gewünschte vaginale Penetration während des Geschlechtsverkehrs.[1] Auch das Einführen anderer Objekte in die Vagina, wie Finger, Tampon oder Spekulum bei gynäkologischen Untersuchungen, kann beeinträchtigt sein.[2] Die Diagnose setzt sich aus den beiden Diagnosen Vaginismus und Dyspareunie zusammen und existiert seit der Vorstellung des DSM-5 im Jahr 2013.

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zentralen Symptome der genito-pelvinen Schmerz-Penetrationsstörung sind Probleme beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen im Genital- und Beckenbereich, Angst vor Schmerzen oder vaginaler Penetration sowie eine Anspannung der Beckenbodenmuskulatur.[1]

Während der vaginalen Penetration oder dem Versuch der Penetration treten bei Betroffenen deutliche vulvovaginale oder Beckenschmerzen auf. Die Genito-Pelvine Schmerz-Penetrationsstörung ist charakterisiert durch eine deutliche Furcht oder Angst vor Schmerzen in Erwartung von, während oder als Folge vaginaler Penetration.[1] Damit einhergehend kann bei Frauen mit genito-pelviner Schmerz-Penetrationsstörung ein phobisches Vermeidungsverhalten in Hinblick auf Penetrationsversuche in unterschiedlichen Kontexten auftreten. Im Extremfall werden jegliche Stimuli und Situationen vermieden, die mit Sexualität, insbesondere vaginaler Penetration, assoziiert sind.[3][4]

Die genito-pelvine Schmerz-Penetrationsstörung bereitet den Betroffenen und ihren Partnern oftmals auch eine Einschränkung der Lebensqualität. Die Symptomatik kann beeinträchtigend auf Emotionen, Kognitionen, Körper und Verhalten einwirken und bei den betroffenen Frauen zu einem hohen Leidensdruck führen. Zu den primären Beweggründen einer Behandlung zählen darüber hinaus oftmals ein unerfüllter Kinderwunsch sowie partnerschaftliche Probleme.[5][6][7]

Die Entstehung der Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GPSPS-Diagnose entstand im Zuge der Überarbeitung der Sektion zu sexuellen Funktionsstörungen im Klassifikationssystem DSM-5 durch Zusammenfassung der Störungsbilder Vaginismus und Dyspareunie. Diese Entscheidung resultierte aus den wissenschaftlichen Befunden, dass sich beide Störungsbilder nicht reliabel differenzieren lassen. Gegenüber der Hervorhebung von vaginalen Muskelspasmen in den DSM-4-Diagnosekriterien für Vaginismus liegt der Schwerpunkt nun auf Penetrationsproblemen, da ein empirischer Nachweis des Muskelspasmus bei Vaginismus nicht erbracht werden konnte.[8][9]

Darüber hinaus ist die Angst vor Schmerzen und vaginaler Penetration charakteristisch für Vaginismus, was ebenfalls für eine Überlappung mit Dyspareunie spricht.[8][10][11] Betroffene Frauen berichten zudem häufig ein geringes Selbstwertgefühl sowie Gefühle der Minderwertigkeit und Wertlosigkeit in Bezug auf Sexualität.[11][12]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es sich bei der Genito-Pelvinen Schmerz-Penetrationsstörung um ein recht junges Krankheitsbild handelt, sind noch wenig Behandlungsangebote verfügbar. Ein Behandlungsangebot der Universität Erlangen-Nürnberg setzt auf eine Kombination aus verhaltenstherapeutischen Techniken, Beckenbodentraining und Einführungsübungen.[13][14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5®). 5th ed. American Psychiatric Publishing, Washington 2013, ISBN 978-0-89042-555-8 (englisch).
  2. Rosemary Basson: Rethinking low sexual desire in women. In: BJOG: An International Journal of Obstetrics and Gynaecology. Band 109, Nr. 4, 2002, S. 357–363, doi:10.1111/j.1471-0528.2002.01002.x.
  3. Elke D. Reissing et al.: Vaginal spasm, pain, and behavior: an empirical investigation of the diagnosis of vaginismus. In: Archives of sexual behavior. Band 33, Nr. 1, 2004, S. 5–17, doi:10.1023/B:ASEB.0000007458.32852.c8.
  4. Weijmar W. C. M. Schultz, H. B. M. van de Weil: Assistance with decision-making. In: Journal of psychosomatic obstetrics and gynaecology. Band 26, Nr. 2, 2005, S. 83–84.
  5. J. J. Drenth: Vaginismus and the desire for a child. In: Journal of Psychosomatic Obstetrics & Gynecology. Band 9, Nr. 2, 2009, S. 125–137, doi:10.3109/01674828809016795.
  6. J. J. Drenth et al.: Connections between primary vaginismus and procreation: some observations from clinical practice. In: Journal of psychosomatic obstetrics and gynaecology. Band 17, Nr. 4, 1996, S. 195–201.
  7. Michelle E. Tulla et al.: Vaginismus and failed in vitro fertilization. In: Sexual and Relationship Therapy. Band 21, Nr. 4, 2006, S. 439–443, doi:10.1080/14681990600855059.
  8. a b Yitzchak M. Binik: The DSM diagnostic criteria for vaginismus. In: Archives of sexual behavior. Band 39, Nr. 2, 2010, S. 278–291, doi:10.1007/s10508-009-9560-0.
  9. J. van der Velde, E. Laan, W. Everaerd: Vaginismus, a component of a general defensive reaction. an investigation of pelvic floor muscle activity during exposure to emotion-inducing film excerpts in women with and without vaginismus. In: International urogynecology journal and pelvic floor dysfunction. Band 12, Nr. 5, 2001, S. 328–331.
  10. Joana Carvalho, Armando Luis Vieira, Pedro Nobre: Latent structures of female sexual functioning. In: Archives of sexual behavior. Band 41, Nr. 4, 2012, S. 907–917, doi:10.1007/s10508-011-9865-7.
  11. a b H. S. Kaplan: The classification of the female sexual dysfunctions. In: Journal of sex & marital therapy. Band 1, Nr. 2, 1974, S. 124–138, doi:10.1080/00926237408405280.
  12. Barbro Wijma, Klaas Wijma: A cognitive behavioural treatment model of vaginismus. In: Scandinavian Journal of Behaviour Therapy. Band 26, Nr. 4, 1997, S. 147–156, doi:10.1080/16506079708412484.
  13. Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie: Paivina Care. Website des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Erlangen-Nürnberg. Abgerufen am 15. Juni 2016.
  14. Paivina-Care: Selbsthilfe bei Vaginismus. Website des Online-Trainings Paivina Care. Abgerufen am 15. Juni 2016.