Gennadi Andrejewitsch Sjuganow

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Gennadi Sjuganow im Jahr 2018
Unterschrift von Gennadi Sjuganow

Gennadi Andrejewitsch Sjuganow (russisch Геннадий Андреевич Зюганов, wiss. Transliteration Gennadij Andrejevič Zjuganov; * 26. Juni 1944 in Mymrino, Oblast Orjol) ist ein russischer Politiker und seit dem 14. Februar 1993 Vorsitzender des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF).

Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss der Schule 1961 arbeitete er zunächst ein Jahr als Lehrer, bevor er sich 1962 an der Staatlichen Universität Orjol einschrieb und dort Mathematik und Physik studierte. Von 1963 bis 1966 leistete er seinen Militärdienst bei der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland ab, verließ die Armee im Range eines Reserve-Oberst der chemischen Kampftruppen und schloss das wiederaufgenommene Studium 1969 mit Auszeichnung ab. 1966 trat er in die KPdSU ein und war seit 1967 als Funktionär im Komsomol tätig. 1972 wurde Sjuganow Erster Sekretär des Oblastkomitees Orjol des Komsomol, von 1974 bis 1983 war er Zweiter Sekretär des Stadtparteikomitees von Orjol sowie Sekretär des Kreiskomitees der KPdSU im Kreis Orjol. Gleichzeitig war er Abgeordneter des Stadtsowjets von Orjol (1973–1977) sowie des Orjoler Oblastsowjets (1980–1983). Ab 1983 arbeitete er in der Abteilung für Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der KPdSU, 1989 wurde er stellvertretender Leiter der ZK-Abteilung für ideologische Fragen, wie die Abteilung für Agitation und Propaganda ab 1988 hieß.

Nach der Auflösung der KPdSU war Sjuganow 1993 einer der Gründer der neuen Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPdRF) und ist seit dem 14. Februar 1993 Vorsitzender von deren Zentralkomitee. Ebenfalls seit 1993 ist er Mitglied der Duma, bei den Präsidentschaftswahlen 1996 und 2000 kandidierte er als Kandidat der KPRF. 1996 erreichte er im ersten Wahlgang 32,0 % und im zweiten Wahlgang 40,3 %, 2000 im ersten Wahlgang 29,2 % (bei dieser Wahl wurde Wladimir Putin bereits im ersten Wahlgang gewählt). 2008 und 2012 kandidierte er erneut für das Amt des Präsidenten, blieb jedoch beide Male chancenlos (18,5 % 2008 und 17,7 % 2012).

Politische Positionen und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 gehörte Sjuganow zu den Unterzeichnern des offenen Briefes mit dem Titel Ein Wort an das Volk.

Anlässlich des 80. Geburtstags von Michail Gorbatschow bezeichnete Sjuganow diesen als „Verräter“ und „Zerstörer“, der mit schweren politischen Fehlern die Auflösung der Sowjetunion verschuldet habe.[1]

Zum Geburtstag von Josef Stalin legte Sjuganow Blumen an der Kremlmauer nieder.[2]

Sjuganow sorgte für Aufregung, als er zum Mord am US-amerikanischen Botschafter J. Christopher Stevens erklärte, dass dieser „wie ein Hund“ erschossen worden sei.[3]

Während der Krimkrise befürwortete Sjuganow die russische Annexion der Krim. Er verglich seine Freude darüber mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Weltraumflug Juri Gagarins.[4]

Im Februar 2016 sagte er, alles was in der Russischen Föderation noch funktioniere, stamme aus Sowjetzeiten; der Öl- und Gas-Komplex und die Raumfahrt, militärische und industrielle Leistungen.[5]

Privatleben und Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gennadi Sjuganow im Gespräch mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew (Juni 2008)

Der ethnische Russe Gennadi Sjuganow stammt aus einer Lehrerfamilie. Sein Vater Andrei Michailowitsch Sjuganow (1910–1990) war während des Zweiten Weltkrieges Artilleriekommandeur bei der Roten Armee. Nach dem Krieg wurde er Mittelschullehrer. Seine Mutter Marfa Petrowna (1915–2004) war Grundschullehrerin.

Gennadi Sjuganow ist seit 1967 mit Nadeschda Iwanowna Sjuganowa (geborene Amelitschewa) verheiratet. Aus der Ehe sind zwei Kinder hervorgegangen: Sohn Andrei (* 1968) und Tochter Tatjana (* 1974). Darüber hinaus hat Sjuganow eine Enkeltochter und sieben Enkelsöhne.

In seiner Freizeit beschäftigt sich Sjuganow mit Volleyball, Billard und Blumenzucht.

Ungeachtet seiner kommunistischen Einstellung ist Gennadi Sjuganow bekennender russisch-orthodoxer Christ.[6] Am 12. September 2014 überreichte ihm Kyrill I. den kirchlichen Orden der Ehre und der Würde (Slavy i Česti (III)).[7]

Im Juni 2012 überlebte Sjuganow einen Herzinfarkt. Medienangaben zufolge erlitt er den Herzinfarkt am 4. Juni 2012 während eines Urlaubs in Kislowodsk.[8]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genadi Sjuganow: Globalisierung. Sackgasse oder Ausweg? Neue Impulse Verlag, Essen 2001. ISBN 3-910080-28-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 80. Geburtstag: Gorbatschow ist bedrückt über Russland. In: fr-online.de. 2. März 2011, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  2. [1]
  3. https://www.rt.com/politics/tomorrow-us-outraged-russian-456/
  4. [2]
  5. Sjuganow kritisierte Putin bezüglich Lenin und der Unterminierung der russischen Staatlichkeit, Interfax, 2. Februar 2016
  6. http://www.zavtra.ru/cgi/veil/data/zavtra/00/328/14.html (Memento vom 28. Juli 2013 im Internet Archive)
  7. www.mr7.ru
  8. www.topnews.ru

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gennadi Andrejewitsch Sjuganow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien