Gentleman’s Relish

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Eine geöffnete Dose Gentleman’s Relish
Sandwiches: Getoastetes Weißbrot bestrichen mit Gentleman’s Relish
Scotch Woodcock, typisch angerichtet

Gentleman’s Relish [ˈdʒentəlmənz ˈrelɪʃ] (Audio-Datei / Hörbeispiel Anhören?/i), alternativ Lateinisch als Patum Peperium (Audio-Datei / Hörbeispiel Anhören?/i) bezeichnet, ist eine 1828 erfundene und seit 1860 kommerziell erhältliche Anchovipaste, die in der Englischen Küche traditionell als Relish dünn auf randloses, getoastetes Weißbrot gestrichen, als Würzmittel für das Gericht Scotch woodcock oder zur Verfeinerung von Rühreimasse verwendet wird.[1]

Entstehung, Zusammensetzung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paste wurde 1828 vom Engländer John Osborn in Paris entwickelt, der sie erstmals 1849 auf der dortigen Lebensmittelmesse vorstellte, erneut 1855 präsentierte und dann dafür mit einem Preis ausgezeichnet wurde (im Original „Citation Favorable“, auf Deutsch sinngemäß „bemerkenswertes Produkt“).[1] Nach seiner Rückkehr 1860 vertrieb Osborn die Paste in Großbritannien als Patum Peperium (Lateinisch für „Pfefferpaste“), obgleich diese weder Pfeffer enthält noch pfeffrig schmeckt.[1] Der Name hat sich als alternative Bezeichnung für das Produkt bis heute gehalten und ist auf dem Deckel der Verpackung mit abgedruckt. Gentleman’s Relish wurde umgehend zum festen Bestandteil der Küche im Viktorianischen Zeitalter.[2]

Die sehr salzige Paste besteht aus mindestens 60 % gekochten und pürierten Anchovis, die ihr einen stark fischigen Geruch verleiht, verschiedenen Kräutern, Gewürzen und Butter. Die genaue Rezeptur gilt als Firmengeheimnis.[1]

Bis 1949 gehörte Gentleman’s Relish zum Standardwürzmittel der Gastronomie im Britischen Parlament; ab den 1950er Jahren setzte dann ein Geschmackswandel ein und die Paste wurde dort nicht mehr für Zubereitungen verwendet.[3] Das Relish ist noch heute Standardwürzmittel der Gentlemen’s Clubs an den Universitäten in Cambridge und Oxford für die Zubereitung von herzhaften Sandwiches.[4]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die knappe Anweisung zur Verwendung auf dem Deckel der Dosen lautet seit 1860 unverändert: „Delicious on hot toast“ (auf Deutsch „Köstlich auf getoastetem Weißbrot“).

Daneben kann die Paste zu den zerschlagenen Eiern gegeben werden als würzende Zutat für Rührei. Ähnlich ist die Verwendung für das Gericht Scotch woodcock, das aus Rührei mit Petersilie auf geröstetem Toast besteht, das zuvor mit Gentleman’s Relish bestrichen wurde und auf das zusätzlich Anchovis gelegt werden.[3]

Gentleman’s Relish eignet sich auch als würzende Zutat bei der Herstellung einer Farce, als Zugabe in die Pfanne beim Abbraten von Hackfleisch zur Hervorhebung des Fleischgeschmacks, zusammen mit Butter auf Jacket Potatos und auf Pizza als Anchovi-Ersatz.[5] Manche britischen Kochbücher empfehlen, Steaks mit etwas Gentleman’s Relish zu bestreichen, ebenfalls zur Betonung des Rindfleischaromas.[6]

Die Paste wird in Großbritannien auch auf Cracker gestrichen und als Knabberei gegessen.[7]

Hersteller und Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1971 wurde die Rezeptur von einem Nachkommen John Osbornes an den Lebensmittelhersteller Elsenham Quality Foods verkauft. Dieser entwickelte das Rezept weiter und bot zusätzlich zum traditionellen Gentleman’s Relish auch eine Mischung mit französischem Senf an.

Heute gehört die Marke zur 1879 gegründeten G. Costa & Co. Ltd.,[8] die ihrerseits Teil des Konzerns Associated British Foods Plc ist. Neben der Paste aus Anchovis existiert in ähnlicher Form eine Paste aus Lachs und eine aus Makrele desselben Herstellers.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Artikel zum „Gentleman’s Relish“, aufgerufen am 2. Februar 2017.
  2. Isabella Beeton: Mrs. Beeton's Book of Household Management. Oxford University Press, 2000. ISBN 0192833456.
  3. a b J. H. Wilcox: The kitchen and refreshment rooms of the House of Commons. Journal of Parliamentary Affairs. Band III (2), London 1949, Seiten 316–320.
  4. Ursula Aylmer, Carolyn McCrum: Oxford Food: An Anthology. Ashmolean Museum, 2005. Seite 26. ISBN 1854440586.
  5. National Trust: Gentleman's Relish: And Other English Culinary Oddities. A Gourmet's Guide. Anova Books, 2007. Seite 12f. ISBN 1905400551.
  6. Tonia George: The Ginger & White Cookbook. Mitchell Beazley, 2014. ISBN 9781845338756.
  7. Verzehrempfehlung von Sainsbury's zum Gentleman’s Relish, abgerufen am 2. Februar 2017.
  8. Auszug aus dem Firmenregister, abgerufen am 2. Februar 2017.