Gentlemen’s Agreement

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Ein Gentlemen’s Agreement ist eine auf gegenseitigem Vertrauen beruhende, meist mündliche Vereinbarung.

Nach dem Grundsatz aus dem römischen Rechtpacta sunt servanda“ (dt. Verträge sind einzuhalten) sind auch mündliche Verträge zu erfüllen; unter einem Gentlemen’s Agreement versteht man aber im deutschen Recht eine Vereinbarung, die nicht gerichtlich durchsetzbar sein soll. Die Erfüllung der Vereinbarung hängt somit maßgeblich von der Vertrauenswürdigkeit der Partner ab, die Nichterfüllung kann lediglich mit sozialen Sanktionen geahndet werden. Im juristischen Sprachgebrauch handelt es sich also gerade nicht um einen echten Vertrag. In seiner Entscheidung vom 21. Mai 1927 hat das Reichsgericht festgestellt, dass, wenn es um ein formbedürftiges Rechtsgeschäft geht, diese Form nicht dadurch ersetzt werden kann, dass eine Partei ihr „Wort als Edelmann“ gibt – der Vertrag ist dennoch unwirksam (sogenannter Edelmannfall). [1]

Ein Beispiel für ein Gentlemen’s Agreement ist auch heute noch der internationale Diamantenhandel. Dabei wird der Handel mit Edelsteinen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar oft per Handschlag verabredet. Sobald ein Vertragspartner nicht seinen Pflichten nachkommt, wird er innerhalb dieser elitären Gruppe geächtet und ausgeschlossen. Da der Markt überschaubar und die Teilnehmer auch sozial eng verbunden sind, bedeutet dies für den Betreffenden das geschäftliche und auch gesellschaftliche Aus in der Diamantenbranche.[2]

Informelle Verabredung zum Rassismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskriminierung und Rassismus wird häufig unter der Bezeichnung Gentlemen's Agreement verabredet und beschlossen. Im amerikanischen Post-Bürgerkriegs-Baseball wurde die Rassenschranke für afrikanisch-amerikanische Spieler nicht niedergeschrieben, sondern nach der Verpflichtung zweier afrikanisch-amerikanischer Spieler, Moses Fleetwood Walker und seines Bruders, in mündlichen Übereinkommen der Major Leagues beschlossen.[3]

In der geschlossenen Gesellschaft (Closed Society) des US-Bundesstaates Mississippi existierte bis in die 60er Jahre das ungeschriebene Gesetz (Unwritten Law), das auch als Gentlemen's Agreement bezeichnet wurde. Dieses Gesetz verbot während der zweiten Reconstruction staatlich geförderten Bildungseinrichtungen sportliche Wettbewerbe zwischen weißen und schwarzen Athleten. Als Resultat durften Sieger der Southeastern Conference nicht am NCAA-Meisterschaftsturnier teilnehmen, ohne zu befürchten, die staatliche Förderung zu verlieren.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Az. V 476/26 = RGZ 117, 121 ff., lorenz.userweb
  2. Diamantenfieber. In: Der Tagesspiegel. 3. März 2013, abgerufen im 10. Juli 2016.
  3. Leslie Heaphy: Cuban Giants. Black Baseball's Early Sports Stars. in: Separate Games. African American Sport behind the Walls of Segregation. herausgegeben von David K. Wiggins und Ryan A. Swanson. Fayetteville, 2016: The University of Arkansas Press. ISBN 978-1-68226-017-3 (Seiten 3–18, in Englisch).
  4. Jason A. Peterson: Full Court Press. Mississippi State University, the Press, and the Battle to Integrate College Basketball. Jackson, 2016: University Press of Mississippi. ISBN 978-1-4968-0820-2 (Seite 21f, in Englisch).
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