Geoinformatik

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Die Geoinformatik ist die Lehre vom Wesen und der Funktion raumbezogener Informationen (Geoinformation) sowie ihrer Erfassung, Vernetzung (Internet), Mobilisierung und Navigation (Smartphone), Speicherung, Analyse, und Visualisierung. Sie ist ein Teilgebiet der angewandten Informatik und bildet die wissenschaftliche Grundlage für Location Based Apps (LBA), Geodateninfrastrukturen und für Geoinformationssysteme (GIS). Die industrielle Dimensionen wird (ähnlich der Informatik und IT) als GeoIT bezeichnet, da die Anzahl der Endnutzer beispielsweise der Navigation praktisch jeden Konsumenten umfasst. Allen Anwendungen der Geoinformatik gemeinsam ist ihr Bezug auf räumliche Fragestellungen und damit zur Grundfrage „Wo?“.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschieden wird zwischen dem Fach Geoinformatik, das Teilgebiet der Geografie bzw. der Geodäsie ist, und dem Studiengang Geoinformatik Bachelor.

Das Erstere befasst sich damit, wie Software die Arbeit der Geowissenschaftler unterstützt. Es benützt bodenbezogene Datenbanken (Geoinformationssysteme). Als Master- bzw. Diplomstudium ist die Geoinformatik häufig mit dem Vermessungswesen bzw. der Kartografie kombiniert.

Das Studium der Geoinformatik stellt also zumeist eine Schnittmenge von Informatik, Geodäsie (Geodäsiestudium) bzw. dem Geographiestudium dar. Als Wissenschaft ist die Geoinformatik ausgesprochen interdisziplinär und verbindet u. a. mehrere Geowissenschaften, die Raumplanung oder Teile von Biologie und Umweltschutz. Als angewandte Informatik verknüpft sie Informatik mit erdwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Seit dem Markteintritt von Google Maps und der Entwicklung von OpenStreetMap stehen die Endverbraucher direkt oder indirekt über Web und Apps im Fokus.

Studienbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Studiengang tritt in den Hochschulen in drei verschiedenen Bereichen auf:

Modul Geoinformatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es tritt zumeist im ersten oder zweiten Semester des Geographiestudiums auf[1]. Als verschiedene Varianten. Man lernt aktuelle Softwaresysteme kennen, die Geodaten managen, analysieren und visualisieren. Es werden keine Algorithmen oder aufwendiger Mathematik benötigt[2].

Bachelorstudiengang Geoinformatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kombination aus den Fächern des Bachelorstudienganges Geographie und Informatik[3]. Regelstudienzeit 6 Semester. Es ist eine Kombination aus Modulen der Geographie und der Informatik.

Das Institut für Geographie lehrt die geographischen Module: Humangeographie, Geoinformatik, Kartographie, etc. Während das Institut fuer Informatik die Informatik Module lehrt: Programmierkurs, Informatik 1-3

Master Geoinformatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Vertiefungsrichtung im Rahmen des Master of Science "Geographie". Wird von dem Fachbereich Geographie betreut.

In 4 Semester lernt man unter anderem[4]:

  • Geoinformationssysteme (GIS) und davon abgeleitete Fachinformationssysteme sowie jünger 3D-GIS und Mobile GIS
  • OpenGIS und Interoperabilität zwischen GIS und Standardsoftware
  • Aufbau von Geodateninfrastrukturen
  • Multimediale Anwendungen in den Geowissenschaften, vor allem Geoinformationssysteme und Visualisierungen von Geodaten im Internet
  • Computergestützte Kartografie und Digitale Kartografie
  • Satellitengestützte Navigation und Bestimmung von Lagekoordinaten (GPS) und damit verbunden die digitale Datenerfassung im Gelände
  • digitale Bildverarbeitung von Fernerkundungsdaten

Studienorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studiengänge werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz an einigen Hochschulen auf Bachelor-, Master und z. T. auch auf Doktoratsniveau angeboten. Wichtige diesbezügliche Universitäts- und Hochschulstandorte im deutschen Sprachraum sind:

Postgraduale Fernstudien auf Masterniveau bieten die Hochschule Anhalt und die Universität Salzburg an.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentliche Inhalte der Geoinformatik sind:

  • Navigation als wichtigste und bekannteste Nutzung.
  • Komponenten für zukünftig autonome navigierende Fahrzeuge.
  • Technologieteilgebiete: GeoIT Industrie (z. B. Google Maps, HERE, Tomtom), GeoIT Community (über OpenStreetMap) und staatlichen Dienste (z. B. Vermessungsämter)
  • Entwicklung und Management von Geodatenhaltungskomponenten für Geoinformationen (Geodatenmanagement)
  • Erfassung, Modellierung und Analyse von Geoinformationen
  • Visualisierung und Präsentation von Geoinformationen
  • (internetbasierte) Verbreitung der Geoinformationen

Teilgebiete der Geoinformatik sind u. a.:

Anwendungsgebiete der Geoinformatik nach Ehlers [5]:

  • Anlagenmanagement, Versorgungsnetzwerke
  • Business Geomatics (eMarketing, Planung, Verkauf)
  • 3D-Visualisierung, augmented reality
  • E-Commerce, eMobilien
  • Geodatendienste (Webservices, SDI)
  • Gesundheitswissenschaften (epidemiologische Analysen)
  • Integriertes Verkehrsmanagement (Verkehrsnavigation, Scheduling)
  • Kartendesign und -produktion, Kataster
  • Management natürlicher Ressourcen und Landnutzung
  • Mobile Location Based Apps (LBA), Location Based Services
  • Öffentliche Planung und Entwicklung
  • Risiko-Prüfung (Katastrophen, anthropogene/natürliche Gefährdung)
  • Standortanalyse und -planung
  • Telekommunikationsplanung
  • Umweltstudien und -verträglichkeit

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert de Lange: Geoinformatik in Theorie und Praxis 2. Auflage. Springer, Berlin 2005 ISBN 978-3-540-28291-4.
  • Ralf Bill: Grundlagen der Geo-Informationssysteme. 5. Auflage. Wichmann, Berlin / Offenbach 2010, ISBN 978-3-87907-489-1.
  • Ralf Bill, Marco Lydo Zehner: Lexikon der Geoinformatik. Wichmann, Heidelberg 2000, ISBN 3-87907-364-3.
  • Norbert Bartelme: Geoinformatik: Modelle, Strukturen, Funktionen. 4. Auflage. Springer, 2005, ISBN 3-540-20254-4
  • Michael Herter, Björn Koos: Java & GIS. Programmierung – Beispiele – Lösungen, Wichmann, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-87907-379-5.
  • Klaus Kummer, Josef Frankenberger: Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen 2013 Wichmann, Berlin 2012, ISBN 978-3-87907-523-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einrichtungen, Organisationen, Verbände und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Modulhandbuch Geographie Universität Augsburg Seite 7, Musterstudienplan Bachelorstudiengang
  2. Modulhandbuch Geographie Universität Augsburg Seite 18, Lernziele
  3. B.Sc. Geoinformatik Universität Augsburg Unter: Aufbau
  4. Geoinformatik Master of Science, Universität Osnabrück Unter: Gegenstand des Faches
  5. Ehlers, Manfred: "Ist es Zeit für eine wissenschaftliche Disziplin Geoinformatik?", Institut für Geoinformatik und Fernerkundung (IGF) der Universität Osnabrück (http://www.giub.uni-bonn.de/giscience/GI.pdf (Memento vom 7. März 2007 im Internet Archive))