Geoinformatik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Geoinformatik ist die Lehre vom Wesen und der Funktion raumbezogener Informationen (Geoinformation) sowie ihrer Erfassung, Vernetzung (Internet), Mobilisierung und Navigation (Smartphone), Speicherung, Analyse, und Visualisierung. Sie ist ein Teilgebiet der angewandten Informatik und bildet die wissenschaftliche Grundlage für Location Based Apps (LBA), Geodateninfrastrukturen und für Geoinformationssysteme (GIS). Die industrielle Dimensionen wird (ähnlich der Informatik und IT) als GeoIT bezeichnet, da die Anzahl der Endnutzer beispielsweise der Navigation praktisch jeden Konsumenten umfasst. Allen Anwendungen der Geoinformatik gemeinsam ist ihr Bezug auf räumliche Fragestellungen und damit zur Grundfrage „Wo?“.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschieden wird zwischen eigenständigen Studiengängen und Kombinationen mit anderen Teilgebieten, wie Informatik, Geodäsie und Geografie.

Ein wichtiger Inhalt ist der Entwurf und die Entwicklung von GeoIT-Software Komponenten um z. B. Verbraucher Navigation, aber auch Fachanwendung wie Autonomes Fahren und andere klassische Kataster zu unterstützt. Daher stellen viele Studiengänge eine Kombination mit anderen Fachrichtung als Binde-Strich-Fach dar. Die Studiengänge und Standorte können anhand dies o. g. Bezugs zu anderen Fachgebieten deutlich unterschieden werden.

Das Studium der Geoinformatik stellt also zumeist eine Schnittmenge von Informatik, Geodäsie (Geodäsiestudium) bzw. dem Geographiestudium dar. Als Wissenschaft ist die Geoinformatik ausgesprochen interdisziplinär und verbindet u. a. mehrere Geowissenschaften, die Raumplanung oder Teile von Biologie und Umweltschutz. Als angewandte Informatik verknüpft sie Informatik mit erdwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Seit dem Markteintritt von Google Maps und der Entwicklung von OpenStreetMap stehen die Endverbraucher direkt oder indirekt über Web und Apps im Fokus. Die Geoinformatik mit Ihrem Teilbereich Navigation ist ein Hauptbestandteil des Autonomen Fahrens.

Studienbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Studiengang tritt in den Hochschulen in drei verschiedenen Bereichen auf:

Modul Geoinformatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es tritt zumeist im ersten oder zweiten Semester des Geographiestudiums auf[1]. Als verschiedene Varianten. Man lernt aktuelle Softwaresysteme kennen, die Geodaten erzeugen, publizieren, transportieren, integrieren, mobilisieren, analysieren und visualisieren.

Bachelorstudiengänge Geoinformatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kombination aus den Fächern des Bachelorstudienganges Geographie und Informatik[2]. Regelstudienzeit 6 Semester. Es ist eine Kombination aus Modulen der Geographie und der Informatik.

Masterstudiengänge Geoinformatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 4 Semester lernt man unter anderem[3]:

  • GeoIT (LBA, GDI, GIS) und davon abgeleitete Fachinformationssysteme sowie jünger 3D-GIS und Mobile Navigation
  • Opengeospatial und Interoperabilität
  • Aufbau von Geodateninfrastrukturen, wie zum Beispiel OpenStreetMap und EU INSPIRE
  • Mobile APIs, wie Android mit Ortung und Karten
  • Satellitengestützte Navigation und Bestimmung von Lagekoordinaten (GPS) und damit verbunden die digitale Datenerfassung im Gelände

Studienorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studiengänge werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz an einigen Hochschulen auf Bachelor-, Master und z. T. auch auf Doktoratsniveau angeboten. Wichtige diesbezügliche Universitäts- und Hochschulstandorte im deutschen Sprachraum sind:

Postgraduale Fernstudien auf Masterniveau bieten die Hochschule Anhalt und die Universität Salzburg an.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wesentliche Inhalte der Geoinformatik sind:

  • Navigation als wichtigste und bekannteste Nutzung.
  • Komponenten für zukünftig autonome navigierende Fahrzeuge.
  • Technologieteilgebiete: GeoIT Industrie (z. B. Google Maps, HERE, Tomtom), GeoIT Community (über OpenStreetMap) und staatlichen Dienste (z. B. Vermessungsämter)
  • Entwicklung und Management von Geodatenhaltungskomponenten für Geoinformationen (Geodatenmanagement)
  • Erfassung, Modellierung und Analyse von Geoinformationen
  • Visualisierung und Präsentation von Geoinformationen
  • (internetbasierte) Verbreitung der Geoinformationen

Teilgebiete der Geoinformatik sind u. a.:

Anwendungsgebiete der Geoinformatik nach Ehlers [4]:

  • Anlagenmanagement, Versorgungsnetzwerke
  • Business Geomatics (eMarketing, Planung, Verkauf)
  • 3D-Visualisierung, augmented reality
  • E-Commerce, eMobilien
  • Geodatendienste (Webservices, SDI)
  • Gesundheitswissenschaften (epidemiologische Analysen)
  • Integriertes Verkehrsmanagement (Verkehrsnavigation, Scheduling)
  • Kartendesign und -produktion, Kataster
  • Management natürlicher Ressourcen und Landnutzung
  • Mobile Location Based Apps (LBA), Location Based Services
  • Öffentliche Planung und Entwicklung
  • Risiko-Prüfung (Katastrophen, anthropogene/natürliche Gefährdung)
  • Standortanalyse und -planung
  • Telekommunikationsplanung
  • Umweltstudien und -verträglichkeit

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert de Lange: Geoinformatik in Theorie und Praxis 3. Auflage. Spektrum Springer, Berlin / Heidelberg 2013 ISBN 978-3-642-34806-8.
  • Ralf Bill: Grundlagen der Geo-Informationssysteme. 6. Auflage. Wichmann, Berlin / Offenbach 2016, ISBN 978-3-87907-489-1.
  • Ralf Bill, Marco Lydo Zehner: Lexikon der Geoinformatik. Wichmann, Heidelberg 2000, ISBN 3-87907-607-3.
  • Norbert Bartelme: Geoinformatik: Modelle, Strukturen, Funktionen. 4. Auflage. Springer, 2005, ISBN 3-540-20254-4
  • Michael Herter, Björn Koos: Java & GIS. Programmierung – Beispiele – Lösungen, Wichmann, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-87907-379-5.
  • Klaus Kummer, Josef Frankenberger: Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen 2013 Wichmann, Berlin 2012, ISBN 978-3-87907-523-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Geoinformatik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einrichtungen, Organisationen, Verbände und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Modulhandbuch Geographie Universität Augsburg Seite 7, Musterstudienplan Bachelorstudiengang
  2. B.Sc. Geoinformatik Universität Augsburg Unter: Aufbau
  3. Geoinformatik Master of Science, Universität Osnabrück Unter: Gegenstand des Faches
  4. Ehlers, Manfred: "Ist es Zeit für eine wissenschaftliche Disziplin Geoinformatik?", Institut für Geoinformatik und Fernerkundung (IGF) der Universität Osnabrück (http://www.giub.uni-bonn.de/giscience/GI.pdf (Memento vom 7. März 2007 im Internet Archive))