Georg Dröscher

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Georg Dröscher, auch Georg Droescher, (17. September 1854 in Puschkau1945[1][2]) war ein deutscher Theaterschauspieler, -leiter, Opernregisseur, Übersetzer, Librettist und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dröscher, der Sohn eines Wirtschaftsdirektors (und/oder Landwirts)[A 1], absolvierte zunächst von 1865 bis 1874 das Gymnasium in Schweidnitz und studierte danach vier Semester Jurisprudenz in Breslau und Prag; das Studium brach er jedoch 1876 wegen seiner Neigung zum Theater ab. Er schloss sich einer kleinen schlesischen Schmiere an, die auf Teilung spielte. Als „Knecht Conrad“ in Die Lieder der Musikanten betrat er zum ersten Mal die Bühne (dramatischen Unterricht hat ihm Heinrich Oberländer erteilt).

Nachdem er auf mehreren kleinen Bühnen tätig gewesen war, kam er 1876 nach Görlitz, von dort nach Bremen 1879 (Antrittsrolle „Horatio“ im Hamlet), hierauf nach Hannover 1880 (Antrittsrolle „Fourchambaoult jun.“), hierauf nach Sigmaringen (Antrittsrolle „Don Cäsar“ in Braut von Messina). Dann finden wir ihn in Mannheim (Antrittsrolle „Loris Ipanoff“ in Feodora), von wo er einem Rufe ans Oldenburger Hoftheater Folge leistete (Antrittsrolle „Buyk“ im Egmont).

Dort fand er nicht nur als Künstler unbedingte Anerkennung, sondern betätigte sich auch als Oberregisseur und artistischer Leiter. Bei seinem Scheiden von dieser Kunststätte (1885–1896) wurde er vom Großherzog in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied des Hoftheaters ernannt.

Er begab sich hierauf nach Berlin, wo er in den Verband des Berliner Theaters (1891) trat (Antrittsrolle „Prosper“ in Der letzte Brief). 1896 engagierte in Ludwig Barnay an das Theater in der Charlottenstraße als Oberregisseur. 1897 pachtete er das Belle-Alliance-Theater, seine Direktionszeit dort war vom 1. November 1897 bis zum 26. Januar 1899. Am 30. April 1899 trat er im Belle-Alliance-Theater als „Conrad Bolz“ zum letzten Mal als Darsteller vor das Publikum.

1899 erhielt er einen Antrag von Bolko von Hochberg, General-Intendant der königlichen Schauspiele in Berlin, als Oberregisseur der Oper und Dramaturg ans königliche Schauspielhaus Berlin, dem er auch Folge leistete. Dieses Theater befriedigte ihn finanziell, nicht künstlerisch, und so übernahm er 1906 trotz Gelegenheit die Leipziger Oper nicht und blieb aus rein finanziellen Gründen in Berlin, da er sich den Berliner Verhältnissen künstlerisch angepasst hatte. Nach Barnays Ausscheiden 1908 wurde er interimistischer künstlerischer Leiter.

Im November 1915 wurde Dröschers Vertrag auf Bitte des neuen Generalintendanten Georg von Hülsen-Haeseler zum Jahr 1917 gelöst, da dieser einen jüngeren Mann als Leiter haben wollte (Dröscher war zu diesem Zeitpunkt 62 Jahre alt). Er erhielt einen Pensionsanspruch von 4.900 Mark, der ihm vom zuständigen Minister auf 4.800 Mark (18.500 Euro) gekürzt wurde mit der gleichzeitigen Auflage, eine Berufstätigkeit nachzuweisen. Er schied zwar vom Bühnenpersonal, war danach aber weiterhin für die Königlichen Theater tätig.

Als im Jahr 1918 die Hofbühnen zu Staatstheatern umgewandelt wurden, wurde er am 19. November 1918 neben Richard Strauss zum künstlerischen Leiter gewählt, allerdings entledigte man sich seiner schnell mit der Berufung von Max von Schillings, ein persönlicher Freund von Strauss.

1919 wurde ihm sein Beamtenstatus entzogen, seine Pension erhielt auf Grund eines privatrechtlichen Vertrages noch bis dieser 1924 endete. Da er sich nunmehr in einer finanziell bedrohlichen Lage befand, bot man ihm eine Tätigkeit ab 1. März 1923 in der Theaterbibliothek und im Archiv an. Dies war vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung mit dem Finanzministerium abgestimmt. Seine tägliche Arbeitszeit betrug vier Stunden. Dort blieb er bis mindestens 1937.

Dröscher, der sich als Bonvivant und Konversationsliebhaber den Namen eines gewandten und denkenden Schauspielers erworben hatte (zu seinen besten Rollen zählten: „Bolz“, „Graf Waldemar“, „Reif-Reifflingen“, „Prunells“ in Cyprienne, „Mercutio“, „Clavigo“, „Don Cäsar“, „Erster Jäger“ in Wallensteins Lager etc.), bewährte sich auch in seiner neuen Stellung als geschmackvoller, feinsinniger Künstler.

Dröscher war auch als Autor, Übersetzer und Librettist tätig.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus zweiter Ehe! (1884)
  • Der Roland von Berlin; [Textbuch] Oper von Ruggero Leoncavallo Übersetzung und Neubearbeitung aus dem Italienischen (1904)[3]
  • Der Satansweg: Komische Oper in 2 Akten; [Textbuch] / Musik von François-Adrien Boieldieu. Übersetzung und Neubearbeitung aus dem Französischen (1913)
  • Gustav Freytag in seinen Lustspielen (1919)
  • Der Schinkelbau (1921)
  • Statistischer Rückblick auf die künstlerische Tätigkeit und die Personalverhältnisse während der Zeit vom 1. Januar 1886 bis 31. Dezember 1935 (1936)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Todesjahr laut Neue Deutsche Biographie
  2. Todesjahr laut deutsche-biographie.de
  3. Der Roland von Berlin im International Music Score Library Project

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landwirtssohn nach Freydank, das schließt sich aber nicht automatisch aus, der Vater könnte Wirtschaftsdirektor eines landwirtschaftlichen Betriebes gewesen sein
Eisenberg Lexikon Einband – Ausschnitt.png Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Ludwig Eisenbergs Großem biographischen Lexikon der deutschen Bühne im 19. Jahrhundert, Ausgabe von 1903.
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