Georg Franzius

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Georg Albrecht Nicolas Ludwig Friedrich Franzius (* 5. Juni 1842 in Aurich; † 5. Dezember 1914 in Kiel) war ein deutscher Ingenieur und Wasserbauer.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Großvater war der Wasserbaudirektor und Domänenrat Johann Nikolaus (Jan Niclas) Franzius (1761–1825) aus Aurich. Seine Eltern waren Carl Egbert Franzius (1798–1884) - Oberamtmann in Wittmund, später in Fürchtenau - und dessen Ehefrau Charlotte Friederica Bütemeister, eine Tochter des Oberamtmanns von Diepholz Ernst Bütemeister.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Franzius wuchs mit sieben Geschwistern auf. In seiner Berufsentscheidung für den Wasserbau wurde Georg Franzius wohl von seinem älteren Bruder Ludwig Franzius beeinflusst, der sich später um den Ausbau Bremens zum Welthafen verdient machte. Georg Franzius studierte ab 1859 Wasserbau an der Technischen Hochschule Hannover und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Nachdem er 1865 in Zürich Diplom-Ingenieur geworden war, arbeitete er in Celle und Osnabrück als hannoverscher Wasserbauführer.

Kiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1871 wechselte er als nunmehr preußischer Regierungsbaumeister nach Kiel, das 1865 Marinestation der Ostsee und 1871 Reichskriegshafen geworden war. Die Königliche Werft auf dem Ostufer wurde 1871 die Kaiserliche Werft, aus der die Howaldtswerke-Deutsche Werft hervorging. Am 5. Oktober 1871 heiratete Franzius die Westpreußin Therese Ottilie Streckfuß.

Als Baggerarbeiten bei Ellerbek 1876 Funde ältester Siedlungen zutage brachten, sorgte Franzius für ihre Sicherung und Dokumentation.

Als 1881 das Projekt eines Nord-Ostsee-Kanals als Ersatz für den Schleswig-Holsteinischen Kanal wieder aufgegriffen wurde, sollten die Brüder Franzius klären, ob der Kanal besser in die Kieler Förde oder in die Eckernförder Bucht münden sollte. Trotz erheblicher Mehrkosten wurde 1887 die Kieler Lösung beschlossen. Der Kaiser-Wilhelm-Kanal wurde am 21. Juni 1895 eröffnet.

Seit Dezember 1877 Oberingenieur und seit dem 31. Mai 1878 Ressortdirektor der Kaiserlichen Werft, wurde Franzius 1890 zum Oberbaurat und 1893 zum Geh. Marine-Baurat ernannt. 1910 entwarf er die Stahlkonstruktion der werfteigenen Schwebefähre (abgerissen 1923), die ein Wahrzeichen der Stadt Kiel wurde. An der 1888 fertiggestellten Marineakademie und -schule (Kiel) lehrte er Wasserbau.

Donau, Leer und China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sein Bruder ein Gutachten zur Regulierung der Unteren Donau erstellen sollte, reiste Georg mit ihm nach Rumänien und Serbien und durch Bulgarien nach Konstantinopel und zurück über Saloniki. 1895 bat ihn die Stadt Leer (Ostfriesland) um ein Gutachten zum Ausbau ihrer Hafenanlagen. Für die schwierige und langwierige Planung in Leer, das in Emden einen eifersüchtigen Konkurrenten hatte, war Franzius besonders hilfreich.

1897 sandte man Georg mit seinem Kollegen und Neffen Franz Franzius nach Ostasien, um an Chinas Küste einen geeigneten Marinestützpunkt auszuwählen. Sie bereisten die Küste bis nach Tientsin und Hanku im Nordosten des Landes. Die wichtigste Aufgabe für Franzius war die Erkundung der Kiautschou-Bucht als Stützpunkt des Deutschen Reiches in Ostasien. Seine überzeugende Berichterstattung zu allen wichtigen Voraussetzungen eines Marinestützpunktes brachte ein klares Votum für Kiautschou. Am Aufbau der Kolonialstadt Tsingtau hatte Franzius keinen Anteil mehr.

Wohlfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kieler Werftarbeitern von jeher für seine Fürsorge beliebt, widmete sich Franzius mehr und mehr der Wohlfahrt. Das überaus starke Anwachsen der Kieler Bevölkerung verlangte einen sorgsamen Wohnungsbau in der Nähe der Arbeitsstätten, wenn gesundes Wohnen ermöglicht und das Sozialgefüge erhalten werden sollten. Franzius gehörte dem Wohlfahrtsverein der Kaiserlichen Werft an, der im nahen Gaarden seit 1881 einen Werftpark anlegte. Der Park gehört heute zu Ellerbek. 1898/99 entstand ein großzügiges Erholungshaus mit Festsaal, Bibliothek und Lesesaal. Seit 1892 war Franzius im Aufsichtsrat des 1889 gegründeten Ellerbeker Arbeiterbauvereins, seit 1899 dessen Vorsitzender. 1903/04 fiel das idyllische Fischerdorf Alt-Ellerbek der Werft zum Opfer. Die Einwohner wurden umgesiedelt. Auf Veranlassung von Franzius erwarb die Werft eines der schönsten Fischerhäuser mit Geldern aus dem Wohlfahrtsverein, ließ es abtragen und im Werftpark unweit des Erholungshauses wieder errichten.

Ruhestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Mai 1907 wurde Franzius zum Wirkl. Geh.Admiralitätsrat ernannt und pensioniert. Nach 36 Jahren auf dem Ostufer der Förde zog er in das gegenüberliegende Villenviertel Düsternbrook. Vier Monate nach Beginn des Ersten Weltkrieges mit 72 Jahren gestorben, wurde Franzius auf dem Kieler Garnison-Friedhof beerdigt.

Franzius war Mitarbeiter am Handbuch der Ingenieurwissenschaften und Mitglied der Preußischen Akademie des Bauwesens. 1907 folgte er dem Angebot, die Wünschelrute zu erforschen. Von der heftigen Kritik an seinem Aufsatz Meine Beobachtungen mit der Wünschelrute im Zentralblatt des Bauwesens unbeirrt, wirkte er im Verband zur Klärung der Wünschelrutenfrage.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seekanäle, Strommündungen und Seehäfen. Leipzig 1894. Nachdruck Bremen 2010
  • Handbuch der Ingenieurwissenschaften, Teil 3: Der Wasserbau. Leipzig
  • Einige Vorsuche über die Einwirkungen elektrischer Leitungen auf den Rutengänger. Stuttgart 1913
  • Kiautschou. Deutschlands Erwerbung in Ostasien. Schall & Grund, Berlin 1898. (Digitalisat: [1])

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]