Georg Friedrich Haas

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Georg Friedrich Haas (* 16. August 1953 in Graz) ist ein österreichischer Komponist. Er ist Enkel des Architekten Fritz Haas.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen ist Georg Friedrich Haas in Tschagguns (Vorarlberg). Er studierte 1972 bis 1979 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Komposition (u. a. bei Iván Eröd und Gösta Neuwirth), Klavier (Doris Wolf) und Musikpädagogik. Haas ist Gründungsmitglied der Grazer Komponistenvereinigung die andere saite. Von 1981 bis 1983 studierte Haas bei Friedrich Cerha in Wien.[2] Er nahm mehrmals an den Darmstädter Ferienkursen und am „Stage d'Informatique Musicale pour compositeur“ am IRCAM in Paris teil.

Georg Friedrich Haas lehrte zunächst als Dozent und später mit Unterbrechungen als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz u. a. die Fächer zeitgenössische Kompositionstechniken und Kontrapunkt. Seit Herbst 2005 ist er außerdem Dozent für Komposition an der Hochschule für Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel. Seit September 2013 ist er Professor für Komposition an der Columbia University New York.

Am 14. September 2017 kommentierte Haas als Festredner zum 50. Steirischen Herbst in Graz, die 1963 an Joseph Papesch erfolgte Verleihung des Peter-Rosegger-Literaturpreises sei nicht trotz, sondern WEGEN seiner NS-Vergangenheit erfolgt.[3][4]

Ästhetik und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Friedrich Haas gilt als Vertreter der Spektralmusik. Seine Werke zeichnen sich vor allem durch klangliche Experimente aus, die oft auf ein Aufbrechen des zwölftönigen Systems zur intensiven Nutzung der Mikrointervallik und Panchromatik sowie spezieller Obertonreihen zurückgehen. Haas’ Ästhetik ist von der Überzeugung getragen, Musik vermöge „Emotionen und seelische Zustände von Menschen so zu formulieren, daß sie auch von anderen Menschen als die ihren angenommen werden können“[5]. So hat Haas mit dem Intellektualismus mancher Strömungen der musikalischen Avantgarde (z. B. des Dekonstruktivismus) gebrochen. Viele seiner Kompositionen kreisen um die thematischen Pole Nacht, Fremde und Romantik. Haas arbeitet mit zum Teil stark repetitiven Verläufen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompositionen und Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühnenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orchesterwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konzert für Posaune und Orchester (2016)
  • Zugabe (UA: 2016 Bamberg) für Orchester
  • 3 Stücke für Mollena (UA: 2016 München) für Kammerchor und Kammerorchester
  • concerto grosso Nr. 1 (UA: musica viva 2014) für Alphörner und Orchester
  • Tetraedrite (2011/12) für Orchester
  • limited approximations (UA: Donaueschinger Musiktage 2010) für sechs Flügel und Orchester
  • Bruchstück (2007) für großes Orchester
  • Konzert für Klavier und Orchester (2007)
  • Hyperion (UA Donaueschinger Musiktage 2006) Konzert für Lichtstimme und Orchester
  • Opus 68 (2004) für großes Orchester; Nach der 9. Klaviersonate von Alexander Skrjabin
  • Konzert für Violoncello und großes Orchester (2004)
  • Natures mortes (UA Donaueschinger Musiktage 2003) für Orchester und Akkordeon
  • ...sodass ich’s hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild... im Geist übersehe (2001) für Streichorchester
  • Torso (1999/2000) für großes Orchester; nach der unvollendeten Klaviersonate in C-Dur D 840 von Franz Schubert
  • Descendiendo (1993) für Orchester

Ensemblewerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Release (2016) für Streichensemble (mit je umgestimmten Zweitinstrument), Harfe (mit 2 mikrotonal umgestimmten Harfen, eventuell noch einer dritten, traditionell gestimmten Harfe), Klavier
  • Oktett (UA: Donaueschinger Musiktage 2015) für acht Posaunen
  • La profondeur (2009) für 13 InstrumentalistInnen
  • Haiku (2005) für Bariton und zehn Instrumente
  • Ritual (2005) für zwölf große Trommeln und drei Blaskapellen
  • Sieben Klangräume (UA Salzburg 2005) für Chor und Orchester
  • tria ex uno (2001/02) für Ensemble
  • in vain (2000/02) für 24 Instrumente
  • Blumenstück (2000) für Chor, Basstuba und Streichquintett
  • Nach-ruf...ent-gleitend... (1999) für Ensemble
  • Fremde Welten (1997) Konzert für Klavier und 20 Streicher

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 10. Streichquartett (2016)
  • 9. Streichquartett (2016)
  • 6. Streichquartett (2010)
  • 5. Streichquartett (2007)
  • 4. Streichquartett (2003)
  • In iij. Noct (2003), 3. Streichquartett
  • flow and friction (2001) für Sechzehnteltonklavier zu vier Händen
  • 2. Streichquartett (1998)
  • 1. Streichquartett (1997)
  • ...aus freier Lust...verbunden... (1994) für verschiedene Besetzungen
  • ...Schatten...durch unausdenkliche Wälder (1992) für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuger
  • Drei Hommages (1985) für einen Pianisten und zwei im Abstand eines Vierteltons gestimmte Klaviere

Solowerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • de terrae fine (2001) für Violine solo

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cordula Reyer: Georg Friedrich Haas: "Scham ja, Schuld nein". In: Die Zeit. 8. November 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 8. November 2016]).
  2. Bernhard Günther, Art. 'Georg Friedrich Haas', in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Bd. 8, 2. Aufl. (Kassel: Bärenreiter 2002), Sp. 336-338, Sp. 336
  3. Georg Friedrich Haas: Der Herbst, Nazi-Nebel und Kunst über Graz, Redeauszug in der Wiener Tageszeitung Der Standard, 16. September 2017, S. 38
  4. Rede Haas' vom 14. September 2017 auf der Website des Steirischen Herbstes
  5. Georg Friedrich Haas, "These shadows of memory". Über das Finale des ersten Abschnitts meiner Oper ‘die schöne Wunde’, in Andreas Dorschel (Hg.), Resonanzen. Vom Erinnern in der Musik (Wien – London – New York: Universal Edition, 2007) (Studien zur Wertungsforschung 47), S. 197−204, S. 203
  6. Mitglieder des Österreichischen Kunstsenats
  7. Neue Mitglieder der Akademie der Künste Pressemitteilung der Akademie der Künste Berlin, 18. Juni 2012
  8. Musikpreis Salzburg 2013. Pressemeldung des Landes Salzburg.
  9. Über Schuberts Erlkönig

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]