Georg Friedrich Haas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Friedrich Haas (* 16. August 1953 in Graz) ist ein österreichischer Komponist.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen ist Georg Friedrich Haas in Tschagguns (Vorarlberg). Er studierte 1972 bis 1979 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz Komposition (u. a. bei Iván Eröd und Gösta Neuwirth), Klavier (Doris Wolf) und Musikpädagogik. Haas ist Gründungsmitglied der Grazer Komponistenvereinigung die andere saite. Von 1981 bis 1983 studierte Haas bei Friedrich Cerha in Wien.[1] Er nahm mehrmals an den Darmstädter Ferienkursen und am „Stage d'Informatique Musicale pour compositeur“ am IRCAM in Paris teil.

Georg Friedrich Haas lehrte zunächst als Dozent und später mit Unterbrechungen als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz u. a. die Fächer zeitgenössische Kompositionstechniken und Kontrapunkt. Seit Herbst 2005 ist er außerdem Dozent für Komposition an der Hochschule für Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel. Seit September 2013 ist er Professor für Komposition an der Columbia University New York.

Ästhetik und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Friedrich Haas gilt als Vertreter der Spektralmusik. Seine Werke zeichnen sich vor allem durch klangliche Experimente aus, die oft auf ein Aufbrechen des zwölftönigen Systems zur intensiven Nutzung der Mikrointervallik und Panchromatik sowie spezieller Obertonreihen zurückgehen. Haas’ Ästhetik ist von der Überzeugung getragen, Musik vermöge „Emotionen und seelische Zustände von Menschen so zu formulieren, daß sie auch von anderen Menschen als die ihren angenommen werden können“[2]. So hat Haas mit dem Intellektualismus mancher Strömungen der musikalischen Avantgarde (z. B. des Dekonstruktivismus) gebrochen. Viele seiner Kompositionen kreisen um die thematischen Pole Nacht, Fremde und Romantik.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompositionen und Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Wölfli. Kammeroper (Graz 1981)
  • Drei Hommages für einen Pianisten und zwei im Abstand eines Vierteltons gestimmte Klaviere (1985)
  • ...Schatten...durch unausdenkliche Wälder für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuger (1992)
  • Descendiendo für Orchester (1993)
  • ...aus freier Lust...verbunden... für verschiedene Besetzungen (1994)
  • Nacht-Schatten (1994 Bregenz)
  • Nacht. Kammeroper in 24 Bildern. Libretto vom Komponisten nach Texten von Friedrich Hölderlin (UA konzertant 1996 Bregenz, szenisch 1998 Bregenz)
  • Fremde Welten. Konzert für Klavier und 20 Streicher (1997)
  • 1. Streichquartett (1997)
  • 2. Streichquartett (1998)
  • Violinkonzert (1998)
  • Nach-ruf...ent-gleitend... für Ensemble (1999)
  • Torso. Nach der unvollendeten Klaviersonate C-Dur D 840 von Franz Schubert für großes Orchester (1999/2000)
  • in vain für 24 Instrumente (2000/02)
  • ...sodass ich’s hernach mit einem Blick gleichsam wie ein schönes Bild... im Geist übersehe (2001)
  • tria ex uno für Ensemble (2001/02)
  • de terrae fine für Violine solo (2001)
  • Blumenstück (2001)
  • flow and friction für Sechzehnteltonklavier zu vier Händen (2001)
  • 3. Streichquartett "In iij. Noct" (2003)
  • Die schöne Wunde. Oper nach Franz Kafka, Edgar Allan Poe u. a. (2003, Bregenz)
  • Natures mortes für Orchester und Akkordeon (UA Donaueschinger Musiktage 2003)
  • 4. Streichquartett (2003)
  • Opus 68 für großes Orchester nach der 9. Klaviersonate von Alexander Skrjabin (2004)
  • Konzert für Violoncello und großes Orchester (2004)
  • Haiku für Bariton und 10 Instrumente (2005)
  • Ritual für zwölf große Trommeln und drei Blaskapellen (2005)
  • Sieben Klangräume (UA Salzburg 2005)
  • Hyperion. Konzert für Lichtstimme und Orchester (UA Donaueschinger Musiktage 2006)
  • Bruchstück für großes Orchester (2007)
  • 5. Streichquartett (2007)
  • Konzert für Klavier und Orchester (2007)
  • Melancholia. Oper nach dem Roman von Jon Fosse (2008)
  • La profondeur für 13 InstrumentalistInnen (2009)
  • limited approximations. für sechs Flügel und Orchester (UA: Donaueschinger Musiktage 2010)
  • 6. Streichquartett (2010)
  • Bluthaus. Oper nach einem Libretto von Klaus Händl (UA: Schwetzinger SWR Festspiele 2011)
  • Tetraedrite für Orchester (2011/12)
  • Thomas. Oper nach einem Libretto von Klaus Händl (UA: Schwetzinger SWR Festspiele 2013)
  • concerto grosso Nr. 1 für 4 Alphörner und Orchester (UA: musica viva 2014)
  • Oktett für 8 Posaunen (UA: Donaueschinger Musiktage 2015)
  • Koma. Oper nach einem Libretto von Klaus Händl (UA: Schwetzinger SWR Festspiele 2016)
  • Wissenschaftliche Aufsätze über die Arbeiten von Luigi Nono, Iwan Wyschnegradsky, Alois Hába und Pierre Boulez

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Günther, Art. 'Georg Friedrich Haas', in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Bd. 8, 2. Aufl. (Kassel: Bärenreiter 2002), Sp. 336-338, Sp. 336
  2. Georg Friedrich Haas, "These shadows of memory". Über das Finale des ersten Abschnitts meiner Oper ‘die schöne Wunde’, in Andreas Dorschel (Hg.), Resonanzen. Vom Erinnern in der Musik (Wien – London – New York: Universal Edition, 2007) (Studien zur Wertungsforschung 47), S. 197−204, S. 203
  3. Mitglieder des Österreichischen Kunstsenats
  4. Neue Mitglieder der Akademie der Künste Pressemitteilung der Akademie der Künste Berlin, 18. Juni 2012
  5. Musikpreis Salzburg 2013. Pressemeldung des Landes Salzburg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]