Georg Friedrich Meier (Sprachwissenschaftler)

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Georg Friedrich Meier (* 20. November 1919 in Nürnberg; † 20. November 1992) war ein deutscher Sprachwissenschaftler.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Friedrich Meier wuchs in Bayern auf, legte 1937 das Abitur in Schondorf am Ammersee ab und wurde im Zweiten Weltkrieg zur Gebirgsartillerie eingezogen. Gegen Ende des Krieges lief er in Italien zu Partisanen über und gelangte später in amerikanische Gefangenschaft. Er sprach schon damals Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch sowie Russisch und arbeitete als Dolmetscher für die amerikanischen Besatzungsbehörden in München. Außerdem übersetzte er für bayrische Zeitungen.

1946 begann Meier in München ein Medizinstudium, wechselte aber bald zu Sprachwissenschaft, Slawistik, Orientalistik und Romanistik. Meier übersiedelte in die DDR, studierte ab 1949 an der Universität Halle-Wittenberg Sprachwissenschaft (u. a. bei Brockelmann), Psychologie und Neurologie und promovierte 1953. 1958 habilitierte sich an der Universität Leipzig.

1958 gründete er das Institut für Sprachwissenschaft der Universität Leipzig und war 1959–1961 Professor für allgemeine und angewandte Linguistik und Kommunikationswissenschaft. Er arbeitete an der Deutschen Akademie der Wissenschaften (später Akademie der Wissenschaften der DDR) in Berlin, gründete deren Forschungszentrum für Automatische Übersetzung und wurde 1961 Professor für Sprachwissenschaft an der Humboldt-Universität. 1959 organisierte er das I. Internationale Symposium „Zeichen und System der Sprache“ in Erfurt, 1964 das II. in Magdeburg. 1961–1983 gab Meier die Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung (ZPSK, seit 1993 Sprachtypologie und Universalienforschung) heraus.

Er gründete und leitete bis 1971 das Institut für Phonetik und Kommunikationswissenschaft, das nach der zweiten Hochschulreform mit dem Institut für Rehabilitationspädagogik zur Sektion Rehabilitationswissenschaft und Kommunikationsforschung zusammengeschlossen wurde. Meier arbeitete bis zu seiner Emeritierung an der Sektion Germanistik. 1981 wurde Meier in den Zentralvorstand des Esperanto-Verbandes der DDR (GDREA) gewählt. 1986 kehrte er nach Bayern zurück und lehrte an der Universität München.

Meier war u. a. Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher „Leopoldina“ in Halle, der Società di lingua italiana, der Gesellschaft für Linguistische Datenverarbeitung und des Esperanto-Verbandes im Kulturbund der DDR.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handbuch der Linguistik und Kommunikationswissenschaft, Bd. 1.: Sprache, Sprachentstehung, Sprachen. Berlin: Akademie-Verlag 1979 (mit Barbara Meier).[1]
  • Ein Beitrag zur Erforschung der Zusammenhänge von Sprache und Denken und der Entwicklungsgesetzmäßigkeiten der Sprache (Dissertation). In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig 9/10 (1952/1953), S. 517–632.
  • Das Zéro-Problem in der Linguistik – Kritische Untersuchungen zur strukturalistischen Analyse der Relevanz sprachlicher Form. (Schriften zur Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung, Band 1) Berlin, Akademie-Verlag, 1961.

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Für oder gegen Esperanto. In: Wir und heute. Ein Blatt der Jugend 1 (1946) S. 2, München, Erasmus-Verlag.
  • Situation und Prognose der Sprachen der Erde. Ein Beitrag zum Problem der Nationalsprachen, Verkehrssprachen und Minderheitensprachen. In: ZPSK 33:1 (1980). S. 63–74.
  • Problemoj kaj metodoj por semantika analizo kaj prilaboro. In: Ilona Koutny (Hg.): Perkomputila tekstoprilaboro. Budapest: Scienca Eldona Centro 1985, S. 115–124.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tamara A. Amirova, Boris A. Ol’chovikov, Juri V. Roždestvenskij: Abriß der Geschichte der Linguistik. [Очерки по истории лингвистики] Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1980 (aus dem Russischen, mit Barbara Meier).
  • Vladimir Z. Panfilof: Philosophische Probleme der Sprachwissenschaft. [Философские проблемы языкознания] Leipzig: VEB Bibliographisches Institut, 1982 (aus dem Russischen, mit Barbara Meier und Ute Mory).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronald Lötzsch: Nachruf. In memoriam Georg Friedrich Meier (20.11.1919–18.11.1992). In: Sprachtypologie und Universalienforschung 46.4 (1993), S. 334.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Werk war auf sechs Bände angelegt. Die Veröffentlichung wurde jedoch nach Erscheinen des ersten Bandes auf Intervention der bulgarischen Staats- und Parteiführung aufgrund der Charakterisierung des Makedonischen als selbstständige Sprache gestoppt.