Georg Jennerwein

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Georg Jennerwein

Georg „Girgl“ Jennerwein (* 1848[1][2] in Haid bei Holzkirchen; † 6. November 1877 am Rinnerspitz in den Schlierseer Bergen) war ein bayerischer Wilderer.[3]

Leben[Bearbeiten]

Der Bayerische Rundfunk überschreibt ein Kurzdossier zum mitproduzierten TV-Film Jennerwein von 2003 mit „Die Legende Jennerwein“ und zählt ihn wie den Räuber Kneißl oder den Bayerischen Hiasl zur „bayerischen Volksmythologie“.[4] Die nachfolgenden Angaben sind u. a. nahezu wortgleich der Homepage des Rathauses Schliersee,[5] dem Südtiroler Jagdportal[1] wie auch der Passauer Neuen Presse[2] zu entnehmen, die allesamt keine weiteren Quellenbelege aufführen außer dem Hinweis auf „Gerichtsakten“, die jedoch bislang nicht nachvollziehbar bzw. einsehbar sind.

Das genaue Geburtsdatum von Georg Jennerwein ist nicht bekannt. Das Geburtsjahr 1848 wird u.a. vom Südtiroler Jagdportal genannt,[1] wiewohl auf dem Grabkreuz lediglich das Alter des Verstorbenen mit 29 Jahren angegeben wird und somit auch ein Geburtsjahr 1847 denkbar wäre. Im Widerspruch selbst dazu steht wiederum die Aussage des im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern als Grabpfleger vorgestellten Alfons Herein, wonach Jennerwein am 24. März 1849 geboren sei.[6]

Jennerwein war Soldat im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71[5] und davor und danach als Holzarbeiter in der Umgebung des Schliersees tätig.[2] Zudem wusste „jeder (..), dass Jennerwein ein Wildschütz war, aber beweisen konnte es ihm keiner.“[5] Eine seiner Freundinnen war die Sennerin „Agathe“ von der Baumgarten-Alm, mit der er eine gemeinsame Tochter namens Rosl hatte.[5]

Jennerwein wurde nachgesagt, dass er ein guter Zitherspieler, Gstanzlsänger und Schuhplattler, aber auch ein Weiberheld, Raufbold und Wirtshausbruder gewesen sei.[5]

Laut Gerichtsakten wurde er am 6. November 1877 von seinem früheren Freund Johann Josef Pföderl auf einer Waldlichtung am auch Peißenberg genannten Rinnerspitz in den Schlierseer Bergen erschossen.[5] Seine Leiche wurde jedoch erst am 14. November 1877 aufgefunden.[5] Von Jennerwein steckte noch die rechte große Zehe im Abzug seines Gewehres und der Unterkiefer war zerschmettert.[5] Zudem wies sein Rücken eine nicht tödliche Schussverletzung auf.[5] Obwohl auch der Jäger Simon Lechenauer als Täter verdächtigt wurde und Pföderl die Tat bestritt, wurde Pföderl zu acht Monaten Gefängnis unter Anrechnung seiner viermonatigen Untersuchungshaft verurteilt.[5]

Begraben auf dem Westenhofener Friedhof, wollten einflussreiche Gemeinderatsmitglieder ihre Angehörigen nicht neben Jennerwein beerdigt wissen und versetzten sein Grabkreuz.[5] Die falsch gekennzeichnete Grabstelle verwilderte während des Zweiten Weltkriegs, doch 1947 wurde von einem Peißl Wastl die „Anstiftungsgebühr“ zum Erhalt dieser Grabstelle entrichtet und ab 1961 übernahmen die Mitglieder des Schlierachtaler Trachtenvereins die Grabpflege.[5] Wo das eigentliche Grab gewesen und die Überreste von Jennerwein verblieben sind, „weiß man nicht mit Sicherheit zu sagen“.[5]

Nachwirkung[Bearbeiten]

Jennerweins Grabkreuz auf dem Friedhof Westenhofen in Schliersee

Durch die mysteriösen Begleitumstände seines Todes und vor allem durch die Schussverletzung im Rücken wurde der Wildschütz Jennerwein zu einer Legende und zu einem Symbol der Auflehnung gegen die Obrigkeit.

Jennerwein-Lied[Bearbeiten]

Besonders ein Lied, beginnend mit der Zeile „Es war ein Schütz in seinen besten Jahren“, trug zu einer Verklärung von Georg Jennerwein als Volksheld bei und wurde darüber selbst zu einem Volkslied. Der Verfasser des Liedes ist unbekannt, entstanden ist es vermutlich noch vor Ende des 19. Jahrhunderts, womöglich bereits kurz nach Jennerweins Tod. Der Kiem Pauli, ein bekannter oberbayerischer Volksliedsammler aus der Region, hat das in Oberbayern weit verbreitete Lied Jennerwein oder Auf den Bergen wohnt die Freiheit 1910 dokumentiert und 1934 in seiner „Sammlung Oberbayerischer Volkslieder“ veröffentlicht.[7] Die mit dem bis heute von vielen Gruppen[8] vorgetragenen Volkslied kolportierte Legende führte zu Vergleichen Georg Jennerweins mit Robin Hood,[2] und es inspirierte bis in die Gegenwart (zuletzt 2012) Künstler dazu, u. a. auch Romane und Filme mit ihm als Protagonisten vorzustellen. Von Monika Maron wurde das Lied in ihrem Roman Animal triste (1996) erwähnt und mit zehn Verszeilen zitiert.[9]

1966 brachten die Hot Dogs, Deutschlands lange Zeit erfolgreichste Dixieland-Band, unter dem Titel Der Wildschütz Jennerwein eine Dixieland-Version des Liedes auf einer Single heraus.[10][11][12][13]

Die Anfangstakte des Horst-Wessel-Liedes sind identisch mit denen der Melodie des Jennerweinliedes. Das Bayerische Oberste Landesgericht hat dazu mit seinem Urteil vom 15. März 1989 festgestellt, dass es trotz dieser Gemeinsamkeiten mit dem Horst-Wessel-Lied nicht als Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angesehen wird und deshalb auch seine Verbreitung nach wie vor nicht verboten ist.[14]


Es war ein Schütz in seinen besten Jahren,
er wurde weggeputzt von dieser Erd,
Man fand ihn erst am neunten Tage
bei Tegernsee am Peißenberg.

Auf den Bergen ist die Freiheit,
Auf den Bergen ist es schön,
Doch auf so eine schlechte Weise
Mußte Jennerwein zugrunde gehn!

Auf hartem Stein hat er sein Blut vergossen,
Am Bauche liegend fand man ihn,
Von hinten war er angeschossen,
Zersplittert war sein Unterkinn.

Und es war schrecklich anzusehen;
Als man ihm das Hemd zog aus,
Da dachte jeder bei sich selber:
Jäger, bleib mit'm Selbstmord z'Haus!

Du feiger Jäger, s’ ist eine Schande,
Du erwirbst dir wohl kein Ehrenkreuz;
Er fiel mit dir nicht im offnen Kampfe,
Wie es der Schuß von hint’ beweist.

Man bracht ihn dann noch auf den Wagen,
Bei finstrer Nacht ging es noch fort,
Begleitet von seinen Kameraden,
Nach Schliersee, seinem Lieblingsort.


Von der Höh ging’s langsam runter,
Denn der Weg war schlecht und weit;
Ein Jäger hat es gleich erfunden,
daß er sich hat selbst entleibt.

Und als man ihn dort in den Sarg wollt legen,
Und als man gsagt hat: Ist jetzt alles gut?
O nein! sprach einer von den Herren, o nein!
Auf seiner Brust, da klebt ja frisches Blut!

In Schliersee ruht er, wie ein jeder,
Bis an den großen jüngsten Tag,
Dann zeigt uns Jennerwein den Jäger,
Der ihn von hint’ erschossen hat.

Zum Schlusse Dank noch den Vet'ranen,
Da ihr den Trauermarsch so schön gespielt,
Ihr Jäger, tut Euch nun ermahnen,
Daß keiner mehr von hinten zielt.

Am jüngsten Tag da putzt ein jeder
Ja sein Gewissen und sein Gewehr.
Und dann marschiern viel Förster und auch Jäger
Aufs hohe Gamsgebirg, zum Luzifer!

Filme, Romane und ein Theaterstück[Bearbeiten]

Georg Jennerwein wurde zum Protagonisten bzw. zur Hauptfigur:

in den Filmen

in den Romanen

Neuausgaben: Jennerwein – Ein bayerisches Wildererdrama. Tb. Aufbau, Berlin 1997, ISBN 3-7466-1291-8; HC. Bayernland, Dachau 2011, ISBN 978-3-89251-424-4.

in dem Theaterstück

Gedenken und Benennungen zu seinen Ehren[Bearbeiten]

An Jennerweins 99. Todestag wurde eine gewilderte Gams an sein Grabkreuz gehängt.[17] Zu seinem 100. Todestag wurde 1977 wenige hundert Meter entfernt vom Bodenschneidhaus zu seinem Gedenken ein Marterl errichtet.[17]

Mehrere bayerische Schützenvereine haben sich nach ihm benannt, unter anderem in Etting, einem Stadtteil von Rain, in Oberlauterbach, einem Ortsteil von Aresing und in Eicherloh, einem Ortsteil von Finsing. Und es gab Unterhaltungsmusiker, die sich als „Wildschütz-Jennerwein-Musikanten“ bezeichneten.[18]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Jennerwein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Der Wildschütz Jennerwein. In: Südtiroler Jagdportal
  2. a b c d Gern: Wer war Georg Jennerwein?, am 30. Mai 2011 in der Passauer Neuen Presse, online unter pnp.de
  3. Geburtsdatum siehe Grabkreuz nicht nachweisbar, sondern nur aus der Altersangabe erschließbar.
  4. Die Legende Jennerwein: Vom Wilderer zum Volkshelden. Dossier des Bayerischen Rundfunks zum TV-Film Jennerwein von 2003
  5. a b c d e f g h i j k l m Der Wilderer Georg „Girgl“ Jennerwein, online unter rathaus.schliersee.de
  6. Text zu: Jennerwein - Wildschützenlied im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, ergänzt u.a. um Aussagen zum Geburtsdatum Jennerweins, online unter volksmusik-archiv.de
  7. Text zu: Jennerwein oder Auf den Bergen wohnt die Freiheit im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, ergänzt u.a. um Aussagen zur Dokumentation durch den Kiem Pauli
  8. Stichwortsuche „Jennerwein, Wildschütz“ in der Onlinedatenbank der Deutschen Nationalbibliothek
  9. Zitat und Erwähnung des „Jennerwein-Liedes“ in: Monika Maron: Animal triste, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-10-048807-5; unpaginierte E-Book-Ausgabe Frankfurt a.M. 2010, online unter google.de
  10. New Orleans Hot Dogs* – Ja, So Sand’s De Oidn Rittersleit / Der Wildschütz Jennerwein, online unter discogs.com
  11. Alben der Hot Dogs mitDer Wildschütz Jennerwein, online discogs.com
  12. Hot Dogs - Der Wildschütz Jennerwein, Ausschnitt der TV-Aufzeichnung Goldene Hitparade der Volksmusik 1993 in SAT.1, online unter youtube.com, hochgeladen am 11. Oktober 2011
  13. Die Hot Dogs 1994 in einer Sendung des ZDF mit Carolin Reiber, online unter youtube.com, hochgeladen am 20. November 2007
  14. Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichts vom 15. März 1989, Aktenzeichen 3 St 133/88, Fundstelle: NJW 1990, 2006
  15. Wildschütz Jennerwein. Herzen in Not, online unter filmportal.de
  16. Jennerwein- Bluat vo da Gams, online auf der Homepage des Autors inkl. Rezensionen
  17. a b Festschrift „20 Jahre HBW Tegernsee Freidogs Schdammdisch“, mit Abschnitt über Anbringung des Jennerwein-Marterls im Jahr 1977 und Erwähnung der Gams am Grabkreuz, (PDF; 152 kB) S. 7 von 8 Seiten
  18. „Wildschütz-Jennerwein-Musikanten“, nachgewiesen in der Deutschen Nationalbibliothek