Georg Karl Pfahler

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Teehaus von Pfahler im Elternhaus in Emetzheim
Farbraumobjekt in Stuttgart (1977)
Brunnenobjekt vor dem KKH Weissenburg (1985)

Georg Karl Pfahler (* 8. Oktober 1926 in Emetzheim bei Weißenburg in Bayern; † 6. Januar 2002 ebenda) war ein deutscher Maler, Künstler und Kunstprofessor.

Schule und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kind ist Georg Karl Pfahler auf dem Bauernhof der Eltern in Emetzheim, heute eingemeindet nach Weißenburg (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), aufgewachsen. In seiner Kindheit hat er zwar selber gerne gemalt, aber nie "originale" Kunstwerke gesehen, erst mit 22 Jahren im Jahre 1948 mit dem Beginn seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, die in diesen Jahren in das prächtige barocke Deutschordensschloss im nahen Ellingen ausgelagert war, kam er mit Originalen von Paul Klee und Marc Chagall in Berührung. „Ich fand das nicht gut“, sagt er später über diese Kunstwerke. Pfahler kam eher durch Zufall zur Kunst: er lernte 1948 Kunststudenten der Nürnberger Akademie kennen, die ihn einluden, und er fand Gefallen daran, wie sie malten. Er bestand die Aufnahmeprüfung und begann sein Kunststudium. Die Eltern waren völlig schockiert, und auch im Heimatdorf hatte er "zu leiden", weil er Künstler werden wollte.

Bereits nach zwei Semestern im Jahr 1950 wechselte Pfahler nach Stuttgart an die dortige Kunstakademie, die er bis 1954 besuchte. Seine Lehrer waren Willi Baumeister, Manfred Henninger, Karl Hils und Gerhard Gollwitzer. Pfahler beschreibt seinen ersten Eindruck von Baumeister als ...ein Weltmann schwäbischer Prägung, Pariser Typ, sehr kenntnisreich, ein Herr. Entscheidende Impulse gingen für Pfahler von der Arbeit mit farbigen Keramiken aus. Diese Erfahrungen haben Pfahlers Arbeit geprägt, sie entwickelten seinen Sinn für die Einheit von Farbe und Raum und die einfachen Formen.

Informel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1955 Die ersten Bilder erinnern in ihrer pointilistischen Malweise an frühe Werke seines Vorbildes und Lehrers Willi Baumeister. Dann entstehen Zentrierte Gemälde als Antwort auf den amerikanischen Farbfeldmaler Barnett Newman, den Pfahler persönlich kannte. Doch Pfahler setzt sich ab von den Amerikanern, Newman „malte … das Unantastbare, des 'So-und-nicht-anders-Können', …“ an solchen metaphysischen Räumen hat Pfahler kein Interesse, er zielt auf die materielle Präsenz von Fläche und Farbe. Die Farbe wird als Materie auf der Fläche und die Fläche als Aktionsfeld sichtbar, darum lässt Pfahler immer ein Stück des weißen Bildgrundes sichtbar werden. Er will damit die farbigen Flächen als etwas auf der Leinwand Liegendes kennzeichnen, die Identität von Farbform und Bildträger soll vermieden werden.

1956 war er zusammen mit Günther C. Kirchberger, Friedrich Sieber und Attila Biró Gründungsmitglied der Gruppe 11, die sich an Action Painting und Informel orientiert. Er hatte in dieser Zeit Kontakt zur Stuttgarter Gruppe/Schule und Max Bense.

„… - unser vordringlichstes Ziel war es so rasch wie möglich ins Ausland zu gehen. Und zwar nicht weil wir unser Land nicht genügend geschätzt hätten, viel mehr wollten wir die Maßstäbe finden, uns vergleichen mit internationalen Entwicklungen, von denen die Deutschen ja durch das Nazi-Regime so lange abgeschnitten waren. Am intensivsten war das in London möglich.“ (Peter Iden in: Ingrid Mössinger und Beate Ritter (Hrsg.): Georg Karl Pfahler, S. 28)

Pfahler reist durch Europa und besucht Künstler wie Karl Otto Götz, Gerhard Hoehme, Emil Schumacher, Cy Twombly und die Bildhauer Marino Marini und Alberto Giacometti. Eine entscheidende Begegnung hatte Pfahler in London mit Lawrence Alloway. „Er hat bei mir eine Tür aufgestoßen, indem er mir Informationen vermittelte, die mir bis dahin nicht zugänglich gewesen waren. Die Kunst die maßgeblich war, kam damals aus New York. Aber die Bilder von Pollock, Rothko, Barnett Newman, Clyfford Still und Robert Motherwell gingen alle an Deutschland vorbei, die meisten dieser Künstler waren Juden und wollten in Deutschland zunächst nicht ausstellen.“ (Peter Iden in: Ingrid Mössinger und Beate Ritter (Hrsg.): Georg Karl Pfahler, S. 28)

Formativ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1958 löste sich Pfahler vom Informellen Stil und fügte ab 1959 seinen Bildern den Begriff formativ bei. 1959 entstand die Serie "Formativ" mit klar abgegrenzten Flächen und wenigen Farben (vor allem Blau, Rot, Schwarz und Weiß, gelegentlich auch Orange und Grün). In den folgenden Jahren vereinfachten sich die Formen noch stärker, um ausschließlich zu Vehikeln der Farbe und ihrer Bezüge untereinander zu werden.

Hard Edge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa ab 1962 wandelten sich die Formblöcke zu scharf abgegrenzten Farbflächen. Sie hoben Pfahler als einzigen Repräsentanten des sogenannten Hard Edge in Deutschland hervor.

Mit seinen Anfang der 60er Jahre entstandenen Bildern erlangte er den internationalen Durchbruch in Ausstellungen wie 'Signale' 1965 in Basel, 'Formen der Farbe' 1967 in Amsterdam, Stuttgart und Bern oder 'Painting and Sculpture from Europe' 1968 in New York.

Weitere Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Karl Pfahler war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[1] Er lebte überwiegend in Fellbach bei Stuttgart und war immer wieder auch in seinem Eltern- und Geburtshaus im fränkischen Emetzheim.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1957: Kunstpreis der Jugend des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart
  • 1972: Kunstpreis der Nationalgalerie Wroclaw,
  • 1975: Kunstpreis der Jugend des Landes Baden-Württemberg,
  • 1984: Goldmedaille der Norwegischen Grafik-Biennale in Fredrikstad,
  • 1992: Kunstpreis der Stadt Stuttgart
  • 1992: Kunstpreis der Stadt Weißenburg,
  • 1996: Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
  • 1998: Nürnberger Nachrichten Kunstpreis Nürnberg

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnungen - Präkonzeptionen: Werkverzeichnis, von Georg Karl Pfahler, Jo Enzweiler (Herausgeber), Sigurd Rompza (Herausgeber), ISBN 3-9800440-4-1

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Pfahler, Georg Karl (abgerufen am 7. Dezember 2015)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Karl Pfahler Skizzen Zeichnungen Präkonzeptionen. Werkbuch mit 400 Abbildungen, davon ca. 100 farbig, sowie dokumentarischen Texten von Dieter Honisch, Wieland Schmied, Heinz Spielmann, Kurt Leonhard, Hans-Jürgen Müller, Lawrence Alloway und G.K.Pfahler. Leinen mit Handsignatur des Künstlers auf dem Einband. Dazu eine Vorzugsausgabe mit 5 Orig. Siebdrucken, signiert und nummeriert und einer farbig bedruckten Leinentasche mit einem Pfahler-Motiv. Vlg. W. Freutel Nierswalde 1972
  • Kunstmagazin art, November 1988, S. 108 - 121, In Hymnen aus Farben besingt er das Leben. Bericht von Ernst A. Busche.
  • Stephan Geiger: gruppe 11 (1956–1959) : attila biro, günther c. kirchberger, georg karl pfahler, friedrich sieber, mit Beiträgen von Günther Wirth und Lawrence Alloway, Ausst. Kat. Galerie Geiger, Kornwestheim 1996.
  • Alexander Klee: Georg Karl Pfahler. Die Entstehung seines Werkes im internationalen Kontext (Diss.). Saarbrücken 1997.
  • Georg Karl Pfahler Europäische Avantgarde der sechziger Jahre. Galerie Schlichtenmaier Schloss Dätzingen 4. Mai - 28. Juni 1997 / Museum des Landkreises Waldshut Schloss Bonndorf 13. Juni - 7. September 1997 / Landesvertretung Baden-Württemberg Bonn Februar 1998. Grafenau 1997. Mit Beiträgen von Dieter Honisch und Alexander Klee. Kat.Nr.149, ISBN 3-89298-115-9, 48 Seiten.
  • Georg Karl Pfahler Wege zur Farbform. Galerie Schlichtenmaier Schloss Dätzingen 15. September -19. November 1996. Grafenau 1996. Mit Beiträgen von Alexander Klee, Kurt Leonhard, Georg Karl Pfahler und Heinz Spielmann. Kat.Nr.143 ISBN 3-89298-108-6, 104 Seiten.
  • Georg Karl Pfahler Vom Informellen zum Formativen - Gemälde / Collagen / Zeichnungen 1956–1963. Galerie Schlichtenmaier. Art Cologne 25. Internationaler Kunstmarkt 14. November - 20. November 1991. Grafenau 1991. Mit einem Beitrag von Günther Wirth. Kat.Nr.110, ISBN 3-89298-070-5, 48 Seiten.
  • Ingrid Mössinger und Beate Ritter (Hrsg.): Georg Karl Pfahler, Leipzig 2001, ISBN 3-363-00760-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl-Georg Pfahler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien