Georg Klemperer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Georg Klemperer 1904, gemalt von Sophie Koner
Berliner Gedenktafel am Haus, Turmstraße 21, in Berlin-Moabit

Georg David Klemperer (geboren am 10. Mai 1865 in Landsberg/Warthe[1]; gestorben am 25. Dezember 1946 in Boston) war ein deutscher Internist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Klemperer war ein Sohn des Reformrabbiners Wilhelm Klemperer und hatte sieben Geschwister, vier Schwestern und drei Brüder. Seine Brüder waren der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Victor Klemperer, der Mediziner Felix Klemperer und der Rechtsanwalt Berthold Klemperer (1871–1931). Der Dirigent Otto Klemperer (1885–1973) war sein Vetter.

Bereits mit 17 Jahren, 1882, begann Georg Klemperer in Breslau mit dem Medizinstudium, das er in Halle bis zum Physikum und ab 1884 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute:Humboldt-Universität) fortsetzte.[2] Von 1887 bis 1896 war er Assistent bei Ernst Viktor von Leyden, er habilitierte sich 1889 an der I. Medizinischen Klinik der Charité und wurde 1906 Chefarzt im Krankenhaus Moabit. Er war maßgeblich am überregionalen Ruf dieses Krankenhauses beteiligt. 1922 und 1923 wurde er von der sowjetischen Regierung mehrfach nach Moskau gerufen, um Lenin zu behandeln.[3][4] Er wies auf die große Bedeutung einer adäquaten Ernährung bei der Behandlung von Krankheiten hin und beschäftigte sich auch mit Hypnose und Naturheilkunde. Sein Lehrbuch Grundriss der Klinischen Diagnostik erschien bis 1931 in 26 Auflagen. Zusammen mit seinem Bruder Felix gab er das mehrbändige Werk Neue deutsche Klinik: Handwörterbuch der praktischen Medizin mit besonderer Berücksichtigung der inneren Medizin, der Kinderheilkunde und ihrer Grenzgebiete heraus. Über Jahrzehnte prägte er die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, der er zum 50. Gründungstag eine umfangreiche geschichtliche Abhandlung widmete.[5] Klemperer gehörte zu den ersten Mitgliedern der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.[6]

Im März 1895 schlossen Georg Klemperer und Maria Umber, Schwester des Mediziners Friedrich Umber, in Wiesbaden die Ehe.[1] Das Paar hatte fünf Söhne und eine Tochter.

Am 4. Mai 1933 wurde er aufgrund seiner jüdischen Abstammung entlassen, 1936 floh er mit seiner Frau zu den Söhnen in die USA. 1937 verstarb Maria Klemperer mit 63 Jahren in Meran.[7]

Die Charité führte zu Ehren des Mediziners 2007 eine Georg Klemperer Ehrenvorlesung ein, die seitdem alle zwei Jahre stattfindet. Die Ärztekammer Berlin vergibt seit 2007 die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille an Persönlichkeiten, die sich um die Patientenversorgung in Berlin und das Ansehen der Ärzteschaft verdient gemacht haben.[8]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundriss der Klinischen Diagnostik. August Hirschwald, Berlin 1890
  • Über den Stoffwechsel und das Coma der Krebskranken. Mit Bemerkungen über das Coma diabeticum. Berliner klinische Wochenschrift, 1889, No 40 (Digitalisat)
  • Justus von Liebig und die Medicin. Vortrag gehalten am 22. September 1899. Verlag August Hirschwald, Berlin 1900.
  • Lehrbuch der Inneren Medizin für Ärzte und Studierende. Band I. August Hirschwald, Berlin 1905 (Digitalisat)
  • Der jetzige Stand der Krebsforschung. August Hirschwald, Berlin 1912 (Digitalisat)
  • Grundriss der klinischen Therapie innerer Krankheiten. Urban & Schwarzenberg, Berlin 1922
    • 1. Aufl. 1922 [georg-klemperer.-grundriss-der-klinischen-therapie-innerer-krankheiten.-1.-aufl. (Digitalisat)]
    • 2. Aufl. 1924 [georg-klemperer.-grundriss-der-klinischen-therapie-innerer-krankheiten.-2.-aufl. (Digitalisat)]
  • Neue Deutsche Klinik, Handwörterbuch, 10 Bde. (Hrsg. Georg und Felix Klemperer), Urban und Schwarzenberg, Berlin, Wien, 1928–1935.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Georg Klemperer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hessisches Staatsarchiv, Standesamt Wiesbaden, Heiratsnebenregister 1895, S. 238
  2. Rosemarie Stein: Ein vorbildlicher Berliner Arzt: Georg Klemperer. In: Ärztekammer Berlin (Hrsg.): Berliner Ärzte. Band 3, 2007, ISSN 0939-5784, S. 14–22 (Download [PDF; 2,6 MB; abgerufen am 4. September 2020]). Abrufbar unter Titelbilder, Titelthemen und Heftinhalte. Ärztekammer Berlin; (siehe Heft „Mrz 2007“).
  3. Victor Klemperer: „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ Band 1: Tagebücher 1933–1945. Aufbau-Verlag Berlin 1995. ISBN 3-351-02340-5. S. 733, Anm. zu S. 266.
  4. Robert Service: Lenin. A Biography. Harvard University Press, Cambridge 2000. ISBN 0-674-00330-6. S. 443.
  5. Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933–1970, Berlin 2018, S. 199–202.
  6. Müller-Oerlinghausen, Bruno: Die Arzneimittel- Kommission der deutschen Ärzteschaft; Im Spannungsfeld der Interessen von Ärzteschaft und Pharmazeutischer Industrie – eine Geschichte von Erfolgen und Niederlagen 1911–2010. In: Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Abgerufen am 22. August 2020.(Siehe auch Anke Schlicht: Literatur)
  7. United States of America, District of Massachusetts, Boston, Declaration of Intention Nr. 276298 vom 28. Mai 1938
  8. Die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille. In: Ärztekammer Berlin. Abgerufen am 14. November 2018.