Georg Koppmann

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Georg Koppmann (* 15. Juli 1842 in Hamburg; † 4. Juli 1909 ebenda)[1] war ein deutscher Unternehmer und Fotograf für Architektur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Hamburger Hafen“, 1883

Georg Koppmann betrieb ein fotografisches Gewerbe in Hamburg. Koppmann bezog im Jahr 1865 das fotografische Atelier im Neuer Wall 38,[2] das von 1860 bis 1865 von dem Portraitmaler und Fotografen Carl von Wieland genutzt worden war. Die anfängliche Zusammenarbeit mit Herrn Seyfarth wurde nach kurzer Zeit beendet. Koppmann zeigte erstmals Fotografien von mecklenburgischen Höfen im Jahr 1867.[3] Ab 1870 war Koppmanns Atelier im Neuer Wall 5 für die Dauer von 25 Jahren.[4] Als es wegen des Ausbruchs des Deutsch-Französischen Krieges im August 1870 die Aufträge aussetzten, verließ er vorübergehend Hamburg und suchte auswärts Arbeit.[5][6]

Zu der Zeit hatte der Hildesheimer Senator Hermann Roemer auf seinen Reisen durch Deutschland sicher beobachtet, dass es überall, insbesondere in Berlin, nicht jedoch in Hildesheim, großformatige Fotografien mit Stadtansichten zu kaufen gab. Im Schriftverkehr zwischen Roemer und dem Hildesheimer Verleger Gerstenberg setzte sich Roemer persönlich für Aufnahmen von Hildesheim ein. Einer der beiden Herren hatte dabei „wohl zufällig“ Georg Koppmann kennengelernt.[7] Als Georg Koppmann gegen Ende 1870 in Braunschweig arbeitete, erhielt er so den Auftrag zur Herstellung einer Bildreihe über Hildesheim.[5]

Der Verlag der Gebrüder Gerstenberg hatte zu Weihnachten 1871 in einem Inserat insgesamt 20 Ansichten von Kirchen und Profanbauten angeboten.[8] „Ganz neue Originalaufnahmen […] von einer Trefflichkeit der Ausführung, wie auch nur annähernd Aehnliches bisher nicht vorhanden war“, konnten als Einzelaufnahme auf Karton erworben werden. Diese Fotografien knüpften die bis dahin übliche Tradition an, Stahlstich- und Lithografie-Serien von Sehenswürdigkeiten als Kunstblätter und Reiseerinnerungen zu kaufen.[5]

Vermutlich wird er in Erfurt tätig gewesen sein, wie aus der Veröffentlichung eines entsprechenden Albums zu schließen ist. Auch in Köln muss er sich aufgehalten haben. Der Architekt August Hartel gab 1886 ein Buch über alte und neuere Architekturen Kölns mit 28 Fotografien von Koppmann heraus.[9]

Georg Koppmann hatte im Auftrag der Hamburgischen Baudeputation die historisch Gebäude und Straßen fotografisch zu dokumentieren, die dem Bau einer Speicherstadt für ein Freihafengelände niedergelegt werden sollten. Fotografien von Koppmann & Co. wurden später auf Ansichtskarten durch den Hamburger Verlag Knackstedt & Näther vertrieben.[10]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Koppmann & Co., betitelt „Blick vom Kehrwieder auf Vorsetzen, Baumwall und Stubbenhuk“
Hamburg, um 1870
  • Kirchen Hamburgs und Altonas, Mausoleum des Herrn Baron von Schröder, architektonische und landwirtschaftliche Aufnahmen vorgestellt auf einer Ausstellung 1869 in Altona.[11]
  • Hildesheim-Ansichten um 1871.[12]
  • Album von Erfurt, 9 Ansichten nach der Natur photographiert, Neumann, Erfurt, 1873, Cabinetformat.[13]
  • August Hartel (Hrsg.): Cöln (Köln) in seinen alten und neueren Architekturen, Dorn & Merfeld, Leipzig, 1886, (mit Orign. Aufnahmen nach der Natur, 28 Tafeln).
  • August Hartel (Hrsg.): Moderne Kirchenbauten, Dorn & Merfeld, Leipzig, 1886, (10 Lichtdrucktafeln in Mappe).[14]
  • Hamburg vor dem Zollanschluss 1883/ 84. 20 Tafeln in Leporello-Faltung Praeger, Berlin [ca. 1890].
  • Ansichtskarten mit Fotografien Koppmanns von Hamburg durch den Verlag Knackstedt & Näther.
Mappenwerke
  • Hamburg 1883 „Ansichten aus dem niederzulegenden Stadttheil“. Rot farbene Mappe mit goldgeprägtem Titel, mit 35 Albuminabzüge auf Rückkarton, ca. 27,3 × 38,3 cm, unterhalb des Bildes Name des Photographen, Titel und Datierung, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fresolver.sub.uni-hamburg.de%2Fgoobi%2FPPN799327638~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  • Hamburg 1884 „Ansichten aus dem niederzulegenden Stadttheil“. Rot farbene Mappe mit goldgeprägtem Titel, mit 36 Albuminabzüge auf Rückkarton, ca. 27,3 × 38,3 cm, unterhalb des Bildes Name des Photographen, Titel und Datierung.
  • Hamburg. Aufgenommen und herausgegeben von G. Koppmann & Co. Photographien. 32 Bildtafeln, 1. Auflage, Verlag Otto Meissner, Hamburg, 1887.
  • St. Michaelis Gedächtnis-Mappe. Sammlung von Originalaufnahmen der Großen Michaeliskirche. Hrsg. zur Erinnerung an die Brandkatastrophe vom 3. Juli 1906. 23 Original-Fotografien, (Fotogröße ca. 22 × 18 cm, Kartongröße ca. 32 × 25 cm) Koppmann & Cie., Hamburg 1906.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bronzemedaille für Interieurs (Dritte Gruppe) auf der Hamburger Ausstellung [für Photographie] im November 1868[15]
  • Verdienst-Medaille für Architectur-Aufnahmen anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien (Abt. Photographie)[16]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adressbücher von Hamburg

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olaf Matthes, u.a.: Stadt Bild Wandel. Fotografie in Hamburg 1870–1914. Hrsg.: Olaf Matthes, Museum für Hamburgische Geschichte,. Junius, Hamburg 2014, ISBN 978-3-88506-055-0 (Enthält Aufsätze zu und Fotografien von Koppmann).
  • Ulrich Pohlmann, Dietmar Siegert (Hrsg.): Zwischen Biedermeier und Gründerzeit. Deutschland in frühen Photographien 1840-1890 aus der Sammlung Siegert. Schirmer/Mosel, München 2012, ISBN 978-3-8296-0626-4 (Katalog zur Ausstellung im Münchner Stadtmuseum vom 30. November 2012 bis 20. Mai 2013; enthält zahlreiche Fotografien von Koppmann).[17]
  • Joachim Frank, Iris Groschek: Der Michel brennt! Geschichte eines Hamburger Wahrzeichens Auflage. Edition Temmen, Bremen 2006, ISBN 3-86108-085-0, S. 158.
  • Ludwig Hoerner: Photographie und Photographen in Hannover und Hildesheim. Festschrift zum 150jährigen Geburtstag der Photographie. Hrsg.: Photographen-Innungen Hannover und Hildesheim. Berufsförderungswerk, Bad Pyrmont 1989, S. 76.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg Koppmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rolf Müller und Rüdiger Wagner: Hamburg heute und gestern. Verlag Das Topographikon, Hamburg 1982, ISBN 3-920953-19-3
  2. Feier aus Anlass des 40 jährigen Bestehens (Oktober) 1905. (Quelle: Geschäftliche Nachrichten. In: Der Photograph, 14. Jg. Nr. 41, Hannober, 1905, S. 163.)
  3. Miscellen. Das Wanderalbum pro 1867. In: Photographische Korrespondenz, 1868, S. 53.
  4. Die Angaben erschließen sich aus Einträgen in den entsprechenden Hamburger Adressbüchern.
  5. a b c Ludwig Hoerner, S. 76.
  6. Stadtarchiv Hildesheim, Nr. 424 V46 sowie Aufzeichnungen von Georg Koppmann, Hamburg, um 1909, in: Mappe Koppmann. Staatsarchiv Hamburg.
  7. Koppmann hatte bereits auf einer Ausstellung 1869 in Altona Aufnahmen von „Kirchen Hamburgs und Altonas, Mausoleum des Herrn Baron von Schröder, architektonische und landwirtschaftliche Aufnahmen“ präsentiert. Koppmann war daher für die Qualität seiner Gebäudeaufnahmen bereits bekannt, weshalb man sich wohl nicht „zufällig“ getroffen hatte.
  8. Neuigkeiten im photographischen Kunsthandel. Blatt 1–3 Dom (innere u. äussere Ansicht), Bl. 4, 5, 6a und 6b Michaeliskirche (innere Ansichten), 7. u. 8. Godehardkirche, 9. Andreaskirche, 10.–12. Marktplatz, 13.–16. Bürgerhaus, 17. Hohewegstraße, 18. Straße am Andreaskirchhof, 19. Königl. Andreaneum. In: Dr. E. Hornig (Hrsg.): Photographische Korrespondenz, 9. Jg., Verlag der photographischen Korrespondenz, Wien, 1872, S. 162.
  9. Ein Exemplar dieses Werkes befindet sich in der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln.
  10. Vintage CA 1900 Postcard AK Germany Hamburg hof brauerknechtgraben auf delcampe.de
  11. o.N.: Ausstellung Altona 1869 Catalog nebst Führer, Hermann Uflacker, Altona, 1869, S. 12 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fdigital.slub-dresden.de%2Fid306729326~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  12. Sie gehören zu den ältesten erhaltenen Fotografien der Stadt. Von diesen im Römer- und Pelizaeus-Museum aufgefunden Werken sind nur zwei signiert, die anderen wurden nicht einmal aufgezogen und sind vermutlich Probeabzüge (Quelle: Hörner)
  13. Frank Heidtmann: Bibliografie der Photographie, Deutschsprachige Publikationen der Jahre 1839-1984, Walter de Gruyter, 1989, S. 570, Nr. 17374
  14. Frank Heidtmann: Bibliografie der Photographie, Deutschsprachige Publikationen der Jahre 1839-1984, Walter de Gruyter, 1989, S. 443, Nr. 13135
  15. Hermann Vogel (Hrsg.): Photographische Mitteilungen, 5. Jg., Louis Gerschel Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1869, S. 239ff., (online).
  16. Dr. E. Hornig (Hrsg.): Photographische Correspondenz, 10. Jg., Wien, 1873, S. 85ff., (online).
  17. Rezension von Roman Bucheli (Bericht Neue Zürcher Zeitung vom 25. Januar 2013): Frühe Fotografien aus Deutschland – Aus dem Mittelalter in die Moderne auf nzz.ch (Mit Fotos von Georg Koppmann)