Georg Neumann

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Georg Neumann (* 13. Oktober 1898 in Chorin; † 30. August 1976 in Berlin) war Unternehmer und Entwickler von elektroakustischen Geräten, insbesondere von Mikrofonen, die Weltruf erlangten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine berufliche Ausbildung erlangte Georg Neumann in Berlin bei Mix & Genest sowie im AEG-Kabelwerk Oberspree unter der Leitung von Eugen Reisz. Als Eugen Reisz danach eine eigene Firma gründete, war Georg Neumann dort als Mitarbeiter tätig.

1923 verwendete der erste Deutsche Rundfunksender in Berlin das bekannte Reisz-Mikrofon im Marmorblock, an dessen Entwicklung Georg Neumann maßgeblich beteiligt gewesen war. Im Jahr 1928 gründete Neumann zusammen mit Erich Rickmann in Berlin die Kommanditgesellschaft Georg Neumann & Co.. Das Firmenziel war, Kondensatormikrofone herzustellen, bei denen die Schallwellen die Membran eines Kondensators zum Schwingen bringen und so wegen dessen Kapazitätsänderungen in ein elektrisches Signal umgewandelt werden können. Erfolgreich wurde das CMV3 auf den Markt gebracht. Ferner wurden Gerätschaften für die Schallplattenindustrie konstruiert.[1]

Zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin bestand die erste Ausführungsform des von Georg Neumann entwickelten und noch heute hergestellten Kondensatormikrofons mit der bekannten M7-Kapsel in Niederfrequenz-Röhrenschaltung seinen ersten „Live-Test“.

Die sogenannte „Neumann-Flasche“ konnte damals schon mit auswechselbaren Kapseln unterschiedlicher Richtcharakteristiken bestückt werden.

Ein Neumann-Mikrofon U87

Eine weitere wichtige Entwicklung gelang Georg Neumann im Jahre 1947. Ein Verfahren, durch das es möglich wurde, Nickel-Cadmium-Akkumulatoren ohne die Abscheidung großer Gasmengen herzustellen und absolut dicht zu verschließen. Diese Erfindung hatte nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Elektronikprodukten. Gleichzeitig entwickelte er auf der Grundlage dieses Prinzips einen Spezialkondensator, die Stabylitzelle. Wegen ihrer hohen Siebwirkung wurde sie lange Zeit bei Röhrenmikrofonen eingesetzt.[2]

Neumann schloss schon nach der Markteinführung des CMV3 einen Vertrag mit Telefunken als Vertriebspartner für den weltweiten Vertrieb seiner Mikrofone. Alle Neumann-Mikrofone für den Export trugen das Telefunken-Logo und eine Telefunken-Seriennummer. Diese Praxis änderte sich erst, als Neumann in den späten 1950er Jahren einen eigenen US-Vertrieb aufbaute. Aufgrund dieses Vertriebs-Deals werden noch heute viele alte Neumann-Mikrofone als Telefunken-Geräte angesehen.[3]

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde die Firma nach Gefell in der Provinz Sachsen verlegt und als kriegswichtig eingestuft. Nach dem Krieg baute Georg Neumann wieder eine Produktion in Berlin auf. Er gründete die Georg Neumann GmbH im Bezirk Kreuzberg und produzierte weiterhin Kondensatormikrofone, hinzu kamen Schallplatten-Schneidemaschinen und große Tonregieanlagen (Mischpulte). Von dort betreute er auch den Betrieb in Thüringen weiter, der aber mit der Gründung der DDR schrittweise verstaatlicht und später in VEB Mikrofontechnik Gefell umbenannt wurde. Sein Einfluss auf die Firma wurde zurückgedrängt und in den 1970er-Jahren ganz verboten. Nach der Wende wurde der Thüringer Betrieb der Georg Neumann Kommanditgesellschaft rückübertragen und nennt sich seit 1990 Microtech Gefell. Sie fühlt sich bei der Produktion von unter anderem Messmikrofonen und klassischen Kondensatormikrofonen auch weiterhin der Neumann-Tradition verpflichtet, stellt aber auch Festkörperlaser her.

In den 1990er-Jahren wurde die Berliner Georg Neumann GmbH von Sennheiser übernommen. Seitdem sitzen die Entwicklung und der Kundendienst im Berliner Bezirk Bezirk Mitte und die Produktion wurde zum Mutterbetrieb in die Gemeinde Wedemark bei Hannover verlegt. Die Neumann-Kondensatormikrofone werden jedoch weiterhin unter dem Namen „Neumann“ produziert. Auch die Regielautsprecher von Klein und Hummel tragen inzwischen das Neumann-Logo.

Am 5. November 2013 wurde auf dem Betriebsgelände der Microtech Gefell das Georg-Neumann-Museum eröffnet. Im Museum sind unter anderem ein Prototyp des Kardioid-Ebenen-Mikrofons KEM 970, ein Versuchsmodell des UM 92 und ein altes CMV5 mit M7-Kapsel zu sehen.[4]

Mikrofone
  • Neumann CMV3 (Neumann-Flasche), erstes Kondensator-Mikrofon in Serie
  • Neumann U47 erstes Studiomikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik
  • Neumann U87 das bis heute am längsten produzierte Kondensatormikrofon

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claus Reuber: Georg Fritz Neumann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 149 f. (Digitalisat).
  • Anselm Roessler: Neumann, the Microphone Company: a story of innovation, excellence and the spirit of audio engineering. Mit CD-Rom; PPVMedien, Bergkirchen 2003, ISBN 3-932275-68-3; 2. aktualisierte Aufl. Bergkirchen 2007.
  • Dirk Sommer: Die Georg Neumann GmbH: The Microphone Company. In: Cai Brockmann, Roland Kraft (Hrsg.): Hifi tunes – das Klassikerbuch. Vorw. und Objektleitung: Roland Kraft, Fotos: Rolf D. Winter. Image-Verl.-GmbH, Gröbenzell 2008, S. 8–23; online auf hifi-tunes.de.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg Neumann GmbH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marmorblock-Mikrofon. Nachrichtentechnische Sammlung am Institut für Nachrichtentechnik, abgerufen am 21. November 2013.
  2. about us history, Georg Neumann. www.neumann.com, abgerufen am 21. November 2013.
  3. Anselm Roessler: Neumann, the Microphone Company: a story of innovation, excellence and the spirit of audio engineering. Mit CD-Rom; PPVMedien, Bergkirchen 2003, S. 36, 70 f.
  4. Eröffnung des Georg-Neumann-Museums in Gefell. www.bondedo.de, abgerufen am 21. November 2013.