Georg von Ehingen

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Georg von Ehingen
Wappen der Familie von Ehingen nach dem Scheiblerschen Wappenbuch
Georg von Ehingen

Georg von Ehingen bzw. Jörg von Ehingen (* 1428 auf Burg Hohenentringen; † 24. Februar 1508, auf Schloss Kilchberg) gehörte dem schwäbischen Adelsgeschlecht der von Ehingen an. Er war ein Reichsritter, Diplomat und Reisender.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg von Ehingen war der Sohn von Rudolf von Ehingen aus dem schwäbischen Adelsgeschlecht der Ehingen und der Agnes von Heimerdingen. Sitz der Ehinger war zunächst Hohenentringen, später Schloss Kilchberg.[1] Dort stiftete der Adelige einen kostbaren Altar, der sich heute im Württembergischen Landesmuseum befindet.[2]

Seit seiner Ausbildung hatte Georg von Ehingen engen Kontakt zu den Habsburgern Nikolaus zu Popplau und Friedrich III. Er stand bis 1483 in seinen Diensten. Er reiste von Hof zu Hof, aus vielen Aufzeichnungen sind seine Reisewege nachzuvollziehen. In den Jahren 1449–1451 beteiligte er sich auf diplomatischen Wegen die spätere Frau Friedrichs, Eleonore von Portugal, an den Hof des späteren Kaisers zu holen.

Von Frühjahr 1440 bis Oktober 1442 befand er sich auf einer Pilgerreise auf Rhodos und Jerusalem, wo er den Ritterschlag zum Ritter vom Heiligen Grab erhielt.[3]

Um 1450 war Georg Erzherzog Albrechts Kämmerer.[4]

Georg von Ehingen wurde Tübinger Obervogt und ein enger Vertrauter des Grafen Eberhard im Bart. Er ließ die Wankheimer Jakobuskirche bauen, nachdem er 1482 Ortsherr von Wankheim geworden war. Seine Frau, die Reutlingerin Anna Ülin, geadelte von Richtenberg, brachte das Geld dazu mit in die Ehe.[5] Nach dem vom König und späteren Kaiser Maximilian I. erzwungenen Regierungsverzicht Herzog Eberhards II. von Württemberg kehrte Georg von Ehingen als Mitglied im Regiment für den unmündigen Nachfolger Ulrich nochmals in das Machtzentrum Württembergs zurück und wurde für die Amtsperioden 1500 und 1501 zum Bundeshauptmann des Schwäbischen Bundes gewählt.

Nach zwei Spanienreisen führte sein Reiseweg 1486/1487 und 1489/1490 nach Russland. Alle Reisen fanden in kaiserlichem Auftrag statt. Reisen nach Kastilien, León, Navarra, Katalonien, Galizien und Portugal waren ihm wichtiger als Compostella. Das Gebiet des südlichen Spaniens um Granada mied er wegen der muslimischen Herrschaft (1492). Auch wollte er in Nordafrika für Portugal kämpfen.

Eine Reise führte ihn nach England an den Königshof.

Er wurde in der Stiftskirche Tübingen beigesetzt, wo sich auch sein Epitaph befindet.

Orden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tübinger Stiftskirche hat sich Georg von Ehingen auch durch die Stiftung eines Glasfensters für das Langhaus mit seinen Orden verewigt.

Er bekam den Salamanderorden von Herzog Albrecht als Ritterorden, den neapolitanischen Orden, den Halbmondorden, gegründet 1448 von Rene von Anjou-Provence, den Orden von der Schuppe oder Schuppenorden, den Schärpenorden, den Kannenorden, als aragonesischen Orden, den Order of the Bath vom englischen König sowie den Schärpenorden verliehen,[6] der 1330 als kastilischer Orden von Alfons XI. gestiftet worden war.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Tochter Agnes (verheiratete von Hirnheim) sind die Eheleute Georg und Anna von Ehingen Großeltern des Eichstätter Bischofs Eberhard II. von Hirnheim (1494–1560) und von dessen Bruder Johann Sebastian von Hirnheim († 1555), Richter am Reichskammergericht.[7][8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. F. von Falkenstein: Ritterbuch, S. 183
  2. Bebilderte Webseite zu dem gestifteten Altar für Schloss Kilchberg
  3. F. von Falkenstein: Ritterbuch, S. 186 ff.
  4. Hans Schadeck: Der Kaiser und seine Stadt. In: Hans Schadek (Hrsgb.): Der Kaiser in seiner Stadt. Maximilian I. und der Reichstag zu Freiburg 1498, Koke Edition Verlag, Freiburg 1998, ISBN 3-933056-64-0, S. 219
  5. Zu Rad auf Ritterspuren: Besitztümer der früheren Ortsherren von Ehingen erkundet.
  6. Klaus Herbers, Nikolas Jaspert: „Das kommt mir Spanisch vor“: Eigenes und fremdes in den deutsch-spanischen Beziehungen des späten Mittelalters, Lit, Berlin, Hamburg, Münster 2004, ISBN 3-8258-8004-4
  7. Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth: Sammlung für Kunde deutscher Vorzeit in allen Beziehungen, Schwäbisch Hall, 1848, S. 34 (S. 2 des 3. Kapitels); Digitalscan
  8. Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Brockhaus Verlag Leipzig, 1831, Zweite Sektion, 8. Teil, S. 385 und 386; Digitalscan

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

chronologisch

  • Josef Seubert: Georg von Ehingen: Ortsherr von Wankheim, 3. Auflage 2013, ISBN 978-3-8423-2942-3
  • Klaus Herbers, Nikolas Jaspert (Hrsg.): „Das kommt mir Spanisch vor“. Eigenes und fremdes in den deutschen und spanischen Beziehungen des späten Mittelalter. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-8004-4.
  • Horst Carl: Der Schwäbische Bund 1488–1534. Landfrieden und Genossenschaft im Übergang vom Spätmittelalter zur Reformation, DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2000, ISBN 3-87181-424-5 (= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde, Band 24), besonders S. 262, 286-288.
  • Georg von Ehingen: Höfling, Ritter, Landvogt. Eine Ausstellung im Winter 1986/87, Städtische Sammlungen Tübingen 1986
  • Hans Jänichen: Ehingen, Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 343 f. (Digitalisat).
  • Wilhelm von HeydEhingen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 695–697.
  • Franz Pfeiffer: Des schwäbischen Ritters Georg von Ehingen Reisen nach der Ritterschaft, Stuttgart 1843 (= Literarischer Verein; Onlineversion als PDF)
  • F. von Falkenstein: Ritterbuch, 1863 (Reprint der Originalausgabe: Reprint-Verlag, Leipzig, 2007)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]