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Georg von Sachsen (1893–1943)

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People's Crown (Germany).svg
Kronprinz Georg von Sachsen
Gemälde von Kronprinz Georg von Sachsen.jpg
Signatur Kronprinz Georg von Sachsen.svg

Kronprinz Georg von Sachsen um 1911

Persönliche Informationen
Name: Prinz, später Kronprinz Georg von Sachsen
Nationalität: Flag of the German Empire.svg Deutsches Kaiserreich
Adelsgeschlecht: Armoiries Saxe.svg Albertinischer Wettiner
Geburtstag: 15. Januar 1893
Geburtsort: Dresden
Sterbedatum: 14. Mai 1943
Sterbeort: Groß Glienicker See bei Berlin

Georg von Sachsen SJ, (vollständiger Name: Friedrich August Georg Ferdinand Albert Carl Anton Paul Marcellus) (* 15. Januar 1893 in Dresden; † 14. Mai 1943 im Groß Glienicker See in der Nähe von Berlin) war der letzte Kronprinz des Königreiches Sachsen und Offizier der sächsischen Armee; zuletzt im Range eines Oberstleutnants.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie in Deutschland 1918 und der Abdankung des Kaisers und seiner Bundesfürsten stellte Georg sein weiteres Leben in den Dienst Gottes und wurde römisch-katholischer Priester und Jesuit. In diesen Eigenschaften setzte er sich bis zu seinem Tode für die Ökumene ein und hielt zahlreiche Predigten. Während der Zeit des Nationalsozialismus und als geschasster Angehöriger eines ehemaligen Königshauses widmete er sich verstärkt der Beratertätigkeit. Darüber hinaus war er im Berliner Una-Sancta-Kreis, einer Art Freidenkerzirkel, tätig und unterhielt Verbindungen zu hochrangigen Persönlichkeiten des Attentats vom 20. Juli 1944.

Im Mai 1943 erlitt Pater Georg während des Schwimmens im Groß-Glienicker See bei Berlin einen Herzanfall, an dessen Folgen er im Alter von 50 Jahren verstarb.

Prinzenjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elternhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg (links) mit seinem Bruder Christian auf einer Fotografie von August Kotzsch, um 1900.

Georg wurde am 15. Januar 1893 als erstes Kind des königlich-sächsischen Prinzen Friedrich August von Sachsen, des späteren Königs Friedrich August III., und dessen Ehefrau Luise von Sachsen, geborene Erzherzogin von Österreich-Toskana, im Taschenbergpalais des königlichen Residenzschlosses Dresden geboren. Die Geburt fand, dem Hofzeremoniell folgend, in Gegenwart des Königspaares und des Hausministers statt, um durch deren Zeugnis Gewissheit zu erlangen, dass das soeben geborene Kind tatsächlich Erbe der Krone werden würde. Georgs Geschwister waren die Prinzen Friedrich Christian und Ernst Heinrich sowie die Prinzessinnen Margarethe, Maria Alix und Anna Monika.

Am Tag nach seiner Geburt wurde der königliche Prinz in der Silbernen Kapelle des Taschenbergpalais durch Bischof Ludwig Wahl auf die Namen Friedrich August GEORG Ferdinand Albert Carl Anton Maria Paulus Marcellus getauft. Das Taufwasser entstammte dem Jordan aus Palästina. Pate des Zeremoniells war Georgs Onkel Johann Georg von Sachsen. Taufzeugen waren unter anderen königlichen Repräsentanten König Albert und dessen Gemahlin Königin Carola sowie die Großeltern, die Kaiserlich und Königlichen Hoheiten Ferdinand IV. von Toskana und Maria Antonia, Prinzessin beider Sizilien.[1]

Kindheit und Erziehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingt durch Staats- und Repräsentationsverpflichtungen fanden Georgs Eltern nur wenig Zeit, sich um ihren Spross zu kümmern. Aus diesem Grund oblag die Erziehung des Prinzen der Gouvernante seiner Mutter Josefine Dallery, einer in Dresden geborenen Französin. Die Vorschulunterrichtung erfolgte ab 1899 durch den Religionslehrer und Hofprediger Georg Kummer (1855–1918), Hofkaplan Eberhard Klein (1850–1931) sowie weitere geistliche Gelehrte. Die als unbeschwert geltende Kindheit Georgs wurde jedoch bald durch elterliche Konflikte getrübt, die im Dezember 1902 schließlich zur Trennung des Paares führte und gut einen Monat später in dessen Scheidung endete.

Insbesondere Georg, der als schüchternes, zartfühlendes und in sich gekehrtes Kind galt und ein inniges Mutter-Sohn-Verhältnis gepflegt hatte, litt unter dem Weggang der Mutter vom sächsischen Königshof sehr, zumal sein Vater jedwede Erinnerung an sie aus dem Alltagsleben der Königskinder verbannte und bei der weiteren Erziehung seiner Kinder einen besonders hohen Wert auf die Vermittlung des christlichen Glaubens und auf eine katholisch geprägte einfache Lebensführung legte. So bestimmte nicht Luxus die Kindheit Georgs, sondern sie war geprägt von Verzicht und Genügsamkeit, wenngleich er die Vorzüge seiner königlichen Abstammung nutzen konnte. So bekam er beispielsweise als Neunjähriger sein erstes Pony geschenkt und aus den Händen seines Großvaters erhielt er eine wertvolle Reliquie des Heiligen Aloisius, Georgs Lieblingsheiligen. Diese Figur bezog er auch in späteren Jahren noch in seine alltäglichen Morgen- und Abendgebete ein. Überhaupt suchte der Prinz bereits frühzeitig oft die Einsamkeit auf, um ungestört beten zu können.[2]

Kronprinzenjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kronprinz Georg nach seinem Eintritt in die Sächsische Armee, um 1905

Mit der Thronbesteigung seines Vaters im Jahre 1904 wurde Georg im Alter von elf Jahren Kronprinz und besuchte ab diesem Zeitpunkt die von seinem Großvater eigens dafür gegründete „Prinzenschule“, die in den Räumlichkeiten des Taschenbergpalais untergebracht und ausschließlich Prinzensöhnen sowie den männlichen Nachkommen von Adligen oder höheren Beamten vorbehalten war. Das Bildungsziel dieser Institution lag in der Vermittlung der Grundsätze von Rechtlichkeit, Pflichttreue und Religiosität, um gottesfürchtige, königstreue und charaktervolle Männer zu erziehen. Die mehrheitlich protestantischen Lehrer wurden hierfür nebenamtlich von Dresdner Gymnasien und von der Kadettenanstalt entsandt. Zu Georgs Klasse gehörten Friedrich Krug von Nidda und von Falkenstein, Werner von Schmieden, der spätere Arzt Helmut Schulze (1892–1917) sowie der gleichnamige Sohn von Victor Alexander von Otto. Nach den Erinnerungen eines ehemaligen Lehrers war Georg ein pflichtbewusstes und gewissenhaftes Kind, der seinen Mitschülern geistig so weit voraus war, sodass seine Arbeiten im Rahmen der Klasse kaum zu benoten waren, ohne den Anschein einer Bevorzugung des Kronprinzen zu erwecken. Parallel zum Unterricht genoss der mittlerweile der Kinderstube entwachsene Georg eine vormilitärische Erziehung, die vom späteren Generalmajor Georg von O’Byrn übernommen wurde, der versuchte, seinen Schützling umfassend auf seine spätere Militärkarriere vorzubereiten.[3]

An seinem 12. Geburtstag, dem 15. Januar 1905, trat Georg unter gleichzeitiger Beförderung zum Leutnant und Verleihung des Hausordens der Rautenkrone der Sächsischen Armee bei. Dort wurde er der 1. Kompanie des Kgl. Sächs. 1. (Leib-)Grenadier-Regiments Nr. 100 mit Sitz auf der heutigen Stauffenbergallee in der Albertstadt zugeteilt, wobei sein Dienst noch analog zur Schulverpflichtung erfolgte. Wenngleich Georgs Vater durch seine Staatsverpflichtungen jetzt kaum noch Zeit für Kinder aufbringen konnte, so fand zumindest Georg dann ab 1906 in der neu an den Hof gekommenen Prinzessin Maria Immacolata von Bourbon-Sizilien (1874–1947), der zweiten Ehefrau des Prinzen Johann von Sachsen, so etwas wie einen mütterlichen Ersatz. Beide sollten zeitlebens eine enge freundschaftliche Beziehung zueinander unterhalten und später unabhängig voneinander den Weg Gottes beschreiten.

Während seiner weiteren Schul- und Militärjahre verfestigten sich Georgs eigene staatspolitische Ansichten, wenngleich er niemals in politischer Verantwortung des Königreiches stehen sollte. So war er ab 1910 regelmäßiger Leser der Zeitschrift Vorwärts, dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei, um als künftiger König über alle Strömungen der Arbeiterschaft informiert zu sein, wobei er den Ideen und Programme der Sozialdemokraten durchaus Positives abgewinnen konnte. Insbesondere, so meinte er, müsse man frühzeitig die Soziale Frage der Arbeiterschaft lösen, um eine künftige gedeihliche Entwicklung zu ermöglichen. Zwei Jahre später, am 9. März 1912, schloss Georg dann mit dem Bestehen der mündlichen Prüfung des Abiturs seine schulische Ausbildung ab.[4]

In den anschließenden Ferien reiste Georg mit der Erlaubnis seines Vaters nach Griechenland. General Adolph von Carlowitz begleitete den Kronprinzen und zeichnete bis zum Kriegsausbruch zusätzlich für dessen militärische Erziehung verantwortlich. Nach seiner Rückkehr nahm Georg bereits erste königliche Repräsentationsaufgaben wahr. Unter anderem besuchte er das städtische Gewerbemuseum in Dresden sowie eine Geigenfabrik in Markneukirchen. Im September des gleichen Jahres bezog er die Königliche Villa in Strehlen und gründete seinen eigenen Hausstand. Hier studierte er in Privatvorlesungen für drei Monate Staatswissenschaft. Zum Beginn des Oktobers 1912 trat er zusammen mit seinem Bruder Friedrich Christian seinen Militärdienst im (Leib-)Grenadier-Regiment Nr. 100 an, wo er zum Gruppen- und Zugführer ausgebildet wurde. Der Eintritt der beiden Prinzen bewirkte für das Regiment eine gehörige Steigerung seines Prestiges, was zu einem erhöhten Zulauf junger Offiziersanwärter führte. Kein junger Mann wollte die Gelegenheit verpassen, mit dem künftigen König von Sachsen im gleichen Regiment gedient zu haben. Ausgefüllt war Georgs Militärzeit mit typischen Drill- und Exerziermärschen. Aber auch Reitunterricht, Schießübungen und diverse Lehrgänge gehörten dazu. Daneben nahm er an zahlreichen Manövern, etwa in der Königsbrücker Heide, teil. Am 20. März 1913 erfolgte seine Beförderung zum Oberleutnant. Ein für ihn ab Sommer 1914 vorgesehenes Studium in Leipzig und Freiburg im Breisgau wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelt, den er, wie viele andere Menschen dieser Zeit auch, euphorisch begrüßte.[5]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1914/15[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ausbruch des Krieges wurde Georg Ordonanzoffizier ohne Kommando bei der 3. Armee unter Generaloberst Freiherr Max von Hausen an der französischen Front. Hier erlebte er, aus den rückwärtigen Gebieten heraus, die Schlachten an der Sambre und Marne. Sein ständiger militärischer Begleiter und Adjutant dieser Zeit war der Hauptmann und spätere Major Graf Vitzthum von Eckstädt. Im Oktober folgte Georgs Ernennung zum Hauptmann. Im gleichen Monat stellte sich bei ihm eine schwere Knie- und Handgelenksentzündung ein, die mehrere Wochen Bettruhe und anschließend eine längere Kur in Wiesbaden erzwang. Mit Beginn der Herbstschlacht in der Champagne 1915 war Georg wieder diensttauglich. Im Wesentlichen beschränkten sich seine Fronttätigkeiten in der Interessenvertretung seines Vaters gegenüber der höheren Generalität. Aber auch Stellungsbesichtigungen, Truppenbesuche bei Angehörigen der sächsischen Regimenter in vorderster Linie sowie Lazarettbesuche gehörten zu seinem Aufgabenrepertoire. Nicht selten geriet er dabei unter Feindbeschuss.[6]

1916[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kronprinz Georg, um 1916

Vom Februar bis April 1916 diente der Kronprinz im 5. Infanterie-Regiment Nr. 104 als Regimentsadjutant. Die ständigen nasskalten Bedingungen führten bei Georg jedoch in der Folge zu immer häufigeren Erkrankungen die mit späteren Jahren arthrotische Beschwerden nach sich zogen und letztlich zur Teilversteifung seiner Wirbelsäule führen sollten. Darüber hinaus litt Georg zu dieser Zeit, hervorgerufen durch unmittelbare Fronteinwirkungen, an einer leichten Art von Kriegsneurose, die sich bei ihm durch starke Nervosität, Unruhe und Todesängste äußerten. Dieses Leiden konnte Georg in einem längeren Kuraufenthalt im Sommer 1916 überwinden. Nach seiner Genesung fand er ab dem 28. Juli Verwendung als Nachrichtenoffizier bei der Heeresgruppe „Gallwitz“. Bei der Schlacht an der Somme diente er in dieser Position als Verbindungsoffizier zwischen Armee- und Korpsstäben sowie zum Großen Hauptquartier. Dazwischen besuchte er im Auftrag des Vaters erneut die sächsischen Truppen an der Westfront und suchte mit diesen das offene Gespräch. Er betete mit diesen, spendete Trost an die Verwundeten und Gasgeschädigten und besuchte die nahe der Front eingerichteten Messen. Hierdurch und durch das unsägliche Leid der Menschen um ihn herum vollzog sich bei Georg ein Wandel im Denken von der militärischen Zweckmäßigkeit hin zu einer Art Wohlfahrtsstellung, die seine Entwicklung zum späteren Priestertum maßgeblich beeinflussen sollte.[7]

1917[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Frühjahr 1917 diente Georg im Generalstab der 4. Armee bei der Heeresgruppe „Kronprinz Rupprecht“, mit Hauptquartier in Cambrai. Unter anderem war dort er mit der Planung und Vorbereitung des Aufbaues der Siegfriedstellung betraut. Am 21. Mai 1917 erfolgte in dieser Stellung seine Beförderung zum jüngsten Major der sächsischen Armee. Als dieser wurde Georg im Juni 1917 zum Bataillonskommandeur des 2. Sächsischen Landwehr-Regiment Nr. 101 ernannt und an die Ostfront kommandiert, wo das Regiment Bestandteil der 46. Landwehr-Division wurde um im Raum Dubatowka an der Wilia im Stellungskampf stand. Die Position als Bataillonsführer bedeutete für Georg als Angehöriger eines Königshauses und potentiellen Thronnachfolgers ein beträchtliches und unkalkulierbares Risiko für Leib und Leben. So verwunderte es kaum, dass Georg bei diesen Kämpfen, angeblich mit dem Rosenkranz in der Hand, mehrmals unter persönlichen Beschuss geriet, wenngleich sich der Gegner seines Gegenübers und seiner Position nicht bewusst gewesen sein dürfte. So erscheint es denn ungewöhnlich, dass Georg genau über diese Zeit in Feldpostbriefen nach Hause von seinen Einsätzen und der überall schwebenden Todesgefahr schwärmte. Im September wurde Georg zum Stab des Königlich-Sächsischen Feldartillerie-Regiments 49 nach Galizien kommandiert, wo er im heutigen ukrainischen Chorostkow nach einer kurze Unterweisung Abteilungskommandeur von vier Batterien wurde. Dessen Einsatz währte jedoch nur kurz, denn schon einen Monat später wurde er vom Königshof in die Heimat zurückgerufen, wo er augenblicklich auf eine Rundreise durch die sächsische Provinzen geschickt wurde, um der sich verschlechternden Moral der Bevölkerung entgegen zu wirken. Nach den mehr oder minder glücklosen Unterfangen übernahm Georg zum 1. Dezember das Kommando über das 5. Infanterie-Regiment Nr. 104, welches sich bei seiner Kommandoübernahme im Raum Smorgon-Krewo in Ruhestellung befand. Die weiteren Kampfhandlungen zwischen deutschen und russischen Verbänden wurden dann infolge der fortgeschrittenen Waffenstillstandsvereinbarungen nur wenige Tage nach Georgs Antritt eingestellt.[8]

1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infolge der weiter vorangetriebenen Friedensverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und Russland, die im März 1918 mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk besiegelt wurden, erfolgte bereits im Februar die Rückführung von Georgs Regiment, mittlerweile der 40. Division unterstellt, an die Westfront. Dort wurde die Division der Armeeabteilung C unterstellt und deren Regimenter konzentrisch im Raum Verdun respektive Metz eingesetzt. Georgs Regiment verteidigte hier den sogenannten „St Mihiel Bogen“. Hier erfolgte am 13. Mai seine letzte Beförderung – die zum Oberstleutnant. Später erfolgte der Einsatz des Regiments im Abschnitt Thieaucourt–Eilirey. Infolge einer schweren Erkrankung seines Vaters wurde Georg hier bald für mehrere Monate vom Frontdienst entbunden. Im Juli kehrte er zurück und übernahm als Kommandeur die 245. (sächsische) Infanterie-Brigade, die in Kämpfe im Raum Reims stand. Ab August erfolgten mit dieser Brigade Stellungskämpfe im Verband der „Maasgruppe-Ost“ nordöstlich von Verdun und später östlich davon im Raum Chaumewald–Soumazannes. Etwa Anfang September 1918 holte ihn sein Vater zur Unterstützung in den Staatsgeschäften dann endgültig nach Dresden zurück.[9]

Revolutionswirren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser entsandte ihn umgehend zum Großen Hauptquartier nach Reims, wo er persönlich bei General Erich Ludendorff vorsprechen sollte, um ihm gegenüber den sächsischen Standpunkt darzulegen, dass ein alsbaldiger Verständigungsfrieden unbedingt erforderlich sei um eine mögliche Revolution noch zu vermeiden. Dort angekommen, hörte Ludendorff den Ausführungen ruhig zu und erwiderte danach gegenüber Georg, dass er es sehr bedauere, dass der sächsische Kronprinz unter die Defätisten gegangen sei, stand auf und verließ ohne ein Wort des Abschiedes den Raum. Georg reiste daraufhin nach Dresden zurück, wo ihm sein Vater umgehend mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauftragte um den im Königreich an Einfluss gewinnenden revolutionären Kräften entgegenzuwirken. Doch auch der von Georg eiligst angestrengte Dialog zwischen Monarchen und gemäßigten Sozialdemokraten bezüglich eines neuen sächsischen Staatsrates führte nicht mehr zum gewünschten Erfolg.

Die mit dem Kieler Matrosenaufstand ihren Ausgang nehmende Novemberrevolution griff in nur wenigen Tagen auf das gesamte Reich über und führte letztlich zur Abdankung des Kaisers Wilhelm II. und seiner Bundesfürsten, was gleichsam den Zusammenbruch des deutschen Monarchismus bedeutete. Im Zuge dieser Ereignisse sah sich Georgs Vater am Abend des 8. November gezwungen, die sächsische Residenzhauptstadt zu verlassen. Nach seiner Abreise bemächtigte sich ein Arbeiter- und Soldatenrat der gesetzgebenden und vollziehenden Gewalt in Dresden, proklamierte die Absetzung des Königs und erzwang von diesem am 13. November auf Schloss Guteborn eine entsprechende Abdankungsurkunde zu unterzeichnen. In dieser erklärte der ehemalige König seinen Thronverzicht, jedoch nicht die seiner Nachkommen, um im Falle einer Wiederherstellung der monarchischen Staatsform, die legitime Thronbesteigung der Wettiner zu ermöglichen. Georg hatten zwischenzeitlich bei der Familie von Harry von Vietinghoff (1860–1932) im Schloss Neschwitz nördlich von Bautzen Unterschlupf gefunden, wo er anfangs mit sich und den Schicksal seines Vaters haderte. Die Bitte eines Staatsmannes, es seinem Vater doch gleich zu tun und seinen Thronverzicht zu erklären um einer möglichen Ausweisung zu begegnen, antwortete Georg barsch „Ich will immer ein Staatsmann sein, der es ernst mit seinen Pflichten nimmt, aber ein inneres von Gott geknüpftes Band vermag ich nicht zu zerreißen!“[10]

Wandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Rosenthaler Wallfahrtskirche erklärte Georg im Winter 1918 vor der Heiligen Mutter Gottes, sein weiteres Leben ausschließlich in den Dienste des Herrn zu stellen.

In der dörflichen Abgeschiedenheit der Oberlausitzer Dörfer legte sich Georgs Groll über den Untergang der Monarchie und der Verlust der Königskrone seines Vaters rasch. Entbunden von allen staatsmännischen und militärischen Verpflichtungen fühlte sich der Noch-Kronprinz in seinen täglichen Gebeten „freier werdend für Gott“, wie er rückblickend seine durchlebte Wandlung beschrieb. So kam es denn auch, dass er bei einer dieser Andachten in der Wallfahrtskirche zu Rosenthal gegenüber der Heiligen Mutter Gottes erklärte, auf Krone und Besitz zu verzichten und stattdessen sein weiteres Leben ganz dem Dienste der Kirche und des Herrn widmen zu wollen.

Georgs kirchliches Bekenntnis im sächsischen Königshaus war keineswegs neu. Schon sein Onkel Maximilian von Sachsen hatte um die Jahrhundertwende den Weg Gottes beschritten. So begeisterte sich auch Georg, der bereits seit dem 15. Januar 1918 – seinem 25. Geburtstag – dem Dritten Orden der Franziskaner als Terziarier unter dem Ordensnamen Ludwig angehörte und in frühen Kindheitsjahren gegenüber seiner Familie bereits den Wunsch geäußert hatte, einmal Priester werden zu wollen, was im Hinblick auf seine künftige Rolle als König jedoch niemals ernsthaft in Erwägung gezogen werden konnte, für diese Art von Gedanken neu.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vordringlich stellte sich aber für Georg zunächst die weltliche Frage, wie es um seine Person weitergehen sollte. Eine Fortsetzung seiner Offizierslaufbahn oder eine Stelle im Staatsdienst schieden für ihn als ehemals königlichen Repräsentanten aus. So entschied sich Georg für ein Studium an der Universität Breslau, wo er in die Studiengänge Nationalökonomie und im Hinblick auf seine christlichen Ambitionen Kirchengeschichte und Apologetik belegte. Dort wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung Winfridia. Unterkunft fand er während dieser Zeit beim Grafen Nikolaus von Ballestrem. Eine weitere Stufe auf den Weg zum Priestertum nahm Georg hier am 2. Februar 1919 in der Antoniuskirche zu Carlowitz, wo er sein Ordensgelübde ablegen durfte. Die folgende Fastenzeit verlebte der Kronprinz zusammen mit seinem Bruder Friedrich Christian in Rom, wo er bei den Grauen Schwestern in der Via dell'Olmata wohnte und jeden Morgen die heilige Messe besuchte.[11]

Im Juni des gleichen Jahres offenbarte er gegenüber seiner Schwester Maria Alix, dass er nun fest entschlossen sei, Priester zu werden. Endgültige Bestätigung fand Georg schließlich bei seinem Seelenführer Pater Raimundus Dreiling (1879–1956), welcher ihn darin bestärkte, nun endlich seinem Herzenswunsch zu folgen. Georg war sich jedoch auch darüber in klaren, dass es hierzu einiges an Überredungskünsten gegenüber seinem skeptisch eingestellten Vater bedürfen würde. Genanntes Vater-Sohn-Gespräch fand am 3. September 1919 statt. Entgegen Georgs Befürchtung, es könne zum familiären Konflikt kommen, bewahrheitete sich nicht. Georgs Vater hörte den Ausführungen seines Sohns in Ruhe und Gleichmut zu und erbat sich anschließend Bedenkzeit. Am 8. September gab er Georg zu dessen Vorhaben unter vier Bedingungen sein Segen. Georg solle in der Familie bleiben, auf seine Rechte als Erstgeborener verzichten, sich als Priester einem Bischoff unterstellen und keinesfalls Jesuit werden. Georg stimmte den drei erstgenannten Punkten vorbehaltlos zu, letzteren wöllte er mit ihm erneut besprechen, wenn dies an der Zeit wäre.[12]

Seinem Ziel folgend besuchte Georg fortan Vorlesungen in Philosophie und Kirchrecht – ab dem Wintersemester 1919/1920 dann an der Universität Tübingen wo er sich der katholischen Studentenverbindung Guestfalia anschloss – um sich für ein künftiges Theologiestudium das nötige Wissen anzueignen. Am 22. Oktober 1919 ereilte ihm hier die Nachricht, dass Papst Benedikt XV. seinem Wunsche Priester zu werden, den Segen erteilt hatte. Die nunmehr öffentliche Bekanntgabe stieß bei den Anhängern der Monarchie, aber auch bei der katholischen Kirche auf erhebliche Bedenken. So waren Bischof Franz Löbmann (Apostolischer Vikar von Sachsen und Apostolischer Präfekt der Lausitz) und der Breslauer Erzbischof Adolf Kardinal Bertram anfangs noch der Auffassung, dass Kronprinz Georg weiterhin in der politischen Verantwortung für Sachsen stehen sollte. Georg hielt jedoch eine Wiederkehr monarchischer Verhältnisse für ausgeschlossen und hielt an seinem Entschluss fest. Ab Oktober 1920 studierte er an der Universität in Freiburg am Breisgau Theologie, dass er im Herbst 1923 mit Bestehen des Abschlussexamens erfolgreich beendete. Dort war er gleichfalls Mitglied der katholischen Studentenverbindung Hohenstaufen gewesen[13]

Priesterweihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es folgten die letzten Schritte zum Priestertum. Am 20. September erhielt Georg seine Tonsur, am 29. September folgten die Niederen Weihen und ab Oktober nahm er ein Priesterseminar in St. Peter im Schwarzwald auf. Dort lebte Georg in einem äußert kärglichen Zimmer. Aufgrund der herrschenden inflationären Krise war die Ernährung der dortigen Priesteranwärter derart mangelhaft, dass der Regens sich genötigt sah, seinen Schützlingen zu erlauben sich Nahrung von zu Hause zuschicken zu lassen. Georg bat daher bei seiner Tante Maria, die selber kaum etwas hatte, um entsprechende Gaben, die er mit noch Ärmeren seiner Gruppe teilte. Georg betrachtete dieses schwere Jahr als Jahr der Prüfung Gottes und Bestätigung den wahrhaften Weg eingeschlagen zu haben.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Seminars erhielt er am 15. März 1924 seine Subdiakonatsweihe, der eine Woche später die Diakonatsweihe folgte. Am 15. Juli 1924, dem 900. Todestag des heiligen Kaiser Heinrich II, empfing Georg am Grab der heiligen Herzogin Hedwig von Andechs in Trebnitz (Schlesien) durch Bischof Christian Schreiber von Meißen die Priesterweihe.[14]

Priesterjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufnahme in die Gesellschaft Jesu[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Schloss Sybillenort, dem Wohnsitz seines Vaters, feierte Pater Georg sein erstes Messopfer, Aufnahme 1932

Als solcher feierte Pater Georg am Tag darauf, dem Feste der Muttergottes von Berge Karmel, im Schloss Sibyllenort, dem Wohnort seines Vaters, sein erstes Messopfer; Primizprediger war sein Onkel Max von Sachsen. Georgs Vater war vom Zeremoniell seines ältesten Sohnes ergriffen und erhielt aus dessen Händen zum Abschluss der Feierlichkeiten die heiligen Kommunion. Nach seiner Weihe wirkte Georg als Aushilfspriester in seinem Heimat-Bistum Meißen. Mitte August 1924 zelebrierte er erstmals in der Hofkirche in Dresden. Etwa zu dieser Zeit entschied sich Georg, entgegen des ausdrücklichen Wunsches seines Vaters, Jesuit zu werden. Bischof Schreiber, der ihn gerne in seiner Diözese gehalten hätte, zeigte sich hierüber enttäuscht, stellte sich aber Georgs Entschluss nicht in den Weg. Wie Georg es versprochen hatte, unterrichtete er seinen Vater hierüber und bat ihm um Erlaubnis. Dieser lehnte zunächst ab, gab aber schließlich nach einem neuerlichen Treffen am 28. August 1924 hierfür sein Einverständnis.

Daraufhin ging Pater Georg ab Oktober 1924 zum Weiterstudium im jesuitischen Canisianum in Innsbruck um das Ordensleben aus unmittelbarer Nähe zu erleben. Zu Ostern 1925 weilte er in Rom und bat in Demut bei einer Privataudienz vor Papst Pius XI. sowie beim Ordensgeneral um die Aufnahme in die Gesellschaft Jesu, deren Zusage Pater Georg für die Ostdeutsche Jesuitenprovinz, zu der seine sächsische Heimat gehörte, erhielt. Am 10. Juli folgte seine Zulassung zum Ordenseintritt und am 15. September 1925 trat er in Tisis in das Novizitat ein. Nach dem mehrtägigen Zeremoniell folgte Pater Georgs Einkleidung. Damit war sein langer Weg zum Ordensberuf vollendet.[15]

Exerzitien und Ökumenearbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1927/28 folgten philosophische Studien in Pullach bei München. Ab Sommer 1929 nahm Pater Georg dann ein zweijähriges Ordensstudium im jesuitischen Studienkolleg in Valkenburg (Niederlande) auf, nach dessen Abschluss er ab Sommer 1930 für die nächsten zwei Jahre im schlesischen Mittelsteine (Grafschaft Glatz) predigte. Im Februar 1932 überraschte ihn auf der Rückreise von einem Vortrag im Wien die Nachricht, dass sein Vater einen Schlaganfall erlitten hätte und es ihm sehr schlecht ginge. Pater Georg reiste daraufhin unverzüglich zum Schloss nach Sibyllenort ab. Als er dort eintraf, war sein Vater bereits verstorben. Bei den anschließenden Trauerfeierlichkeiten in Dresden, bei denen etwa eine halbe Million Menschen zugegen waren, wurde Georg mit großer Freude und Herzlichkeit vom seinen Landeskindern empfangen. Doch eine politische Verantwortung ihnen gegenüber lehnte er weiterhin ab. So trat Pater Georg dann am 29. September 1932 in die zweiten und damit letzten großen Exerzitien in St. Andrä (Kärnten) ein.[16]

Im Jahr darauf erfolgte seine Versetzung nach Berlin, wo er sich vornehmlich der Seelsorge widmete und maßgeblich an der dortigen Errichtung der Ordensniederlassung des Canisius-Kolleg mit dem katholischen „Gymnasium am Lietzensee“ beteiligt war. Dem Nationalsozialismus mit dessen Ansichten und Wertevorstellungen stand Pater Georg ablehnend gegenüber. Insbesondere war es ihm schwer erträglich, dass die NSDAP und deren staatlichen Machthaber wesentliche, ihn persönlich prägende Werte – die monarchischen und dynastischen Traditionen in Sachsen und die christlich-abendländischen Grundlagen – zu diffamieren und zerstören suchten. Insofern fühlte er sich zum einen in seiner Familienehre gekränkt, zum anderen sah er sich in seinem Wirken als Seelsorger erheblich behindert. Durch die erheblich zunehmenden antisemitischen und antichristlichen Strömungen im Lande, dachte er deswegen sogar kurzzeitig daran aus Deutschland zu emigrieren; entschied sich dann aber aus humanitären Verpflichtungen dagegen. Aber auch von der Gegenseite wurde Pater Georg als Mitglied eines abgedankten Königshauses, als katholischer Priester und als Angehöriger des Jesuitenordens als suspektes Objekt betrachtet, was künftiges Spannungspotential herbeiführen sollte.

Zunächst aber einmal führte Pater Georgs Weg ihn im Frühjahr 1933 nach Budapest, später nach Wien und Genf wo er praktisch die gesamte Fastenzeit mit Beten verbrachte. Etwa um die gleiche Zeit machten sich bei ihm die ersten Anzeichen einer beginnenden Arthritis im Rücken bemerkbar. Im Herbst des gleichen Jahres hielt er Vorträge in Schweden. In den nächsten Jahren hielt Pater Georg weitere umfangreichen Exerzitien- und Vortragstätigkeiten in ganz Deutschland; insbesondere gern an der Dresdner Diaspora. Dabei setzte er sich verstärkt für die Ökumene – der Verständigung zwischen katholischer und evangelischer Kirche ein.

Bei seinen weiteren internationalen Reisen konnte Pater Georg auf seine linguistische Begabung zurückgreifen. Neben seiner Muttersprache sprach er fließend französisch, italienisch, spanisch, englisch, polnisch und tschechisch was ihm erlaubte, seine Predigten zumeist in der Sprache des Gastlandes zu halten. Sommer 1936 brach er dann zu einer mehrmonatigen Orientreise auf, die Pater Georg nach Jerusalem, Haifa, Beirut, Alexandrien, Kairo und Galiläa brachte, wo er weitere Exerzitien gab. In Rom durfte er noch einmal beim Papst vorsprechen. Alles in allem war Pater Georg jedoch ab Mitte der dreißiger Jahre bodenständig und in Berlin heimisch geworden. Trotz widmete sich er sich nun hauptsächlich der Betreuung der katholischen weiblichen Vereine und war in der Mütterseelsorge tätig. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wollte Pater Georg eigentlich Feldseelsorger werden. Doch seine Arthritis im Rücken, zu der sich auch noch schmerzhafte Entzündungen eingestellt hatten war inzwischen soweit fortgeschritten, dass er hierzu nicht mehr tauglich war.

Doch auch so war Pater Georgs Dienst ausgefüllt. Die vielseitigen Aufgaben aber auch die zunehmenden Fliegerangriffe auf Berlin ab 1940 führten jedoch bei ihn zur allmählichen Erschöpfung und verschlimmerten seine körperlichen Gebrechen Zunehmens. So war Pater Georg nun des Öfteren dazu gezwungen, Erholung zu suchen, die er zumeist bei seiner Tante Maria Immaculata in Freiburg fand. Auch zu dem in der Nachbarschaft wohnenden Schriftsteller Reinhold Schneider unterhielt Pater Georg freundschaftliche Beziehungen.[17]

Berliner Una-Sancta Kreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere war Pater Georg im Berliner Una-Sancta-Kreis aktiv. Dieser war um 1936 vom Pfarrer Paul Pietryga (1880–1945) gegründet worden und umfasste circa 30 Mitglieder. Darunter auf katholischer Seite der Generalleiter der Christkönigsgesellschaft Max Josef Metzger, Prior Aurelius Arkenau, Domvikar Wilhelm Wagner (1909–1944) und auf evangelischer Seite der Herausgeber der Zeitschrift „Jungen Kirche“ Hans Asmussen sowie andere kirchliche Persönlichkeiten wie Hanns Lilje. Der Una-Sancta Kreis verstand sich im weitesten Sinne als Hort geistiger und geistlicher Unabhängigkeit, umgeben vom totalitären Überwachungsapparat des NS-Regimes, in welchem Menschen verschiedener Konfessionen zusammenfinden konnten um miteinander frei sprechen zu können. Die vertraulichen Zusammenkünfte erfolgten in der Regel in Privatwohnungen, wurden durch verschiedene Vorträge eingeleitet und im gemeinsamen Gebet beendet. Hierbei sprach Pater Georg vor Vertretern beider Bekenntnisse unter anderem davon, dass die Zeit gekommen wäre, die religiösen Gräben zwischen Rom und Wittenberg im Angesicht der zunehmenden Zerstörung Deutschlands zu überwinden. Bei anderer Gelegenheit sprach Pater Georg davon, die Kirchenspaltung zu überbrücken indem man die Vergangenheit loslassen müsse, um über alles Trennende hinweg sich dem Neuen, Höheren und Übergreifenden gemeinsam zuzuwenden hätte. Ein Großteil der Mitglieder des Berliner Una-Sancta Kreises wurde bis 1945 von den nationalsozialistischen Machthabern ermordet.[18]

Helfer- und Beratertätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pater Georg unterhielt, bedingt durch seine kirchliche Arbeit und als Oberstleutnant a.D., bereits lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weitreichende und verzweigte Beziehungen zu vatikanischen, fürstlichen, diplomatischen aber auch zu militärisch-oppositionellen Kreisen, weshalb er in der Folge immer wieder durch die Gestapo überwacht, verhört und seine Ordenswohnung, die nicht mehr aus einem Feldbett, einem Schreibtisch und einem Schrank bestand, mehrfach durchsucht wurde. Dies ging sogar dann soweit, dass Pater Georg sich gezwungen war, in die Villa seines Freundes Georg Herzog zu Mecklenburg überzusiedeln um sich den Zugriff der Staatsmacht zu verstecken. Weder aber ließ sich der Pater dadurch in seiner apostolischen Arbeit noch in seiner Beratertätigkeit einschränken.[19]

Zu genannten elitären Kreis zählte auch das höhere Offizierskorps um General Friedrich Olbricht als eine der zentralen Schlüsselfiguren des Widerstandes vom 20. Juli 1944, mit dem er seit mindestens 1940 im persönlichen und brieflichen Kontakt stand. Diesbezügliche Korrespondenz wurde über Georg Alexander, dem Sohn von Pater Georgs Freund Georg Herzog zu Mecklenburg abgewickelt. Als gesichert gilt ebenfalls Pater Georgs Verbindung zum Stadtkommandanten von Berlin General Paul von Hase sowie zum Botschafter Ulrich von Hassell. Darüber hinaus pflegte er über die Frau von Franz Halder Kontakte zum Generaloberst. Ob und inwieweit Pater Georg aber in irgendwelche Vorbereitungen zum Attentat involviert war oder ob er überhaupt in Kenntnis davon hatte, bedarf noch der weiteren Forschung. Die politischen Aktivitäten im Land hingegen erörterte Pater Georg regelmäßig gegenüber dem Apostolischen Nuntius Cesare Orsenigo. Obgleich Pater Georg im Fadenkreuz von Polizei und Geheimdienst stand, kam es zu keiner Verhaftung. Er befürchtete jedoch, so seine mehrmaligen Aussagen gegenüber Ordensbrüdern, eines Tages verschleppt und umgebracht zu werden.[20]

Tod und Beisetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Neuen Gruft der Katholischen Hofkirche in Dresden fand Georg von Sachsen seine letzte Ruhestätte.

Am Vormittag des 14. Mai 1943 gegen 8:00 Uhr fuhr Pater Georg von seiner Ordenswohnung auf der Neuen Kantstraße zum Groß Glienicker See um zu schwimmen, was ihm von ärztlicher Seite wegen seines Rückenleidens angeraten worden war. An diesem Tag herrschten Temperaturen jenseits von 36° Grad Hitze. Außerdem wollte er eine Predigt ausarbeiten. Als er am späten Nachmittag und auch am Morgen des Folgetages nicht erschien, verständigten seine Ordensbrüder die Wasserschutzpolizei, welche den See sechs Stunden lang mit Suchleinen abfuhr. Jedoch wurden nur die von Pater Georg abgelegten Kleider in einer nahen Badehütte gefunden. Schließlich wurde sogar ein Taucher angefordert. Die Suche blieb jedoch erfolglos. In der Zwischenzeit hatten sich die Geschwister Pater Georgs, Friedrich Christian, Ernst Heinrich sowie dessen Schwester Maria am Unglücksort eingefunden, um sich bei der Suche nach den Vermissten zu beteiligen. Erfolglos. Erst drei Wochen später, am 5. Juni, wurde Pater Georgs Leiche von Ordensbrüdern im dichten Schilf treibend gefunden. Nach Verständigung der Kriminalpolizei wurde der äußerlich unverletzte Leichnam zum Westend-Krankenhaus verbracht, wo die Pathologen Walter Koch (1880–1962) und Alexander Leo Christian von Damaris (1881–1945) als Todesursache Herzversagen ermittelten. Hinweise auf ein mögliches Gewaltverbrechen ergaben sich laut dem Obduktionsbericht nicht; gleichwohl sein Bruder Ernst Heinrich noch lange Zeit dies anzweifelte und von einem Auftragsmord durch die Gestapo sprach. Aus diesem Grund auch, hat der kirchliche Orden sowohl vor, als auch nach 1945 keine eigenen Ermittlungen eingeleitet.[21]

So wurde Pater Georgs Leichnam am 6. Juni eingesegnet, nach Dresden überführt wo er in der Silbernen Kapelle aufgebahrt und schließlich am 16. Juni 1943 in der Neuen Gruft der Wettiner in der Katholischen Hofkirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt wurde. Das NS-Regime hatte hierzu verfügt, dass die dortigen Anwesenden ausschließlich in Zivil und nicht Uniformiert zu erscheinen hätten. Damit nicht genug. Eine weitere Demütigung des Gedenkens Pater Georgs erfolgte noch, als die auf seinem Sarge ruhende silberne Königskrone durch Polizeibeamte konfisziert wurde.[22]

Genealogie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[23]
• Hausorden der Rautenkrone 15. Januar 1905
Roter Adlerorden 1908
Schwarzer Adlerorden 1909
• Großkreuz zum Hausorden vom Weißen Falken vor 1913
Hubertusorden vor 1913
Hausorden der Treue vor 1913
• Großkreuz zum Orden Berthold des Ersten vor 1913
Orden vom Goldenen Vlies vor 1914
• Großkreuz zum Erlöser-Orden vor 1914
Montenegrinischer Unabhängigkeits-Orden vor 1914
• Großkreuz zum Oldenburgischen Haus- und Verdienstorden vor 1914
Königlicher Hausorden von Hohenzollern (I. Klasse) vor 1914
• Großkreuz zum Hausorden der Wendischen Krone vor 1914
Eisernes Kreuz (II. Klasse) September 1914
• Ritterkreuz zum Albrechts-Orden (II. Klasse) 21. Septenber 1914
Bayerische Militärverdienstorden (IV. Klasse) 22. November 1914
Eisernes Kreuz (I. Klasse) Frühjahr 1915
Reußisches Ehrenkreuz (III. Klasse) 22. April 1915
• Ritterkreuz zum Militär-St.-Heinrichs-Orden 30. August 1916

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • P. Georg, 15. Januar 1893–1943, Typoskript (Lebenserinnerungen)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Internationales Biographisches Archiv 38/1946, 9. September 1946.
  • Clemens Brodkorb, Christoph Kentrup: Georg von Sachsen. Kronprinz – Priester – Jesuit. 2. Auflage. Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2004, ISBN 3-929413-86-8.
  • Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, ohne ISBN
  • Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ. Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, ISBN 3-929413-97-3.
  • Rainer Kubatzki/Hans Eggert: Ein König auf gut Sächsisch. Friedrich August III., Briefe, Bilder. Testamente. Ein Lesebuch. Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland, Meißen 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georg von Sachsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 9.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 8.
  2. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 11–23.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 9 f., 14 f.
  3. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 23 f.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 11–13.
  4. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 24, 41.
  5. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 25–34; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Paderborn 1955, S. 16, 23.
  6. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 35 f.
  7. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 36 f.
  8. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 35–38.
  9. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 38 f.
  10. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 43–45.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 26.
  11. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 46–51; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 27–32.
  12. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 52 f.
  13. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 54–56.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 33 ff.
  14. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 57f; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 34 f.
  15. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 58–61.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 38–43.
  16. Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 44f; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 45 f.
  17. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 62–75.; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 46, 54–56., 61–63
  18. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 76–80; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 57–60.
  19. Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 64 f.
  20. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 81f; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 65.
  21. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 83–85; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 67–69.
  22. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 86; Elisabeth von Schönau: Vom Thron zum Altar. Georg Kronprinz von Sachsen, Ferdinand Schöningh Padeborn 1955, S. 69 f.
  23. Johannes Sembdner: Georg von Sachsen. Kronprinz – Oberstleutnant – Tertiarier – Pater SJ, Verlag F. W. Cordier, Heiligenstadt 2006, S. 39.
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